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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-31 · Heft 13 (31.3.1893) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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15 6 Litterarische Mittheilungen. — Der wahre Talmudjude von Albert Katz. Berlin 1893. Verlag von Emil Apolant. Als der Kulturkampf gegen unsere katholischen Mitbürger tobte, hielten es einzelne Fanatiker für angebracht, die Massen auf das „corpus institutorurn societaiis Jesu“, auf die Morallehre eines Pater Gurt) u.A. als angeblich repräsentative Darstellungen der katholischen Glaubenslehre 31t Hetzen. Heute ist es der Talmud, gegen den die Feinde Israels einen neuen „Kulturkampf" entfesseln wollen, und erst in diesen Tagen hat die preußische erste Kammer eine Petition antisemitischer Winkelvereine auf Untersuchung der jüdischen Geheimlehren der Staatsregierung zur Berücksichtigung. überwiesen, wobei hochgeborene Edelleute einen erstaunlichen Mangel an Kenntniß des sittlichen Inhalts unseres Schriftthums verriethen. Wir empfehlen daher allen Wißbegierigen, allen Talmudschmähern diese neue Schrift, welche auch unfern Tories die Wahrheit des Ausspruches des Earl of Beaeonsfield demonstriren wird, daß ..christianity is judaism for the people“, und daß die Grundlehren aller Sittlichkeit überhaupt, insbesondere aber auch der Kern der Lehren der Bergpredigt, bereits in dem vielgeschmähten Talmud enthalten sind. Es war keine kleine Arbeit, aus den Folianten des Talmuds, diesem aus volljähriger Arbeit des Bolksintellekts gesammelten „Sprechsaal," einen Auszug zusammenzustetten, der die wichtigsten Grundsätze des talmudischen Schriftthums über das sittliche Leben des Menschen in gemeinverständlicher Form uns snstematisch geordnet vorführt. Namentlich können wir unseren modern gebildeter: Glaubensgenossen, welche den Talmud so wenig kennen, daß sie bei allen Anfragen Andersgläubiger entweder verstunnneu oder zu Renegaten an der Geistesarbeit ihrer Väter werden müssen, zu ihrer eigenen Erbauung dringend die Lektüre der Kapitel aus dem „wahren Talmudjuden" empfehlen. Es seien besonders folgende Abschnitte hervorgehoben: „Der Stolz", „die Bescheidenheit", „Verleumdung", „Zwietracht und unbegründeter Haß", „Menschenliebe", „Wohlthätigkeit", „Staatsgesetz", „Elternpflichten", „Pflichten der Kinder", „Pflichtendes Lehrers", „Pflichten des Volkes gegen seine geistigen Führer" und viele andere Abschnitte. Freund und Feind können aus dieser Schrift ersehen, daß die Talmudmoral frei ist von jeder Engherzigkeit, frei auch von allen konventionellen Lügen der Gesellschaft. Wie frischer Erdgeruch weht uns manche naive Anschauung aus der Kindheitsperiode der Menschheit hier entgegen, als edel destillirtes Arom zieht durch das Ganze die keusch-sittliche Anschauuug unserer Ahnen. Bon der Religion ausgehend sehen wir diese Anschauungen über das ganze Leben des Menschen sich verbreiten, über Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Kleid und Bett, über den kommerziellen Verkehr, über die Einrichtung des Wohnhauses, über Thierquälerei, über Ackerbau — kurz, es ist eine Fundgrube an kulturhistorischem Wissen, die uns hier aus dem Talmud in gemeinverständlicher Kürze und mit getreuer Verzeichnung der Belegstellen aus den Quellenschriften voll erschlossen wird. Bei einer neuen Auflage könnte der kulturhistorisch interessante Theil noch durch einen weiteren Anhang vermehrt werden, vielleicht hat aber die Verlagsbuchhandlung Recht dararl gethan, zur Abwehr gegen die Rohlingschen Lügenberichte, die erst neuerdings wieder in unseren parlamentarischen Körperschaften ein Echo gefunden haben, diesem „Talmudauszug" durch die knappe Form eüies gut geordneten Handbüchleins eine möglichst weite Verbreitung zu sichern. In einer längeren Vorrede giebt Herr A. Katz, der sich durch die Herausgabe dieses „lvahren Talmudjuden" ein großes Verdienst erworben hat, aus litterargeschichtlichell Quellen eine Darstellung der Leidensgeschichte des Talmuds, der mehr als hundert Mal in die Acht erklärt und verbrannt worden ist; seine Folianten wurden dem Feuertode übergeben, allein der Inhalt flog in die Lust; möge der Geist unserer Ahnen durch die Thätigkeit derjenigen Männer, welche der Popularisirung jüdischer Wissenschaft und Ethik ihr Leben gewidmet haben, auch unfern Nachkommen erhalten werden, dann werden wir and) aus den Kämpfen dieser Tage nicht gebeugt, sondern gestählt hervorgehen. M. Friedeberg. --Die Nr. 16 der „ Mitt Heilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Ahlwardt im Reichstage. I. — Die Juden und die Goldwährung — Der Antrag Friesen und Hammerstein. — Zur Abwehr. — Aus der antisemitischen Partei. — Aus Rußland.