Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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Jahres mit dem Bau des Kranken- und Siechenhanses begonnen werden. Das Grundstück liegt parallel mit der nach Jersitz führenden Straße und grenzt mit den beiden schmalen Seiten an die Glacisstraße und an die Stargard-Posener Eisenbahn, mit der einen breiten Seite an den städtischen Platz für Jugendspiele uitb mit der anderen an den noch übrig gebliebenen Theil des Fahlau'schen Grundstückes. Angekauft ist außerdem, da die Benutzung der dem Militärfiskus gehörigen Glacisstraße für den Wagenverkehr nicht gestattet ist, ein schmaler Terrainstreifen neben dieser Straße, behufs Anlegung einer Straße nach dem erworbenen Grundstücke hin. Da dasselbe im ersten Festungsrapon liegt, unterhalb dessen ein Massivbau nicht gestattet ist, so werden sämmtliche Baulichkeiten gemäß der seit dein Besuche des Kaisers im Jahre 1889 datirenden Erlnnbniß aus Fachwerk errichtet werden. Doch soll durch Anwendung von hölzernen Jsolirwänden, Zementpntz u. s. w. alles Mögliche geschehen, uni gut heizbare Räume herzustellen. Der Bauplan ist von Baurath Schmieden in Berlin, einer Autorität auf dem Gebiete der Errichtung von Krankenhäusern, entworfen worden: darnach sind die Räumlichkeiten für 88 Kranke und 20 Sieche bestimmt. Sämmtliche Bauten sind bis April 1894 fertig zn stellen. Gegenwärtig liegen die Kostenanschläge und Bedingungen im Büreau der Lpnagogengemeiude zur Einsicht aus. Die erforderlichen Arbeiten und Materialien sollen im Wege des öffentlichen Angebots im Ganzen oder in einzelnen Losen vergeben werden. OO Strelno, 28. Februar. Der diesjährige 7. Adar war für viele Mitglieder hiesiger Korporation ein Fest- und Freudentag. Seit sechs Jahren besteht hierorts ein Brüdervere in; dieser kaufte eine neue Thorarolle, welche am 7. Adar vom Rabbiner I. Stern in der Behausung des Vorstehers H. Gembitz feierlichst eingeweiht wurde. Zahlreiche Mitglieder versammelten sich an dem bestimmten Orte, es wurde das Nctchmittagsgebet verrichtet und der Thoraabschnitt vorgelesen. Um 0 Uhr Abends erschienen sämmtliche Vereinsmitglieder festlich gekleidet, nach dem Abend-Gebete wurden Psalmen rezittrt, die Gesetzesrolle aus der Lade genommen und der letzte Abschnitt aus derselben vorgelesen. Während die Rolle unter einem Baldachin gehalten wurde, bestieg der Rabbiner ein Podium, trug ein deutsches Gedicht vor und schloß daran eine erbauliche Predigt über den Werth der Gotteslehre. Sodann nahm der Rabbiner die Rolle und unter Absingung des „O Herr, hilf doch!" wurde dieselbe wieder in die Lade gebracht. Hierauf fand ein solennes Abendbrod statt. x. Jnowrazlaw,4.März. Der „Verein für Krankenpflege und L e i ch e n b e st a t t u n g" (Chewra Kadischa und Bikkur-Cholim), dess en Ziel und Streben dahin geht, nicht blos im engern Kreise oer hiesigen Gemeinde zu wirken, sondern auch durch die Schaffung einer Centralisation derartiger Vereine den kleinern Gemeinden auf dem Gebiete der Krankenpflege hilfreiche Hand zu bieten, feierte am 7. Adar unter recht Zahlreicher Betheiligung sein erstes Vereinsfest. Vor Beginn der Tafel gab der Vorsitzende, Herr M. Herzfeld, der Liebe zu unserm gütigen Landesvater Ansdruck und hob besonders hervor, wie die feste und zielbewußte Regierung unseres Kaisers es Jedem ermögliche, „unbekümmert um das wüste Treiben int politischen Leben" das Werk der Nächstenliebe zu bethätigen. Der Vorsitzende gab hierauf eine Darstellung der Geschichte des Vereins. Bei der Tafel ergriff sodann Herr Justizrath Fromm das Wort und wies in formvollendeter Rede nach, wie sich der Prophet Moses und der Dichter Shakespeare in der Auffassung des Idealismus begegnen. Er forderte die Vereinsgenossen auf, den idealen Sinn zu bewahren und dessen Bethätigung überall zu zeigen, wo Menschenleid oder Menschennoth dieses fordere. Die nun folgende Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Kohn hatte zum Gegenstände ein Lebensbild „des Propheten Moses", das der Redner unter sinnreicher Auslegnng einer Midraschstelle entrollte, indem er gleichzeitig daran ernste Lehren über die Art der echten Nächstenliebe knüpfte. Es folgte hierauf eine Reihe von ernsten und humoristischen Trinksprüchen Wir erwähnen nur die von! Herrn Hauptlehrer Masnr auf die thätigen Mitglieder der zweiten Vereinsabtheilung — die baale haniisaskim -, von Herrn Dr. Warschauer auf die allgemeine Menschenliebe, von Herr Dr. Tietz und endlich von Herrn Abrahamsohn ruf den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Stadtratb Kurtzig. K Aus dem Kreise Brombcrg, 5. März. In fast allen Orten unseres Kreises bestehen schon seit vielen Jahren israelitische Frauen- Ver eine, die in anerkennenswerther Weise zur Linderung der unter | der ärmeren Bevölkerung