Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1893)
- Date
- 1893-02-24
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 freunde ittib Verehrer desselben an seinem Grabe versammelt, um in i würdiger Weise daS Andenken des bedeutenden Gelehrten 51t ehren, j Gingeleitet wurde die Feier durch eine tief ergreifende Rede des Rabbiners Dr. Rosenthal, der der ausgezeichneten Geistes- und Herzenseigenschaften , des Verstorbenen gedachte. Der Redner hob besonders hervor, daß der j Dahingeschiedene sein ganzes Leben in rastlosem Fleiß, von dem glücklichsten Erfolge gekrönt, dem Dienste der Wissenschaft geweiht und, wie selten Jemand, segensreich gewirkt habe. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Guttmann das Wort und schilderte in beredter Weise die wissenschaftlichen Verdienste des Verewigten, der in unermüdlicher Arbeit, durch seine weltberühmten beiden Wörterbücher Licht in das Gebiet der Talmudforschung und das der orientalischen Wissenschaft tut Allgemeinen gebracht, jüdischen und nichtjüoischen Gelehrtett die bisher noch verworrenen Pfade derselben zugänglich und gangbar gemacht xmb sich dadurch auch in der christlichen Gelehrtenwelt Verehrer erworben hat. Mit den üblichen Trattergebeten schloß die erhebende Feier. — Unserer Stadt steht der Genuß bevor, detnnächst einen Vortrag der Frau Dr. Nahida Remy hören zu können. Frau Remy wird am Mittwoch den 22. d. Mts. im hiesigen Börsensaale einen Vortrag über „Die Nächstenliebe in der mosaischen Gesetzgebung" und am darauffolgenden Tage einen solchen über „Die Nächstenliebe in den prophetischen und poetischen Büchern" halten. — Herr Dr. B Königsberger, welcher sich auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Behandlung des Talmuds und der Pentateuchexegese bereits einen 'Namen erworben hat, veröffentlicht demnächst das zweite Heft feiner „Exegetischen Studien", dessen Thema „Zur einheitlichen Redaktion des Pentateuch" großes Interesse finden dürfte. — Mit dem in Nr. 7 gebrachten Berichte über ein Stiftungsfest des hiesigen Vereins Amicitia sind Sie von einem „gelegentlichen" Korrespondenten leider dupirt worden. Das Ganze ist nichts anderes als ein dummer Faschingsscherz. * Gleiwitz, 20. Februar Ihren dritten Jahresbericht versendet die israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff- Jastrzemb (Verwaltung Gleiwitz) für das Jahr 1802. Rach deutselbett hat die Anstalt in der zurückgelegten Saison 08 Kinder aus den verschiedensten Ortschaften, und zwar 27 Knaben und 80 Mädchen, in vier auf einander folgenden Serien beherbergt. Von denselben wurde 21 ganz unentgeltliche Aufnahme (Freistellen) gewährt; 24 wurden gegen Zahlung der Hälfte der Selbstkosten (halbe Freistellen) ttnd 18 gegen Entrichtung eines Satzes, der annäherungsweise den Selbstkostett gleich kam, aufgenommen. In diesen Zahlen spricht sich so recht die hervorragende Gemeinnützigkeit des Werkes aus. Möge die Anstalt sich auch fernerhin der Gunst zahlreicher Wohlthäter erfreuen! 4 Sorau N.-L. Am 11. Februar d. I. wäret: fünfundzwanzig Fahre verflossen, seitdem der hiesige Kultusbeamte Herr Neu mann als solcher thätig war. Bald nach beendigtem Gottesdienste erschien eine Deputation, bestehend aus den Herren M. Redlich (Vorstandsmitglied) und S. Löffler (Repräsentant), in der Wohnung des Jubilars rmd überbrachte demselben mit herzlichen Glückwünschen im 9kamen einer großen Anzahl von Gemeindemitgliedern eine Adresse, sowie einen prachtvollen Tafelaufsatz, dessen Sockel die Aufschrift enthielt: „Herrn Neumann zur Erinnerung an das 25 jährige Amtsjubiläum gewidmet von Mitgliedern der Gemeinde Sorau N.-L." Der Jubilar dankte mit bewegten Worten tnb allgemein wurde der gegenseitige Wunsch laut, daß es demselben vergönnt sein möge, noch recht lange in hiesiger Gemeinde wirken zu können. * Frankfurt a. C*, 17. Februar. Der Rabbiner und Prediger der hiesigen Synagogengemeinde Dr. M. Loewenmeyer ist heute nach schwerem Leiden im 70. Lebensjahre gestorben. Geboren in Grätz (Prov. Posen) als Sohn eines Lehrers, besuchte er das Gymnasium in Glogau und studirte in Breslatt ant jüd. theol. Seutinar. Seit etwa 82 Jahren oerwaltete er hier das Amt des Predigers und ersten Religionslehrers, nachdem er vorher einige Jahre in Graudenz anttirt hatte. Das Leichenoegängniß fand am Montag statt. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Rosettzweig aus Berlin. © Hamburg, 19. Februar. Kürzlich hielt der hiesige Verein für jüdische Geschichte und Litteratur seine statutenmäßige Generalversammlung ab. Aus den Mittheilungen des Vorsitzenden, Herrtt Dr. jur. H. B. Levy, ist zu erwähnen, daß der Verein in den wenigen Monaten seines Bestehens zu der Zahl von 108 Mitgliedern gelangt ist. Nachdem den: Vorstände Decharge ertheilt wurde, wurden die bisherigen Vorsteher, .Herrett De. .jur. H. B. Levy, Professor Fels, Dl. Piza, Dr. m,?