Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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In der gestern stattgehabten Sitzung der Repräsentanten kam es bei der Vorlage des Finanzausschusses, den 66 des Gemeindestatuts dahin abzuändern, daß nicht wie bisher ein nfonmten von 1800 Mark, sondern ein solches von 1200 Mark und darunter von der Abgabe an die Gemeinde befreit sein solle, zu einer;i eistündigen Debatte. In derselben machten sich drei Anträge geltend:!. Antrag Oppenheim: Es wird die Selbsteinschätzung als Basis anwmrnen, im Uebrigen bleibt es bei den alten Bestimmungen. 2. Antrag! crchtentritt: Die Kommunalabgaben sind als Norm zu nehmen und demfle.näß die gleichen Steuerleistungen zu gewähren. 3. Antrag Simon: 6find die Einkommen von 900—1500 Mark mit 4 Mark jährlicher '31 gäbe zu belegen. Angenommen wird nach mehrmaliger Befürwortung! M cd) den Vorstand die Vorlage des Finanzausschusses, nach welcher den; Mindestbeitrag von 6 Mark jährlich die Censiten mit einem Einkommen uni 1200—1800 Mark zu leisten haben. Eine Reihe von Stiftungen w rd sodann bekannt gegeben. So ist von Herrn Hans v. Bleich-; nder ein Schreiben des Inhalts eingetroffen, daß der unerwartet; Q uelle Tod dem verklärten Vater nicht gestattet habe, selbst Legate auszu'etzen, doch sind die Kinder des Verstorbenen überzeugt, in seinem le iste zu handeln, indem sie 10,000 Mark der Armenkommission und > 000 Mark der Alterversorgungsanstalt überweisen. Ferner hat Frau X i u i b der Alterversorgungsanstalt des Herrn Mannheimer 15,000 Mark; Kommen lassen und die gleiche Summe ist laut testamentarischer Be-; in nnung von dem verstorbenen Geheimrath Dr. Hollstein der Alter-; r sorgungsanstalt in der Hamburgerstraße überwiesen worden. Für die! der Waisenpflege entlassenen Waisen hat Herr Max Weiß 6000 Mark r wendet, deren Zinsen am Todestage seiner Frau zur Vertheilung grangen sollen. Einige Wahlen werden sodann vorgenommen und es w;:b in den Vorstand des Schul- und Talmud-Thora-Vereins Landichtsrath Marcus und in den Vorstand der Neuen Synagoge Maurerii! ster Fränkel gewählt. Ein Antrag auf Errichtung einer Religions- | fd de im Westen Berlins wird der Schulkommission überwiesen und! lii.auf die öffentliche Sitzung geschloffen. -- Berlin, 27. März. Eine Anzahl Wohlthätigkeitsanstalten und - reine legt heute durch Veröffentlichung ihrer Jahresberichte Zeugniß r dem nimmer ermüdenden Edelsinn unserer Berliner Glaubensgenossen-! sci ft ab. Zunächst berichtet die Altersversorgungs-Anstalt der j ji ischeu Gemeinde über das 63. Jahr ihrer Thätigkeit. Sie weiß! di erfreuliche Thatsache zu melden, daß sie die Anzahl der Hospitaliten i di ch die Vollendung des Erweiterungsbaues der neuen Anstalt von 160! m 190 erhöhen konnte. Die Gesammtkosten, welche von den Hospitaliten > v irsacht wurden, beliefen sich auf 88,027.22 Mk., wovon auf die! "X fftigung 53,239 entfielen. Unter den im Jahre 1892 der Anstalt; 4 achten Zuwendungen verdienen hervorgehoben zu werden die Schenkung i d.' Frau Sara Kargau von 14,250 Mk., des Herrn Geheimrath Salomon! - anann von 15,000 Mk., des Herrn Moritz Levy von 12,000 Mk., j ' Herrn Louis Oppenheim von 12,000 Mk., und das Legat der Frau! - Karoline Samson von 30,000 Mk. Der gesammte Kapitalbestand der! 'i aalten belief sich am 31. Dezember 1892 auf 2,078,353.82 Mk. — j ' - Bericht der Gesellschaft Hachnaßath Kallah umfaßt einen;;v uraunt von 3 Jahren. In dieser Zeit sind durch die Gesellschaft! - a Bräute mit Ausstattungssummen von 50 bis 750 Mark bedacht. i - Gesammtaufwendung für diese Zwecke beträgt 30,670 Mk. In ender Weise gedenkt der Bericht des Heimgegangenen langjährigen ^sitzenden der Gesellschaft, des Dr. David Cassel. — Ein Bild rüstigen Fortschritts gewährt der dritte Jahresbericht über das „Jüdische -'Mädchen st ist" (Oranienburgerstraße 75). In immer weireren Kreisen wird j Aufgabe dieser Anstalt, die aus den unbemittelten Klassen unserer j Glaubensgenossen ihr anvertrauten Mädchen zur Hauswirthschaft zu! erziehen, als berechtigt und