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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-10 · Heft 10 (10.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 10 (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Stellvertretende Vorstandsmitglieder sind die Herren Gustav Salomon, Waldemar Bend ix und Alexander L öwenherz. Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden die Herren Bernh. Fried heim, Alb. Wolffs und Louis Liepmann, die Jahrzehnte hindurch dem Vorstande angehört und eine Wiederwahl abgelehnt hatten. Die Repräsentantenversammlung selbst konstituirte sich durch die Wahl des Herrn Geheimen Sanitätsraths Lew in als Vorsitzenden und des Herrn Rechtsanwalts G r ell i ng als stellvertretenden Vorsitzerlden. Berlin, 7. März. DerebenausgegebeneBerichtderArmentommission der jüdischen Gemeinde über ihre Thätigkeit in den Zähren 1890—92 ist ein interessantes und wichtiges Aktenstück. Die Noth Hat nicht abgenommen — aber auch die Hilfsbereitschaft nicht. Davon legt üeser Bericht ein schönes Zeirgniß ab. Und seine Zahlen reden eine vernehmliche Sprache. Im Jahre 1890 wurden 77,119 Mk., int Jahre 1891 schon 82,842 Mk. und im Jahre 1892 N5,771 Mk. an Unterstützungen verausgabt. Dabei ist aber der Fonds für verschän-te Arme lud für durchreisende hilfsbedürftige Glaubensgenossen mit je 26/205 Mk., i 1,368 Mk. und 22,797 Mk. einerseits, sowie mit 4714 Mk., 8102 Mk. md 6168 Mk. andererseits nicht mit inbegriffen. Solchen Ausgaben stehen ibcr auch, Gott sei Dank, die Einnahmen würdig gegenüber. An freiwilligen jährlichen Beiträgen gingen ein 17,194 Mk , 16,288 Mk., 15,521 M. - allerdings eine jährliche Abnahme! Desto größer waren aber die Geschenke wohlhabender Glaubensgenossen. Dieselben betrugen 1890: 8,882 Mk., 1891: 14,740 Mk., 1892: 17,728 Mk. Außerdem gingen ür den Fonds für verschämte Arme speziell noch ein 1890: 8350 Mk, 891: 10,400 Mk., 1892: 8880 Mk. Damit ist aber die Liste der Spenden -och nicht erschöpft. Es folgen noch die zahlreichen milden Stiftungen, ne von der Armen-Kommission verwaltet werden, 48 alt der Zahl, dazu -och 48 Jahrzeitsstiftungen, der Fonds für arme Leidtragende und der -ferne Fonds der Hauptkasse, lieber die Verwaltung der Fonds kann «tan nur Günstiges berichten. Ueberall tritt das Bestreben hervor, dem vir schon wiederholt Ausdruck gegeben haben, ltämlich, das gesammte Wohlthätigkeitswesen zu eentralisiren. Ueber diesen Punkt werden wir, veziell im Hinblick auf den Bericht der Armen-Kommission, noch von achverständiger Seite eine ausführliche Darlegung bringen. * Berlin, 7. März. Gestern Abend hat die letzte Vorlesultg zum besten der Lehranstalt für Wissenschaft des Judenthums stattgefunden; Redner war Herr Professor Dr. L. Geiger. Ter bekannte Litterar- -storiker sprach über deutsche Dichter im Zeitalter der Befreit-ngskriege. M\ einer geistvollen Einleitung zog er eine Parallele zwischen der Litteatur des Krieges von 1870,71 und der von 1818,14 und kam zn dem Uefultat, daß der erstere bis auf einige Lieder im Volkston nichts getätigt, der letztere aber eine gewaltige Litteratur hervorgerufen habe, cachdem Professor Geiger in allgelneinen Zügen den Charakter der Freieitsdichtung charakterisirt hatte, wandte er sich seiner Spezialforschung, er Berliner Litteratur jener Tage, zu und bot ans dem reichen Material nächtige Proben. — Das Publikum folgte mit großer Aufmerksamkeit out fast zweistündigen Vortrage und lohnte den Redner mit reichem Beifall. F. Berlin, 7. März. Irr der Sitzung des deutschen Reichstages voni vergangenen Freitag widmet der Abgeordnete Witte-Sonnenburg dem am 80. Oktober verstorbenen Direktor der „Physikalisch-Technischen Aeichsanstalt" Regierungsrath Löwenherz einen warmen Nachruf. Anläßlich einer Besprechung dieses Vorfalls in der Neichstagssitzung widmen selbst sozialistische Zeitungen dein Tahingeschiedenen warnte! Worte der Anerkennung. Das „Berlitter Intelligenz-Blatt" brachte j gestern einen besonderen Artikel über Löwenherz. In demselben heißt es: „Er war ein Selfmademan, hatte er sich