Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3227999--49642-3271217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9 thuung davon Akt, daß die Berliner Polizeibehörde dem skandalösen Treiben, sobald sie von demselben Kenntniß erhielt, ein schnelles Ende bereitet hat. Brandenburg a. H., 13. März. Am 2. März beging der j israelitische Verein „Gesellschaft der Freunde" die Feier des fünften j Stiftungsfestes. Der hiesige Synagogenvorstand und fast sämmtliche j Gemeindemitglieder hatten sich zu dieser Feier in dem festlich erleuchteten j Saale des Konzerthauses froh vereint. Das Festprogramm bot der An-! nehmlichkeiten viele. Herr Lehrer und Kantor Bernhard Ziegelroth! trug zuerst einen Festprolog, dann eine Gesangspiece vor. Dem Vor-! trage einiger komischen Szenen durch Herrn Deutschland folgte die! Aufführung eines Moser'schen Lustspieles, die eine treffliche genannt zu werden! verdient. Den Kunstgenüssen reihte sich ein glänzendes Festgelage würdig! an, welches von einer Reihe von Toasten gewürzt wurde. Den Neigen! derselben eröffnete Herr S. Salinger, welcher in einem selbstverfaßten! Gedichte die Frauen und Jungfrauen pries. Den Glanzpunkt der Toaste! bildete eine warm empfundene und von der Festversammlung beifällig j aufgeuommene Rede der Lehrerin Fräulein Natalie Ziegelroth, welche! sich von der Gemeinde verabschiedete, um sich in Zürich dem Studium I der Medizin zu widmen. Im Namen des Vereins dankte das Vorj standsmitglied Herr Albert Nathanson der jungen Dame für ihre! geistreichen Worte Diesem Redner schloß sich als Letzter Herr Lehrer > und Kantor Bernhard Ziegelroth an; derselbe (egte in schwungvoller! Rede den Mitgliedern des Vereins die Bethätigung des Prinzipes der! Einigkeit und der Freilndschaft warm ans Herz. Unter den Klängen! der Musik blieb die fröhliche Festversammlung im frohen Verein bis zum z Morgengrauen beisammen. Die Gesammtfeier war eine wohl gelungene! und legte Zeugniß von der friedlichen Eintracht ab, welche alle Gemeindei mitglieber umschließt. j ef. Myslowitz, 19. März, Am 7. Adar (23. Februar) beging der | Israelitische Krankenpflege- und Beerdigungs-Verein im j Saale des Labachynskischen Hotels Hierselbst die Feier seines 11. Stiftungs- | festes, die durch eine Erinnerung an die während des abgelaufenen Jahres! verstorbenen Vereinsmitglieder durch den Vorsitzenden Herrn Ploncker eröffnet wurde. Es sprach dann über die Tendenzen des Vereins Herr Rabbiner Dr. Jaff6, darauf folgte die Festrede unseres hochverehrten Oberkantors Herrn G. Lewin, die durch Form und Inhalt vielen Beifall erntete. 0a. Ans Schlesien, 15. März. Zur Feier des 50 jährigen Bestehens der Brüdergesellschaft (Chewra Kadischa) in Leobschütz fand am 3. d. M. am Nachmittag in der Synagoge ein Festgottesdienst statt. Nach einem einleitenden Orgelspiel wurde das Minchagebet gesprochen, worauf Herr Rabbiner Dr. Krakauer eine zu Herzen gehende Predigt hielt. Zur Feier des Tages fand in Seitz' Hotel ein gemeinschaftliches Essen statt, bei dem der Vorsteher der Gemeinde den Kaiser- S toast ausbrachte. — Am 2. d. M. veranstalteten die Mitglieder des! „Israelitischen Wohlthätigkeits - Vereins" zu Konstadt ein! Faschingsvergnügen im „weißen Adler". - Aus Rosdzin wird ge- > meldet: Die hiesigen jüdischen Einwohner, welche bisher zur Synagogengemeinde Myslowitz gehörten, haben, außer den Kultusbeiträgen nach Myslowitz, noch die Unterhaltung zweier Betsäle und zweier Kultusbeamten zu leisten. In einer Generalversammlung wurde beschlossen, aus dem Myslowitzer Verbände auszuscheiden imb einen selbstständigen Verband aus den Gemeinden Rosdzin, Schoppinitz, Janow und Klein-Dombrowka mit dem Siy in Rosdzin zu bilden. Es soll nach Genehmigung des Austritts eine Synagoge in Rosdzin gebaut werden. ^2 Hamburg, 12. März. Seit mehreren Monaten ist hier eine Bewegung in Fluß gekommen, die am gestrigen Abend zu einer Versammlung führte. Einberusen von einem provisorischen Komitee, bestehend ans den Herren S. M. Nathan (Vorsitzender), Brasch, Fraenkel,! Goldschmidt, Tuch, Zielinski, versammelten sich in einem Saale des! patriotischen Gebäudes die Vertreter von 26 hiesigen israelitischen! Wohlthätigkeitsvereinen und Anstalten, um über die Herj stellung eines Verbandes zu berathen. Dieser lokale' Verband soll be- \ zwecken: „Pflege der Humanitären Ideale aus einheitlicher Auffassung; z gegenseitige Förderung und Unterstützung der verbundenen gemeinnützigen j und wohlthätigen Vereine und Anstalten; Austausch und Verallj gemeinerung sachlich wichtiger Erfahrungen." Eine vorbereitende kurze! Broschüre war schon vor einiger Zeit an die Vereinsvorstände