«!. Fiel, H. Gtttttperts, I. Goldfreeht, G. Tttch, M. Detttschlättder, I. Reis einstinttttig wiedergewählt. Darauf hielt Herr Dr. A. Feilchenfeld einen sehr interessanten Vortrag über „Die jüdische Deputirten-Versammluug und das Synhedrin unter Napoleon I., aus welchem wir att anderer Stelle einen kurzen "Auszug bringen. K. Hannover, int Februar. Das am 1. d. M. gefeierte sünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum des Herrn Gemeinde-Sekretärs I. H offmann gestaltete sich zu einer erfreulichen Kundgebung der Anerkennung und Hochachtung, deren sich der Jubilar in allen Kreisen der hiesigen Geuteinde zu erfreuen hat. Die offizielle Feier vollzog sich Mittags in der Wohnung des Jubilars, wo in Gegenwart des Gesammt- Vorstandes, vieler Mitglieder der Repräsentanz, des Herrn Landrabbiners unb des Lehrerkollegiums der Religionsschule und des Seminars nach einem einleitenden Gesänge des Synagogenchores der erste Vorsteher Herr I. Kattffmann das Wort ergriff. In längerer Ansprache hob er die Verdienste hervor, die sich der Jubilar um das Verwaltuttgswesen, das durch ihn ein geregeltes, geradeztt mustergiltiges gewordett sei, erworben habe. Mit einer Adresse überreichte er zugleich eine Ehrengabe als Zeichett der Anerkennung. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann feierte den Jubilar als gewissenhaften Synagogenbeamten, in einer Adresse überbrachte er t en Dank der Mitglieder der Lehrer-Wittwen- und Waisen- Kasse, deren ttnbesoldeter Sekretär Herr Hoffmann seit ihrer Gründung ist. Alsdann gratttlirte Herr Direktor Benfey int Namen des Komitees, das zusammettgetretett war, um aus der Mitte der Gemeinde ihm eine Ehrengabe zu widmen. Zuletzt gab Herr Seminardirektor Dr. Kroner den Grüßen und Wünschen der Lehrer Ausdruck, welche ben Jubilar mit Stolz zu den Ihrigen zählten. Tiefbewegt dankte der Gefeierte für alle Zeichen der Liebe und Anerkennung. Ein nochntaliger Gesang schloß diese erhebende Feier. Von Nah und Fern liefen Gratulationen und Glückwunschtelegramme ein, so auch von Herrn Sanitätsrath Dr. Kristeller, deut Vorsitzenden des Gemeindebundes. Attt Abend wurde dettt Jubilar zu Ehren ein Festessen veranstaltet, das große Betheiligung fand. Auch int Gottesdienst mit folgenden Sonnabend fand noch ein Nachhall dieser Feier stand: Herr Landrabbiner Dr. Gronemann wies im Anschluß an den Wochenabschuitt auf die Tugenden hin, welche die Schrift von einem Gemeindebeatnten fordere, und die der Jubilar in so hohem Maße besitze. Möge Herr Hoffmann noch viele Jahre in bewährter Weise seines 'Amtes walten! # Bocholt, 15.Februar. Der Hilfsverein Esraß K'fufim, der sich die Aufgabe gestellt, mittellose oder in ihren Bermögensverhältnissen zurückgegattgene Glaubensgenossen wieder erwerbsfähig zu machen und zu erhalten, hat sein drittes Lebensjahr zurückgelegt. Trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse und ungeachtet der hohen Ansprüche, die andere f traurige Ereignisse an die werkthätige Mithilfe unserer Glaubensgenossen! stellten, hat der Verein keine Einbuße an Theilnehmern erlitten. Auch das Vereinsvermögen, das im zweiten Jahre 2700 Mark betrug, ist inzwischen auf 4070 Mark angewachsen. Wie der Kassenbericht zeigt, wurden im verflossenen Jahre 1400 Mark ausgeliehen, während 410 Mark zurückgezahlt wurden. Seit dem Bestehen der Vereinigung sind 9 Personen mit eittem Gesammtbetrage von 2050 Mark unterstützt worden, wovon bis Ende-1892 der Kasse 540 Mark wieder zugeführt wurden. Leider haben auch eine Anzahl Gesuche zurückgewiesen werden müssen, weil die statutenntäßigen Bedingungen fehlten. Die ordentliche Generalverfatnmlung des Vereins findet am 12. Februar statt. Hoffen wir, daß dieselbe der Ausgangspunkt einer neuen reichen Bethätigung des Interesses für den segensreich wirkendett Verband werde. * Lich (Oberheffen), 0. Februar. Heute gelangte vor dem hiesigen Schöffengericht eine Sache zur Entscheidung, die bereits dreimal das Gericht beschäftigt und zu mehreren Vernehmungen durch das deutsche Konsulat in Chicago geführt hatte. Ein mittlerweile nach Amerika ansgewanderter Landmann Namens Döll aus Nuppersburg hatte den Handelsmann Jakob Oppenheimer aus Langsdorf wegen Betrugsversuchs angezeigt, weil er angeblich einen Nachlaß am Kaufpreise für eine Kuh durch die falsche Vorspiegelung von ihm erzielt habe, daß die Kuh am Euter erkrankt sei. Tie Döll Eheleute beschworen in Chicago ihre Angaben und ein gewisser Spanier unterstützte dieselbett. Heute traten zwei Zeugen ans, die beschworen, daß die Ehefrau Döll selbst