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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-24 · Heft 8 (24.2.1893) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 8 (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
Seite 89 (sequence 7)
Language
German
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89 Satz, bi io „Umkebi, fltisses l)iü: abmenbiii,; auf Gl-ii; auf bcii 1, ihN fnll mndluitg!, tb SSertnvi: eftimmuiui icihrer iniD velche bio lezeichnet i! be, iit b i öebete, w'u erten?!-.u beit fieiv n Bedürft! -i ) allzu g r Wie foU:o »erftänbu r, wenu i echanisch o : zuwei!!i liche Au ll och dl ^bschrecke;-!> erscheine i, Gebete ,n?r jübiK: nhabeus! i »er Zeit-ü hüntlichcn, ] stehen . Erhall i es Jude/ l NUb bl flbe lau! i Nachdem so Gott als Schöpfer nub Lettker bes Weltganzen geniert worben ist, richtet sich bie religiöse Betrachtung auf das bevor- Uigteste ber Geschöpfe, ben Menschen. Zunächst wirb für bie wnnder- [>are Einrichtung bes ntenschlichen Körpers und bie Heilung ber U lufigen Störnligen in biesem Organismus gebankt. Daran reiht np ein Lobnnb Dankgebet für die Verleihung der Seele in! Agenden ebenso schlichteil, als für bie jüdische Auffassung des seelischen r.bells charakteristischen Worten: Mein Gott! Die Seele, die Du mir gegeben, ift rein. Du bist ihr Schöpfer, Du ihr Bildner, Du ihr Beschützer. Du hast sie meinem irdischen Theil verbunden und so wirst Du sie dereinst wieder von mir nehmen uub sie zu Dir, mein Vater, zurückführen.i) So lauge aber die Seele in mir ist, will ich nicht aufhören. Dir zu danken, Meister aller Wellen, Herr aller Seelen! Gelobt seist Du, Ewiger, der die Seelen zu Seiner Gottesherrlichkeit zurückführt. Im Anschlüsse hieran enthält die Gebetordmlng eine Anzahl von citediklionen, welche ursprünglich für bas häusliche Leben bestinnnt! ulen, später aber in ben öffentlichen Gottesdienst herübergenommen i urden. Sie sind von solch packender Natürlichkeit und reizvoller ^nmnth, daß wir sie hier nicht übergehen mögen. Beim frühen Morgengrauen schon, wenn der erste Hahnschrei i-ii neuen Tag ankündigt, erhebt sich das fromme Gemüth zu Gott it den Worten: Gelobt seist Du, Ewiger unser Gott, Herr der Welt, der dem Hahne die Fähigkeit verliehen, zu uuterfd)eibcu zwischen Tag und Nacht. Das Nächste ist, daß der Erwachende sich seines Berufs als i -ottesbekenner bewußt wird, daher der Spruch: Gelobt k. re., der mir die Bestimmung verliehen, als Israelit zu leben und zu wirken.-) Jede seiner Bewegungen und Handlungen setzt er jetzt in Behang zu seinem Gotte: wenn er von seiner Sehkraft wieder Ge- - auch macht, wenn er sich bekleidet, seine Gliedmaßen wieder bewegt, ' me Gestalt zu voller Höhe anfrichtet, den festen Boden unter den ilßen spiirt, das, was zu des Lebens Nothdnrft gehört, wieder vorndet — es ist ihm fortgesetzter Anlaß, Denjenigen zu Preisen, dein dies Alles verdankt. Und es sind sinnige Worte, deren er sich ibei bedient: Gelobt re. re., der die Blinden sehend macht, die Nackten kleidet, die Gefesselten löst, die Gebeugten aufrichtet, die Erde ausgespannt über den Wasserfluthen, der mir all meinen Bedarf bereitet. Das erste Dahinschreiten, das Anlegen des Gürtels und Kopflndes — es weist dies deutlich auf die orientalische Entstehung Hut — ird mit dem geistigen Leben und Schaffen in Verbindung gebracht: Gelobt re. re., der die Schritte des Mannes lenkt, der Israel mit (der) Kraft umgürtet (seinen Beruf auf Erden zu erfüllen), der Israel krönet mit detn Ruhm Seiner Lehre, der dem Matten Kraft verleiht. h Hebräisch: rmPlüSl Dementsprechend lautet die uenediktion: 'inT'DWb THEH 2) An Stelle der Benediktionen