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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-17 · Heft 7 (17.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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57. Jahrgang. Nr. 7. Berlin, 17. Februar 1893. Dev GemeLndebote. Weikcrge %nx „Allgemeinen Korrespondenzen und Nachrichten. Dcntschlaud.! Berlin, 14. Februar. In der am 12. er. stattgehabten! Sitzung der Repräsentanten wurde der wichtigste Punkt der Tagesordnung, einen neuen Modus der Einschätzung betreffend, von der Be- I rathung abgesetzt, da mehrere Repräsentanten behufs Theilnahme au! einer Beerdigung sich beurlauben mußten Nach einigen kurzen geschäftlichen Mittheilungen wurde ein Antrag des Syndikus Dr. Minden zur Erörterung gestellt. In dem betreffenden Antrag wird dem Vorstand der Wunsch unterbreitet, den Repräsentanten-Stellvertretern die jedesmalige Tagesordnung der Repräsentanten-Versanunlung zu übermitteln, damit sie den Verhandlungen bei wichtigeren Vorlagen beiwohnen könnten. Während diesem Wunsche einstimmig Folge gegeben wird, lehnt die Versammlung mit großer Mehrheit das übrigens nicht vom Antragj steller, sondern ans der Mitte der Repräsentanten gestellte Verlangen ab, den Stellvertretern Plätze im Konferenzsaale selbst anzuweisen. Die Herren sollen auf der Galerie Platz nehmen und dieselbe gleich den anderen dort anwesenden Zuhörern bei Beginn der geheimen Sitzung verlassen. Sodann macht der Vorsitzende Mittheilung von den Legaten, welche der kürzlich verstorbene Herr Moritz Simon der Gemeinde vermacht hat. Es sind dies: der Alterversorgungsanstalt und denn Krankenhaus je 100,000 Mark und der Armenkommission 00,000 Mark, wozu die landesherrlichen Genehmigungen nachgesucht werden. — Infolge eines Reskripts des Provinzial-Schulkollegiums, nach welchem die Maximalzahl der Schüler in einer Klaffe nicht vierzig Köpfe überschreiten darf, hat die zweite Klasse der Mädchenschule getheilt werden müssen. Zur Ausstattung der zu beziehenden neuen Räume sind 060 Mark > für Bänke erforderlich, die bewilligt werden. Ebenso wird die für den Chor in der Neuen Synagoge geforderte Summe von 200 Mark für 'Noten, Dirigentenpult n. s. w. bewilligt, dagegen findet ein bei dieser Gelegenheit eingebrachter Antrag des Herrn Sanitätsrath Blumenthal: „der Baukommission anheimzugeben, durch Anbringung eines Gitters die Sänger den Blicken der Gemeinde zu entziehen", nicht die genügende Unterstützung. > Berlin, 15. Februar. Im Publikum ist vielfach die irrige Meinun g verbreitet, als bedeute die Anzahl von 215 deutschen Rabbinern, welche die an anderer Stelle mitgetheilte „Erklärung" unterzeichnet haben, : mir einen geringen Bruchtheil der Vertreter dieses Standes. Demgegenüber - ist darauf hinzuweisen, daß — wie sich aus dem statistischen Jahrbuche j des deutsch-israelitischen Gemeindebundes ergiebt - in allen jüdischen : Gemeinden Deutschlands nur etwa 250 Rabbiner, einschließlich der an Stiftungen w. angestellten, fungiren. Berlin, 15. Februar. Das „Komitee zur Abwehr des j 'Antisemitismus" hat sich nun auch formell konstitnirt und Herrn! Rechtsanwalt Edmund Friede mann zum ersten, Herrn Dr. Paul! Nathan zum zweiten Vorsitzenden, Herrn Adolf Ginsberg zum : Kassirer gewählt. b. Berlin, 14. Februar. Den schon von verschiedenen Seiten angeregten, aber noch immer nicht durchgeführten Versuch, einen jüdischen Jünglingsverein zu gründen, hat nun der Verein „Jung-Jsrael" in die Hand genounnen und eine Kommission zu dem Zwecke eingesetzt, bestehend aus den Herren Dr. Böhlendorf, W. Steinberg, W. Bambus, Dr. Oppenheimer, Hugo Schildberger. Diese Kommission wird sich durch Herren aus allen Berufszweigen verstärken und dann den Plan weiter ausarbeiten. Wie wir hören, ist die Form von Jugendlogen beabsichtigt, und es wird in Aussicht genommen, die neue Organisation an schon bestehende anzulehnen, wie die Lesehalle des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" und die Logen. Daß ein Bedürfniß vorhanden . ist für die jungen Leute, deren Eltern nicht in Berlin wohnen, einen! Zeitung des