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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-10 · Heft 10 (10.3.1893) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 10 (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
Seite 113 (sequence 7)
Language
German
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Hat uns der Monolith Asurhaddon's die alte Burg und die Stadt, welche aus dein Schutthügel von Sendfchirli ansgegraben worden sind, als die Residenz eines assyrischen Statthalters gezeigt, io sind wir durch die vorangehende Inschrift in den Stand gesetzt, eine Reihe von Fürsten kennen zu lernen, welche znr Zeit Tiglatvileser's in dieser Burg residirt und geherrscht haben. Wir erfahren von einer Revolution, welcher Bar-Sur, der Großvater des Stifters oer Inschrift, mit 70 Personen der königlichen Dynastie zum Opfer gefallen ist. Eduard Sachau nimmt an, daß die Empörung von ' inein Sohne des Bar-Sür, einem Bruder des Panammu, augestiftet worden sei und der Sohn den Vater ermordete und ein Blutbad n der königlichen Familie anrichtete, dem nur Panammu entronnen war. Aus der Inschrift, wie ich sie aussasse und ergänze, folgt »ies in zwingender Weise nicht, aber möglich, sogar wahrscheinlich »leibt es immerhin, daß die Empörung von einem Blutsverwandten 'es Königs ausging. Unter ähnlichen primitiven Verhältnissen trug sich in der Gegend iw» Sichern eine Begebenheit zu, die in dem Buche der Richter, Kapitel 9, erzählt wird: Als die Israeliten schwer unter dem Drucke »er Midianiten seufzten, war es Gideon, der Sohn des Joas, der ich an ihre Spitze stellte und sie von den Midianiten befreite. Die .lsraeliten übertrugen ihm die Herrschaft, und er wirkte als Richter "ierzig Jahre und hinterließ siebzig Söhne. Nach seinem Tode irat Abimelech, ein Sohn Gideon's von einer Sklavin, an die Männer von Sichem heran und sprach zu ihnen: „Ist es für euch »esser, daß über euch herrschen 70 Mann, die Söhne des Jerubaal Gideon), oder daß Einer über euch herrsche?" Und so riß Abimelech ie Herrschaft an sich und tödtete seine Brüder, die Söhne Jerubaal's, -ebzig Mann auf einem Felsen. Nur Jotam, der jüngste Sohn iernbaal's, rettete sich. Die Parabel von den Bäumen des Waldes, welche einen König suchen und wählen, die er an die Männer von »ichem richtete und die mit Einem Fluche auf Abimelech und die Minier von Sichem endigte, ist bekannt. Der Fluch ging in Erillung, und die Ermordung der siebzig Söhne Jerubaal's kam auf as Haupt Abimelech's und der Einwohner von Sichem. Ich möchte auch noch an eine andere biblische Episode erinnern, ie im zweiten Buche der Könige, Kapitel 10, zu lesen ist: Als der Ging Achab von Israel es mit den Propheten Elijahu und seinem ckinger Elisa verdorben hatte, salbte Letzterer den Jehu, Sohn des limsi, zum König über Israel. Dieser ermordete Achab und ließ »ich die siebzig Söhne des Achab in Samaria niedermetzeln, deren öpfe ihm wohlgezählt zugeschickt worden sind. Es ist merkwürdig, aß bei diesen drei Katastrophen sich die verhängnißvollc Zahl siebzig wiederholt. Wir dürfen daraus schließen, daß an allen drei »teilen die Zahl nicht tvörtlich zu nehmen und daß darunter die »ippe des Königs zn verstehen sei. Nach der Ermordung des Königs wütheten Bürgerkrieg und wingersnoth im Lande, bis Panammu, der Sohn des ermordeten wirste», mit Hilfe des assyrischen Königs die Herrschaft seiner i ynastie wieder herstellte, aber in Folge dessen in Abhängigkeit vom König von Asur gerieth, dem er Heeresfolge leistete. Er starb (oder ' el) vor Daniaskus. Mit großem Prunke wurde seine Leiche nach er heimischen Residenz geführt, daselbst bestattet und sein Sohn Mknbel, der Stifter der Inschrift, als Nachfolger vom assyrischen König Tiglatpileser eingesetzt. ') Nachdruck verboten. Der Stifter der Inschrift war also ein Zeitgenosse