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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-03 · Heft 9 (3.3.1893) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 9 (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
Seite 102 (sequence 8)
Language
German
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102 vor Druck und Bedrängniß.Z Du selbst aber richte uus mit Deiner väterlichen Milde, damit wir bestehen mögen vor Deinem himmlischen Richterstuhle. Gelobt seist Du, o Gott, der Du Recht uub Gerechtigkeit liebst. Die Verleumdung laß zu Schanden werden, jeden Frevel wie Rauch zerfließen, jeden Uebermuth zu Falle kommen. Gelobt seist Du, o Gott, der die Bosheit vernichtet, und den Uebermuth beugt.-) Deine Bärin Herzigkeit, Ewiger unser Gott, walte über den Frommen und Gerechten4) und über uns Men! Ertheile beglückenden Lohn denen, die in Wahrheit auf Dich vertrauen und gieb uns unser Theil mit ihnen in der Ewigkeit, daß nicht beschämt werden, die auf Dich blicken. Gelobt seist Du, o Gott, Stütze und Zuversicht aller Redlichen. Laß ein neues Jerusalem vor unfern Augen erstehen, ein Heiligthum, das Bethaus genannt werde für alle Völker. Also erbaue es, bald, in unfern Tagen, einen Bau auf ewig! Und in seiner Mitte sei der Thron Deiner Gottesherrlichkeit aufgerichtet! Gelobt seist Du, o Gott, Erbauer Jerusalems?) Messianisch Heil laß hervorsprießen, nahe sein die Zeit, da alle Erdbewohner in einen Bund zusammeutreten, um nach Deiuem Willen zu wandeln in Aufrichtigkeit des Herzens und Dich als Einzigen zu verehreil durch unbegrenzte Nächstenliebe. Dazu verleihe Deine Hilfe, o Herr! Ihrer harren wir jeglichen Tag. Gelobt seist Du, o Gott, der hervorsprießen läßt das Heil?) Laß unsere Stimme, Ewiger, zu Dir dringen und Dein gnädiges Erbarmerr die Antwort sein auf unser demüthig Flehen. Tenn Du verschmähst nicht das Wort, das aus andächtigem Herzen zur Dir empor sich ringt. O laß uns, unser Herr und König, nicht leer hillweggehen von Deinem Angesichte, sondern erhöre uns, wie Du so oft schon Israels Gebete erhörtest. Gelobt seist Du, o Gott, Erhörer des Gebets. Blicke gnädig auf Dein Volk Israel, uub wie seine Gebete, so laß den ganzen Dienst, den es Dir weiht. Dir ein Wohlgefallen sein. Gelobt seist Du, o Gott, Dir allein wollen in Ehrfurcht wir dieilen/') 0 Der Urtext spricht von „Kummer und Seufzen". Die Uebertragnng setzt an Stelle der Wirkung die Ursache. -) Die dem Mannheimer Gebetbuch (Präger) entnommene hebräische Fassung lautet: .-Par ]n*3 rPs nnr-n Psi mpr vir Px riwPaP pmn rsaai ro’xn -nw i"x"rä .raan mna jrnrn :;) Die hier weggelassene Anführung der Aeltesten, Schriftgelehrten ulld Proselyten ist, wie schon die Schlußbenediktion zeigt, spätere Zuthat. 4) Die hebräische Fassung lautet: nPen ira prppa xrpr nn n^rrr ps rx p-nas xaai ehr pa ira^a mpn nmx njai a’arn PsP wir '"x"3 ,pn namP Man vergleiche hierruit die Jo«"l'sche Fassung: .aaipr rrrann aPu* -1261 amm anan p-vr a'Pprv P31 .rrrarm a’Ptrrr rau ’"x"a Seine Uebertragnng ist aber auch diesem seinem eigenen Text gegenüber eine sehr freie. Sie lautet: Auch Jerusalems erbarme Dich und wahre in unferm Herzen das Andenken an all die heiligen Stätten, von denen Deine Lehre und Dein Heil ist ausgegangen. Gelobt seist Du, o Gott, der Du Jerllsalems eingedenk bist und seiner Trümmer. Die theilweise an die schöne Thefilla von Rosch-Haschana sich anlehnende hebräische Fassung lautet: rmx Pan wr Pa iraacn m,ia pnrw' pp nx pnnirP '3 nanxa prirPi aPr 33P3 pjisn rwrP rnx;nyr pp n'a^a '"x"a .arn Pa irip Bei Joi>l lautet dagegen dieser Absatz: ' prrw'3 ann unpi man -ipxa rpaxn nprac nvL rx 2C. 2C. pniWp '3 tJ) Die Uebertragung folgt der ursprünglichen Fassung dieses Absatzes, welche lautet: pna Papn nanxa anPam PxnL" pai’a wnPx " nan pnaP pnixr ”"x"3. pap Pxnan nmap Tan panP ’nm :“?13W nxra Aus der Tiefe unserer dankerfüllten Herzen bekennen wir, daß Du bist unser Gott und der Gott unserer Väter, der Hort unseres Seins, der Schild unseres Heils