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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-17 · Heft 7 (17.2.1893) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
Seite 81 (sequence 11)
Language
German
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81 tbebunb" D. R der freiisbildnng nkenhause a letzteren »Hans in Pflegerin inng betüchtigen »gebildet, jüdischen stimmten : inneres enommen sondern ersönlichz bei der größeren lnbeknnnt widmen, Zeitung resse von erfasserin dann in )e.') deutschen e, welche laßen die Äedanken lpflege, zu treten, enu diese derselben ger, mit leind der leiblichen Sorge zu fl", das hl reiner ms nicht der Einhemalige -! ihrem Ihrigen >erinnenoeltlichen gebildete :e Thcilifes ver- . Muster ürde die :cr Kraft tständige oder Ge- Dienst- Wer von uns hat nicht schon wenigstens ein älteres jüdisches Mädchen kennen gelernt, das für solchen Beruf, der kein jahrelanges kostspieliges Studium, keine ungewöhnlichen Geistcsgaben und Talente erfordert, die nöthigen Eigenschaften besitzt und welcher nur die Gelegenheit zur richtigen Entfaltung derselben fehlt. So muß cs dem Menschenfreund wehe thun, wenn er täglich aus der Zeitung ersieht, wie Wissenschaft und Technik, Handel und Gewerbe heut zusammenwirkeu, daß keine Kraft und kein Stoff verloren geht, daß der Sturz jedes Wasserfalles benützt werden soll, um durch Anwendung von Elektrizität neue Kraft zu erzeugen — und inan gedenkt dann der vielen, herrlichen Menschenkrüfte, der individuellen Anlagen der Einzelnen, die nutzlos vergeudet werden oder verkümmern, wie ein Glied des Körpers, das weniger angestrengt und vom Lebenssaft deshalb träg durchflossen wird. So mögen all' diese edlen Kräfte gesammelt lverden als Strahlen gesegneten Wirkens im Brennspiegel einer andauernden, nachhaltig wirkenden Neuerung, um von dort auszustrahlen, wärmend und ein Feuer entzündend, das mit seinem Schein das Dunkel der Gegcnlvart erhellen, und stetig anwachsend, auch späteren Generationen aus der Nacht selbstsüchtiger Gesinnung voranlelichten möge ins belebende Sonnenlicht werkthätiger Menschenliebe. U FEUILLETON Mirjam. Eine Erzählung aus dem dreißigjährigen Kriege von Ferdinand Ru nkel. Es waren böse Zeitläufte im Frühjahr 1630. Um die Festung Hanau, Residenz der Grafen von Hanau-Münzenberg, lagen die Truppen des Kaisers Ferdinand, und in der Stadt stritt sich der Schwede mit dem grimmigsten Hunger um die Herrschaft. General Major von Rainsah vertheidigte die unglückliche Stadt mit dem Muthe und dem Gottvertrauen, die fast alle protestantischen Heerführer des dreißigjährigen Krieges auszeichneten. Philipp Moritz, der regierende Herr, hatte seine Hauptstadt verlassen und nur sein jüngster Bruder, der edle, heldenmüthige Graf Jakob Johann, weilte noch in der bedrohten Stadt. Hanau war voll Soldaten, auf dem Marktplatz herrschte ein wirres Durcheiimnder, in jedem Haus, iu jeder Familie loderte die Kriegsfackel. Nur bis in jene stille Gasse im Norden der Stadt war der Kriegslärm nicht gedrungen. Das schwere eiserne Thor, das sic von der übrigen Welt abschloß, schien auch das Eindringen der Kriegsfurie zu hindern. Es war die Judeugasse, Im Jahre 1603 hatte der hochherzige Graf Philipp Ludwig 11. die Juden dort augesiedelt und ihnen den weitgehendsten Schlitz gewährt. Heute beachtete man sie kauin mehr, sie waren so gut wie die andern Bürger, beim sie theilten alle Lasten, ohne den Grafen an ihre Rechte zu gemahnen. Auch Geldspenden wurden aus der Judengasse nach dem Rathhaus getragen, um die Vertheidigungsarmee zu unterstützen und die Roth der Belagerten zu lindern. Nie kam es vor, daß ein Jude, wenn er außerhalb der Eiasse seinen Geschäften nachging, verhöhnt oder beleidigt wurde. Der gelbe Riug, den sie nach den