doch vom Steinmetz bis i zum Regierungsrath durch eigenen Fleiß emporgearbeitet." Löwenherz war nicht zweiter Direktor der Anstalt, sondern alleiniger Direktor der 11. Abtheilung derselben -der ersten Abtheilung steht der Geheim-Rath v. Helmholtz vor). Regierungsrath Dr. L. war auch Obmann der ans dem Jahre 1890 aus dem Mechattikerstreik hervorgegangenen Orts- Kommission, die aus 5 Mechanikergehilfen und 5 Meistern bestand. Berlin, 5. März. Der „V orschu ß ver e in für h i lfsbedürfti ge Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin" wird am Sonntag den 12. März, Vormittags 11 Uhr, im Lokale des Brüdervereins (Unter den! Linden 4a) seine diesjährige Generalversammlung abhalten. Dent Berichte, welcher der Einladung beigefügt ist, entnehmen tvir, daß die Zahl der 1892 cm den Verein gerichteten Gesttche 852 (gegen 780 des Vorjahres) betragen hat, von denen 678 lim Vorjahre 621) in Gesammthöhe von 144,370 Mk. (im Vorjahre 183,085 Mk.) bewilligt wurden. Die Einzelstimmen bewegen sich zwischen 50 und 500 Mk. — Leider ist die Zahl der Mitglieder dieses wohlthätig wirkenden Vereins gegen die Vorjahre zurückgegangen; dieselbe beträgt 678, während 1891 702 Personen Jahresbeiträge spendeten. Hoffentlich wird der humane Sinn der Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde diesen beklagenswerthen Rückgang bald wieder gut machen. Tas Vereinsvermögeu belief sich am Jahresschluß auf 64,858.77 Mk. * Berlin, 5. März. Ueber das Testament Gerson von Bleichröders erfährt man Folgendes: Die drei Söhne des Verstorbetten, Hans, Georg und James von Bleichröder, und die Tochter Frau von Biedermann sind zu Erben eingesetzt. Jeder dieser vier Hattpterben erhält aus dem Nachlaß 2,500,000 Mark baar, die in fünf Jahresratett zu je 500,000 Mark zahlbar sind. Das gesauunte übrige Vermögen verbleibt als Kapital in dem Bankhause S. Bleichröder und wird den vorgenannten vier Erben mit jährlich vier Prozent verzinst. Von beit drei Söhnen gehören, außer dem Geh. Kommerzienrath Schwabach, zur Zeit der Firma S. Bleichröder die Herren Hans und Georg von Bleichröder an; ihnett steht es nach dem Testamente frei, aus der Firma auszuscheiden, ebenso wie es dem dritten Sohne, Herrn Dr. jur. James von Bleichröder, anheim gestellt ist, in die Firma als Theilhaber einzntreten. Ter städtischen Armen-Direktiott fallen lo,000 Mark zu, eine gleiche Summe erhält die jüdis che Armen-Direktion. Außerdem sind noch für verschämte jüdische Arme 15,000 Mark ausgeworfen. Zur Stiftung eines Bettes im jüdischen Krankenhause und zur Stiftung einesPlatzes in der jüdischen Altersversorgungs-Anstalt sind je 10,000 Mark bestimmt. Für Erbauung eines K r a n k e n h a us e s für Kranke ohne Unterschied der Konfession sollte nach den Bestimmungen des Testaments eine Million Mark baar tiberwiesen werden, sofern der Testator nicht schon bei Lebzeiten eine gleiche Sumnte ztdem genannten Zweck hergegeben hätte. Da nun Bleichröder, wie erinnerlich sein wird, seiner Zeit Prof. Dr. Koch zttr Erbauung eines Krankenhauses für Lttngen- und Diphtheritiskranke eine Million Mark zur Verfügung gestellt hat, ist diese testamentarische Bestinnuung nunmehr hinfällig. l\ Posen, 2. März. Zur Errichtung eines jüdischen Kranken- und Siechen Hauses hatte, wie Sie bereits meldeten, der bekannte Wohlthäter, Herr Rentier Moritz Rohr in Berlin, der hiesigen Syna- ■ gogengemeinde 600,000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß dieses Legat zur Erinnerung cm die verstorbenen Eltern des Stifters den Nanten „Abraham und Henriette Rohr sche Stiftung" führe. Bemerkt sei hier-; bei, daß die Eltern des Stifters früher in Posen gelebt und alsdantt : lange Jahre das Gut Lang-Guhle bei Bojanowo besessen haben. Der Vorstand der Synagogengemeinde hat nun behufs Ausführung dieser! großartigen Stiftung ein ca. 4 Morgen großes Terrain auf dem Fahlau'- schen Grundstücke vor dent Köttigsthore, links von der nach Jersitz füh- I renden Straße angekauft, tmd es soll dort schon int Frühjahr dieses

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