in alle Ewigkeit. Dir danken wir für unser Leben, das da liegt in Deiner Hand, für unsere Seelen, die Dir sind anvertraut, für die Wunder und Gnadenbezeigungen, die Du täglich und stündlich uns erweisest. Allgütiger! Wie nimmer endet Dein Erbarmen, so unser Hoffen auf Dich zu keiner Zeit. Für alles Gute, das Du uns beschieden, sei Dein heiliger Name gepriesen für und für. Ja, Alles, was lebt. Dir dankt es das Heil! Gelobt seist Du, 0 Gott, Allgütiger ist Dein Name und Erhebung ist es. Dir zu danken. Gieb Fülle des Segens, der Gnade und Barmherzigkeit, gieb uns den Frieden! Nnd mit uns ganz Israel, Deinem Volke. Erleuchte uns, Vater, allesannnt mit den: Lichte Deines Angesichtes, mit dein Lichte, mit welchem Du Lehre des Lebens, Liebe zur Tugend uub Gerechtigkeit in unser Inneres strahltest, welches der Quell ist alles Heils und aller Gnade, unserer Lebensfreude und unseres Seelenfriedens. -O so gönne doch Deinem Volke Israel jetzt und allezeit den Segen Deines Friedens! Gelobt seist Du, o Gott, der Israel segnet mit Frieden. Die ganze Denk- und Sinnesweise der jüdischen Gemeinschaft ist in diesem ihrem Kardinalgebet ausgeprägt. Allem voran geht das begeisterte Lob Gottes, seines erhabenen Waltens in der Geschichte, in der Natur, in der Welt des Geistes. Dann erst kommt das Bedürfen des Menschen in Gestalt von Bitten zum Ausdruck, an deren Spitze, wie mit Genugthuung herlwrgehoben werden darf, die Bitte um Erkenntniß steht, während die Bitten um Gesundheit und Nahrung Nachfolgen. Den höchsten Aufschwung nimmt der religiöse Gedanke in den Bitten um Erfüllung der messianischen Zukunftshoffnungen auf Einigung des Menschengeschlechts in Liebe und Gottes er kenn tniß, und der letzte Akkord, in welchen das Gebet ausklingt, heißt Friede. Allgemeine Gotteserkenntniß uub Menschenverbrüderung, diese beiden Brennpunkte im Jdeenkreise des Judeuthums, sind auch die stets wiederkehrenden Leitlnotive seiner gesummten Liturgie. Eine der kostbarsten und reinsten Perlen derselben aber ist jenen Idealen ganz ausschließlich zugeeignet: Flenn — das Schlußgebet eines jeden Gottes- -dienstes, der letzte Aufruf, mit welchem das Gotteshaus seine Besucher ms tägliche Leben, zur Wiederaufnahme ihres beruflichen Wirkens entläßt. Das Gebet lautet in der schönen Uebertragnng des Mannheimer- Gebetbuches: Uns liegt es ob, zu preisen den Herrn der Welt, Verherrlichung zu weihen denr Schöpfer, daß er uns Sein erleuchtendes Wort ge offenbart und uns zu Verkündern Seilles Namens unter den Menschen berufen hat. Wir beugen das Knie, neigen uns und bekellneu Gott, den Herrn aller Herren, den Heiligen, gelobt sei Er! Denn Er ist es, der die Himmel allsgespannt, die Erde gegründet, dessen Herrlichkeit thronet hoch erhaben in des Himmels Höhen. Er ist unser Gott — kein Anderer! Er allein ist wahrhaft König, wie es Moses aus' gesprochen in seiner Lehre: „Erkenne es heute und nimm es Dir zu Herzell, daß der Ewige der wahre Gott ist, oben im Himruel und unten auf der Erde — sonst keiner." Daruln hoffen wir, Einiger unser Gott, bald zu sehen die Verherrlichung Deiner Macht, daß der Götzendienst gänzlich von der Erde verschwinde, daß die ganze Welt das Gottesreich anerkenne, alles Fleischgeborelle Deinen Namen anrufe und jeder Sünder sich zu Dir bekehre. O mögen alle Bewohner der Erde erkennen und einsehen, daß vor Dir allein jedes Knie sich beugen nnd jede Zunge zu Dir sich bekennen müsse. Vor Dir, Ewiger unser Gott, werden sie dann hinknieen uub niederfallen und Deinem erhabenen Namell die Ehre geben; sie Alle werden Deine Macht anerkennen und Dll wirst als Herrscher verehrt sein in aller Ewigkeit. Wie es in Deinem heiligen geoffenbarten Worte verheißen ist: „Der Herr wird regieren immer und ewig, und Gott wird als König der ganzen Erde überall erkannt und verehrt werden, und an jenem großen, heiligen,' erhabenen Tage ist Gott als der Eine llnd Seill Name als der Einzige ge^ heiliget imb verherrlichet."

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