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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-24 · Heft 12 (24.3.1893) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 12 (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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138 Ferner scheint mir der Kapitel 2 eingeschaltete (wegen v. 5) plump genug der Mutter Samuels in den Mund gelegte spätere Psalm, — schon des Gemeinplatzes v. 8 halber — auch nicht passend in dem Munde der Mutter des ersten Königs in Israel. Endlich muß ich bei dem aus dem Sefer Hajjaschar entlehnten trefflichen Lied (2. Sam. 1, 17 fl.) — welches im Einklang mit der Erzählung des altern Verfassers der Bücher Sam. die engste Liebe Davids zu Jonathan bezeugt — an der Ansicht festhalten, daß dasselbe, wenn nicht von David selbst verfaßt, doch schicklich diesem König in den Mund gelegt sei. Sie wollen dagegen es ganz und gar von D. abziehen, es zum Abschluß des Buches Saul machen und zu Gunsten dieser Annahme v. 16 gern ausscheiden — aus Gründen, die mir in der That nicht stichhaltig scheinen. Denn, daß D. den gefallenen König Saul in Verbindung mit seinem Sohne Jonathan besingt und beklagt, ist gewiß nicht auffällig; seine Härte gegen Jonathans Sohn und Sauls Familie — aus den Verhältnissen noch erklärlich, keinenfalls aber hinreichend das ganze Freundschaftsverhültniß zwischen D. und I. ungeschichtlich zu machen. Und was den von Ihnen verdächtigten v. 26 betrifft, so scheint mir grade das individuelle, subjektive, der lyrischen Poesie recht eigenthümliche Moment für seine Ursprünglichkeit zu sprechen. Des poetischen Schwunges dürfte er kaunr mehr als v. 24 entbehren, und mit dem zu dem Anfang zurückkehrenden Wehruf v. 27 einen packenden Schluß des herrlichen Liedes bilden. Entschuldigen Sie, wem: ich, statt tiefer in die Sache einzugehen, mich heute auf diese flüchtiger:, unzulänglichen Bemerkungen beschränken muß, die ich Ihnen, auf Ihre gütige Nachsicht rechnend, unumwunden mittheile. Vielleicht habe ich bald Gelegenheit, mich mündlich ausführlich über diesen Gegerrstand mit Ihnen auszusprechen, unterdessen empfangen Sie mit meinem wiederholten Dank die Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung Ihres ganz ergebenen Berlin, 23. April 72. Frd. Benary. * Berlin, 28. Januar 1871. H och geehrt ester Herr! Ihre neue Schrift über den Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und Jakob, welche Sie mir zu übersenden die Güte hatten, sammt Ihrer geehrten Zuschrift habe ich vor 8 Tagen richtig erhalten und sofort mit großem Interesse durchgelesen. Daß ich erst heute antworte, hat seinen Grund in einigen dringenden Geschäften, die zuvor erledigt sein mußten. Nehmen Sie vor Allem meinen verbindlichsten Dank für die Gabe selbst und für die Aufmerksamkeit, welche Sie durch Ueberreichung derselben mir bewiesen haben! Was der Inhalt Ihrer Schrift betrifft, so war ich, da mir nicht bekannt war, daß Sie auch auf biblischem Gebiet eingehende Studien gemacht haben — allerdings überrascht durch die Fülle richtiger Beobachtungen, welche Sie in derselben niedergelegt haben. Nicht als ob dieselben überhaupt ganz neu und hier zum erstenmal ausgesprochen wären, vielmehr sind die meisten, soweit ich sie überhaupt billigen kann, in den neueren Werken unserer Gelehrten schon veröffentlicht; aber da ich kaum annehmen kann, daß Sie diese Werke alle kennen oder gelesen haben, so glaube ich gern, daß Sie manche davon selbstständig gefunden haben, und ich zolle darum Ihrem Scharfsinn alle Ehre. Auch ist ohne Frage das Ganze, wie Alles, was aus Ihrer Feder kommr, sehr auziehend und mit Geist geschrieben. Dagegen bedaure ich das eigentliche Resultat Ihrer Untersuchung, daß im Gegensatz der Abraham- und Jakob-Sage sich der Gegensatz des judäischen David-Reiches und des israelitischen oder ephraimitischen Jerobeam-Reiches abspiegle, ja die Sagen selbst dem bewußten Aantagorisrnus zwischen beiden Reichen ihren Ursprung verdanken, als für mich unannehmbar erklären zu müssen. Ich gebe gern zu, daß die Jakob- Jsrael-Sage vorzugsweise bei den zehn Stämmen, die Abrahamsage bei Juda gehegt wurde, nicht aber, daß sie nicht beide doch auch Gemeingut des ganzen Volkes waren, und noch weniger, daß sie so jungen Ursprungs sind. Mit David sind wir in der historischen Zeit, Da hört die Sagen- Erfindung (wenn man je eine solche annehmen will) auf; die Sage kann da, je nach den Kreisen, in denen sie lebt und erzählt wird, den Einzelheiten nach modifizirt werden, aber ihre Stoffe können sich nicht erst bilden, die müssen viel älter sein. Die sogenannte Tendenzkritik auch auf die alten Sagen selbst (nicht