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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-24 · Heft 12 (24.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 12 (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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57. Jahrgang. Nr. 12. Gerlin, 24. Mär; 1893. tu M on cn, „vä Slu' wartete t>cv lt, ich ft»"1 ein anderer mten i° rt heiligte», Der Amor nterhattuur c mit seiner ranen Dostreckte sich 1 und Hose i Als mul d)t, eilte ic itten Lade» etteu Reche., manzipirer. rer schließe! ,her. Aber noch immer geschlosscr.; der Land ißt. vermag be, daß br! alte Lynck 14. ch Der Gemeindebote. WerLage zur „Allgemeinen Zeitung des Zuöenthums". i Sie ein ii idersprochn e Schlüsc lästina und stellt di-.'t t Rußlar . llen Geistc e Maßree!, reu Erw> l> lselben al r mds um ' vertreib i, wie!i kann, t'.-iO t ergang; ich es i.: i aß auch R gen werdi!. o lade ii) disputir u. r nur e.'i so warn r den werd-.n Bambu it, Heiun . chlecht htiuc üs morgen. Korrespondenzen und Nachrichten. Dentschland. Berlin, 20. März. In der am 19. er. stattgehabten Sitzung?er Repräsentantenversammlung kam es bei der Frage der Ergänzung des Vorstandes, welche durch den bekannten Austritt zweier Mitglieder nothwendig geworden ist, zwischen den Herren Justizrath Meyer und Rechtsanwalt Tiktin zu einer längeren Auseinandersetzung. Nachdem Herr Simon als Referent der Wahlkommission seinen Bericht! ahingehend erstattet, daß die Kommission noch nicht in der Lage sei, Kandidaten der Versammlung vorzuschlagen, drang Herr Rechtsanwalt -Ciftin auf eine schleunige Erledigung der Angelegenheit, indem er sich ins $ 34 des Statuts berief, nach welchem der Vorstand aus sieben Mitgliedern zu bestehen hat. Es könnte dabei sehr wohl der Fall einreten, daß in der Gemeinde sich Stimmen mit der Behauptung erhöben, ie Beschlüsse des Vorstandes seien ungiltig, weil dieser sich gar nicht ii der gesetzmäßigen Verfassung befinde. Herr Justizrath Meyer ent- »egnete hierauf, daß er der Vorgesetzten Behörde über den augenblicklichen -tand der Sache Bericht erstattet habe. Verlange dieselbe die vorschriftsmäßige Zahl von sieben Herren, dann müsse allerdings danach verfahren werden. So lange dies nicht der Fall, möge man es bei dem jetzigen ^tand belassen schon im Hinblick darauf, daß im November ohnedies ''Neuwahlen stattfinden. Nach Duplik und Replik zieht Herr Tiktin 'einen Antrag: „Die Repräsentantenversammlung wolle beschließen, baß .Neuwahlen stattzufinden haben", zurück. Bei der Wahl eines Repräentanten in das Kuratoriuni der Dr. Ephraim-Stiftung entscheidet sich eie Versammlung für Herrn Leichtentritt. Letzterer giebt sodann ans den Rechnungsabschlüssen ein interessantes Bild über die Zuschüsse, welche die twn der Gemeinde zu den hohen Festtagen eingerichteten Synagogen er- 'ordert haben. Danach batte der Gottesdienst in der Brauerei Friedrichslain 238 Mk., derjenige in der Philharmonie 484 Mk., der Gottesdienst n Gesellschaft der Freunde 3530 Mk., bei Arnim 3350 und im Verein unger Kaufleute gar 4140 Mk. Zuschuß erfordert. Der bedeutende Ausfall bei dieser letzteren Synagoge ist der Nähe der Synagoge in der indenstraße zuzuschreiben, und empfiehlt darauf Herr Leonh. Sachs, den Gottesdienst in der Beuthstraße nicht mehr ins Leben zu rufen. Trotzen: hat sich diesmal bei den improvisirten Gotteshäusern ein Mindererbranch von 0245 Mk. ergeben. Herr Mannheimer legt dann die Etats er Synagogen in der Linden- und Kaiserstraße vor, die mit einer Ervarniß von 4545 bezw. 1269 Mk. abschließen, lieber das Beerdigungsvesen referirt Herr Martin Simon, und es ergab sich, daß im Jahre 1892 - 238 Beerdigungen gegen 1240 im Vorjahre vorgenommen worden sind, um denen 26 auf Selbstmörder, gegen 37 im Vorjahre entfallen. An Überschüssen wurden 15,350 Mk. erzielt Nach der laut Antrag des werrn Maurermeister Fränkel erfolgten Bewilligung verschiedener Nachlragskredite tritt die Versammlung in die geheime Sitzung ein. 35 Berlin, 21. März. Wie man uns mittheilt, hat die Erllärung der 220 deutschen Rabbiner namentlich in Rußland großes Aufsehen erregt. Selbst die judenfeindliche „Nowoje Wrem.ja“ hat darüber einen anerkennenden Artikel gebracht, dessen Eindruck sie allerdings einige Tage später durch heftige Angriffe zu verwischen suchte. Was uns aber viel wichtiger und interessanter erscheint, ist die Mitlheilung, daß eine lebhafte Agitation in den betheiligten Kreisen stattfindet, um sünnntliche russische Rabbiner gleichfalls zur Annahme resp. Annerkennung dieser Erklärung zu veranlassen und daß alle Aussicht für den Erfolg dieses Unternehmens vorhanden sein soll. — Eine