Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 uuntimfl bei zweiten Frage nachte wenigstens in der Hauptsache auf eine andere Seite derselben spanischen Epoche Hinweisen und zeigen, das; die bedeutendsten jüdischen Gelehrten der damaligen Zeit eben Aerzte waren. Dafür gebührt dem Vereinsvorstande der Dank des Publikums: denn durch diesen zweckmäßigen Modus der Verwendung des Briefkastens kann scheinbar ungezwungen die Möglichkeit geschaffen werden, die jüdische Zuhörerschaft systematisch über einzelne.Kapitel der jüdischen Geschichte zu belehren, llnd diesen Zweck hat das Referat des Herrn Dr. Rosin in dankenswerther Weise erreicht. Osterode, Ostpr.,25. Febr. Am 14.Februar feierten dieL.Lips tischen Eheleute hier, umgeben von ihren Verwandten und Freunden, die goldene Hochzeit. Vom Kaiser erhielten sie die Ehejubiläumsmedaille; dieselbe wurde in; Aufträge des Königlichen Regierungspräsidenten zu .Königsberg von unserm Prediger Herrn Sturmann dem Jubelpaare überreicht, bei welcher Gelegenheit er eine sinnige Ansprache an dasselbe hielt. Der Bürgermeister über brachte die Glückwünsche der Stadt und der Vorstand die der Synagogengemeinde, indem er zugleich einen Ehrenpokal überreichte. Ein gemüthliches Fest hielt die Theilnehmer an der Feier noch lange zusammen. E Aus der Provinz Brandenburg, 23. Febr. Am 17. d.M. starb, wie schon kurz' gemeldet, im 70. Lebensjahre der Rabbiner der Synagogengemeinde Frankfurt a. O., Herr Dr. Loew enmayer. Sein Name wurde in der großen jüdischen Welt nid)t oft genannt, desto größer war aber die Liebe und wahrhafte Hochachtung, die ihm in seiner Gemeinde und im ganzen Regierungsbezirk — wo er 30 Jahre segensreich gewirkt — entgegengebracht wurde. Die innige Verehrung für den verstorbenen Lehrer und Prediger tarn bei seiner Beerdigung am Montag den 20. zun; Ausdruck. Da war die ganze Gemeinde, jung und alt, Vertreter der benachbarten Gemeinden, der Magistrat, Lehrer des Gymnasiums nud viele Andere in der Synagoge versammelt. Herr Rabbiner Dr. Rosen zweig aus Berlin, umgeben von fünf Knltusbeamten aus der Provinz, hielt eine tief empfundene erhebende Gedenkrede, worin er das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen schilderte. Bei feinen Abschiedsworten blieb kein Auge thränenleer. Nach ihm hielt der bisherige Adjunkt Herr Dr. K aminka eine würdige Gedenkrede. Dann ging der Tranerzug burd) die spalierbildende Bevölkerung der Stadt Frankfurt. Sämmtliche jüdische Kauslente halten während der Bestattung ihre Geschäfte geschlossen Am Grabe sprach darauf der erste Vorsitzende der Gemeinde Herr Adolf Lev in herzliche Abschiedsuub Dankesworte im Namen der Gemeinde nnb des Vorstandes. T. M. Hamburg, 23. Febr. Dem „Israel. Feuerungs-Verein von l 85 5" gehörten am Schluß des abgelanfenen Jahres 1013 Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 4447.35 M. an. Durch die bei Beginn der kalten Jahreszeit staltgehabte Verloosung wurden 300 Portionen Feuerung im Wert he von 4911.50 M. vertheilt und betrug der Durchschnittspreis je einer Portion 10.37 M. Die Einnahmen des gedachten Jahres bestanden in den oben erwähnten Beiträgen, in Zinsen, Geschenken re., im Ganzen in 12,857.14 M. Das Vereinsvermögen beträgt 20,582.84 Nt. — Am 27. d. M. spricht hier im Verein für jüdische Geschichte nnb Litteratur Frau Renn) über „Die Frauen im Talmud." # .Karlsruhe, 24. Febr Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur sprach am letzten Vortragsabend Herr Rabbiner Tr. Treitel über „Ludwig Börne, Heinrich Heine und das Judenthun;". Sowohl Heine wie Börne wurden in ihrer Eigenart, in ihren Bestrebungen und schriftstellerischen Leistungen zutreffend beurtheilt. Das den beiden Schriftstellern; Gemeinsame wurde eben so einleuchtend hervorgehoben, wie die Gegensätze ihrer Charaktere deutlich gekennzeichnet wurden. Der Redner wies nach, wie die beiden Männer trotz ihres Uebertritts zu einer anderen Kirche nicht aufgehört haben, mit wesentlichen Eigenschaften ihrer Naturen in den; Boden des Judenthums zu wurzeln, und wie auch ihre Lebensschicksale mit den Geschicken des Judenthums in Zusammenhang stehen Die Einflüsse der Abstammung und der Familienzngehörigkeit lassen sich bei Börne und bei Heine eben so wenig verkennen, wie es andererseits unmöglich ist, die Stellung der beiden Schriftsteller in dem Geistesleben der ganzen Nation zu leugnen. In der Freiheit ihrer 'Anschauung haben beide Schriftsteller sich über den Zufall ihrer Geburt erhoben und in der Stärke ihrer Begabung sind sie Persönlichkeiten der Nationallitteratur geworden. Die rednerische Form, in welcher der Vortragende seine Gedanken darbot, war klar und gefällig! und