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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-07 · Heft 14 (7.4.1893) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
Seite 167 (sequence 11)
Language
German
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167 iniel selbst >t". Da erschlossen ) Daniel, kommen, cke geklagt Noch geht rangt zur ein; den» gesprochen, eS«— auf- und wie dem > breithin und nt» und dick, . „Mein thnt miist, weiß Gedanken er Stelle Geschlecht, nirg sitzt, wie seit nche Gut :t, „denn für eines heln einzewaltige aben; sie teilte sich ■ Glems, ans des rdig und Anfentraus — Logel in Hauses. >aar hat r wilden r Gabril vielleicht e", denn »nn sein denn cs iraucht's Gabril's nach der anderen Seite zu schauen, und doch steht auch dort ein Gebäude, das in seiner Art sehenswerth ist. Frauen und Kinder aus dem Dorfe finden schon ihren Weg zu dem „Judenhüusle", denn seine Besitzerin versorgt sie mit Band und Zwirn und all' den vielen Kleinigkeiten, die man immer benöthigt. Mit dem windschiefen Dache und dem wackeligen Zaun um das Gemiisegärtlein steht das Judenhausle da, wie recht bescheiden in sich zusammengeduckt vor der Pracht und Größe des Schwaderer-Besttzes, ja, seine kleinen Fensteraugen scheinen mit ihrem Blitzen dem Gegenüber Zusagen: Du, laß mich da, duld' mich nur, ich bin die Hütte und Du bist der Palast, und es muß ja freilich Beides geben! Das Erdgeschoß nimmt der kleine Kramladen fast völlig ein, nur eine Herdstelle ist da noch und ein Art Berschlnpf; zli dem Obergeschoß führt die Stiege von außen hinauf, eine holzbedeckte sogar, und das macht sich ganz wunderlich und absonderlich. Das Häuslein hat aber schon länger wie Menschengedenken gestanden und so haben sich die Dörfler nach und nach daran gewöhnt, und weil die alte Sarah nun auch schon ein halbes Lebensalter ihre Nadeln und Nägel, Bänder und Knöpfe darin verkauft, auch an die. — Es ist an einen Sonnabend-Abend im Frühjahr. Tagsüber hat die Sonne schon recht warm geschienen, aber die Schwaderer-Bäuerin hat doch noch einfeuern lassen. „Ein behagliches Ofeneck, das kann schon ein Mensch verlangen — feuer' nur, feuern thut in dieser Zeit noch gut!" hat sie der zweiten Magd geboten, und nun sitzt sie in einem weichen Stuhle und hat eine graue Katze auf dem Schooße und streichelt sie. Sie ist eine hagere, blasse Frau mit pechschwarzem Haar und etwas fieberisch glänzenden braunen Angen; es fröstelt sie immer leicht, und eigentlich ist sie nie recht gesund gewesen, seit sie drüben in der Speyrcr Kirche dem Gabriel Schwaderer gelobt hat, ein braves und getreues Eheweib zu sein.! Sie hat sich aber an das „Niegesundsein" gewöhnt, tvie Andere; an sietes Wohlsein, und kann sie auch nicht schassen wie völlig j rüstige Frauen, so ist sie doch eine gute Bäuerin und sieht scharf j im ganzen Haus nach dem Rechten, und für die auswärtigen Gej schäfte, die in Feld und Weingütern, hat sie ihr Binele, die erste Magd, welche kurz nach ihr auf's Schwaderergut gekommen ist und un ganzen Strohgäu bekannt ist als die rechtschaffenste und treueste Dienerin, die je gefunden werden kann. Die große Stube, in welcher die Schwaderer-Bäuerin sitzt, hat neben dem modischen Sopha und weichen Polsterstühlen noch alte große Eichentische, Bänke und Holzstühle, so daß sich äußerlich mit sein Gesinde auch ein Unterschied machen läßt. Eine Standuhr tickt überlaut und zwei andere Schwarzwäldcr schnarren dazwischen und nie kommt ein Takt heraus, aber das füllt nicht einmal der kranken Frau auf die Nerven, viel weniger den Gesunden im Hanse. Bibeln und Gesangbücher liegen auf einem Brett neben dem Ofen und große Leuchter stehen dabei, die nie angezündet werden, ne mögen einmal in einer Kirche gedient haben, und sind vom Gabril nur geachtet, weil sie von seinem Urgroßvater stammen sollen. Die große Uhr hakt mit Geräusch zum Bollschlagen aus, die kleinen thnn es in unregelmäßigen Pausen ihr nach und die Bäuerin