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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-17 · Heft 11 (17.3.1893) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 11 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
Seite 131 (sequence 13)
Language
German
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131 i hen, nur Handeln, ich will doch sehr weil cs die jungt >r iw dv e?" Dir, Dein : scheinen sollen bk gte 9lixiio ize Stad!!as über weiterer vlich, woe ann Jite! )ie Herze! >on Nichte ,e», es st! i gewesen, der Schul ie sich mn ie entehr^ in Berich cu armen, s Wörter riete nicht ß ja, dau i)ich habe, licht mehr ch glaube. in cs nn w, Mütter- Drr nie! men l»N > Ander« berzeugt, lse flogen ufruhr i' chmühlich bedoll d! n, so wib es wicdoi tammeltr: getäuscht „Nein! Nein!" sagte Anna leise. „Sie haben sich nicht getäuscht, ] nh allein habe mich bisher in mir getäuscht," und ihr Gesicht ward nir einen Augenbick wie mit Blut übergoffen; „erst in dieser Stunde, erst seitdem Sie hier sind, weiß ich es, ich wandelte blind an einem Abgrund, ich wußte nichts von mir, ich freute mich, wenn er kam, ich dachte wohl den ganzen Tag an die Stunde», die wir am Abend »erleben würden, ich redete mir jedoch ein, daß auch mein Vater sich l,i ebenso freute, ich war zufrieden, glücklich, ohne weiter hinaus zu denken; erst jetzt weiß ich, daß ich ihn liebe, und ich schaudere vor j mir selber, o, ich bin so unglücklich, rathen Sie, helfen Sie mir."! Sie verbarg ihr weinendes Gesicht an der Freundin Brust. Jitel wurde weich. „Beruhige Dich, liebes Kind, ich will Nachdenken, was nun zu i »um ist; heute sind wir Beide zu erregt, morgen Nachmittag mache! ich mich frei und komme wieder zll Dir, jetzt will ich gehen, und mich D» sollst Dich hinlegen." Jitel schien noch über etwas zu sinnen, dann Plötzlich und ganz ivcrmittelt sagte sie: „Anna, wie kommt cs, daß Dein Vater nicht > u einziges Mal den Versuch gemacht hat, hier einzutreten?" „Jitel, er ruht jetzt gewöhnlich einige Stunden um diese Zeit, d imit er," die Verlegenheit verwirrte sie, „länger munter bleiben l im, ich pflegte den Vater, wenn er noch nicht aufgestanden war, eich zu holen, sowie Kalinsky ins Haus trat. Ich war nie mit i nn allein," sagte Anna, Jitel treuherzig in die Augen blickend. Jitel küßte sie, sie war beruhigt. '! Man hörte ein Räuspern.! „Hören Sie, Jitel, nun kommt der Vater." Der alte Hirsch kam langsam heran, er hatte sprechen hören. „Herr Doktor, sind Sie da?" „Es ist unsere Jitel, Vater." j Jitel begrüßte ihn laut, Hirsch ging aus sie zu »nd reichte ihr i io Hand. | „Ich freue mich, daß Sie auch einmal z» uns kommen," sagteer,! inid sprach weiter: „Ich kann es Ihnen zwar nicht verdenken, daß - i jo selten geschieht, denn wer, wie Sie, den ganzen Tag zu thun > t, ist des Abends am liebsten in seinem Hanse. Aber manchmal j l unten Sie uns doch das Vergnügen machen; ich bin überzeugt, daß - > auch für Sie ein Vergnügen wäre, denn >vir verbringen jetzt die! --Vcndstunden wahrhaft schön undangenehm mit dem Doktor. Er ist j i i ganz prächtiger Mensch, ich vergesse stets daran, daß er kein Jude j i; bei mir wundere ich mich nicht darüber, aber ich glaube, daß j > d) er vergißt, daß wir Juden sind, und das rechne ich ihm hoch! lt - da sieht man, daß ein guter Mensch doch immer wieder auch in - d » Juden erst den Menschen sieht." j Jitel wollte auf dieses Thema nicht eingehen, sic sagte nur: j „Ihre Anna sehe ich fast täglich, wenn ich ins Komptoir gehe, j : spechen uns auch gewöhnlich eine» Augenblick am Fenster oder der Thür, und sie erzählt mir, wie es Ihnen geht; aber Sic >! iVen Recht, ich will jetzt öfter Herkommen." Am folgenden Nachmittage kam Jitel, wie sie cs versprochen -ie; sie sah Anna bedauernd an, wie konnten wenige Stunden sic ie verändert haben, bleich, hohläugig, müde und gebrochen sah sie aus. Stumm reichte sie der älteren Freundin die Hand. Anna merkte > nicht, welchen Eindruck ihr verändertes Aussehen auf Jitel gemacht. Sanft, wie man zu einem kranken Kinde spricht, fragte Jitel:; --'still, Anna, was hast Du beschlossen? Ich sehe Dir an. Du