Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1893)
- Date
- 1893-04-07
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
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164 Priester. Seit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft hatte man keinen einzigen Hohepriester gewählt, der nicht dem Stamme don Serajah angehörte. Jason, obgleich abgesetzt, fahr in seinen Umtrieben fort. Es entwickelte sich zwischen diesen beiden Bösewichtern eine Art von Wettstreit darüber, wer von ihnen seinem Vaterlande mehr Schlimmes zufügen tonnte. Es ist schwer, die Fäden all dieser Ränke aufzudecken. Sicher ist nur das Eine, daß Antiochus im Jahre 170, von einer seiner ägyptischen Expeditionen heimkehrend, in Jerusalem einzog, dort Ströme von Blut vergoß und, in diesen Missethaten von Menelaus berathen, den Tempel plünderte, dessen kostbarste Gegenstände er nach Antiochien mit sich nahm. Die Situation war eine entsetzliche. Jedes Gefühl der Sittlichkeit schien erloschen und Gott hatte offenbar sein Antlitz von seinem Volke abgewandt. Und doch sollte es noch schlimmer kommen. Im Jahre 168 unternahm Antiochus eine neue Expedition nach Aegypten, welche aber von Popilius Laenas vereitelt wurde. Wüthend schlug er den Rückweg nach Norden ein und sein ganzer Zorn entlud sich über Jerusalem. Vielleicht war die bereits wahrnehmbare Fühlung der konservativen Inden mit den Römern die geheime Ursache dieses ans den ersten Anblick unbegreiflichen Wuthausbruchs. Diesmal hatte er es auf eine vollständige Vernichtung des Judenthums abgesehen. Er wollte die alte Bevölkerung einfach davonjagen und sie durch eine griechische oder hellenisirende Ansiedlung ersetzen. Nichts war in dieser Epoche gewöhnlicher, als diese Art von Bevölkerungstausch. Fast alle mazedonischen Skädte Syriens verdanken ihren Ursprung einem mehr oder weniger brutalen „Vetsr-es migrate coloni!“ Bald werden wir auch die Juden, bis sie die Stärkeren sein werden, zu dem gleichen Mittel greifen sehen. Antiochus betraute einen seiner Schatzbeamten Namens Apollonius mit der Durchführung dieser Operation. Biele Juden verließen die Stadt; andere blieben und wurden getödtet; ihre Frauen und Kinder wurden als Sklaven vertäust. Die Uebrigen wechselten den Glauben. Heiden wurden angesiedelt, um die Lücken in der Bevölkerung anszufüllen. So gab es Monate, ja ganze Jahre, in welchen Jerusalem keinen einzigen jüdischen Bewohner hatte. _ (Fortsetzung folgt.) 9 Bas Buch Barnel und dessen Einstich auf die Folgezeit. Von Prof. Dr. H. Steinthal. (Schluß.) Wir kommen nun zu den Visionen. Bei der Gleichheit des und des religiösen Geistes in den Erzählungen und den Visionen ist doch in letztern der Gesichtspunkt ein höherer und umfassenderer. Es handelt sich hier nicht mehr um diese und jene Person und nm dieses und jenes königliche Gebot und daraus sich ergebende Ereigniß; sondern hier wird von einem mächtigen Geiste die gesammte Geschichte der Menschheit, die ganze Vergangenheit mit der Zukunft zusammengefnßt. Der Zweck der Menschheit wird enthüllt; die Geschichte derselben ist ihre Erziehung, die Herrschaft des Uebermuths ist Schule und Vorbereitung für die Gründung des Gottesreiches, der von Gott selbst bewirkte vlL'N Ich beginne mit dein 2. Kapitel. Nebukadnezar hatte einen Traum, dessen Bedeutung er wissen wollte, weil er sich durch denselben ausnehmend beunruhigt fühlte. Da ihm nun Alles daran lag, die Ueberzeugung zu gewinnen, daß die Deutung, die ihm seine Weisen geben würden, auch die richtige sei: so stellte er sic auf die harte Probe, die Deutung zu finden, ohne daß er ihnen den Traum zuvor mittheilte. Nur wenn sie wirklich seinen Traum gefunden hätten, wäre er sicher, daß sie denselben auch richtig gedeutet hätten. Solche Zumuthung war freilich unerhört. Der König aber bestand auf seiner