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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-07 · Heft 14 (7.4.1893) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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162 Was iihu? wohl der Direktor jener Düsseldorfer höheren Lehronstalt empfunden nnd gedacht hoben, als ihm der borerwühnte Dreizehnjährige von dessen Vater als ein Schüler dargestellt wurde, dem es nach dem Ritus seiner Religion verboten sei, noch ferner am jüdischen Religionsunterrichte theilzunehmen! Ahnst du es nicht, lieber Leser? Ich meine, das gesammte Lehrer-Kollegium wird ebenso wie ich ausgerufen haben: Ein nettes Motiv! 9 Me Juden und die Herrschaft der Griechen. Bon Ernst Renan.') I. Um das Jahr 175 v. Ehr. erscheint der Sieg des Hellenismus in der ganzen östlichen Welt des Mittelmeeres eine vollendete Thatfache. Rur der Judaisnuis in Palästina widersetzt sich ihm in hartnäckiger Weise. Auch hier aber zeigt sich ein tiefes Eindringen griechischer Moden; alle leichten und beweglichen Elemente, die Jugend und die Intelligenz, wenden sich auch hier der Sonne zu, welche im Begriffe ist, die Welt zu erleuchten. Aber eine alte Partei, welche ausschließlich die Thora bewundert und dem griechischen Rationalismus spinnefeind ist, sträubt sich mehr denn je dagegen. Wir werden später sehen, wie diese Partei den Sieg davonträgt und wie sie aus dem jüdischen Volke ein geschichtliches Unikum macht. Aegypten, Phönizien, Syrien, Kleinasien, Italien, selbst Karthago, Armenien und Assyrien werden in genügend starkem Maße hellenisch; einzig nnd allein Palästina setzt dieser starken Versuchung ein entschlossenes Nein entgegen. Es führt fort, eine semitische Sprache 311 sprechen und an der semitischen Gedankenwelt festzuhalten. Es betheiligt sich an der griechischen Wissenschaft nur in begrenztem Maße. Es weiß nichts von dieser Litteratnr, ivelche die aufgeklärten Theilc der Menschheit entzückte, und unbekannt ist ihm das oberste Gesetz der Vernunft und der Schönheit, welches soeben entdeckt worden ist. Das griechische Lebe» setzte sich aus einigen unumgänglichen Eleinenten zusammen, aus einer Art äußerer Disziplin, welche öffentliche Anstalten und zu gewissen Sttinden eine gemeinschaftliche Thätigkeit, eine Ephebie für die Jugend, ein Theater für die öffentlichen Angelegenheiten und für die litterarische Kultur, dann Bäder, ein Gymnasium uird einen R'ystos für die leiblichen Uebungen heischte. Die Pflege seiner Person war eine wesentliche Lebensbednigung des Griechen. Gewiß, die Reinlichkeit und die Hygiene spielten eine beträchtliche Rolle auch im Leben eines Orientalen, der etwas auf sich hielt; aber die griechische Pädagogie hatte noch ganz andere Anforderungen. Die Ringkämpfe und die erkünstelten Uebungen der Gyinnastik waren dem Orientalen antipathisch. Die Nacktheiten, welche die griechische Palöstra erforderte, waren ihm zuwider. Er erblickte darin eine Schule jener Laster, gegen welche die Griechen unglücklicherweise nicht genügende Vorsicht walten hießen. Die Beschneidung war im Gymnasium häufig ein Gegenstand der Verhöhnung. Die Wettbcwervuugen bei den Spielen erscheinen den gläubigen Israeliten als eine schlimme Sache und als eine Beeinträchtigung der Empfänglichkeit für das, was ihren nationalen Ruhm ausmachte, 1) Die ..Revue des Deux Mondes“ veröffentlicht in ihrem letzten Hefte einen nachgelassenen Aufsatz Renan's, welcher den Einfluß der hellenischen Herrschaft auf die Entwickelung des jüdischen Geisteslebens behandelt. Im Nachfolgenden theilen wir die trotz mannigfacher Jrrthüiner nnd falscher Auffassungen interessante Studie in getreuer Nebersetzung des P. 0. mit. So theilte sich denn die Stadt Jerusalem in zwei Lager. Die eine Hälfte in ihrer Sehnsucht, die griechischen Sitten nachzuahmeu unterließ nichts, um ihre Lebensweise, ihre Tracht, ihre Sprache zu hellenisiren. Dieser griechischen Partei standen gegenüber die Fromme» von beschränktem Jdeenkreise, Diejenigen, welche man die „Chassidim" nannte; diese