somit darf der bem Vortrag gespendete Beifall als ein in jeda Hillsicht verdienter bezeichnet werden. * Trier, 12 Februar. Unsere Stadtbibliothek ist eine seltene Fundgrube alter werthvoller Handschriften. Von dem Bibliothekur Keuffer aufmerksam gemacht, fand Herr Oberrabbiner Dr Baßfreund : auf den Deckeln einer großen Zahl von Jncunabeln, welche alle aus Everhardt's Klause herrühren, die theilweise noch sehr gut erhaltenen Bruchstücke von hebräischen Pergament-Handschriften. Der größte Theil dieser aufgeklebten Fragmente gehört dem als Handschrift äußerst seltenen talmudischen Ritualwerke „Hatteruma" von Baruch ben Isaak ans 'Worms (um 1200 n. Chr) sowie einem Machsor (Zusammenstellung der Festgebete), höchst wahrscheinlich nach dem französischen Ritus, an > Die übrigen Bruchstücke sind Theile zweier verschiedener Handschriften des babylonischen Talmuds. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, das; die schon jetzt sehr werthvollen Funde noch bedeutend ergänzt werden, da bisher nur ein geringer Theil der Jncunabeln darauf hin untersuc!» wordell ist. Dr. Baßfreund beabsichtigt, die Handschriften zu bearbeiten : und durch Drucklegung zu veröffentlichen. Oesterreich-Ungarn. * Wien, 20. Februar. Der Stadttempel, oder wie man ihn g wöhnlich nennt, der „alte Tempel", zeigt jetzt an den Freitag-Abenden i eine ganz eigenthümliche Physiognomie. Dicht gedrängt steht Kopf an! Kopf ebenerdig und ans beiden Galerien die Schaar der Andächtigen.! die aus attell Bezirke;; herbeieilt, um an dem neuen und doch alten! Sabbath-Eingangs-Gottesdieaste sich zu erbauen. So fand Schreib.-; ' dieses am vergallgenen Freitag. Das weibliche Geschlecht ist besonder-! zahlreich vertrete;;. Frauen und herangewachsene Mädchen kommen setn zahlreich und werden für den alten angestaunnten Glauben wieder ge; wonnen. Herr Wilhelm Ritter von Gut mann darf das Be;-! dienst für sich in Anspruch nehinen, diesen trefflichen Freitag-Abend gottesdienst hier eingesührt und, wie sich schon jetzt zeigt, populär ge; macht zu haben. Nach Kidnsch betrat, Dr. Jellinek die Kanzel, und; wenn irgend Jemand den richtigen Ton an die Frauen zu richten vev mag, so ist es dieser Nestor unter den Kanzelrednern, der in seiner Rede von der wirklich jüdischen Frau sprach. Der Menora gleich müsse die Frau in; Hause das religiöse Licht ausstrablen lassen Dieses Lül»;nacht schwinden den Aberglauben, den;nan leider gerade dort stark vor treten findet, wo von religiösen; Leben keine Spur vorhanden ist. T.; Redner schilderte meisterhaft satirisch die abergläubische „Gnädige", d-.e ganz außer sich ist bei der Entdeckung von „13" Gästen und den Fr;;! tag als Unglückstag ansieht, deshalb lieber den Sabbath entweiht und diesen zur Uebersiedelung in die Sonnuerfrische wählt . . . Diese Reoe niuß man gehört haben, sie reiht sich würdig den zahlreichen Reden D;, Jellineks an. Ein n;ehrhundertfaches Auren erscholl ans dem Muiwe > der begeisterten Zuhörerschaft, als der Prediger mit der Erklärung des! Altars, auf den; Israel so viel für seinen Gott und für seinen Glauben hingeopfert, seine dieswöchentliche Predigt schloß. Seit Chanuka höil sich der Besuch dieses feierlichen Freitag-Abendgottesdienstes ans gleich; j Höhe und wird der Wunsch schon jetzt vielfach geäußert, daß auch in; Leopoldstädter großen Tempel ein solcher feierlicher Gottesdienst imi Predigt zun; kommenden Herbste eingeführt werde. Budapest, JO. Februar. Die Vertretungen mehrerer Stätue und.Komitate richten an das Abgeordnetenhaus Petitionen, in welch;» diese um die baldigste Durchführung des kirchenpolitischeu Programm s die Regierung bitten, denn nur durch die rasche Einführung der obu gatorischen Civilehe, der staatlichen Matrikelführung, der Religion; sreiheit und der Rezeption der jüdischen Religion würde i".e > Agitation des Klerus kläglichen Schiffbruch erleiden und das Recht d. s Staates gewahrt bleiben. Das ungarische Volk, durch dessen Besonnenheit auch dem Antisemitismus in unserem Vaterlande das Rückgrat gebrochen : ist, protestirt gegen den ihn; vom Klerus aufgedrungenen Kampf uni' j verspürt keine Lust, sich von diesem irreführen zu lassen. Es wäre übe; : flüssig hervorzuheben, daß auch antisemitische Albernheiten, welche irgend einen; Antisemitenspiegel entnonnnen sind, herhalten mußten, um sin; ihren Standpunkt einige Motive zu haben. Der gewesene Leiter der katholischen Abtheilung des Kultusministeriums, Probst und Weihbischoi Dr. Wolafka, motivirte seinen Standpunkt in folgender Weise: „Nur drei Prozent der Bewohner Ungarns haben die Einführung der Civileln' nöthig, nämlich Jene, welche sich von ihren Frauen scheiden möchten, uu»