Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-10 · Heft 10 (10.3.1893) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 10 (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
Seite 117 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3227997--49595-3271168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

117 ie Machtnenschlichc der König trachtung, iher schon » in jeder occnz III. die Juden >er Mann, lschaft dercntgegcnn Hohene Geistessgebreitete d sämmt- , deutsche, eigen geearbeitung )gel, wird >nend her rjcheinung terksamkeii asophische: ohl nichts gnns und die Weck aiinonidedas Er nd ehrlick schinähtei: Verdankei christliche lng beizu iserthrom ies Wisse: jren, wache Wisseikaiserliche!, teresse de i Einflug vurde da , von da ustesschäl erkennuu : Nichtjndc l s die Zu nies. T - -eiten dt. sie ist ü igcit Aust UNd Cibetrachten, ihn, m l er zog yx t Umgang christenhlni er Wissen eistes, der besonders auch für die soziale Stellung der Juden von schwerwiegender, wohlthätiger Bedeutung war. Wenn der Kaiser die Juden seines Umganges würdigte, so konnte im Kreise der Bevölkerung die Mißachtung gegen sie nicht so Platz greifen; es ging nicht an, das Volk ans der Mitte der menschlichen Gesellschaft auszustoße», von welchem Einzelne am kaiserlichen Hofe in hoher Gunst standen. Friedrich selbst, der über seine Zeit hoch hervorragte, konnte sich wohl auch nicht ganz von den Fesseln der Unduldsamkeit, welche im 13. Jahrhundert auch die größten Geister gefangen hielten, befreien, in Folge dessen - er gegen die Juden mehrere feindliche Gesetze erließ. Der Umgang mit seinen jüdischen Hofgelehrten aber hielt seine Unduldsamkeit in; Schranken und bestimmte ihn, gegen die Glaubensgenossen der Männer seines Vertrauens mit schonender Milde vorzugehen. Der Freibrief, ivelchen Friedrich den Juden in Wien im Jahre 1238 ertheilte, nach : welchem jeder Jude, der seinen väterlichen Glauben verließ, auch das Recht der Erbschaft verlor (Raumer, Gesch. d. Hohenst. VI. 230), ist für die damaligen Verhältnisse eine sehr große Begünstigung, zu deren Ertheilung der Kaiser wahrscheinlich durch seine jüdischen Hof-! gelehrten veranlaßt worden ist. Dieses geschichtliche Faktum bestätigt die Wahrheit des Ausspruches, daß die Juden die Hebung »nd Verbesserung ihrer äußeren sozialen Stellung zumeist de» Männern der Wissenschaft, ihren Gelehrten, zu-verdanken haben, denn nur der Geist ist es, der finstere Vorurtheile besiegt. Betrachten wir nun näher die Beziehungen des Kaisers Friedrich zur jüdischen Wissenschaft und zu den jüdischen Gelehrten an seinem Hofe. 11. Von den Juden, mit denen Kaiser Friedrich im Verkehr stand, werden vier mit Namen genannt, sie sind: Der Münznieister Gaudius, Der Jude Andreas, Jehuda den Salomo Cohen und Abbamari den Simson ben Anatoli. Der Münzmeister Gaudius, den der Kaiser ..fidelis noster“, d. h. „unseren Vertranten" nennt, soll uns hier,!vo die wissenschaftlichen Beziehungen Friedrichs zu den Juden zur Besprechung kommen, nicht weiter beschäftigen, da er lediglich Vertreter des kaiserlichen Finanzwesens war, Finanzen aber und jüdische Wissenschaft hatten von jeher wenig Gemeinsames, das sind zwei Größen, Die sich nur selten harmonisch zusammenfinden, lieber den Juden Andreas wiffen wir auch nichts Näheres, er wird blos in den christlichen Quellen als Genosse des Hofastrologeu des Kaisers Friedrich, des Michael Scotus, den er in der Ausarbeitung seiner wissenschaftlichen Werke unterstützt haben soll, bezeichnet. Desto mehr Nachrichten haben wir über Jehuda ben Salomo Cohen und Jakob Anatoli, da Beide auch in der jüdischen Litteratur durch ihre Werke vertreten sind, jehuda ben Salomo Cohen stammte aus Toledo, von wo er mit den Hofphilosophen Friedrichs einen lebhaften Briefwechsel über wissenschaftliche Fragen führte. In seinem in arabischer Sprache verfassten und nachher von ihm selbst ins Hebräische übersetzten Werke berichtet er, daß der Philosoph des Kaisers an ihn, als er noch in jugendlichem Alter von 18 Jahren stand, vielfach briefliche Anfragen