Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-04-07 · Heft 14 (7.4.1893) · p. Seite 159

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228001--49673-3271250
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

159 tci tniftcii, :n, cS zieht Nit einem da mußte d gottvernnng eine te, „gleiche )t nehme» ,Heil de>» clcgt," die Müßiguna um da»» l begegne» Kreis ge entfaltet, zu diese»! da versteh! h Schweis ins Auge, mpfe vor!gen diese durch eine ernngsofe» Der erste» and. Am as Gottes Zege dahi» apfessicher achtfelderi ehrhäuseri irch Mach Mr wage» man Gott mitten de es Ewige» Aber di sehden ih» lerfolgun, jagen wir e einst de. verkünde Fremde» t genieße» md eine» »er Mens» ile» Moil ischnldigc en, unser c hat ma»!se Rasere» enszeit i» erstände» stottesreiä! , als List» Weg de? l Anklage» ren. Der Frühling bleibt uns eine GotteSmahinnig, daß die rauhen Stürme einmal ein Ende nehmen und die Zeit der Jubellieder wieder naht. Der Frühling bringt uns mehr als blos ein Frühlingslied des Dichters, er wird uns zum Dolmetsch der Geschichte: im Frühling sind wir aus Aegypten ausgezoge», im Frühling sind wir ins heilige Land cingezogen, und so wird einst ein Frühling kommen, in welchem wir i» das verheißene GotteSreich einziehen werden, darin ein Hirt eine Heerde weidet. Wenn wir unser» Blick über die Völker schweifen lassen, die auf Der Wanderung zum Gottcsreiche in vorderster Reihe sich befinden, so müssen wir einen besonderen Ehrenzweig der neuen Welt znerkennen. Vier Jahrhunderte sind dahingegangen, seitdem sie der Kultur geivonnen wurde, und schon richten alle Leidenden und Elenden der alten Welt ihr Auge nach Westen. Unter den Kulturvölkern Europas ist es namentlich das große nordöstliche Reich, dem wir mit Wehmnth gegenüberstehen. Wir können kein Frühlingsfest begehen, ohne ganz besonders unserer armen Glaubensgenossen in Rußland zu gedenken. Bon wannen soll ihnen Hilfe kommen? Kein Einzelner kann mehr Sie Erlösung bringen und wär er »och so opferbereit; „in ver-! gangenen Zeiten konnten Einzelne das Sklavenjoch brechen, so in? Aegypten Mose und Aron; fortan soll die Erlösung nur durch Gott; rfolgen, das ist es, warum cs heißt, Israel wird in aller Zukunft surch Gott erlöst." Wie wir die Erlösung durch Gott verstehen? Es ist; ser Beistand Gottes, unter welchem das Volk das Erlösungswerk elber zu vollbringen hat. Nicht die Auswanderung nach Paastina oder Amerika darf als Heil angesehen werden. Unsere Glaubensbrüder müssen vorerst alle die Bedingungen erfüllen, die ie als Angehörige des Volkes zeigt; es genügt nicht, daß sie ihrer! militärischen Verpflichtung Nachkommen, sie müssen auch in Sprache j md Tracht und Verkehrsformen mit ihren Mitbürgern übereintimmen, sie müssen für die Erlösung aus ihrer Sonderstellung sich ' »»fähigen, sie müssen sich selbst erst innerlich erlösen, dann wird! mch die äußere Erlösung, ob früher oder später, eine naturgemäße j Folge sein. Unsere Glaubensbrüder im Osten befinde» sich in demselben Stadium, in welchem wir uns vor Mendelssohns Auftreten befunden »aben. Es liegt ihnen ob, den gleichen Erziehungsgang durchzumachen, . cn wir zurückgelegt. Nicht mehr um das Erlösungswerk eines Mose »andelt es sich, sondern um ein Mendelssohn'sches Erziehungsmerk; wenn erst ein Mendelssohn unter ihnen aufgestanden, dann! uirb auch bald ein Rießer zu ihnen sprechen. Es ist ein rührend Bild, das uns die Millionen Armen in Rußand an diesem Feste darbieten: am Familientische achten sie nicht »er Feinde draußen, sie singen und sagen von all den Verfolgungen, »ns welchen der Herr stets errettet hat, und stimmen dann ein neues j -,'ieb an Win HTTP/ das der Hoffnung ihrer eigenen Erlösung j alt. Ach, es sind Lieder der Rathlosen'), es sind Lieder eines Weibes, > as nur Klage- und Hoffnnngslieder anzustimmen vermag, das von! -chmerzen heimgesucht ist, dessen Blicke getrübt sind, und das keinen! Ausweg sieht; doch die Zukunft wird ihr Klage-und Hoffnungslied in ein Jubellied wandeln, das Lied wird einen männlichen Klang haben -'in ‘•pE?. Nachdem sie sich zu Manncslhaten