Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1893)
- Date
- 1893-02-17
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 * 3-1 generif Gebiei widerl Termen selbstv; uma] oie üb oct w ) für i Diese philol Stück Den« juris «es« bebe Den font Ehr m M sdW quo Gel den bas noi ab so *1 la ' di se A a d i an den nächsten drei Sonntagen Sonntagsarbeit gefordert haben." Hierauf erwiederte der freisinnige Abgeordnete Wöllmer: „In einigen seiner Desiderien scheint mir der Vorredner zu weit zu gehen, z. B. hinsichtlich der bei jiidischen Unternehmern angestellten Personen; wenn diesen durch die einmal vorhandenen Verhältnisse drei Tage für die Arbeit verloren gegangen sind, warum soll es da als besondere Wohlthat oktroyirt werden, auch noch einen vierten Ruhetag zu haben. Ich gebe zu, daß der Sonntag eine besondere Bedeutung hat; aber ich meine, es kommt doch noch eine Summe anderer Momente hinzu, die dagegen sprechen, das; dieser Kategorie von Personen unter allen Umständen noch ein anderer Ruhetag gegeben wird. Soweit ich die Lebensgewohnheiten der Israeliten kenne, giebt es viele Fälle, wo den Personen, die durch die israelitischen Feiertage gezwungen werden, die Arbeit ruhen zu lassen, trotzdem oer Lohn nicht vorenthalten wird." Die letzte Bemerkung des Herrn Wöllmer trifft zu. Die jüdischen Arbeitgeber, welche ihr christliches Personal an jüdischen Festtagen feiern lassen, thun dies aus religiösen Motiven und bringen hierfür bereitwillig manches Opfer. Gerade dieselben Personen sind es, welche — eben diesem religiösen Sinne folgend — auch darauf ach.en, daß der Andersgläubige seinen Feiertag heilig halte. Die gegentheilige Behauptung des Abgeordneten Stöcker wird dieser wohl schwerlich durch Nennung von Namen belegen können. * Berlin, 12. Februar. Der Wahlverein der deutschen Fortschrittspartei im zweiten Berliner Reichstagswahlkreise hielt gestern (Freitag» seine Generalversammlung. In derselben ergriff der Vertreter des Wahlkreises Prof. Dr. Virchow das Wort zu einer Ansprache, in welcher er die Hindernisse näher beleuchtete, welche sich gegenwärtig der Entwickelung der Verhältnisse bei uns entgegenstellen. Es werde ja, das glaube er gewiß, nicht allzulange mehr dauern, so werde die Frage an uns herantreten, wie es möglich gewesen sei, daß gebildete Menschen sich für den Antisemitismus aussprechen konnten (Sehr richtig), wie der! menschliche Geist in einer solchen Weise entarten konnte, nicht bei den I Antisemiten von Fach, sondern bei deren Helfershelfern. Daraus gehe hervor, wie viel die Phrase über unsere Mitbürger vermag, und darin liege auch die große Schwierigkeit gegenüber der antisemitischen Bewegung. Der Antisemitismus sei so verstockt und verhornt, daß die Stelle gar nicht zu finden sei, wo man ihm ans Leben kommen könne; inan wisse nicht, was die Leute eigentlich wollen. Der eine Antisemit sei immer ganz anders als der andere, ein Programm, ein formulirter Gedanke sei nicht im Antisemitismus. Man dürfe sich nicht vorstellen, der Antisemitismus sei ein greifbarer Begriff oder etwas Verständliches, er sei nichts weiter als ein Gespenst, welches in dieser Zeit umgeht. Ter größte Theil der Anhänger des Antisemitismus sei, wie bei der Sozialdemokratie, unzufrieden, nur in einer andern Richtung, und es sei klar, daß auch der Antisemitismus in seinen Konsequenzen revolutionär sei. Posen, 4. Februar. Der „Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und israelitischer Vorschuß- Verein" hielt vergangenen Sonntag, Abends 6 Uhr, in Keilers Hotel unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn Leo Ephraim, eine ordentliche Generalversammlung ab, welche zahlreich besucht war. Nach dem Jahresberichte des Vorstandes und des Kuratoriums für das Jahr 1892 hat sich der Verein in befriedigender Weise fortentwickelt, derselbe zählte bei Beginn des verflossenen Jahres 430 Mitglieder, während der jetzige Bestand 451 beträgt. Die Ungunst der Zeitverhältnisse hat den Verein insofern beeinflußt, als trotz der erfreulichen Zunahme der Zahler die Beiträge nur um 10.05 Mk. gewachsen sind Der Verein hat im Laufe des Betriebsjahres Darlehen im Betrage von 7900 Mark ausgeliehen. Die Rückzahlungen sind in diesem Jahre etwas schwieriger als bisher gewiesen, und der Verein ist dadurch wiederholt in die Lage gekommen, Kredite in Anspruch zu nehmen, sodaß derselbe am Schluffe des Jahres noch 400 Mark Schulden hat. — Zur Förderung der Handwerkslehrlinge verwendete der Verein in diesem Jahre 1033.80 Mk. in baareu Unterstützungen. Unterstützt wurden im Laufe desselben 18 Lehrlinge gegen 13 im Anfänge des Jahres. Diese sind beschäftigt als Schneider 3, Schuhmacher' 1, Schlosser 2, Gärtner 1, Konditor 1, Pfefferküchler 1, Steinmetz 1, Fleischer 1, Heilgehilfe 1, Lithograph 1, Eigarrenmacher 1, Holzbildhauer 1, Malerin 1. Von den im Jahre 1892 Unterstützten haben ausgelernt unb werden in