über wissenschaftliche Themata richtete. Seine Beantwortung dieser Fragen wurden auch dem Kaiser vorgelegt, dessen vollsten Beifall sie erhielten. Dieser Briefwechsel dauerte zehn Jahre, nachher iah sich Jehuda veranlaßt, sein Vaterland Spanien zu verlassen und nach den Ländern des Kaisers auszuwandern, wo er in engen Bestehungen zu Friedrich gestanden hat. Er berichtet nämlich, daß er am Hofe des Kaisers Gelegenheit hatte, dessen Handlungsweise, seine Gelehrten, Aeltesten, Schreiber, Richter, wie seine Mahlzeiten und leinen Hofhalt zu beobachten. (Gildemann ib. II. 105). Diese Worte des Jehuda b. Salomo zeigen von seiner genauen Kenntniß der Hofhaltung Friedrichs. Unter den „Weisen" meint er die Philosophen, : Mathematiker, Künstler und Dichter, die der Kaiser um sich versammelt hatte, und deren Werke unter seinem Vorsitze dargestellt, vorgelesen und geprüft worden sind, wobei er den Sieger mit Kränzen auszeichnete. (Raumer 11». III. 291.) „Seine Schreiber" weist auf die jungen Männer hin, die der Kaiser in größerer Anzahl in den morgenländischen Sprachen behufs seines öffentlichen Briefwechsels unterrichten ließ. (Raumer il>. 289.) Die Worte „seine Richter" heben Friedrichs Thätigkeit für die Schaffung einer geordneten Rechtspflege hervor, denn sein Großrichter Peter von Vinea entwarf unter seiner Anleitung ein alisgczeichuetes Gesetzbuch, (Raumer ib. 291.) Auch die Worte „seine Mahlzeiten" (UnSltT SsxDl vergl. Ozar Nechmad 11. 234) sind für die Hofhaltung Friedrichs charakteristisch, denn an seinem Hofe wurde auch hierin ganz Außerordentliches geleistet. Er verbietet, seine Weinberge zu verpachten, damit er selbst den besten Wein bekomme, er bezog große Quantitäten griechischen Weines, ließ die besten Fische von Resina kommen, um Gallerten und andere leckere Gerichte bereiten zu lassen. Der Magister der Philosophie Theodor mußte fiir ihn Syrupe und Veilchenzucker erzeugen. (Raumer ib. 288.) Ob Jehuda b. Salomo, der sich so wohlvertraut mit den Verhältnissen am Hofe Friedrichs zeigt, auch am kaiserlichen Hofe sich heimisch gefühlt hatte, darüber findet man keine bestimmte» Angabe»; seine Worte: „Alles hängt vom Glücke ab, dennoch aber bete ich täglich zu Gott, mich nach meinem Vaterlande glücklich und freudigen Gemiithes wieder zu bringen" (Ozar Nechmad II. 234) zeugen, daß er die Heimath sehr vermißt und den lebhaftesten Wunsch hatte, dahin zurückkehren zu können. (Schluß folgt.) U FEUILLETON Kleinstadt! eben. Erzählung von Ernestine Streikst y. (Fortsetzung.) „Ich will gern etwas warten, mein Fräulein, hoffentlich werde ich Ihrem Vater Erleichterung schaffen können," sagte der Arzt. „Ich muß Sie auf Ihren Jrrthum anfmerksam machen, Herr Doktor, ich bin Frau Zelkis, mein Vater heißt Hirsch; ich dachte, wer nur einige Stunden in unserem Städtchen ist, müßte alle Menschen hier schon genau kennen, und Sie wußten das noch nicht einmal. Aber warten Sie, wenn Sie auch nicht fragen werden, man wird Ihnen doch von Allem und Jedem erzählen, Sic mögen sich noch so hüten, kleinstädtische Gewohnheiten anzunehmen, man wird sie Ihnen aufzwingen, und ehe Sie sich's versehen, stecken Sic auch darin und schleppen etwas von dem Fluch kleinstädtischen Lebens mit sich herum." „Ihre Schilderung hiesiger Zustände könnte mir Furcht cinflößen, aber ich denke mir, wo solche Frauen lebe», muß es doch auszuhalten sein," sagte Kalinsky mit achtungsvollem Verneigen. Anna wurde verlegen. Man hörte eine Thür langsam aufklinken. „Mein Vater," sagte Anna; „er ist leider blind, doch mag er es nicht, wenn man ihn führt; er kennt sich im Hause gut aus, er geht lieber allein. Er meint, es würde das Gefühl der Unsicherheit bei ihm nur vermehren, wenn man ihn auch da sich nicht frei bewegen ließe; doch jetzt will ich ihm entgegen gehen, um ihn auf Ihre Gegenwart vorzubereiten, entschuldigen Sie, bitte." — Als Anna und ihr Vater eintratcn, ging der Arzt dem alten Manne entgegen und dessen Hand fassend, sagte er mit innigem überzeugenden Ton in der Stimme:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.