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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-03 · Heft 9 (3.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 9 (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Während Rohling, der Meineidsprofessor, noch schweigt und die vernichtenden Anklagen Stracks und anderer Gelehrten schuldbewußt auf sich sitzen läßt, macht der deutsche sachverständige" der Antisemiten, Herr Ecker in Munster, unter der duckst der jüngsten Angriffe und auch wohl bedrückt durch die unp, schickte Vertheidigung, welche ihm sein Freund, der Kaplan Dasbach,!)i!t widerfahren lassen, den Versuch einer Rettung seiner wissenschaftlichen Ehre. Ob die Antisemiten mit dieser „Erklärung", welche gestern in der „Germania" zu lesen war, zufrieden sein werden, muß bezweifelt | norden, — noch weniger aber sind durch dieselbe die Angriffe des Insz l ucker Professor Bickell gegen Ecker widerlegt worden. Herr Dr. Ecker! sureibt, indem er sich gegenvollständig andere, als die ihmgemachten! Vorwürfe verwahrt. Folgendes: „Trier 20. Februar. Oeffentliche Erklärung. Fast zehn Jahre trage ich's und — schweige. Maßlose, durch indische Flugblätter (?) verbreitete Anschuldigungen gegen meine Priesteri olrre drücken mir wider Willen die Feder in die Hand zu folgender Erklärung.! 1. Es ist unwahr, daß ich an der „antisemitischen Agitation" mich! lotheilige. — Ich gab bis heute nie einen Pfennig, schrieb nie ein > A>ort für antisemitische Zwecke. 2. Es ist unwahr, daß ich mich im „Judenspiegel"-Prozeß am K Dezember 1883 als Sachverständiger „aufgedrängt" habe. — Es!> ar mir sehr peinlich, als ich die Vorladung erhielt, welcher ich \\ \d) § 75 der Strafprozeß Folge leisten mußte. 3. Es ist unwahr, „daß ich nicht im Stande war", das geforderte Gutachten abzugeben. — Auf Grund langer Studien sprach ich aus eigenster festester Ueberzeugung. Die sämmtlichen in Rede stehenden lorte hatte ich gründlich untersucht und war auf jede Diskussion über o Urtexte gefaßt. j 4. Es ist unwahr, daß ich mir „das Gutachten von Briwann an- - ' rtigen ließ." — Als ich nach der Gerichtsverhandlung ganz ohne mein . uthun den Verfasser des Judenspiegels persönlich kennen lernte, war o wegen der zahlreichen heftigen jüdischen Angriffe, welche eine schrift-; l ä)e Abwehr mir aufdrängten, nur meine Pflicht, die einzelnen Gesetze 'Angehend mit ihm zu besprechen, zumal er manchen Tadel gegen i ine Arbeit nicht gelten lassen wollte. Das that ich; und kein Mensch v. ürde mir jemals zum Verbrechen angerechnet haben, wenn es nicht olche gäbe, welche die von nur vertretenen, ihnen unangenehmen Wahrl iten (?) lächerlicher Weise durch Hiebe gegen meine Person zu wider-?! -en versuchen. i 5. Es ist unwahr (?), daß ich widerlegt worden bin." — Auch nach-! d m ich später noch (!) Jahre lang Talmudica ziemlich ausschließlich ldirt hatte, änderte ich meine Ueberzeugung nicht Wortgezänk und iisputiren über nebensächliche Einzelheiten ist möglich; aber in den; d auptresultaten, auf die Alles ankommt, das Gegentheil zn beweisen, ist! -d'solut unmöglich (??). j 6 Es ist unwahr, daß ich, nur „um mir den Schein der Objektivität j w geben, an einigen Stellen gegen den Judenspiegel Partei nahm". — j öch wollte nur ganz sachlich urtheilen, nach bestem eigensten Wissen und! '^wissen.! 7. Es ist unwahr, daß ich „gegen besseres Wissen" später wieder j uw Schrift veröffentlicht habe mit den ursprünglichen, zum Theil als! unrichtig von mir selbst bezeichneten Gesetzen des „Justus". - „Die!!<>o Gesetze des Judenkatechismus" sind ein durchaus ohne mein > wissen vom „Reform-Verein" zu Steele verbreiteter Abdruck j uns dem „Judenspiegel". Wiewohl ich die Sache bereits 1885 in der 'Germania klarstellte, wird es neuerdings wieder kolportirt. 