der nächsten Zeit ihre Lehrzeit beendet haben 2 Schneider, 2 Fleischer, 1 Heilgehilfe. Der Kassenabschluß pro 1892 balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 12,063.51 Mark. Das Vereinsvermögen besteht nach der Bilanz in: Außenständen 6135 M., Pfandbriefen 1500 M., Kassenbestand 133.81 M, zusammen 7768.81 M. Hiervon geht ab 400 M. aufgenommenes Dar. lehen, bleiben 7368.81 M. Das Vereinsvermögen ist also um 402.35 M. gewachsen. Dem Vorstand wurde auf Antrag des Kuratoriums, iu dessen Namen Herr Stadtverordneter Borchert berichtete, Entlastung ertheilt. Es wurden hierauf durch Stimmzettel gewählt: Als Mitglieder des Kuratoriums die Herren Rechtsanwalt Salz, Stadtverordneter Borchert und Kaufmann D. B. Cohn; als Mitglieder des Vorstandes die Herren Leo Ephraim, I. Schleper, Jgn. Goldschmidt, S. I. Cohn, Max Ehrenwerth und Israel Neumark. — Hin sichtlich der Höhe der den Handwerkslehrlingen zu gewährenden Unter stützungen entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der sich auch unser Gemeinderabbiner Herr Dr. Feilchenfeld betheiligte. Es wurde die Annahme einer Resolution angeregt, daß es der Verwaltung des Vereins anheimgegeben werde, die Unterstützungen, falls die Mittel reichlicher flössen, zu erhöhen. Eine definitive Beschlußfassung unterblieb, da innerhalb 4 Wochen eine neue Generalversammlung behufs Statutenänderung iw Aussicht genommen ist, wobei obige Gesichtspunkte mit ins Auge gefaßi werden sollen. — Am vorhergehenden Sonnabend hielt der hiesige „Israelitische Armenhilfsverein" im Gemeinde-Sitzungssaale aus dem Sapiehaplatze seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Hartwig Heilbronn erstattete zunächst den Jahresbericht, deni wir folgende Daten entnehmen: Die Einnahme betrug im verflossenen Geschäftsjahre 14,805.94 M. und die Ausgaben 13,655.75 M., sodaß sich ein Ueberschuß von 1250.19 M. ergiebt, der in Pfandbriefen angelegt ist Die Einnahmen setzten sich zusammen aus Beiträgen der Mitglieder in; Gesammtbetrage von 6140.75 M., von Spenden in Höhe von 4376.50 M. und verschiedenen anderen milden Spenden. Von den letzteren seien hervorgehoben: Legate 1100 M., Ertrag der Büchsen auf deni Friedhofe und in der Jndenstraße 697.75 M., Ertrag einer Privatbüchse 59.30 M. und Zuwendungen aus schiedsrichterlichen Vergleichen 60 M. Der Reservefonds beträgt 4300 M. Zur Vertheilung kamen an Pensionen I. 429 M., an solche II. 5186.50 M., an arme Durchreisende 1882.05 M., an außerordentlichen Unterstützungen 3029 M und an verschämte Arme 485 M. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt 518. Nachdem dem Vorstande Decharge ertheilt worden, schrick man zur Wahl, in welcher ein Theil der Vorstandsmitglieder, unter ihnen der verdiente Vorsitzende, wieder-, der übrige Theil neugewählt wurde. Nach der Wahl des Rechnungs-Prüfungsausschusses für das nächste Jahr wurde die Versannnlung geschlossen. K. Breslau, 7. Februar. Gestern Abend hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenthal einen Vortrag: „Der Talmud", im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur", vor einem zahlreich erschienenen Publikum. Nachdem der Redner seiner Liebe und Verehrung für das leider so oft geschmähte Werk Ausdruck verliehen, das auch christliche Gelehrte der Jetzzeit, wie Strack, Wünsche, der sel. Delitzsch, Nöldecke n. A. kennen zu lernen sich bemüht, gab er, dem Goethe'schen Worte „Die Geschichte des Menschen ist sein Charakter" sich anschließend, einer; Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Talmuds. Da der geehrte Referent, das Wort „Talmud" durch „Thora" richtig ergänzend hervorhob, daß mit demselben die ganze Entwicklung des mündlichen Traditions stoffes gemeint sei, so ging er von der Thätigkeit der Männer der großen Synode aus, wies auf den „Gottesstreit" der hillelitischen nnd schemmaitischen Schulen hin und bemerkte, daß bereits unter dem großen R. Akiba (nach Sanh. 863.) eine Sammlung und Fixirung des Traditionsstoffes erfolgt sein sollte. Auch der Versuch des R. Gamliel, ein wenig „terroristisch" den Abschluß des Streites der Meinungen herbeizuführen, ward gebührend beleuchtet. Nachdem sodann der Mischnahredaktion unter R. Jehudah I gedacht worden, ging Herr Dr. Rosenthal auf dic Theilung des „Talmuds" in den palästinensischen (unter R. Jochanan) und den babylonischen (unter Rab. und Mar Samuel) ein und verbreitete sich über den Abschluß des Letzteren etwas eingehender. — Der Charakter des Talmud ist also der eines kompilatorischen Werkes, einen! Meere gleichend, in das viele Zeitströme gemündet, die nur seine Oberfläche ein wenig bewegten, ohne den Grund seiner Fluth, die Ideen des Monotheismus und des göttlichen Gesetzes, auch nur im Entferntesten aufzuregen oder zu durchwiihlen. — Auch unterließ Redner nicht, in lichtvoller Darstellung durch je ein Beispiel die Hauptcharakterzüge der talmudischen Ethik zu beleuchten. Im