Forderung und drohte, alle Zeichendeuter, wenn sie seine Forderrmg nicht erfüllten, hinrichten zr> lasten. Da erbot sich Daniel, beides, den Traum und die Deutung, zu finden, wenn man ihm eine kurze Frist ließe. Er flehte zu Gott, erhielt die erbetene Offenbarung und dankte dem Allwissenden, „der da weiß, was im Finstern ist, und bei dem das Licht wohnt." Er bat um Gnade für die Weisen Babels; „denn kein Zeichendeuter", sagte er, „könnte des Königs Wunsch erfüllen". Auch er würde cs durch eigene Weisheit, die in ihm vor allen Lebenden wäre, nicht vermögen. „Aber es ist ein Gott im Himmel, der Geheimniffe offenbart." Und nun erzählte er zuerst den Trarnn Nebukadnezars. Der sah ein Bild, hoch und wunderbar anzuschauen: das Haupt von Gold, Brust und Arme von Silber, Bauch und Lenden von Erz, die Schenkel von Eisen, die Füße aber theils von Eisen, theils von Thon. Da löste sich ein Stein vom Berge und fiel, nicht von Händen irgend eines Menschen, sondern durch unsichtbare Kraft geworfen, auf die Füße des Bildes und zermalmte sie, und zugleich waren zermalm! das Eisen und der Thon, das Kupfer, das Silber und das Gold, und der Wind entführte dieselben wie Spreu; und der Stein, der das Bild zerschlagen, ward zu einem ungeheuren Berge, der sich über die ganze Erde erstreckte. Darauf die Deutung: Du, o König, „bist das Haupt von Gold" — wir sagen: Das babylonische Reich. Nach diesem folgen drei andre Reiche, durch das Silber, das Erz und das Eisen angedeutet: Das medische, das persische, das macedonische Reich Alexanders die Mischung endlich aus Eisen und Ton der Füße bedeutet dir hellenistischen Reiche der Nachfolger Alexanders, namentlich da: syrische und ägyptische, in ivelchen sich Menschen verschiedener Stammes vermischen, ohne sich zu einigen. Gott aber zermalmt all: diese Reiche und gründet das über die ganze Erde sich erstreckend' ewige Gottes-Reich. Du fiel der König nieder und sprach: „Io Wahrheit, Euer Gott ist der Gott der Götter." So bietet uns das Traumbild eine Weltgeschichte, welche in dem Gottes-Reiche ihre Vollendung findet. Das Buch Daniel enthält noch zwei Visionen, welche in andern Bildern dieselbe Bedeutung haben. Hier sind es vier verschieden Thiere, welche die vier Weltreiche symbolisch darstellen und auch bestimmtere historische Thatsachen andeuten. Beide Male ist es Dänin selbst, welchem die Vision ward, und ein Engel giebt ihm di: Deutung. Zum Schluffe (Kap. 10—12) folgt eine Offenbarung an Daniel in welcher ihm ein Engel ohne alle Symbole die Geschichte de: Zeit Alexanders und seiner Nachfolger bis auf den verhaßten A» tiochus Epiphanes, ohne Namen zu nennen, in sehr durchsichtige:: Andeutungen kund thut. Auch diese Offenbarung endet mit dciü Gottes-Reiche und ist dem Sinne nach mit den vorangehenden dr>: Visionen ganz gleich; die erste aber ist zu allgemeinster Kenntniß ge rathen: Der Koloß mit den thönernen Füßen lebt in der politisch::: Rede heute noch; vor dem Steine, der denselben zertrümmert, wird heute noch gewarnt; und die Zusammeufassung der Weltgeschich!: zur Geschichte der vier Weltreiche war eine großartige historische Synthesis, welche so lange auch von praktischer Bedeutung war, ales einen römischen Kaiser deutscher Nation gab, also bis in den Anfang unseres Jahrhunderts, wo das deutsch-römische Reich sich auflöste. Denn die vier Metalle des Kolostes, lind ebenso die vier Thiere de: anderen Vision: der Löwe mit Adlers-Flügeln, der Bär mit ' dre: Hauern, der Pardel mit vier Flügeln, endlich ein gar schreckliche: Thier in ch: römis kleine zusan traur Gottt wir erreg: unser nicht Pcrse sonde deren aller die k Nam kalyp Zorn ohne sehr Prop unser In - gcrick höhe: Dinc wagt mit ' Nein vorg: Pflich Pros und Fein Volk er d' türm Jsra kiind reich an, Tan und »i r sprii hält. mit liche wirk Dar nun Riic! lich.