hast j il-se Nacht nicht geschlafen, was hast Tu also ansgedacht?" „Ich kann nicht denken," crwiederte Anna. „Ich fühle blos, »ve groß das Unglück ist. Wenn es nicht um meinen armen Vater "'äre, daß ich leben muß, weiß Gott, wozu ich im Stande wäre." „Anna, so darf keine jüdische Frau denken, viel weniger cs aussprechen, sei vernünftig, komm, lasse uns möglichst ruhig besprechen; wir wollen überlegen, denn die Hände in den Schooß, dürfen wir nicht legen, wir müssen zu einem Entschluß kommen, das steht nun einmal fest. Jetzt handelt sichs ja auch gar nicht mehr darum, auf Mittel zu sinnen, wie die Verleumdungen verstummen zu machen. Es genügt jetzt nicht mehr, wenn der Doktor Euer Hans auch meiden wird. Ich habe hin und her gedacht, mein Gehirn zermartert, aber ich finde doch nur den einen Ausweg. Ich werde dem Doktor von dem Gerede der Leute erzählen und wie sehr Du dadurch unglücklich bist, welche schreckliche Folgen cs »och für Dich haben könnte, und ihm in feiner Weise zu verstehen geben, daß er den Ort verlassen soll; tvenn er Dich so achtet, wie ich glaube und hoffe, so wird er cs gewiß thun, denn ich setze großes Vertrauen in seine Rechtlichkeit. Was meinst Du?" (Fortsetzung folgt.) U Litterarische Mittheilungen. — Freiheit, Liebe, Menschlichkeit! Ein Manifest des Geistes von hervorragenden Zeitgenossen Berlin 1893. I. van Groningen Comp. — Als Zeugen im Kampfeder Humanität gegen den Antisemitismus, hat der Unternehmer dieses Prachtwerkes die deutschen Denker und Dichter vor 'Allem aufgerufen. Und mit Recht! Sind sie doch die Hüter der Ideale der deutschen Nation, gegen welche der antisemitische 'Ansturm zuerst sich richtet. Und die hervorragendsten unter ihnen haben sich auch mit ihrem kräftigen Protest eingestellt. Wir fiitben in diesem Buche Aussprüche oder Gedichte von Paul Heyse, Hermann Lingg, Eduard v. Hartman«, Felix Dahn, Wilhelm Jensen, Hermann Heiberg, Martin Greif, Georg Ebers, E. Eckstein, Rudolf Baumbach, M. G. Conrad, Wilhelmine v. Hillern, M. v. Egidy, Nahida Remy, Emil Rittershaus, Otto Roquette, Anton v. Werner, P. K. Rosegger, A. v. Schack, Albert Träger - und noch viele andere Ritter des Geistes, die mit ihren Lanzen zum Turnier sich gestellt haben. So ist diese Anthologie in der That eine große und bedeutungsvolle Manifestation des deutschen Geistes. Wie viel Kraft und Weisheit, wie viel Geist und Witz, wie viel poetisches Empfinden und philosophische Klarheit ist hier aufgeboten, um das antisemitische Treiben gebührend zu geißeln! Ein solcher Aufwand von Geist kann nicht umsonst verthan sein. Wir hoffen, das; dieses Werk überall, wohin es dringt, klärend und reinigend wirken wird. — Der Verlagshandlung gebührt nicht nur die Ehre des Unternehmens an sich, sondern auch die der in jeder Beziehung gelungenen Ausführung. In typographischer Beziehung (das Werk ist aus der Buchdruckerei von Rudolf Mosse hervorgegangeu) wie hinsichtlich der Ausstattung ist Alles geschehen, um ein wirkliches Prachtwerk herzustellen. Es bleibt nur noch zu wünschen, daß der Erfolg der Arbeit und Mühe entsprechen möchte. Dieses kräftige Manifest deutschen Geistes gegen antisemitische Intoleranz sollte in der That in keinem Hause fehlen. Es sollte vielmehr die Zierde unserer Salons bilden, wo so viele Prachtwerke aufgestapelt liegen, von denen sicher nur sehr wenige dieser Anthologie an Werth und Bedeutung gleichkommen, s. d Spreckjsaal. Aus Niederschlesien, 5. März. Geehrte Redaktion! Im Interesse des ganzen Kultusbeamtenstandes und tut Interesse der Wahrheit bitte ich Sie ergebenst, nachstehende Zeilen in der nächsten Nummer Ihres geschützten Blattes gütigst aufnehmen zu wollen. In einem Aufsätze über die Verhältnisse der jüdischen Kultusbeamten in kleineren Gemeinden theilte Herr Kollege Bähr in Reichenbach mit, daß die Gemeinde Frankenstein in Schlesien ihren Beamten am Rosch- Haschanah aus der Synagoge geworfen habe. Diese Thatsache mag vielleicht paradox klingen, da Herr Bähr den ganzen Sachverhalt nicht angegeben hat; indeß hatte ich Gelegenheit, die reine Wahrheit des Um-

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