—Die jüdischen Religionsbücher in: preußischen Abgeordnetellhanse. * Sprechsaal. Geehrter Herr Redakteur! In Ihrem Leitartikel über die „Berliner Reform-Gemeinde", d r nur, einem der ältesten Mitglieder derselben, ganz aus der Seele g? schrieben war, haben Sie nur ein Moment zu Gunsten unserer Gemeinde unerwähnt gelassen, das meines Erachtens sehr schwer in die Waagschc lc fällt: Die Reform hat den Uebertritt wesentlich verhinden. Von den Mitgliedern der Reform-Gemeinde selbst ist, soviel ich weiß, kein einziges aus dem Judenthum ausgetreten. Erst in neuerer Zeit sind t ie Kinder oder Enkel einiger Mitglieder übergetreten — aber die Zahl dieser ist eine verschwindend geringe. Das ist ein großes Verdien!), welches der Reform-Gemeinde in einer Zeit starker Fahnenflucht hoch angerechnet werden sollte. Achtungsvollst Berlin, 27. März. R. * Berlin, 20. Min;. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestalten Sie mir das Wort gegen die Angriffe des Herrn Bambus in der letzten Nummer wegen meines Aufsatzes „Die zahme Türkei". Ich muß überhaupt gegen die Art und Weise in der Beri.ch tigung des Herrn W. Bambus entschieden protestiren, denn es ist niml das erste Mal, daß dieser Herr sich mit derselben Taktik gegen mich wendl. Bereits im vorigen Jahre, als ich mir einige Bemerkungen über eine von der „Kölnischen Zeitung", der „Times" und der gesanimten Presse Europas gebrachte Meldung über Beschränkungen der Türkei gegen die eingewa 1 derten Juden erlaubte, fallt Herr B. und sagte - nicht wörtlich, sondern inhaltlich — ich hätte diese Nachricht, die nach seinen unbezweifelbat u brieflichen Informationen ganz falsch wären, völlig aus der Luft gegriffen. Herr B., der doch ein so warmes Interesse für Palästina hat, müüe wie damals so auch diesmal wissen, daß nicht ich diese Nachricht gebra ) habe, sondern fast alle Zeitungen des Erdenrundes den betreffenden Mel düngen in Form von Depeschen Aufnahme gewährt haben. Soll dadurch etwa, daß mir die Nachricht untergelegt wird, .r Werth derselben, die die Leser der „Allg. Z. d. I." schon vierzehn Tage vor meinem Artikel in dem Blatte gelesen haben, herabgesetzt werd. 7 Irre ich nicht, las ich die Meldung, um die es sich handelt, zuerst in „Berliner Tageblatt", stieß ober in jeder Zeitung, die ich zur Hemd nahm, auf dieselbe; auch die palästinafreundlichsten Blätter hatten bi rer Hiobspost Raum nicht versagt, besonders hebe ich hervor, daß alle jüdisti u Zeitungen über die von der Türkei ergriffenen Maßnahmen in ungesi n gleicher Weise berichtet haben. Da wird doch jeder Leser zugeben, daß die Berichtigung nicht .11 die richtige Adresse gerichtet war; ich bin ja an dieser Nachricht sto ü vollständig unschuldig, da ich nur Reflexionen an die, bis dahin v n keiner Seite angezweifelte Meldung angeknüpft habe. Warum hat denn Herr B., wenn er im Besitze von Informationen n r — denn in drei Tagen kann man aus Palästina keine erhalten — wenigste die jüdische Presse nicht längst über den wirklichen Thatbestand 0.r geklärt6 Die „Informationen" über diese Sache, die sich also vor v Veröffentlichung meines Artikels in seinen Händen befunden haben müsi i, beweisen doch wohl zur Genüge, daß ich nicht derjenige bin, der d e Nachricht in die Welt gesetzt hat Die Vorgänge an sich aber noch erst zu vertheidigen, weil sie in a „toleranten" Türkei und nicht in Rußland geschehen, das zeugt von sub,-ltiver Voreingenommenheit für türkische Verhältnisse, daß sachliche Monte: a die ich angeführt Habe, gewiß keinen Eindruck machen werden. In er Türkei — wenn auch nur Hypothetisch — die Ausschreitungen r Regierungsgewalt für Maßnahmen staatsmännischer Weisheit zu find ist ein Zeichen von so „phänomenaler Geistesschärfe" — welchen Ausdv ■ ‘ Herr B. höhnend gegen mich braucht — daß ich es den Lesern überla, n kann, zu beurtheilen, ob ich nicht meine Ansichten mit sachlichen Watm: zu vertheidigen gesucht habe. Zur Sache selbst ist es eigentlich überflüssig zu sagen, wie sehr mich freuen würde, wenn die Zeitungsmeldungen, die den Weg durch t-c ganze Oessentlichkeit nehmen, sich —wozu freilich die Privatinformatiou i keineswegs genügen — als unbegründet herausstellten. Ganz ergebene Bernhard Traubenbera Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin. 5)7.3 K> iKcptä ()6 d § nkon rund eistüi 1. Anti aornr dichter fle.näß sin 7mga.be d: cch d 7' indes um 12 lu.rb s nder scUtelle ziaetzen leiste ii! ,000 7 iuib Uliomn sn NNW v'' sorg au der g penb mge iu;:b i IV ichts in -ster fcl '.le ■ (i’vauf < rein m ■■ den s) .st 0 ii; ■ isc d: erfr d> ch d 19( v :rsa 7 östic ) ach! d. Fro v - mna t. He - Ka 7 lalt 7 v B.;v amu Bi 7 c G a.ende 'H'rsitz« Rutsch '7c äd ck Ne An ^Aaube

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