8. Es ist unwahr, daß ich „die Blutbeschuldigung beschworen" habe. — Im Prozeß zu Münster war von derselben gar keine Rede, und ich habe über die Blutbeschuldigung nie ein Wort veröffentlicht, also auch sicher nicht beschworen." Dr. Jakob Ecker, Professor am Priesterseminar zu Trier." Ueber den wissenschaftlichen Werth obiger Erklärung wird die Gegenerklärung von kompetenter Seite sicher nicht ausbleiben. Uns interessirt im Augenblicke nur die Feststellung der Thatsache, daß Ecker es „fast zehn Jahre getragen hat", daß er von feinen Freunden als Autorität für Judenbetze und Blutmord zitirt wurde und dazu „geschwiegen hat". Erst der angeblichen „Anschuldigungen" „jüdischer Flugblätter" hat es also bedurft, um einen katholischen Priester zu veranlassen, nach zehnjährigem Schweigen die Wahrheit öffentlich zu erklären. * Berlin, 26. Februar. Der Agitationsverband der antisemitischen Vereine Norddeutschlands hat in seiner letzten hiesigen Versammlung bei Buggenhagen folgende Resolution mit allen gegen zwei Stimmen angenommen: „Ueber zweitausend bei Buggenhagen versammelte deutsche antisemitische Bürger sprechen ihr Befremden und ihren Unwillen über die letzten Aeußerungen des Reichskanzlers Grafen v Caprivi gegen den Antisemitismus aus und erklären die Vermuthung desselben, als könne die antisemitische Bewegung einen revolutionären Charakter annehmen, für eine unerhörte Mißdeutung oder Verkennung der Ideen, welche die antisemitische Bewegung hervorgerufen haben und dieselbe leiten. Wir richten an den Herrn Reichskanzler das dringende und höfliche Ersuchen, derartige unbegründete Vorwürfe und Verdächtigungen, die nur geeignet sind, das Vertrauen deutscher Männer gegen die jetzige Bewegung noch weiter zu erschüttern, zu unterlassen." b. Breslau, 25. Februar. Am vergangenen Sonntag verschied hier der hochgeachtete Arntsgerichtsrath Dr. Lunge. Zu der Beerdigung, welche am Dienstag Nachmittag von der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes stattfand, war eine stattliche Trauerversammlung erschienen. Wir bemerkten u A. den Landesgerichtspräsidenten Grpczewski, den Stadtverordneten-Vorsteher Justizrath Freund, einige Professoren der Universität, Vertreter des Blindeninstituts, um dessen Verwaltung sich der Verstorbene besonders verdient gemacht hat — auch eine Anzahl von Zöglingen dieses Institutes betheiligten sich an der Trauerfeier — eine sehr große Anzahl von Kollegen und Freunden des Verewigten Nach den einleitenden Trauergesängen verbreitete sich Herr Rabbiner Dr. Guttmann in ergreifender Rede über den biederen Charakter und die Verdienste des Verstorbenen. Mit einem Schlußgesange nahm die Feier ihr Ende. Amtsgerlchtsrath Dr. Karl Lunge war im Jahre 1835 in Breslau geboren, wo er auch - auf dem Magdalenengymnasium — seine Schulbildung erhielt. Seine Universitätsstudien machte er in ^Berlin und Breslau Nachdem er im Frühjahr 1856 die Referendariatsprüfung bestanden, promovirte er im Sommer desselben Jahres zum Doetorjuris. Auch als Referendar und Assessor arbeitete er während eines Zeitraums von etwa zehn Jahren in unserer Stadt. 1870 wurde er zum Stadtrichter in Breslau, 1875 zum Stadtgerichtsrath ernannt 1879 trat er als Amtsgerichtsrath an das Amtsgericht in Breslau über. Durch größere Reisen suchte er den Kreis seines bedeutenden Wissens zu erweitern. Im Jahre 1891 unternahm er eine Reise nach Ostasien und hielt vor nicht allzulanger Zeit in der hiesigen „Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur" einen Vortrag über Siam. K. Breslau, 23. Februar. Für Montag hatte der „Verein fürjüdische Geschichte und Litteratur" seinen 2. Diskussionsabend angesetzt, für welchen Herr Seminardozent Dr. Rosin das Referat über die Frage: „Durch welche deutsche Uebersetzung können wir am besten in die hebräische Litteratur der spanischen Epoche eingeführt werden", Herr- Rabbiner Dr. Rosenthal das Korreferat übernommen hatte. Ueber die 2. Anfrage: „Welche Bedeutung haben die Aerzte in der jüdischen Litteratur", gedachte Herr Dr. M Freudenthal zu berichten. Für denjenigen, der sich im Voraus über die beiden Themen einige Belehrung verschaffte, war der Gedanke naheliegend, als hätte vielleicht der Vorstand die Vorlegung der Fragen veranlaßt, denn auch der Inhalt der Beant-

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