Reichsabschieden auf ihren Mänteln tragen mußten, damit sie von dem „einfältigen Manne leichter erkannt und gemieden werden könnten", hatte seine gehässige Bedeutung vollständig verloren. Gemeinsames Elend hatte die Menschen einander näher gebracht und die Christen tolerant gestimmt. Fast am Ende der Judengasse, der Synagoge gegenüber, stand ein kleines Häuschen. Die Thür war durch einen Erker überbaut. Der Bewurf war allenthalben abgcfallen und die braunen Balken traten zu Tage. Die Fensterscheiben waren erblindet und hochaufgestapelte Papierhaufen wehrten dem neugierigen Blicke das Eindringen in die Stubenräume. Hier wohnte der Buchbinder Josua Maron. Er war Borbetcr und Schächter, dazu ein Künstler in seinem Handwerk. Jüngst hatte er sogar eine gräfliche Genealogie in feines Pergament mit Gold binden müssen. Nur eine Sorge quälte ihn, sein einziger Sohn Jakob wollte von dem Handwerk nichts wissen. Er saß Tag und Nacht in seinem stillen Mausardenzimmer und brütete über dem Talmud. Jakob war bleich und zart. Auf seinem Gesicht thronte jene Ruhe, jener Gleichmuth der weltabgekchrten Gelehrten. Er war nicht frei von dem Mystizismus seiner Zeit, aber doch hatte die talmudische Schulung sein Denken geklärt und das Studium des alten Bundes, das ihn überall ans die Natur stieß, hatte ihm einen Zug zum Höheren verliehen. Er liebte nichts als seine Bücher und seine schöne Schwester Mirjam, die ihm oft stundenlang zu Füßen saß, um seiner Rede zu lauschen, die begeistert von seine» Lippen floß, wenn er von, Ruhm seines Volkes sprach. Maron war ein reicher Mann, aber er scheute sich, es nach außen hin zu zeigen, und seinen schwunghaften Handel mit werthvollen Büchern verbarg er sorgfältig vor der gräflichen Behörde. — Eines Morgens, es war gegen Ende des April, scholl die Judcngässe wieder vom schweren Tritt des Regimentes Burgsdorf. Die stillen Bewohner der Gasse eilten an die Thüren, um zu sehe», was der kriegerische Lärm zu bedeuten habe. Dem Zuge vorauf ritt Jakob Johann, der jugendlich schöne Held, ganz in Eise». Er dankte freundlich den Gruße» der Juden und begütigte überall die Erschreckten. Es werde ihnen nichts geschehen, man müsse nur durch ihre Gasse marschieren, um den Feind unvermuthet bei der Schanze „Guck in die Mühl" fassen zu können. Als der Kriegszug die Synagoge erreichte, trat aus dem eisernen Thor, der den Vorgarten abschloß, der alte Rabbi Baruch, ein Patriarch mit langem, weißem Bart. Er breitete segnend die Hände ans und sprach: „Der Herr, unser Gott,. möge vor Euch her ziehen in einer Säule von Flammen, er wird Euch schützen und die Feinde der Schärfe Eures Schwertes ausliefern. Tcrr Herr unser Gott, der dahin fährt im Sturm und der redet im Grollen des Wetters, sei vor Euch her, er zerstreue Eure und unsere Feinde und richte ein Reich des Friedens auf wie zu Zion. Wenn er seinen Zorn läßt gehen, werden ihre Seelen nicht verschont bleiben vor dem Tode. Er schlug alle Erstgeburt in Aegypten und die Erben Hains. Siehe, Gott, Deine Feinde toben und so Dich hassen, richten den Kopf aus, thue ihnen wie den Midianitern, daß sie zu Koth werden auf der Erde. Seid getrost, Ihr streitet für die gute Sache, und also sprach der Herr zu Jeremia: Siehe, ich will das Gefängnis; der Hütten Jakobs wenden und die Stadt soll wieder auf ihre Hügel erbaut werden." Graf Jakob Johann und das ganze Regiment hatte» entblößten Hauptes dem gewaltigen Segensspruche des Rabbi gelauscht. Ru» reichte der junge Führer dem Greise die Hand und dankte ihm, aber sein Auge schweifte ab nach der Hütte des Buchbinders Maron. Eine leuchtende Erscheinung, war Mirjam in der Thür erschienen. Er starrte das Mädchen verzückt an wie eine Lichtgestalt aus göttlichen Höhen.

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