Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-24 · Heft 12 (24.3.1893) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 12 (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
Seite 143 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3227999--49639-3271214
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mggesellew nach; v schild bir on nicht k bei ßraut: lle Grund. 1 Groschl.ü m, 43etnlidi rat, wai-ii nn er, wie der Weü- , oder gar. l Monate che Büch-. r. geführt l Begriffü l.812 wi-ii rirt \m \ ffter 18;:; iführt, ( urgeschick: >stück an r iterer gilt )en Akte: Gastma A t auf b-v in welch' ü chlr. 4 O i folgt b . . lad n ust in M urch eii lußer b :i Hfiteufa i irthet haron b i S germ sicht ill i h. — 143 11. Das Dessert.5 Thlr. 7 Gr. - Pf. 12. Der Köchin Scheindel fürs Kochen 12 „ — „ — „ 13. Leihgeld für Messer und Gabeln .?4. Teller re. 15. Tische, Tischtücher, Gläser re. . .; 6. An Hirsch für Aufwartung . . . 1 Pack Konzeptpapier für Fidibus 4 6 13 6 20 8 5 12 3 6 6 Dem Boten der Gesellschaft für Biergeld — V2 Pfd. Tabak (auf ausdrückliches Verlangen der Mehrheit) .... 2 „ — „ — „ Summa in 124 tet 197 Thlr. 0 Gr. 0 Pf. Dann kommen Rechnungsbeläge. Die Quittungen der christlichen Lieferanten sind natürlich deutsch, z. B.: 2 Thlr. sind mir vir 5 Pfd. Talglicht bezahlt worden. Berlin, 4. August 1811. Reische (Nr. 3) obei: IVo Pfd. Rester Canaster 1 Thlr. 12 Gr. Münze, Zahlung bankend rhalten. I A. Wollschlüger. (Nr. 1) Die Juden quittiren in jüdischdeutscher Kursivschrift, z. B.: Nr. 11 die Dessertrechnung): : Melonen.2 Thlr. 10 Gr. Metzen Birnen.1 „ — „ - Metze Birnen.— „ 15 „ 2 Metzen Pflaumen.1 „ 6 „ ö'Thlr. i. (Der Thaler hat nämlich 24 gute Groschen.) Der Tafeldecker Hirsch, obgleich jedenfalls Jude, quittirt als äreng moderner Mann deutsch-latein (Nr. 16): Arbeitslohn für mich .0 Thlr. — Gr. „ für meür Bursche.— „ 12 „ Summa 0 Thlr. 12 Gr. Was die Madams Simon und Beer für die 124 Thlr. 13 Gr. gekauft haben, will ich nicht ausführlich, sondern nur auszugsweise oiedergeben: Alte Semmel 8 Gr., Eier ,6 Gr., Pfeffer 2 Gr., Mehl 13 Gr. 0 Pf., 9utter 1 Thlr. 10 Gr. 6 Pf., Zucker 1 Thlr. 18 G., Fleisch 23 Thlr. 13 Gr., Schmalz 3 Thlr., Torf 8 Gr., 4 gesalzene Zitronen 12 Gr., Neerrettig 8 Gr., Branntwein 5 Gr., Noch einmal alte Semmel 8 Gr., Gurken 16 Gr., Kaffee, Zucker, Gewürze 24 Thlr. 9 Gr. 9 Pf., urschen 4 Thlr. 16 Gr., Himbeeren 18 Gr., Spanischer Pfeffer 6 Gr., 3iergeld für Fleisch 6 Gr., Gänse 19 Thlr., Gänse zurichten 6 Gr.!. s. w. u. s. w. Daß der theuerste Posten der ganzen Rechnung auf Kaffee, Mucker und Gewürze entfällt, veranschaulicht die Wirkung der Koninentalsperre, die damals auf ihrer Höhe stand. Auch das Leihgeld für Glas w. ist nicht niedrig, wobei man wohl erwägen muß, daß es aus rituellen Gründen ganz neu sein mußte. Herr Klinsmann liguidirt (Nr. 14): 25^/s Dutzend Teller.3 Thlr > Stück Terrinen.— „ >0 runde Schüsseln.1 „ i Saussier (sie!). . . . . - „ 24 Sallatier (sie!).. . . — „ '» Salzfäßchen.— „ 1 Kaffeebrett.— „ 2 Teller fehlen .- „ Trägerlohn.1 „ 6 Thlr. 8 Gr. 6 Pf. Herr Wilhelm Pentz (Nr. 15) rechnet unter Anderm: 6 Dutzend Salbegeten.3 Thlr — Gr. lnach längerem Nachdenken erräth der Leser „Servietten") o Taffeltiecher.3 „ — „!8 Wischtücher ..6 „ 18 „! groß Handtuch.- „ 8 „ 1 Dutzend bier Gläser.