Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3227996--49570-3271142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
101 so sieht bernngsn! Wie unseren en, Toihling cm nn Herz e Pietät, itivickelte > bleiben, rsichtiger >ung der [offen in rk überr unsere steht oft gütigen können werden, issen als >ics sollte kann nie das dem Art und was sie r Wille sgebildet den von Dies ist Pflicht"! an sein; e! Pflicht- 11110 die welcher m; lliii Wohlge Frau e Nadel i. ran und gi» von en einer t, nichts aushalte te häuskl d und an ganz er Anses Ged niiznm, was ft wird Schein Unter den obwaltenden Zuständen verhärtet naturgemäß das Gemüth. Und doch wurzelt, besonders in den jüdischen Häusern, die Ziisainniengehörigkeit in der Familie. Wie manche jüdische Frau und Mutter ist eine Märtyrerin ihrer Familie! Wie jene edle Römerin, die, als sie sich den Dolch in die Brust stieß, noch sagte: „Es schmerzt nicht," trägt sie Alles, duldet sie Alles in bewundernswerther, übermenschlicher Seelengröße und Selbstverleugnung. Welche Tragödien von Opferfähiakeit, Aufopferung, Pflichttreue, Entsagung spielen sich, ohne daß die Welt cs oft ahnt, in so mancher jüdischen Familie ab, deren Heldin stets die Frau und Mutter! Alle diese hohen Tugenden und edeln Eigenschaften wurzeln im Gemüthsleben! Das Beispiel erzieht mehr als Worte; um den Töchtern häuslichen Sinn einzuflößen, dazu bedarf es häuslicher Mütter. Sich freuen an den kleinen und großen Pflichten, an den kleinen und großen Freuden des Hauses, darin besteht das Glück der Frau. Das Beispiel erzieht mehr als Worte! Die Treue, mit welcher die Mutter stets unermüdlich ihre Pflichten bei ihren Kinder» erfüllt, tuüpft besonders das heilige Band der Liebe und Verehrung zwischen Mutter und Töchtern unlösbar fest, feuert die junge Tochter an, der Mutter nachzueifern, und wie oft hören wir selbst von alten Frauen in liebevoller Pietät: „So hat es meine Mutter gemacht," „so habe ich es von meiner Mutter gelernt!" Sei die Geistesbildung der Tochter auch eine bei weitem reichere, sie wird sich stets gern der von ihrer Mutter cmpfangenen praktischen Anleitung, ökonomischen Belehrung erinnern; sie wird mit ihrer höheren Intelligenz in hochsinniger Weise ihrem Hanse vorstehen, ihren Gatten zu beglücken streben, das Köstlichste, was sie weiß und besitzt, ihren Kindern geben, ihnen die beste Erzieherin sein. Ihr jüdischen Frauen alle, die Ihr das höchste Erdenglück genießet, Mütter zu sein, bestrebet Euch, durch Euer Beispiel erziehlich fördernd zu wirken, nicht nur für Eure jungen Töchter, sondern „von Geschlecht zu Geschlecht"; noch späte Enkelinnen werden gern von Eurem edeln Thun und Wirken erzählen, in liebevoller Pietät, und wenn auch nicht jede Mutter ihren Biographen findet, wie die Mutter der Gracche», Frau Rath Goethe und die Mutier Bteyerbcers, in Eurer Familie, in Eurem Freundeskreise wird Euer Andenken ein gesegnetes bleiben, unvergänglich fortlebeu, wird Eurer in Liebe und Dankbarkeit gedacht werden! U Aus dem Gebetsschahe des Judenthums. Von Regierungsrath Dr. D. H. Mayer in Karlsruhe. (Schluß.) Wir überschlagen die in die tägliche Liturgie eingereihten Psalmen, die der Erinnerung an die Erlösung aus der ägyptischen Knechtschaft gewidmeten Hymnen, ferner die zur Scheina^Lesung gehörigen Bibelabschnitte. wie auch die um diese letzteren gruppirten Benediktionen (ßordm) und wenden uns zu dem Hauptstück der ganzen Gebetordnung, dem sogenannten Achtzehngebet (Scliemone Esre1), bei den Alten „das Gebet (Thefilla)" schlechtweg genannt. Sein Ursprung geht bis auf die vormakkabüische Zeit zurück, es ist also schon durch sein hohes Alter geheiligt und hat bis auf den heutigen Tag seine hervorragende Bedeutlmg im Mittelpunkte des Gottesdienstes behalten. Diese Stellung kommt demselben auch mit Recht zu. da es sich in Lob, Bitte und Dank auf alle Lebensverhältnisse des Einzelnen, wie l) Zu den 18 Absätzen, die dieses Gebetstück nach seiner Vollendung enthielt, ist