waren entschiedene Widersacher jener Dinge, welche in der griechischen Civilisation vortrefflich waren; sie schrieben nur hebräisch oder aramäisch und konsequent stets im Stile der alte» Litteratnr. Diese Spaltung entsprach einer anderen, noch tieferen. Die Mehrheit der jüdischen Gemeinde bestand aus Glaubenseiferern: aber es gab in ihreni Schooße auch zahlreiche von lauer Religiosität viele, die kaum noch Juden und ausgesprochene Feinde der durch! die Thora vorgeschriebenen strengen Lebensregeln waren. Diese i» Bezug auf den Glauben indifferente Gruppe war eine fertige Beutr einer von außen einströmenden Propaganda, insbesondere wenn all, Tendenzen des Augenblicks sie in derselben Richtung vorwärts drängten. Die Chassidim ihrerseits bildeten für sich eine Koterie eine abgesonderte Synagoge.! Die Thora, wie ein Gesetz durch eine jüdische Civilbehörde voll streckt, mußte in gewissem Sinne schwer erträglich werden, und dar ist sehr begreiflich, denn dieses Gesetzbuch ist ein Werk von Utopisten, von Theoretikern einer idealen Gesellschaft, nicht aber ein genau formulirtes, reformfähiges Gewohnheitsrecht. Das zeigte sich schon unter den Hasmonäern, als die nationale Macht thatsächlich in de: i Händen der Inden war. In den Zeiten, von denen wir sprechen! war dem nicht mehr ganz so; aber freilich es fehlte nicht viel dazu i Die persischen nnd griechischen Regenten künnnerten sich wenig um I die Angelegenheiten all dieser Genieinden, welche demzufolge klein:! Tyrannenstaaten wurden. Die Dinge vollzogen sich, wie in bei | Rajah-Gemeinden des türkischen Reiches, wo das Individuum de: j absoluten Gewalt der Geistlichkeit unterworfen ist. Ein fromme: i Jude war demnach regiert durch die Thora, welche bewunderswertl l ist durch ihre gesellschaftlichen Aspirationen, welche aber schier bei | strengsten Kodex bildete, den es je gegeben. Daraus ergaben sick! nun ganz unmögliche Situationen. Und es ist durchaus nicht über j raschend, daß das griechische Recht, welches wie das römische ein reir | rationelles war, vielen Leuten ein offenes Thor darbot, um diese!! Unbequemlichkeiten zu entrinnen.! Weder die Lagiden, welche niemals das < oinpelle intrare fü! den Hellenismus übten, noch Ankiochus der Große und sein Nach : folger, welche tolerant waren, versuchten jemals, sich in diesen heftige! Widerstreit zu mengen, um einen Einfluß zu Gunsten der einen ode der andern der beiden Parteien zu bethätigen. Dabei blieb es auch als der Thron durch Antiochus Epiphanes bestiegen lvorden; dieser war ein zügelloser Geist, zeitweilig liberal, immer leidenschaftlich und darauf angelegt, die beste» Sachen durch seine Maßlosigkeit uiü seine Urtheilslosigkeit zu verderben. Die Juden, vielleicht in gewisse: Voreingenommenheit, schildern sein Antlitz als hochmüthig, seine Mie» als brutal, sein Herz als dermaßen rauh, daß nichts, was den Mann berührt, weder die Frauen, noch die Religion, es erweichen konnte Nach ihreni Urtheil war er lediglich von Hochmuth und List erfüllt. Sein Mangel an Würde, seine Gassenjungenart wären ohne groß Folgen geblieben, hätte er nicht sein Ansehen in Unternehmungen kompronüttirt, welche ihm die traurigsten Enttäuschungen brachte». Er liebte Griechenland, und sich selbst betrachtete er als den Vertrete: des hellenischen Geistes im Orient. Die Gottheit, welche den Gegenstand seiner Vorliebe bildete und deren Kultus er fördern zu solle«: glaubte, war jener olympische Jupiter, dem man besser durch di: Ruhe der Vernunft, als durch unüberlegte Heftigkeit dient. Woraui er sich am allerwenigsten verstand, das war die Kunst, sein Land zu regier: and Respe oasjei Er be :ann: € große, welche ür di maße, große, iner gering ff.ivili mitu uittel glaub: 'lntio chloff r wü u he! Gide, .rgen ckussä u v, rdne: jude, ose > essen äe R prüch Krfo -er B rannt r vo, e ie d u>ar. aisei > Huld > öftrer welche uechse Asche, Gidei aner! U'Ilsck - es R fhane iiftitni »HU, Airch hro, hatte i’-ofc : . ,'»e> Abcrg non 0

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