— „ 12 „ 4 Gr. 6 Pf. 10 „ - „ 6 „ - „ 6 „ - „ 8 „ - „ 2 ft _ 3 „ — „ 9 „ - „ 8 „ — „ Auffallend ist, daß 27a Dutzend Weingläser nur zu einem Groschen berechnet werden. Da Wein nirgends anderwärts vorkommt, kann man wohl schließen, daß sie nicht gebraucht worden sind. für je ein Glas, vaß fehlt.6 Gr ein Handtuch fehlt re.8 „ Wer sich für die damaligen Bierpreise interessirt, erfahrt aus der Quittung Nr. 6, daß man für 4 Thlr. 2 Gr. „32 Butelj Fredersdorfer" und „12 Butelj Weißbier" bekam. Wie billig leben wir dagegen! Die Köchin Scheindel, von der man leider keine Photographie zu den Akten genommen hat, so daß ich nicht erkennen kann, ob sie ihrem Namen (Diminutiv von Scheine--Schöne) Ehre macht, dürfte schmackhaft gekocht haben. Jedenfalls muß das Sommernachtsfest den 54 Theilnehmern sehr gut behagt haben, denn ähnliche Zudehs haben sich noch oft wiederholt. Sie bieten den Gegensatz zu den ichweren Zeiten der Kriege, Epidemien, wirthschaftlichen Krisen, die sich im Archiv ebenfalls wiederspiegeln. * Sollte sich trotz der warnenden Ueberschrift doch eine oder die andere schöne Leserin zur näheren Durchsicht dieser Skizze haben verleiten lassen, und sollte sie deshalb mit mir schmollen, weil die Junggesellen, um die es sich hier handelt, nicht ganz lin de siede sind, — ober weil der angekündigte Realismus ausschließlich „fleischiger und milchiger" Natur ist, oder endlich weil es sich nicht um Bebelsche Frauenemanzipation, sondern um Stein-Hardenberg'sche Judenemanzipation handelt, — so bitte ich sie, sich echt weiblich damit zu trösten, daß die meisten der Junggesellen aus dem Kometenweinjahr 1811 später geheirathet haben und zum großen Theil die Stammväter noch heut blühender Geschlechter geworden sind. Freilich muß ich noch hinzufügen, daß manche Enkel jener Männer trotz vorzüglicher Qualifikation bis heut der Marine reim ferngeblieben sind, obgleich dieselbe als eine ehrwürdige Greisin, die drei Menschenalter hindurch nnmche Thräne getrocknet, Wittwen und Waisen unterstützt, Bedürftigen über schwere Zeiten hinweggeholfen hat, wohl Ansprüche an ihre Anhänglichkeit und Dankbarkeit hätte. Wenn die Damen dazu beitragen würden, auf ihre Gatten nach dieser Richtung hin günstig einzuwirken, tonnten wir vielleicht an eine Wiederholung des 4. August 1811 „mit Damen" denken. Aber die Sache hat eine noch viel ernstere Seite. Nur wenn mir wissen, woher wir kommen, können wir beurtheilen, wohin wir gehen, und ob wir auf richtigem Pfade sind. Nichts stärkt das Berständniß für soziale und soziologische Fragen besser, als wenn wir uns damit beschäftigen, wie unsere Borfahren gelebt und gestrebt, gelitten und gestritten — auch wie sie das Leben genossen haben. „Dies nennt man inmonarchischen Staaten die Tradition" - und auch in Israel spielt der Rückblick auf das Andenken der Borfahren die Rolle eines erfrischenden Bergquetls. Ich habe ja hier nichts bieten wollen als Thatsachen alltäglichster Bedeutung; dem Leser muß ich es überlassen, ans den zerbrochenen Gläsern und dem „auf Mehrheitsbeschluß" gekauften theureren Tabak, aus den „Transporten Bier" und den unerschwinglichen Kolonialwaaren in Verbindung mit seinen Familienüberliefernngen ein lebensvolles Bild zu schaffen. Noch fehlt der Dichter, der uns schildert, wie unter dem Druck der schweren Zeiten in Preußen ans „Mitgliedern der hiesigen jüdischen Kolonie" Deutsche geworden sind; die Geschichte der „JVlagine reim“ und der zu ihr gehörigen Familien würde ihm manchen brauchbaren Baustein liefern. U

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.