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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-03 · Heft 9 (3.3.1893) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 9 (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
Seite 104 (sequence 10)
Language
German
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104 Asurhaddon's und ein zufällig in der unmittelbaren Nähe des Hügels aufgefundenes Stück einer groben Statue mit einer altsenütischen Inschrift waren die wichtigsten Resultate der ersten Expedition." Der Einblick, den sozusagen die ersten Spatenstiche in die von dem Schutthügel bedeckteil Geheimnisse gewährte, war merkwürdig genug. Mitten zwischen den rohen Reliefs syrisch-kappadokischen Stiles stand in dem äußeren kleinen Hofe des Burgthores der gewaltige Monolith Asurhaddon's, als ob den Entdeckern gleich die älteste Zeit der Gründling der Blirg und die letzte Bliithe vorgeführt werden sollte; und damit auch der Uebergang zwischen der Urzeit und der letzten Periode assyrischer Herrschaft nicht fehle, stellte sich die Statue mit altsemitischer Inschrift ein. die älter als das assyrische Denkmal, aber weit jünger als die alten rohen Reliefs, eine mittlere Periode historischer Entwicklung darstellte. Der zweite Feldzug wurde mit der Auffindung von vier Statuen eröffnet, von denen die eine wieder eine altsemitische Inschrift trug. Durch die Fortsetzung der Ausgrabungen lvurdcn die doppelten Ringmauern der Unterstadt bloßgelegt. Jede dieser kreisförmigen Mauern von mehr als zwei Kilometern Umfang hat hundert Thürme und drei Thore. Auch die Burgmauern, die wegen der Anlehnung an altere Bauten unregelmäßig eiförmig sind, konnten zum Theile gefaßt werden, so daß der höchste und älteste Theil der Stadt von einem fünffachen Mauergürtel umgeben erscheint. Im Innern der Burg sind bis jetzt zwei Paläste, einer im Nordosten und einer im Westen, miftjebecft und untersucht worden, von denen der westliche eine altsemitische Inschrift barg, nämlich die in, Auszug veröffentlichte Bau- I Inschrift; außerdem wurde ein alter Bau mit zwei hohen Thürmen! bloßgelcgt. Der Westpalast ist gleichzeitig mit der semitischen Inschrift, der Nordpalast ist jünger, die beiden Thürme und die Umfassungsmauer sind älter. Die Thorskulpturen entsprechen völlig den ältesten ruid primitivsten bisher bekannten Leistungen der syrisch-kappadokischen Kunst; sie stimmen völlig zu jener merkwürdigen Hieroglyphenschrift (der sogenannten hetitischen), die auf den Denkmälern dieser Art in Syrien und Kleinasicn Vorkommen. Mit den Skulpturen des Westpalastes treten altsemitische Inschriften auf. Tie Brücke zwischen der Hieroglyphen- und Bnchstabenzeit, der Uebergang von der alten Kunst zur neuen, liegt wohl noch begraben in dem unberührten Theile des Hügels von Sendschirli. Diese alten Mauern, die Burgthore mit den eigenthümlichen Reliefs, die verödeten Paläste, die ich hier an der Hand der Einleitung v. Luschans skizziren konnte, mögen an und für sich hochinteressant sein. Die strimmen Steine führen ja eine deutliche Sprache. Aber eigentliches historisches Leben gewinnen sie erst durch die Inschriften, die nicht nur ermöglichen, die Bauten zum Theil sicher zu datircn, sondern sie auch mit alten Fürsten und Herrschern zu bevölkern. An der Schwelle gleichsam der Burg, in dem kleinen Hofe des äußeren Burgthores, wohl einem altehrwürdigen Platz zwischen den rohen Reliefs syrisch-kappadokischen Stiles, tritt uns der gewaltige Monolith Asnrhaddon's, entgegen. Solche Stelen assyrischer Könige waren gewiß während der Blüthe des assyrischen Reiches nicht selten, aber nur vier sind auf unsere Zeit gekoinmen. Unter diesen nimnit, was Größe, Reichthum an Bildwerk und Längeder Inschrift betrifft, das Standbild von Sendschirli den ersten Rang ein, wobei cs sich auchdurch die Härte des Materials unb die vorzügliche Erhaltung auszeichnet. Aus hartem Dolerit erhob sich das Tenkma l auf einem massiven, 1,11 