aufgerafft, zu Werken . der Selbstbefreiung und Selbsterlösnng, werden sie dem Herrn ein männliches Lied singen, ein Lied des Sieges und des Heils, ihm, der mH ihnen war, wie er mit uns gewesen. xzb Tnyb bzn nans v\wb ns:x:r nrwn bz vj i ♦“DT iv * Adolf Fischhof. Wien, 30. Mürz. Oesterreich beklagt heute den Tod eines seiner hervorragendste» Patrioten, Israel das Hinscheide» eines seiner besten Söhne. Es war ein cigenthümlicher Mann, der am 23. Mürz in dem steiermärkischen Dorfe Einmersdvrf gestorben ist. Eigenthümlich insofern, als er nicht den Lebensgang anderer politischer Größen machte, sondern als der einfache, demokratisch und föderalistisch gesinnte Dr. Fischhof gestorben ist, der er im Jahre 1848 war, als der Frühlingssturm der Freiheit und Aufklärung auch über Oesterreich dahinsauste. Adolf Fischhof war am 8. Dezember 1816 in Ofen von jüdischen Eltern geboren, erhielt eine gute deutsche Erziehung und stndirte Medizin. Nach Vollendung seiner Studien wurde er als Sekundärarzt im allgemeinen Krankenhause in Wien angestellt und in dieser Stellung trafen ihn die Ereignisse des März 1848. Aus einmal war der junge unbekannte Arzt in den weitesten Volkskreisen bekannt und gefeiert. Er war der Erste, der in Oesterreich unter freiem Himmel in einer Volksversammlung sprach und öffentlich in Worte zu fassen wagte, was als Sehnen und Verlangen im Volke lag. Mit dem Rufe „Der Freiheit eine Gasse" durchschritt er am 13. Mürz 1848 den Ständehof, und dann hielt er eine Rede, in welcher er den Ständen die Wünsche der Universität vortrug. Das war der erste Akt der Revolution. Es war ein entscheidender Bioment, als im Ständehof und in den anstoßenden Gassen die Menschen sich drängten und doch unter den Augen der Metternich'schen Polizei Niemand das Wort fand, um dem Willen des Volkes Ausdruck zu geben. „Das dachte ich bei mir," erzählte er später, „daß ein Moment, so günstig für das Volk, wie in Oesterreich kein zweiter noch erschienen war, nicht ungenützt verstreichen dürfe. Ich fand es erbärmlich, daß in dieser ganzen großen Menge nicht Ein Mann den Math und die Kraft habe, ei» zündendes Wort in dieselbe zu schleudern, der hohen geschichtlichen Bedeutung des Momentes enthusiastischen Ausdruck zu geben und diese neugierige Masse zu einer großen Kundgebung hinzurcißen. Bist du nicht selbst ein solcher Erbärmlicher? sagte ich zu mir. Tief beschämt faßte ich allsogleich den Entschluß zu reden, und, um von diesem Entschlüsse nicht wieder zurückweichen zn könne», rief ich mit der ganzen Kraft meiner Stimme: „Meine Herren!" Im nächsten Augenblick war Fischhof auch schon von kräftigen Armen gefaßt und in die Höhe gehoben, und er hielt eine Rede, die als das Programm nicht blos seines Lebens, sondern auch der Revolution und einer langen Entwickelung Oesterreichs gelten kann. Er verlangte eine Reprüsentntiv- Verfassung, Preßfreiheit, Schwurgerichte, Gewissens- und Lehrfreiheit. Dann sagte er: „Eine übelberathene Staatskunst hat die Völker Oesterreichs auseinander gehalten; sie müssen sich jetzt brüderlich znsammenfinden und ihre Kräfte durch Einigkeit erhöhen." In lebhaften Farben malte er das Bild eines einträchtigen Zusannnemvirkens aus. Fischhof wurde vom Mediziner-Korps der akademischen Legion zum Kommandanten gewählt, dann wurde er Präsident des Sicherheits-Ausschusses, der zwischen den revolutionären Massen und den gesetzlichen Gewalten vermittelte. In den Reichstag wurde Fischhof durch den Matzleinsdorfer Bezirk der Hauptstadt gewählt. Im Reichstag selbst wirkte er weniger durch Jnitiativ-Anträge, als durch die nachhaltige Art, wie er die eingebrachten Anträge begründete und unterstützte. Er sprach und stimmte für die Abschaffung der Todesstrafe, für den Kudlichschen Antrag in der Robot- und Ablösungsfrage, für die Aufhebung aller Lasten des Unterthansverhültnisses u. s. w. Während seiner parlamentarischen Thätigkeit nahm er unter dem liberalen Ministerium Doblhos eine Stelle als Rath im Ministerium des Innern an und machte als solcher eine Reise .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.