auf die Schriften, worin sie erzählt sind) anwenden zu wollen, erscheint mir als ein Attentat auf eines der höchsten Güter der alten Völker. Was wollte man von einem sagen, der die homerischen Sagen erst in der Zeit nach den Perserkriegen sich bilden ließe! Und was bei den Griechen nicht denkbar ist, ist es auch bei den Hebräern nicht. Ich weiß wohl, daß jetzt Viele diese alten Vätersagen in lauter Dunst und Nebel auflösen wollen: aber wohin kommen wir damit und was gewinnen wir damit? Wenn (freilich) die harmlosen Familiengemälde und stammbaumartigen Kombinationen, in welchen diese Vätersagen uns jetzl vorliegen, vor der strengeren Wissenschaft als reine geschichtliche Wahrheil sich nicht ausweisen können, muß dann darum das Ganze erst Erfindung des Späteren sein, kein Kern guter geschichtlicher Erinnerung über die alten Völker- und Stammverhältnisse mehr darin sich finden? Ja, ich wenigstens kann mich bis jetzt nicht einmal davon überzeugen, daß Abrain oder Abraham oder was sonst die ursprüngliche Form des Namens war. nicht eine geschichtliche, in der Geschichte der hebräischen Wanderungen wichtige Persönlichkeit war. Aus der Durchsichtigkeit der Bedeutung der Namen sofort auf die Ungeschichtlichkeit ihrer Träger zu schließen, ist zu rasch; nach dieser Regel müßten wir noch eine ganze Masse von Personei: aus der Geschichte streichen. Sodann muß ich aber auch ihren Kanon, daß „die Sonderung und Schei düng der Sagen praktisch der Sonderung und Scheidung der Schriftstücke vorangehen" muß, als unrichtig in Anspruch nehmen. Zuerst muß ma\ über die Quellen, ans denen die Stoffe der Sage zu erheben sind, im Klaren, sein, dann erst kann man diese Stoffe wissenschaftlich sichten und durch dringen. Gerade in der Kritik der Quellenschriften, die der Genesio zu Grunde liegen, sind wir schon zu großer Sicherheit gelangt: wir können fast bis auf den Vers und Verstheil hinaus jeder einzelnen das was ihr zukommt, zuweisen und wissen zugleich, daß sowohl judäische ab nordisraelitische Quellenschriften darin vorliegen. Aber gerade aus diesen. Sachverhalt mit den Erzählungsschichten oder Bnchschichten der Genesis ergiebt sich dann mit völliger Gewißheit, daß die Gesammtsagevon Abraham Jacob beiderlei (judäischen und ephraimitischen) Erzählern bekannt war. Unrichtig ist, was Sie mehrmals behaupten, und worauf Sie vie> bauen, daß Jesaja den Abraham nicht kenne. Jes. 29, 22 ist eine unbc zweifelt echte jesaianische Stelle. Eine Kombination von p-Qi"! uw S. 26, sowie von ^71 und S. 75 wäre bei Griechen, nich aber bei einem altsemitischen Volk, welches noch das echte Hebräisch sprach, denkbar. Schilo (S. 32) hat seine Bedeutung schon unter Samuel und Sau! vollständig verloren; Mizpa (S. 47) Jakobs Gen. 31 und Mizpa Saul (1. Sam. 10, 17) haben gar nichts mit einander zu thun, da jenes in Gilead, dieses in Benjamin lag; Ephraim (S. 75) lag nicht in der Landschas Israel. Gegen Ihre Aus- und Umdeutung der Sagenerzählungen hätl ich Einwendungen in Fülle zu machen. Die ich natürlich hier nicht vor bringen kann; ich bemerke nur, daß, wenn man hierbei solche Mittel n Anwendung bringt, wie Sie S. 53 f., man zuletzt Alles aus Aller machen kann. * Entschuldigen Sie die Freiheit, mit der ich meine Einwendungevorgebracht habe: Sie haben es selbst gewünscht, daß ich mich über Ihr Schrift ausspreche. Beurtheile ich sie nach den Kenntnissen und de::: Scharfsinn, die Sie darin an den Tag legen, so kann ich Ihnen mein.. Anerkennung nicht versagen; handelt es sich aber um Erforschung dc Wahrheit und Förderung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, so muß in> sagen, daß Sie mir den Werth und Charakter der alten Vätersagen sel? stark zu unterschützen scheinen. Noch einmal verbindlichst dankend, in aller Hochachtung Ihr ergebenste Den Beschluß macht für heute ein interessantes Schreiben de berühmten Physiologen Professor Voll, das den Beweis liefert, nr eifrig sich dieser gefeierte Gelehrte auch mit bibelkritischen Studie abgegeben hat: Neubrandenburg, 31. Januar 187t Hochgeehrter Herr! Durch Uebersendung Ihrer Schrift: Ursprung der Sagen, habe: Sie mir eine zweifache Freude gemacht Einmal betrachte ich dieselbe als ein Zeichen Ihrer freundlichen Gesinnung gegen mich; aber auch De: Inhalt der Schrift hat mich nicht wenig befriedigt. Ich habe dieselbe sogleich durchgelesen und erlaube mir. Ihnen den Eindruck auszusprechen, den sie auf mich gemacht hat. Daß in den fraglichen Patriarchen-Sagen spätere politische Verhältnisse sich abspiegeln und sie diesen ihre Entstehung; und ihre Ausbildung verdanken, scheint von Ihnen für die FolgezeU

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