Meter hohenSockel von etwas mehr als zwei Kubikmetern Rauminhalt und mehr als 100 Eentnern Gewicht. Das Denkmal selbst ist 3,46 Meter hoch und 1,35 Meter breit und hat ein Gewicht von 6000 Kilogramm. Aufgestellt wurde der Monolith um 670 v. CH., nach dem zweiten Feldzuge Asurhaddon's nach Aegypten, in welchem Memphis erobert worden ist. Asurhaddon ist in aufrechter Haltung dargestellt, nach rechts gewendet, ruhig stehend, den linken Fuß vor den rechten gesetzt der Kopf ist im strengen Profil gebildet. In der linken Hand hält der König ein Scepter mit starker Faust, um die zwei Stricke gewunden sind, an denen er zwei gefangene Könige führt. Der eine dieser Könige ist durch die Uräus-Schlangc auf dem Haupte und durch den negerhaften Typus als ein ägyptischer König der äthiopischen Dynastie gekennzeichnet, während der andere wahrscheinlich Baalu, den König von Tyrus, darstcllen soll. Beiden unglückliche» Königen sind Ringe durch die Lippen gezogen, au denen sie wie wilde Thiere an der Leine geführt werden. Wein klingen da nicht bei dieser steinernen Illustration die Worte des Propheten Jesaias ins Ohr, der im Jahre 701 das Verderben der Assyrer verkündet und Jehova sprechen läßt: „Weil bu wider mich tobest und dein Uebermuth vor meine Ohren gekommen ist, so will ich meine» Haken durch deine Nase legen und meine Zügel durch deine Lippen?" Kaum dreißig Jahre später zieht Asurhaddon, der Sohn Sanherib's, seine Zügel durch die Lippen der von ihm besiegte» Könige. In sehr eingehender Weise beschreibt v. Luschan im ersten Abschnitte des Berichtes das Denkmal Asurhaddon's und widmet besonders den bildlichen Darstellungen eine vertiefte kritische Untersuchung, deren Resultate sehr beachtcnswcrth sind. Der zweite Abschnitt rührt voir dem Berliner Assyriologen Professor Schräder her und ist ebenfalls dem Monolith Asurhaddon geividmet. Aus diese»: letzteren gebe ich hier die wichtigste Stelle der Inschrift in deutscher Ucbersetzung: „Nachdem Assur rmd die großen Götter, meine Herren, den Zug ferner Wege durch unwegsame Gebirge und eine gewaltige Wüste eine Gegend des Durstes, mir anbcfohlen hatten, brach ich in der Bereitwilligkeit meines Herzens wohlbehalten auf. Tarku (Tirhaka der Bibel) König von Aegypten, und Kusch, der Feind (?) ihrer großen Gottheitei» von der Stadt Jschupri an bis nach der Stadt Memphis, seiner Königsstadt, ein Marsch von fünfzehn Tagen, erschlug ich alltäglich in zahlreicher Menge seine Krieger. Ihn selbst griff ich fünfrnal an mit der Spitze des Speeres in tvdtlichem Angriffe. Memphis, seine Königsstadt, belagerte ich, vermittelst Belageruugs Maschinen nahm ich sie ein, verwüstete, zerstörte, verbrannte sie mit Feuer." Der Schlußpassus, der sich auf die Errichtung des Denkmals bezieht, lautet: „Ein Steindenkmal für die Schrift meines Namens ließ ich anfertigen, den Ruhm der Heldenkraft Assnr's, meines Herrn, die Mächtigkeit meiner Thaten, die ich unter dem Beistände Assnr's. meines Herrn, einherwandelnd, verrichtete, und den Stolz der Eroberung meiner Hände ließ ich darauf schreiben, es zum Anscheine» der Feindesschaar für die Zukunft der Tage aufrichteu. Wer dieses Steindenkmal von seinem Orte weguinnnt, meinen geschriebene» Namen auslöscht und seinen Namen hinschreibt, wer es mit Staub bedeckt, ins Wasser wirft oder im Feuer verbrennt oder aber au einem finsteren Ort verbirgt: Jstar, die Herrin des Kampfes und der Schlacht, möge seine Männlichkeit zur Weiblichkeit Herabwürdigei» unter seine Feinde als Gefangenen ihn fallen lassen. Ein künftige: Fürst möge das Steindenkmal, die Schrift meines Namens beschauen, laut vor sich recitiren, mit Oel salben, ein Opfer darbringen und den Namen Assur's, meines Herrn, Preisei»" Trotz dieses kräftigen Flriches scheint sich bald Feindeshand an das Denkmal gewagt zu haben. Im Jahre 1888, also nach mehr als zweitausendfünfhundert Jahren, fand man den Monolith in sechs

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