später noch eine gegen die „Verleumder" gerichtete Bitte hinzugekommen. Auch im Uebrigen hat die Fassung der einzelnen Absätze im Laufe der Zeiten mannichfache Aenderungen erfahren. der Gesammtheit erstreckt und die aus denselben sich ergebenden bezw. damit in Verbindung gesetzten religiösen Gedanken mit unvergleichlicher Kraft und Innigkeit zum Ausdruck bringt. Tasi auch die deutsche llebertraguug diese Vorzüge soviel als möglich erkennen lasse, war unser angelegentliches Bemühen. Dieselbe lautet: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, Großer, Allmächtiger, Ehrfnrchtgebietender! Höchstes Wesen! Guadenvoll waltend, o Eigner des Weltalls, gedenkst Du der Verdienste der Väter und bringst in Deiner Liebe Erlösung ihren Nachkommen um Deines Namens willen. Du, unser Helfer, Schild und Beistand! Gelobt seist Tu, o Gott, Schild Abrahams!4) In Deiner unendlichen Macht, o Herr, verleihst Du den Gestorbenen neues Leben, nie versieget Deine Hilfe. Der Du in Deiner Gnade alles Lebende erhältst, lässest die Todten eingehen zum ewigen Leben, denn groß ist Dein Erbarmen. Der Du Fallende stützest, Kranke heilest und Gefesselte befreiest, bewahrst auch Deine Treue denen, die im Staube schlummern. Wer ist wie Du, Herr aller Kräfte! Wer Dir gleich, der Du tödtest und belebst und keimen lässest das Heil! Ja, wahr ist's, daß Du die Abgeschiedenen zur Unsterblichkeit führst! Gelobt seist Du, o Gott, der Leben hervorgehen läßt aus dem Tode Heilig bist Du, Heiliger ist Dein Name und heilige Schaareil preisen Dich für und für. Gelobt seist Du, o Gott, der Tu in Heiligkeit waltest! Du verleihest dem Menschen Erkenntniß, lehrest den Sterblichen Einsicht. O so gieb gnädig auch rms Erkenntniß, Einsicht und Verstand. Gelobt seist Du, o Gott, Spender der Erkenntniß. Führe uns, Vater, zu Deiner Lehre, bring' uns nahe Deinem Dienste und laß uns, so wir irre gegangen, in aufrichtiger Buße zu Dir zurückkehren. Gelobt seist Du, o Gott, der Wohlgefallen hat an bußfertiger Reue. Vergib uns, Vater, unsere Sünden, verzeihe uns unsere Frevel, denn allvergcbend und allverzeihend bist Du. Gelobt seist Du, o Gott, Allgnädiger, der oft und viel verzeiht. Sieh auf unsere Noth, führe Du unfern Streit und laß nicht zu lange Deiner Erlösung uns harren, auf daß verherrlicht werde Dein Name, denn ein machtvoller Erlöser bist Du! Gelobt seist Tn, o Gott, Erlöser Israels. Heile uns. Ewiger, dann sind wir geheilt, hilf Du uns, dann wird uns geholfen sein. Unser ganzer Ruhm bist ja mtv Du! O so sende doch volle Genesung für alle unsere Leiden, denn Du allein bist uns der rechte Arzt und voll Erdarmen. Gelobt seist Du, o Gott, der Du die Kranken heilest.-) Segne uns, o Gott, das Jahr und alle Arten seines Ertrages, verbreite Gedeihen über die Fläche der Erde, daß wir uns sättigen mit Deinem Gute, und laß dieses unser Jahr fruchtbar sein wie die besten Jahre. Gelobt seist Du, o Gott, der Du die Jahre segnest. Laß die Posaune der Freiheit ertönen, erhebe das Panier der Erlösung für unsere Vertriebenen und bringe uns Hilfe von allen Enden der Erde! Gelobt seist Du, o Gott, Hüter der Verstoßenen Israels.3) Erfülle unsere Richter mit Deiner Gerechtigkeit, die über uns Rathes pflegen, mit Deinem Rathe,4) auf daß wir behütet bleibell 1) In der Benediktion wird von den Erzvätern mu Abraham genannt im Hinblick auf 1. B. Mose, 12,2: „Und Du sollst zun, Segen sein." -) Im Anschluß an Jo<"l's Breslauer Gebetbuch ist für die Benediktiol, der Ausdruck KE'H angenommen. 3) Der Uebertragung entspricht folgende hebräische Fassung: irSi? xam irnP; Siwb c; xni isfvnn“? Pn; “st: rpn Tn; ’ Vn -pan msjs rr-iaa niw Erheblich weiter vom Urtext entfernt sich Io«"! mit folgender Fassung: '"x"3 .lrPnjo iw niwn nn Pipi i;nnnP... rpn n.s'Ttr rvnxrP nnc*1 rara 4) Die hebräische Fassung lautet: :c. pnsra mrrPi -jpnjKs lyesirP jn Vergleiche hierzu die dein Sinne nach vom Urtext wesentlich abweichende Joäl'sche Fassung: ♦idbwmi . .. . unji "partt:: upnae