ntTtf/ ist a den neueren Gebetbüchern — so insbesondere in demjenigen von Dr. A. Jo<"l, 11. Auflage, Breslau 1888 — die positiv gefaßte Benediktion Jetzt, nachdem „der Schlaf vollständig ans den Augen und der Schlummer von den Lidern gewichen", wird der bevorstehenden Tagesaufgabe gedacht und ein Bittgebet tun Unterstützung bei deren Erfüllung und um Kernhaltung jeglicher Störung zum Himntel i emporgesandt:! Möge es Dein Wille sein. Ewiger unser Gott, uns zu leiten,! daß wir wandeln nach Deitter Lehre und Treue beweisen Deinen i Gebotett. Wahre uns, Herr, vor Sünde und Schuld, führe ,! uns nicht in Versuchung, laß uns nicht zu Schanden werden. Gieb dem bösen Trieb keine Macht über uns und schütze un§ vor Verj führung durch schlechtes Beispiel. Festige in uns eitlen guten Geist, führe uns zu edlen Werket! und pflattze Detnnth und Gottesfurcht in unser Herz. Laß uns Liebe utib Gunst finden in Deinen 'Augen und in den Augen der Menschen durch unfern Wandel heut' und allezeit. Du, der Du stets gnädig bist, Amen! In Deiner großen Güte, o Gott, wollest Du uns auch bewahren vor Menschen mit frechem Sinn und vor eigener Frechheit, » vor bösem Menschen, bösem Genösset! und bösem Nachbar, vor bösem; Begegnisse und vor jedent verderblichen Anstöße, vor jedem harten i Rechtshandel und einem harten Gegner im Gericht, weß Bundes er auch sei. Unter Voranstellung eines Spruches der Weisen als Giotto: | „Immer sei der Mensch gottesfürchtig im Stillet!, bekenne die > Wahrheit und spreche Wahrheit in seinem Herzen, stehe früh auf ' und bete zu seinem Gotte"! folgt ein Gebetstück, das wir den schönsten und gehaltvollsten! unserer ganzen Liturgie beizuzählen haben dürften. In dramatischer Lebendigkeit tritt in demselben der pessimistischen Weltanschauung , welche die Eitelkeit und Zwecklosigkeit alles Seins predigt und den Menschen ins Nichts versinken laßt, der unentwegte jüdische Optimismus gegenüber, auf das Gottesbewnßl- : sein sich stützend und in der Verbreitung der Gotteserkenntnis; das Heil erblickend. Dieses nach Form und Inhalt eigenartige Gebetstück lautet: Herr aller Welten! Nicht auf unser Verdienst pochend legen wir unsere Gebete vor Dir nieder, sondern im Vertrauen auf Deine unendliche Barmherzigkeit. Denn was sind wir? Was ist unser Leben, was unsere Tugend und Frömmigkeit? Was ist tmsere Hilfe, was unsere Kraft und Stärket Wessen könnten wir uns rühmen vor Dir, Ewiger unser Gott! Sind nicht alle Helden wie Nichts vor Dir, und die Männer des Ruhms, als wären sie nie gewesen, die Weisen, als wären sie der Erkenntniß bar, und die Verständigen wie ohne Einsicht? Denn die meisten ihrer Thaten sind nichtig, ihre Lebenstage ein flüchtiger Hauch vor Dir, und des Menschen Vorzug vor detn Thiere nichtig - 'Alles, Alles ist eitel! Aber nein! Wir sind ja Deine Heerde, Kinder DeitteS Gottesbnudes, die Enkel Abrahams, Deines Getreuen, detn Tu Großes verheißen, die Nachkommen Isaaks, seines Einziger!, der zum Opfertode für Dich bereit war, die Gemeinde Jakobs, der in Deinen! Dienste der Erste sein wollte und den Du aus Wohlgefallen „Israel" nanntest und „Jeschurun". Von ihnen haben wir die hohe 'Aufgabe überkonnnen. Dich zu bekennen und zu verherrlichen und den Ruhtu Deines erhabenen Namens unter den Menschen zu verbreiten. Darum Heil uns, wie! gut ist unser Theil, wie lieblich unser Loos, wie schön unser Erbe! Heil uns, daß wir au jeglichem Tage Morgens früh und Abends spät uns vereinigen in dem Rufe: Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig! Gepriesen sei Sein Name, Sein Reich und Seine Herrlichkeit immerdar. (Schluß folgt.) d

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