stigt in die Luft oder zu ihrer Katze: „Da sind sie nun Alle wieder im Hans herum und keins will io recht einen Samstag Abend respektiren lernen — und der ist doch Ke best' Vorfeier für den Sonntag — da soll Eins sich mmmeln!" Aber sie hat das noch nicht völlig ausgeredet, so öffnet sich sie Thür und der Bauer tritt ein. „Grüß Gott und einen guten Abend dazu, Weib!" sagte er und hängt seine Mütze an einen Nagel. Er ist kaum von mittlerer Größe, aber gar stattlich, hat braune, noch volle Haare und gutblickende graue Augen, Lebenslust und Offenheit schauen aus seinem Gesicht. Rösle nickt und streicht das Thier zärtlicher, ihr Gabril, der vergißt ihre Samstagstimmung nicht, aber die Andern! „Gelt, da ist's gut warm?" fragt sie und setzt dann rasch hinzu: „Da sollt Jeder sich ein Gut's thun, 's ist Abends noch arg luftig." Ein leiser Druck auf den Thürgriff und die erste Magd kommt über die Schwelle, Binele — das ernsthafte Jaköbine wird wohl nur einmal auf ihrem Grabstein zu lesen sein, für den sie sich eine wohlersparte Summe hingelegt hat — denn ein ordentlicher Gedenkstein mit dem Namen und einem Bibelsprüche, das ist das ehrgeizige Ziel ihres ganzen Lebens. „Die Wärm', die thut aber einmal gut!" sagt Binele, ohne die Anrede der Bäuerin abzuwarten; denn in dreißig Jahren hat sie nachgerade deren Art kennen gelernt. Sie ist eine unscheinbare, kleine Person, hat flachsfarbene Haare und helle ausdruckslose Augen, die noch dazu kugelrund sind. Wenn sie dieselben niederschlügt, so liegen die weißen Wimpern wie ein heller Streifen über den fahlen Wangen. Der Mund ist hohl, weil er früh zahnlos geworden, und die Nase dick und ein toenig nach oben gekehrt. Binele selber hat aber wohl nie darüber nachgedacht, ob sie hübsch oder häßlich ist, und iin Schwaderer-Haus gilt sie als die Bravste der Braven — und das ist für einen rechtschaffenen Menschen genug. Die Frau uickte ihr zu, streichelte ihr „Mäusle", wie die Katze wunderlicher Weise heißt, und sagt: „Das Haunele freilich, das hat keine Stetigkeit und denkt nimmer, das; Montags auch noch ein Tag ist." Aber da ist mit Geräusch auch die schon drinnen, eine dralle Dirne, rothbackig und vollhüftig, die sich wie ein Kreisel bei der Arbeit und dem Tanze dreht. „O, Frau," ruft sie, „Ihr habt getviß ein' Zorn, daß i zu arg g'feuert Hab?" Tenn ihr selber ist das Blut heiß zum Kopf gedrungen. „Allweil nit," antwortete die Bäuerin und hat ein Gefühl der Genugthnung, daß sic nun nicht mehr allein Samstagsruhe halt. „Sitzt daher, wird Euch wohl thun." Der Bauer tritt zum Fenster, vor dem der Eichbaum seine noch blätterlosen Aeste und Zweige in die Luft reckt, und trommelt ein wenig ungeduldig gegen die Scheiben und denkt: Mit dem Dörtle hat sie Geduld, das kann kommen tvaun's will, dem ist halt nimmer ein' Zeit gesetzt. Aber er lächelt dabei, er weiß ja selber zu gut, wie weit seine Geduld mit dem Kinde reicht — höher, weit höher hinauf, wie die Eiche da. Und wie er sich umwendet, lacht er über's ganze Gesicht, denn das Dörtle steht im Gemach, und obwohl»dämmert von Außen, so ist's doch licht innen, und das geht von dem Mädchen aus, könnt cs Einem dünchten. Schlank ist's Dörtle und seine achtzehn Jahre müssen ihm bis jetzt nur eitel Freude gebracht haben, denn die schaut aus seinen heiteren, blauen Augen und von seiner sorglosen Stirn und den rotheu Wangen, dem volle» frischen Munde, und das Haar erst! Das ist, als seien die feinsten Goldfäden über das bewegliche Köpfchen gesponnen, das sich auf dem weißen Halse dreht. „Da bist!" sagt die Bäuerin und streicht statt der Katze jetzt das goldblonde Haar, „da bist ja auch, Dörtle!" „Freilich, Mütterle — leibhaftig bi» i's schon!" ruft das Mädchen und nickt dem Vater dabei zu und dann trifft noch ein Schein von Lächeln das fahle Gesicht Binele». „Und was ist den» auch Neues?" fragt» schalkhaft dabei. „Daß morgen Sonntag ist!" sagt der Bauer.

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