merkwürdige Nachricht bringt übrigens heute W T. B aus Petersburg: Wie die „Birshewyja Wjedomosti" melden, soll im Ministerium des Innern eine Rabbinerkommission zur Prüfung einiger Angelegenheiten in dieseni Herbst zusammentreten. Es handelt sich dabei um eine vom Gesetze bereits vorgesehene Maßnahme. In diese Kommission werden aus jeder hebräischen Kultusgemeinde der Städte Rußlands, wo ’ Hebräer ansässig sind, zwei Depntirte gewählt. Wie „Woskhod" wissen will, Hütten in Ismail und Kischinew bereits die Wahlen für diese Kommission stattgefunden!! Berlin, 22 März. Im Reichstag hielt Herr Ahlwardt vorgestern die Zeit für gekommen, seine früheren verleumderischen Behauptungen in Sachen der von der Löweschen Fabrik gelieferten Gewehre zu wiederholen. Er wurde von dem Reichskanzler Grafen Eaprivi und von dem .Kriegsminister in allen Punkten der Unwahrheiten überführt. Gleichwohl blieb er bei seinen Behauptungen stehen. Ihm trat als Helfer mit gewissen Reservationen der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg zur Seite. Beide wurden von Eugen Richter in scharfer und schlagender Weise abgefertigt. Die Erklärung des Reichskanzlers enthielt folgende zur Charakterisirung des antisemitischen Führers ausreichende Sätze: „Der Abgeordnete hat im Anfang seiner Rede seine Freude darüber ausgesprochen, mich heute hier zu sehen. Ich kann zu meinem aufrichtigen Bedauern diese Freude insofern nicht erwiedern, als es mir nicht lieb ist, ihn heute hier zu sehen. Der Umstand, daß er Mitglied dieses hohen Hauses ist, und die Achtung, die ich vor diesem hohen Hause habe, hindern mich, ihm dasjenige zu erwiedern, was ich ihm sonst erwiedern würde. (Lebhafte Zustimmung.) Der Abg. Ahlwardt kann sprechen, so viel er will, niemals wird er im Stande sein, das durch Jahrhunderte begründete Ansehen der preußischen Militärverwaltung und der preußischen Justiz zu erschüttern." — Gestern hat Ahlwardt bei der Berathung des Etats des Reichsinvalidenfonds einen bisher im deutschen Reichstage unerhörten Skandal herbeigeführt. Er erklärte, sich im Besitze von elf Originalakteustücken zu befinden, die, von noch jetzt im Reichstage sitzenden Parlamentariern und vom „Finanzminister" unterzeichnet, beweisen sollen, daß das deutsche Volk von diesen und ihnen nahestehenden Herren um Hunderte von Millionen betrogen worden sei. Auch hielt er seine Behauptung, daß die Dotirung des Jnvalidensonds in der vom Fürsten Bismarck vorgeschlagenen, vom Reichstage angenommenen Weise „nach Verhandlungen hinter den Kulissen mit den B ö r s e n j u d e n" erfolgt sei, trotz des energischen Widerspruchs des Staatssekretärs von Maltzahn vollständig aufrecht. Tie Erregung, die das ganze Haus nach diesen unglaublichen ''Anschuldigungen ergriff, war beispiellos. Ahlwardt stellte in Aussicht, nach dem Wiederbeginn der Sitzungen die Aktenstücke auf den Tisch des Hauses niederzulegen; auf dieses Anerbieten ließ sich aber der Reichstag nicht ein: auf Antrag der Abgg. Rickert (df.) und von Manteusfet (dk.) wurde die sofortige Vertagung der Sitzung beschlossen, um den Abg. Ahlwardt zu zwingen, schon heute die Akten dem Reichstage zu unterbreiten, da ein so schwerer Vorwurf auch nicht 24 Stunden auf der Regierung haften bleiben dürfte. Einstimmig wird dieser Beschluß unter großer allgemeiner Bewegung gefaßt. Berlin, 12. März. Da der Wunsch der feudalen Junker, den deutschen Juden ihre Bürgerrechte zu beschränken, den Herren selbst, wenigstens den Augenblick, aussichtslos zu sein scheint, so suchen sie sich an den ausländischen Juden schadlos zu halten. Im Reichstage haben die konservativen Abgeordneten Freiherr von Friesen, und Freiherr von Hammerstein mit Unterstützung von 30 andern Mitgliedern der konservativen Fraktion einen Initiativantrag eingebracht, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem Israeliten, die nicht Reiehsangehörige sind, die Einwanderung über die Grenzen des Reichs untersagt wird. Welch eine Unvorsichtigkeit! Wie sollte denn der Treitschke der Zukunft eine etwaige wirthschaftliche Kalamität erklären, wenn die jüdische Einwanderung aufhörte! X Berlin, 20. März. Zum Einschreiten der Polizei hat ein neuer Unfug der Ahlwardtiauer Anlaß gegeben. Seit einiger Zeit hatten die Passanten der Friedrichstraße darunter zu leiden, daß sie auf Schritt und Tritt von antisemitischen „Anreißern" belästigt wurden, welche kleine graue Billets nach Art der Eisenbahnfahrkarten vierter Klasse feil hielten. Dieselben wiesen Inschriften, wie: „Nach Jerusalem. Hin, aber nicht zurück" und ähnliche fade Bemerkungen auf. Wir nehmen mit Genug-

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