herrschenden Noth beitragen. Die Wirksamke, j der Vereine erstreckt sich meist nur auf Glartbensgenossen, was ja mto | erklärlich ist, da in den meisten Städten noch andere konfessionell j Frauen-Vereine bestehen. Auch in Erone an der Brahe war dies de! Fall. Jetzt ist aber dort mtf Anregung des Pfarrers Osterburg ein j Vaterländischer Frauen - Verein gegründet worden, der Angehörige alle! Konfessionen als Mitglieder aufnimmt; in den Vorstand wurden zw i; jüdische Damen gewählt. Die Ziele dieses Vereins sind die gleichen wr j die der übrigen Frauen-Vereine. Dem Vereine schlossen sich gleich neu,! erfolgter Konstituirung mehrere jüdische Damen an, was mit Freuden 1 zu begrüßen ist. Wenn diese Gründung aber als Konsequenz die Au! löffmg des konfessionellen Vereins nach sich ziehen sollte, so wäre diej bedauerlich. Wir höret: jedoch, daß neben dem vaterländischen auch buisraelitische Frauen-Verein weiter bestehen wird. Uebrigens sind d! Beiträge so mäßig, daß es unfern Glaubensgenossen nicht schwer fallen! kann, beiden Vereinen anzugehören. Wir hoffen, daß der Vaterländisti' Verein von unseren Angehörigen ebenso unterstützt werden wird, wie ve i jeder änderet: Konfession, itnb begrüßen seine Begründung als ein Zeichc: der Zusammengehörigkeit aller Mildthätigen ohne Unterschied derKoufessio . Breslau, 25. Februar. Gestern (8. Adar) Vormittags fai > die Gedächtnißfeier für den verewigtet: Direktor des hiesigen jüdisti theologischen Seminars, Dr. Zacharias Frankel statt. Der Hörer d>; ■ Anstalt, Herr Dr. L. Dob schütz, war in diesem Jahre dazu ausersest i worden, die Gedächtnißrede zu halten, und verbreitete sich in eingehende ' höchst lehrreichen: Vortrage über Form, Inhalt und Bedeuttmg d, Frankelffchen noch heute berühmten und leitenden Werkes „Darkc h : misclmah“ (Hode^etica in Misclinain), das in: Jahre 1859 in hebräische j Sprache erschien. Daß Frankel mit der hebräischen Sprache atlfs Be» vertraut war, beweist, wie der Redner hervorhob, der Umstand, daß i! Archive der hiesigen Seminarbibliothek ans dem Jahre 1830 mehre i hebräische handschriftliche Abhandlungen vorhanden sind, die sich mit b.;! Midraschim beschäftigen. — Das im Vortrag behandelte Werk des ve! ewigten Autors ist nur als der erste Theil eines auf 3 Bände berechnet. :! Werkes anzusehen, einer „Einleitung in die Mischnah". Nach ein k Mittheilung in: Vorworte sollte der 2. Band das System, die Quelle.! scheidung und die Textkritik der Mischnah ausführlich behandeln, d. j 3. eine Einleitung in die halachischen Midraschim (Mechiltha, Sifrü mo | Sifre) bringen. Gleichsam in Vorahnung, daß es ihm nicht vergön l j sein würde, die beiden anderen Theile zu liefern, was er auch in sein l! Additamenta zum Darke ha-mischnah (1867) ausspricht, behandelte r I im 3. und 5. Kapitel der ersten Arbeit Abschnitte des 2. und 3. Bandes.! Bezeichnend für sein richtiges Berständniß dieses Gebiets und besonde :> | der Textkritik der Mischnah ist es, wenn er in einem Artikel aus de i! Jahre 1861 sagt: „Das Studium des Talmuds muß von innen Hern j betrieben werden: Lexika und Einleitungen vermögen nicht, Berständniß;! bringen; die Gedankenwelt des Talmuds will durch sich selbst erfaßt u?! iuterpretirt sein". Zu welchen bedeutenden kritischen Arbeitet: auf tu : | Gebiete der talmudischen Forschung Frankels Werk und Anregtmgen c I führt haben, geht schon daraus hervor, daß man (abgesehen von Jak? j Brülls Mebo ha-misclinah 1876) auf Lewys „Mischna des Abba Sau' , | Hoffmanns Abhandlung „Die erste Mischna" u. v. A. Hinweisen fai; Auch zur Entdeckung der Erfurter, von Rabbiner Dr. Zuckermandel s. j herausgegebenen Toseftahandschrift hat Frankel selbst den Anlaß gegeb«. :■ | Dann begannen seit 1862, nach dem Erscheinen von Frankels Dar | ha-mischnah, Leb recht und Rabbino wiez ihre textkritischen Arbeitet: a '! Grund des talmudischen Handschriftenmaterials, und vor nicht all u; langer Zeit (1883) erschien die Cambridger Rezension der palästinensiscl n . Mischna, ed. Lowe. Zu beachten sind besonders die Arbeitet: von We-! Dor dor wedorsclion, und Bacher. Reicher Beifall wurde Herrn £-• | Dobschütz für seine inhaltsreichen Ausführunget: zu Theil. — Am jüngst u! Freitag Abend und Sonnabend hielt Herr Kantor Bacharach a -! Gleiwitz seinen Probevortrag. Wie wir hören, soll auch Herr Kan! r : Z iegelroth, der seine Ausbildung an dem Horwitzffchen Lehrersemuri j genossen und gegenwärtig in Brandenburg a. H. amtirt, zur Probe ‘ | rufen werden. Derselbe besitzt einen hohen Baryton und ist zeitwei! a | an der Kroll'schen Oper in Berlin und sonst als Konzertsänger aufo■'! treten. Derselbe ist auch ein tüchtiger Religionslehrer. * Gleiwitz, 1. März. Einen Rückblick auf 10 jährige Thätiqk i j giebt der Jahresbericht des Frauen-Vereins der hiesigen Synagoge