verschickt j worden. Der Vorsitzende Herr Nathan entwickelte in seiner Ansprache die Grnndzüge dieses Programms, worauf Herr Tuch in dem ihm übertragenen Referat eingehend über die sozial-ethischen Konsequenzen und Ziele des beabsichtigten Verbandes sich aussprach. Es wurde hieraus der Versannntung ein vom provisorischen Komitee verfaßter Statuten entwurf vorgelegt, der in einer späteren Zusammenkunft zur Berathuim und Beschlußfassung gebracht werden soll. Es folgt ein allgemeinem Meinungsaustausch. An dieser Debatte betbeiligten sich außer der Mitgliedern des Komitees die Herren Dr. Max Cohn, E. Colmann. N. Samson, L. Mendelson, May, David, Rosemann, Wormser. Achi Vereine erklärten sodann ihren definitiven Beitritt zum Verbände, du sämmtlichen außerdem anwesenden Vorstandsmitglieder sprachen ihrc Sympathie zum Vorhaben aus, waren auch persönlich einverstanden utii dem Hinzutritt ihrer Vereine, denen sie aber die Schlußerklärung vor behalten mußten, da sie ein Mandat zum Beitritt noch nicht erhalten hatten; es ist zweifellos, daß recht bald die weiteren Anmeldungen seitens der unter Vorbehalt beigetretenen Vereine erfolgen werden. Der Verband wurde für konstituirt erklärt, die Statutenberathung auf eim spätere Sitzung vertagt. Mit diesem Mt ist ein Schritt geschehen zun einigen und einheitlichen Zusammenstehen der verschiedenen israelitischer Kreise zur Bethätigung gemeinnützigen und sozialen Strebens im Sinuc der Würde unserer Religion und der der Juden heit gebührenden Stellung im Kulturleben K. Hannover, im März. Ein Erkenntniß von prinzipieller Beden tung ist vom Bezirksausschuß dieser Tage ergangen. Die politische Ge meinde Achim hatte mit der Schulgemeinde unter Genehmigung der zu ständigen Behörde einen Vertrag abgeschlossen, wonach von der erfterci sämmtliche V olksschullasten, soweit die eigenen Einnahmen der Schulc nicht reichten, auf die Gemeindekasse übernommen waren, und daruael hatte der Gemeindevorstand die Lasten auf die Mitglieder der politischen Gemeinde, wozu auch die Mitglieder der Synagogengemeinde gehörein vertheilt. Gegen diese Heranziehung erhob der Vorsteher der Synagogen Gemeinde Einspruch, und hiermit abgewiesen, Klage beim Kreisausschuß Es wurde geltend gemacht, daß die Juden zwar Mitglieder der politische! Gemeinde seien, aber da sie ihre eigene Volksschule Hütten, zu den frag lichen Schulabgaben nicht beitragspflichtig wären. Der Kreisausschun wies die Klage ab, weil nach der erfolgten Uebernahme des Schulkaffeu defizits sämmtliche Gemeindemitglieder ohne Unterschied der Konfession auch die Ausgaben für die Schule mit aufzubringen hätten, und diese! Entscheidung ist auch der Bezirksausschuß beigetreten. — Am 16. d. M fand in der Lehrerbildungs-Anstalt unter Vorsitz des Königl. Schulrathc Herrn Wendland die Entlassungsprüfung statt; es waren in diesen Jahre ausnahmsweise nur zwei Prüflinge, von denen einer auf Grund seiner Schulzeugnisse und seiner guten schriftlichen Prüfungsarbeiten von der mündlichen Prüfung entbunden wurde. OO Wolfenbüttel. In der hiesigen Samsonschule fand a\v 2. und 3. März die mündliche Reifeprüfung unter dem Vorsitze des her zoglichen Kommissars Professor Dauber statt. Sämmtliche 14 Zöglinge, die sich ihr unterzogen, bestanden und erlangten damit die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienste. — Erfreulich ist daß von den 14 jungen Leuten, die sännntlich Juden fütb, 4 zunächst ein Handwerk erlernen, um sich später auf einem Technikum zu Maschinen bauern, bezw. Elektrotechnikern auszubilden. Zum Theil ist dies der segensreicheu Einrichtung einer Stiftung an der Anstalt zuzuschreiben, die dazu bestimmt ist, abgehende Zöglinge, die sich dem Handwerke, dem Kunsthandwerk u. s. w. widmen wollen, während ihrer Lehrzeit mir wenn möglich auch später zu unterstützen. £ Bünde in Westfalen. — Am 1. Januar d. I. feierte Herr Moses Levison sein 25jähriges Jubiläum als Stadtverordneter. Durch unermüdliches, rastloses Streben zum Wohle der städtischen Ber waltung hat es derselbe verstanden, sich das Vertrauen der Bürgerschaf! so zu erwerben, daß er stets mit großer Majorität wiedergewählt wurde. Dem Jubilar, der auch erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde ist, wurden an seinem Ehrentage seitens der städtischen Behörde, so wie von vielen andern Seiten zahlreiche Glückwünsche und Anerkennungen zu Theil. - Möge es Herrn Levison vergönnt sein, noch recht lange mitzuwirken an dem Wohle und Gedeihen seiner Vaterstadt Bünde! vS Frankfurt a. M., 19. März. „Achawa", Verein zur Unter stützung hilfsbedürftiger, israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen