Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1893)
- Date
- 1893-04-07
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228001--49677-3271254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lager. Die tchzuahineu Sprache zu e Frommei! Chassidim" , welche in rieben m„ der alten ch tieferein mseiferern: lteligiosität der durch Diese in -ttge Beute wenn alle vorwärts ne Koterie, Hörde voll , und das l Utopisten, ein genai sich schmich in den c sprechen, viel dazu wenig uw >lge kleine ie in bet du um bei fromme! iderswertl schier bei jaden ftcf nicht über ie ein rein rm diesen itrare fü sei» Nach n Heftigei einen obe b es auch m; diesee iftlich m,i gkeit utt; it gewisse; ine Mien >en Mann :n konnte ist erfüllt, sne groß; ehmungen brachten. Vertrete; m Gegen zu foHen durch bit Woran' Land zu regieren, ein Land von tiefen politischen und religiösen Spaltungen und in welchem eine Centralisation nur durch die schrankenlose Respektirung jener lokalen Kulte errichtet werden konnte, welche hier dasjenige ersetzten, was anderswo Munizipalität und Vaterland waren. Er beging den schwersten Fehler, dessen sich ein Fürst schuldig machen mini: er kümmerte sich um die Religion seiner Unterthanen. Er war äußerst intelligent, großmüthig, sein Wesen hatte einen großen Zug und er gestaltete Antiochien zu einem glänzenden Centrum, welches freilich nicht damit verglichen werden konnte, was Alexandrien iir die Wissenschaften und die ernste Litteratur war. Er gilt gewissermaßen als der zweite Begründer dieser Stadt, welche bis dahin keinen großen Aufschwung aufzuweisen hatte. Antiochien wurde unter ihm iner der strahlendsten Brennpunkte des Hellenismus. Freilich, nicht gering mußte die Versuchung sein, diese hochentwickelte rationelle s.ivilisatiou in Ländern einzubürgern, die bis dahin nur minderwerthige knlturen gekannt, den Sieg dieser griechischen Civilisation zu vermitteln über Religionen, welche fast allesammt eine Tünche des Aberglaubens oder des Fanatismus trugen. Man kann sagen, daß, wenn 'lntiochus der Große Palästina nicht dem seleucidischen Reiche angechlofsen hätte, das Unternehmen des Epiphanes gelungen wäre, denn r würde sich lediglich darauf beschränkt haben, den Norden Syriens ii hellenisireu. So aber setzte der Judaismus einen unüberwindlichen widerstand entgegen. Indem er diesen angrisi, stürmte Epiphanes -egen einen Felsen an. Er begnügte sich in der That nicht damit, die llusschreitungen des Fanatismus zu zügeln, die Freiheit der Dissidenten it verbürgen, alle Kulte einem einheitlichen Civilgesetze unterzum'dnen. Er ivollte in Wirklichkeit den Judaismus unterdrücken, die mden zu Handlungen zwingen, welche in ihren Augen einfach gottose waren. Man hat ihn dem Kaiser Josef II. verglichen: inesseu der Vergleich ist kein richtiger. Denn Josef II. brachte nur me Rechte des bürgerlichen Staates inmitten der übertriebenen Anprüche der Theokratie zur Geltung. Epiphanes aber war förmlich ein Verfolger, und da sein Charakter des Gleichgewichts entbehrte, so trieb ihn er Widerstand, dem er begegnete, bis zur Raserei. Seine Zeitgenossen - annten ihn daher mit einem Wortspiele: Epimanes. In der That scheint r von Zeit zu Zeit förmliche Wahnsinnsanfälle gehabt zu haben. Wir haben es hier mit der ersten Verfolgung zu thun, welcher ie durch die jüdischen Propheten begründete Theokratie ausgesetzt i >ar. Antiochus gehorchte demselben Grundsätze wie die römischen maiser, selbst die Besten unter ihnen; nur war er minder zu eut- - huldigen, da der Judaismus sich lediglich auf ein einziges Land -egrenzte, während das Christenthum ein allgemeines Uebel war, welches das Reich zu unterwühlen drohte. Dieses rollende Feuer wechselseitiger Beschwerden zwischen Staat und Kirche wird nicht veraschen bis in unsere Tage herein. Es herrscht in der That ein öiderspruch zwischen einer Gesellschaft, welche auf das Fundament > uier göttlichen Offenbarung gelegt zu sein behauptet, und der großen > menschlichen Gesellschaft, welche keine anderen Fesseln, als diejenigen -es Rechts und der Vernunft kennt. Marc Aurel, der ein ganz anderer Mann als Antiochus Epiühanes war, verfolgte gleich diesem die Theokratie. Die Entschul- - lguiig dieser Männer ist die, daß die Theokratie, als sie Herrscherin - war, ihre Widersacher noch viel grausamer verfolgte, als sie jemals j ' urch ihre Feinde verfolgt worden ist. Antiochus hatte, ehe er den . hron bestieg, seine Jugend als Geisel in Rom verbracht. Vielleicht l-.itte er in der Vertrautheit der großen römischen Familien sich an diese absoluten Ideen und an diese Verachtung der anderen Relie/unten gewöhnt, welch letztere nicht identisch mit jenem nntionalen - bcrglauben waren, der später ans dem römischen Reiche den schlimm- , ü;'n Gegner aller Theokratie ntachen sollte. i II. Seit seiner Thronbesteigung (175 v. Chr.) zeigte sich Antiochus den Juden, oder wenigstens den Chassidim, stets mißgünstig gesinnt. Alle öffentlichen Aemter waren für die liberalen Inden reservirt, deren mehrere, um sich dem König gefällig zu erweisen, ihrem Glauben abtrünnig wurden und dem Jupiter-Kultus huldigten. Diese Glaubensabschwörungen wurden immer zahlreicher. Der Renegat wurde von der Gunst des Fürsten überhäuft; ihm standen die einflußreichen und lukrativen Aemter zur Verfügung. Die Beschneidung blieb eine peinliche Erinnerung, die den Renegaten an öffentlichen Orten mißliebigen Bemerkungen aussetzte. Man schaffte sich Abhilfe durch eine schmerzliche Operation, welche Celsius beschrieben hat. Von diesem Augenblick ab nahm der Renegat eine prahlerische Miene an, er spazierte in griechischer Tracht herum, machte es sich zur Ambition, in allen Stücken einem vollendeten Griechen zu gleichen, und offenbarte eine Verachtung für alle mosaischen Gebräuche und für seine verflossenen Glaubensgefährten. Man begreift das Entsetzen und den Schmerz der glaubenstreuen Inden ob des Anblicks solcher Gestalten, welche häufig mit stolzen Titeln prunkten und deren Apostasie reichlich entlohnt worden war. Von Tag zu Tag griff die Epidemie des Hellenismus um sich; die von Antiochus eingeführten Moden machten zauberhafte Eroberungen; in der Stadt war die Mehrheit der Bevölkerung für die Neuerung gewonnen. Der Regierungsantritt des Antiochus, dessen Ideen man wahrscheinlich kannte, verlieh der griechischen Partei eine schier unüberwindliche Macht. Das Oberhaupt des nationalen Widerstandes der Juden war der Hohepriester Onias III,, ein frommer und energischer Mann, der unter Seleucus Philopator den Tempelschatz heldemnüthig vertheidigt hat; sein Bruder Jesus, der nach hellenischer Mode sich Jason nennen ließ, war hingegen der Führer der hellenischen Partei. Die letztere machte große Anstrengungen, Onias zu verdrängen und Jason an dessen Stelle zu setzen. Jason machte dem König ungeheure Geldversprechungen. Ueberdies verpflichtete er sich, mit aller Kraft die Hellenisirung Jerusalems zu fördern und insbesondere daselbst eine Ephebie und ein Gymnasium zu bauen. Auch sollten die Bürger von Jerusalem als Autiochier konskribirt werden. Der König nahm diese Vorschläge an. Onias wurde enthoben und Jason an seine Stelle gesetzt. Die Hellenisirung wurde damit an die äußerste Spitze getrieben. Das Gymnasium wurde errichtet und die Jugend strömte in Schaaren dahin; man sah Priester ihre Altäre verlassen und zu den Leibesübungen nach der Palästra eilen. Das ivar ein förmliches Fieber der Neuerung und der Umgestaltung. Die Männer bemühten sich, ihre Cirknmcision zu verhehlen und als unverfälschte Griechen zu erscheinen. Niemals zuvor war das Schicksal Israels größerer Gefahr ausgesetzt, als in diesen kummerschweren Tagen. Es fehlte' wenig und die hebräische Bibel war verloren, der jüdische Glaube hinfort getilgt für immerwährende Zeiten. Jason ließ sich durch keinerlei Skrupel behindern. In dem Jahre der Quinqueunalfeste zu Melkarth in Tyr sandte er ein reiches Geschenk, um seine Grotzmuth und Freigebigkeit zur Schau zu stellen; die Träger dieses Geschenkes imponirten mehr als der Hohepriester selbst. Sie überreichten das Silber; aber man kam überein, daß es keine direkt liturgische Verwendung finden sollte. Jason blieb nur drei Jahre im Amte. Ein gewisser Onias, der sich Menelaus nennen ließ, verdrängte ihn, indem er dem Könige noch mehr Geld in Aussicht stellte. Um diesen Tribut entrichten zu können, bemächtigte er sich des Tempelschatzes und beging alle Arten von Verbrechen. Der frühere Hohepriester Onias III. hatte sich nach Daphne bei Antiochien zurückgezogen; cs war ein rechlschaffener und freimüthiger Mann; Menelaus ließ ihn erniorden. So endete der letzte zadokftische Hohe-