Zuöenthums". geistigen und geselligen Mittelpunkt zu schaffen, der sie dem Jndenthum erhält, während sie jetzt, da ein solcher Mittelpunkt mangelt, ihre freie Zeit in Cafes und Restaurants und oft noch schlimmer verbringen, wird von allen Seiten anerkannt werden Wie wir hören, hat der Verein „Jung-Jsrael" den Ertrag des von ihm am 1. März veranstalteten Festes für diesen Zweck bestimmt. —: Berlin, 14. Februar. Die dritte der Sonntags-Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums hielt am 13. d. M. Herr Dr. Richard M. Meyer, Privatdozent an der Berliner Universität, vor einem sehr zahlreichen Auditorium über das Thema: „Helden des alten Testaments in der neuern Litteratur". Wir enthalten uns jedes Urtheils über diesen Vortrag, da wir in der angenehmen Lage sein werden, denselben bald in extenso unfern Lesern mittheilen zu können. g. Berlin, 13. Februar. Illach längerem Leiden ist am letzten Mittwoch Herr Sigismund Simmel im 50. Lebensjahre verstorben. Derselbe hatte seine Kräfte fast völlig gemeinnütziger Wirksamkeit gewidmet. Insbesondere den Nothleidenden war er ein unermüdlicher Berather. Simmel war einer von den Männern, die unter dem Martyrium, das der Antisemitismus über unsere Glaubensgenossen verhängt hat, gerade durch diesen zum Wirken für die Gesammtheit gereist und gestählt worden sind. Von Hause aus eine ruhige, zur Beschaulichkeit neigende Natur, seinem kaufmännischen Berufe hingegeben, ließ ihn noch Ausgang der siebziger Jahre erst die gerechte Empörung über die seinen Brüdern widerfahrenden Ungerechtigkeiten den natürlichen Hang zur Ruhe nach einer in angestrengter Arbeit verbrachten Jugend soweit überwinden, daß er selbst weite Reisen im Interesse der Gesammtheit, zur Unterbringung der schutzlosen Emigrantenschaaren, welche die Hilfe der Glaubensbrüder im Westen plötzlich in Anspruch nahmen, nicht scheute. Anläßlich der Verfolgungen in Balta, Jekaterinoslaw lernte man zum ersten Male in weiteren Kreisen im Asyl in der Fruchtstraße in Berlin sein Organisationstalent und seinen von Schwärmerei unbeeinflußten praktischen Blick schätzen. Seine Thatkraft machte ihn bald zu einem der „führenden Männer", die für das Wohl der Unterdrückten neue Verbindungen anknüpfren. Er war ein Selfmademan derPhilanthropie, und es war kein Zufall, daß der Delegat der (amerikanischen) Bne Briili- Logen, Herr Ellinger, hauptsächlich mit Hilfe des so früh Dahingeschiedenen in ungeahnt rascher Weise die lediglich praktisch-philanthropischen Zwecken dienenden Bne Biitb-Logen auf den deutschen Boden verpflanzen konnte. Wie jedem Organisator erwuchsen dem verstorbenen Simmel bei seinem öffentlichen Wirken auch Gegner, besonders in Rußland nmrde er von exaltirten Führern der Emigration heftig angegriffen, wenn er oft in scharfer Weise gegen die „Schnorrer" vorging, um den gesunden Kern der Kolonisationsbestrebungen zu retten. Aber auch diese Gegner verstummten in den letzten Jahren. Für Viele war er ein Retter in der Noth; die von seiner Hilfsbereitschaft getrockneten Thränen waren ihm ein Trost in der letzten schweren Stunde. Die Beerdigung fand am Sonntag unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee statt. Am Grabe schilderten Herr Rabbiner Dr. Ungerleider und Herr Dr. Maretzki (als Vertreter der deutschen Logen) das Leben und die Verdienste des Verblichenen. Möge ihm die Erde leicht sein! # Berlin, 12. Februar. In der Reichslagssitzung vom 10. Februar nahm bei Gelegenheit der Besprechung der Sonntagsruhe Herr Stöcker Gelegenheit, wieder einmal die Judenfrage „anzuschneideu". Herr Stöcker sagte nämlich: „Eine andere Schwierigkeit entsteht daraus, daß die Juden einen andern Sabbath haben; ich habe schon öfters darauf aufmerksam gemacht. Es ist für uns doppelt nöthig, dafür zu sorgen, daß der christlichen Dienerschaft und Gehilfenschaft, die bei Juden im Dienst stehen, der Sonntag nicht vorenthalten wird. Es ist häufig vorgekommen, daß jüdische Prinzipale die drei jüdischen Festtage hindurch ihre christlichen Gehilfen nicht haben arbeiten lassen, dafür aber

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