Tiglatpileser's. Nun kennen aber die assyrischen Königslisten drei Könige dieses Namens, und man mußte nun zu bestimmen suchen, welcher Tiglatpileser gemeint sei. Darüber geben uns die assyrischen Inschriften sicheren Aufschluß. Bevor ich aber die Zeugnisse der keilschriftlichen Denkmäler anrufe, muß ich noch einer Bau-Inschrift erwähnen, die von dem Stifter unserer Inschrift herrührt und also beginnt: „Ich Bar-Rewb, Sohn des Panammu, König von Sam'al, Knecht des Tiglatpileser, des Herrn der Viertel der Erde." Nun können wir die Geschichte des Reiches Sam'al in den assyrischen Denkmälern durch mehr als zwei Jahrhunderte verfolgen. Salmanassar II. besiegte im Jahre 859 vor Ehr. eine Koalition uordsyrischer Fürsten und zwingt sie zur Tribntleistung. Unter diesen Fürsten wird auch genannt: Hajjan, Söhn des Gabbar (König) von Sam'al am Fuße des Amanusgebirges. Der Name des Landes Sam'al taucht wieder auf bei Tiglatpileser J TI. in einem Verzeichnisse tributpflichtiger Fürsten, und zwar heißt der Fürst von Sam'al daselbst Panammu! Zuletzt erscheint Sam'al in einem Städteverzeichnisse, das vor 626 geschrieben sein muß. Da nun einerseits Panammu von Sam'al auf einer Inschrift Tiglatpileser's HI. vorkommt, andererseits Tiglatpileser auf einer Inschrift des Panammu erwähnt wird, so konnte Sachau mit vollem Rechte die Identität der Personen annehmen und die Thatsache feststellen: „Panammu ist ein Zeitgenosse von Tiglatpileser III., der von 745 bis 727 den assyrischen Thron einnahm; die ausgegrabenen Denkmäler gehören demnach der zweiten Hälfte des achten vorchristlichen Jahrhunderts, dem Zeitalter des Propheten Jesaias an." In noch ältere Zeit aber weist uns die auf dem Hügel von Gerdschin, eine halbe Stunde von Sendschirli entfernt, gefundenc Inschrift in altsemitischen Charakteren. Schon während der ersten Expedition im Jahre 1888 erzählten die Einwohner von einem „großen steinernen Kameel", welches im Schilfe bei Gerdschin daliege. Ein Versuch, an die Stelle zu gelangen, ist jedoch in dem äußerst regenreichen Winter jenes Jahres vollständig mißglückt. Allerdings sanden v. Luschan und sein Begleiter auf der Anhöhe von Gerdschin einen walzenförmigen Stein, den sie aber weiter nicht beachteten. Erst zu Beginn der zweiten Campagne wurde vor der Regenzeit der Versuch wiederholt, das große „steinerne Kameel" zu besichtigen. Thatsächlich fand man im Schilfe ein großes Stück einer menschlichen Kolossalstatue, und eine Untersuchung des walzenförmigen Steines auf der Anhöhe ließ bald erkennen, daß die beiden Fragmente zusammen gehörten. Bei genauer Besichtigung des Bruchstückes auf dem Hügel zeigte sich auf einer großen Flüche eine sehr alte semitische Inschrift. Die beiden Bruchstücke der Statue, von denen das größere 90 Ceutuer schwer ist, wurden in zwei anfeinanderfolgenden Tagen ans Schlitten, von 80, beziehungsweise 100 Arbeitern gezogen, von Gerdschin nach Sendschirli gebracht. Sie bilden zusammen, wie die Entzifferung der Inschrift ergab, die Statue des Gottes Hadad, welche von Panammu, Sohn des Karat, König von Ja'di, errichtet worden ist. Die Statue, aus sehr feinkörnigem Dolerit, hat jetzt noch eine Höhe von 2,85 Metern und dürfte ursprünglich 4 Meter hoch gewesen sein. Sie stellt einen stehenden bärtigen Mann dar, der durch seine mit Stierhörnern geschmückte Kopfbedeckung als Gott bezeichnet ist. Fast unmittelbar unter dem Gurte beginnt das Jnschristenfeld und nimmt die ganze Vorderfläche des Bildwerkes in einer Höhe von 1,40 Metern und einer von oben nach unten zunehmenden Breite von 0,90 Metern bis 1,30 Meter ein. Die Inschrift besteht aus 34 Zeilen einer zierlichen, reliefartig gemeißelten Schrift und steht, was die Alterthümlichkeit der Formen betrifft, dem Mesa-Denkmal (850) am nächsten.

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