zweckmäßig anerkannt und das Unternehmen mit erfreulicher Theilnahme unterstützt. Dafür zeugt die Thatsache, das; die Zahl der Mitglieder, und zwar der immerwährenden, von 33 auf 39, die der ordentlichen von 361 auf 402, die Summe der Jahresbeiträge von 4042 Mk. auf 4377 Mk., das Gesammtvermögen von 15,179.16 Mt. auf 17,267.25 Mt. augewachsen ist. * Berlin, 27. Mürz. Am 26. März fand die ordentliche General- Versammlung der Gesellschaft „Magine-Reim" statt. Die statutengemäß in diesem Jahre ausscheidenden Vorsteher Sanitätsrath Dr. Blumenthal, H. Landsberger und M. Manheimer wurden wiedergewählt. Der Vorstand der Gesellschaft besteht außerdem aus Herrn Geheimrath Salomon Lachmann, den Herren B. Croner, R. Demuth, Emil Jacob, Syndikus Tr. Minden, A. Ruß. — Uebrigens ist die Gesellschaft nicht, wie ein Druckfehler im Feuilleton der vorigen Nummer besagte, 1809, sondern vielmehr 1804 gegründet worden. Die Bilanz der Gesellschaft pro 1892 weist einen Kassabestand von Mk. 19,272.35, ein Unterstützungsconto von Mk. 10,400 auf. Das Gesammtvermögen beläuft sich auf Mk. 159,505. Die Bilanz der Hilfsanstalt für Wittwen und Waisen pro 1892 ist eine sehr günstige: Die Einnahmen belaufen sich auf Mk. 8358.46, die Ausgaben in Unterstützungen auf Mk. 7494, das Gesammtvermögen auf Mk. 174,182. * Berlin, 22. März. Heute Nacht entschlief nach kurzem, schwerem Krankenlager im 73. Lebensjahre der Begründer der seit 50 Jahren bestehenden, in weiten Kreisen rühmlichst bekannten Firma W. Collin, der königl. Hofbuchbindermeister Wilhelm Collin. Ihm wurden wegen seiner außerordentlichen Leistungen auf kunstgewerblichem Gebiete viele Anerkennungen und Ehrenbezeugungen selbst von allerhöchster Stelle gezollt. Unter anderem wurde er von dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm beauftragt, dessen Sohn, den Prinzen Heinrich, in der Buchbinderkunst zu unterweisen. Der Verstorbene war nicht nur in seinem Fach einer der Ersten, sondern fand stets noch Zeit, die ihm in großer Anzahl übertragenen städtischen Ehrenämter auf das Gewissenhafteste bis zum letzten Augenblicke zu verwalten. — Prinz Heinrich von Preußen, der einstige „Volontär" Collins, hat durch ein Schreiben seines Hofmarschalls, des Freiherrn von Seckendorff, den Hinterbliebenen seine aufrichtige Theilnahme ausdrücken lassen Am Grabe sprach Herr Rabbiner Tr. May bäum. Berlin, 24. März. Der am Montag vom Esra-Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien veranstaltete Propaganda-Abend nahm einen guten Verlauf. Der Vorsitzende Herr Moritz Dorn eröffnete die Versammlung mit einem Vortrage über die jetzige Lage dieser Kolonisation und zählte 24 Dörfer auf, in denen schon jetzt aus Rußland ausgewanderte Juden auf dem Boden Palästinas Acker- und Weinbau mit dem besten Erfolge betreiben. Im Ganzen sind hier auf diesen Dörfern schon ca. 5000 Seelen ansässig. Herr Bambus führte aus, daß die fortwährend steigende Auswanderung der russischen Juden es nothweudig machte, ein Land zu finden, wo sie mit Erfolg zum Ackerbau herangezogen werden konnten. Dieses Land habe man nach bisherigen Erfahrungen in Palästina und Syrien gefunden, wo sich große Fruchtbarkeit des Bodens mit einer den Juden stammverwandten und wohlgesinnten Bevölkerung und einer toleranten Regierung verbinde, um die in der ersten Zeit schwierige Ueberleitung der bisher handeltreibenden Juden zum Ackerbau zu ermöglichen. Herr Dr. Hildesheimer richtete einen warmen Appell an die Versammelten, den Esra in dem unternommenen Werke zu unterstützen. Es sei Pflicht eines jeden Juden, die ihrer Religion wegen leidenden russischen Glaubensbrüder zu fördern, bis sie ein Asyl gefunden hätten, wo sie mit ihrer Hände Arbeit auf fruchtbarem Boden ihren Lebensunterhalt verdienen könnten. Jene Bauern lieferten zugleich den Beweis von der Unwahrheit der antisemitischen Anklagen, daß die Juden die schwere Arbeit scheuten. Der rauschende Beifall, der diesen Ausführungen folgte, lieferte zugleich mit den Anmeldungen neuer zahlreicher Mitglieder den Beweis für die