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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-17 · Heft 7 (17.2.1893) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
Seite 77 (sequence 7)
Language
German
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77 erfügung. 11 Mensch n Verein mng und NN Ziele. Xkläruna ihn, mir nachdem ler Forni )r. Bosfl ne Mit sse gehen bbineru se Fragt rig, ale rgen imb! jüdische Es wäre zkenntnip heiterkeil Schrift ist Talmud nung der läge bei: eben ein d enthält Einzelner rift zmn schrift isi e erkennt ilbt, was ums, die >en steht, \ Hände! welches Irden ist, r gezeigt, ie Juden er Press, »en. Jet chzulesen, an führte Christen von bei ren Aus nn wird ltisemiten als den semitische hre eine m treibt ers mied cker ver achter, e» rt rnachen lsgegeber: udesaus l Sie ee »er Jude, zristlichen gerächte! )er Nichte ein Buch )as Pro- (Lachen rechts). Kommen Sie nur mit Ihren Schriften, dann werde ich's Ihnen zeigen. (Beifall links, Lachen rechts.) Abg. Frhr. v. Wackerbarth: Wenn der Minister meint, daß man oen Juden überlassen könne, ihre Kinder in der Religion zu unterrichten, so kann ich ihm nicht beipflichten. Es konnnt hinzu, daß die Negierung darauf verzichtet, bei beu Abiturientenprüfungen der Israeliten den Nachweis der religiösen Bildung zu verlangen. Bei Christen wird das als eine Bedingung angesehen. Das ist eine erhebliche Ungleichheit. Wenn die Regierung keinen Werth darauf legt, daß die Israeliten vor dem Eintritt in die Staatskarriere den Nachweis ihrer sittlichen Vorbildung zu erbringen haben, so kann es doch nicht unbegreiflich gefunden werden, daß man von unserer Seite in einem christlichen Staate '»en Judenkeine autoritative Stellung einräumen will. Ich freue mich, daß das Publikum der Angelegenheit betreffend die jüdischen Religionsbücher näher tritt, dann werden auch die Be" schuldigungen aufhören. (Abg. Rickert: Na! Na!) Ueber die Bedeutung »es Talmuds scheint man in jüdischen Kreisen nicht einig zu sein, die .Israelitische Wochenschrift" hat mit der „Allgemeinen Zeitung des ,>udenthurns" sich darüber gestritten. Damit endete die Debatte — und das ist auch des Pudels .-.kern! Den Juden keine autoritative Stellung einzuräumen! Nicht üe edle Fürsorge um das Seelenheil der jüdischen Kinder, sondern »er Nassenhaß, und nur dieser hat die gestrige wie alle früheren Debatten, Anträge und Petitionen des Antisemitismus hervorgerufen. Heute versuchte Kaplan Dasbach auf Grund telegraphischer Auskunft des Dr. Ecker dessen Stellung in dem Judenspiegelprozeß zu rechtfertigen und im Gegensatz zu der Erklärung der Rabbiner den Schulchan-Aruch für das Verhalten der Juden gegen Akum, die er cks Christen bezeichnete, ins Treffen zu führen. Die Debatte dürfte ich nun noch über diese Frage erstrecken, da Rickert eine eingehende Erwiderung in Allssicht gestellt hat. Auf die Rede des Herrn Dasbach einzugehen, sei uns erspart. Herr Dasbach ist Rheinländer mb sprach am letzten Karnevalstage — das entschuldigt Alles. Im Uebrigen wünschen auch wir sehnlichst eine Regelung des Religionsinterrichtswesens in Preußen — aber wir scheuen die Antisemiten, auch wenn sie Geschenke bringen! Und die Fürsorge des Herrn v. Wackerbarth ür den Religionsunterricht der jüdischen Kinder will uns am wenigsten mponiren, ebensowenig wie die Sorge des Herrn Stöcker ilm den ,\nt)dt der jüdischen Sitteulehre. Traurig genug, daß ein Theologe mb ehemaliger Hofprediger diese Sittenlehre nicht so genau kennt, un öffentlich mld wahrheitsgemäß dafür oder dannder Zengnß ablegen zll köllnen, und sich immer und inuner wieder auf äe hundertmal widerlegten Behauptungen und Fälschungen berufen oarf. Der Standpunkt des Kultusministers in Bezug auf die Prüfung er jüdischen Religionsbücher erscheint uns als der richtige; wir sehen er Prüfung und dem Resultat mit großer Seelenruhe entgegen. Dagegen Hütten wir gewünscht, daß von Seiten der Regierung ein Bort über die Regelung des Religionsunterrichts an den höheren ehranstalten gesprochen worden wäre. Muthig und kraftvoll wie stets hat sich der Abg. Rickert unserer! Dache angenommen. Mit wahrhaft humaner Auffassung verbindet j X'it Rickert eine eingehende Sachkenntuiß und eine große Redner-! labe, die ihn befähigt, jeden Angriff, er mag kommen, woher es j auch sei, sofort wirksam zu pariren. Ein solcher Bertheidiger wiegt! eine ganze gegnerische Fraktion auf. Die Erklärling der delitschen j Rabbiner, von der Rickert sprach, finden die Leser heute an der! Spitze dieses Blattes.. Wir begrüßen die Manifestation der Einigkeit des Judenthums und der Bethütigung unserer Ethik mit aufrichtiger Genugthuung und behalten uns vor, auf diese bedeutsame Kundgebung noch zurückzukolnmen. U Der akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr rn Berlin. Zu seinem 10. Stiftungsfeste. Von M. Lipschitz. Im Winter des Jahres 1882/83, zu einer Zeit, in welcher die Wogen des Rasseukampfcs sich in Deutschland mehr als gewöhnlich bemerkbar machten, ging eine besondere Strömung durch ein kleines Häuflein Studenten der Berliner Universitüt, eine Strömung, welche darauf gerichtet war, dem Jndifferentismns gegenüber der Wissenschaft des Jndcnthnms namentlich unter den Gebildeten entgegen zu treten. Man hatte zunächst die Absicht, einen großen Verein zur Verbreitung der Kenntniß jüdischer Geschichte und Litteratnr zu gründen; existirte doch damals selbst in Berlin nicht ein solcher Verein; indessen machte sich bald die Uebcrzcngung geltend, daß die Bedeutung des Vereins eine größere sein würde, falls man seinen Schwerpunkt ans akademischen Boden verlegen und Andere mir mit Beschränkung zu außerordentlichen Mitgliedern heranziehen würde. „Ist doch gerade die stndirende Jugend durch ihren Berns und ihren idealen Sinn der geeignetste Vertreter eines solche» Vereins."') Die Rücksprache mit der UniversttütSbehörde führte jedoch am 22. Februar 1883 zur Gründung eines rein akademischen Vereins. Bis heute sind nun zehn Jahre verflossen, und da ziemt es sich wohl, von dem zehnjährigen Bestehen dieses Vereins arich in der „Allgemeinen Zeitung des Jndcnthnms" Kunde zu geben, deren einstiger Begründer und Herausgeber, Herr Dr. Ludwig Philippson, von der Konstitnirung desselben in einem besonderen Leitartikel Kenntniß genommen hatte?) Wer die Verhältnisse an der Berliner Universität kennt und wer da weiß, wie groß die Zahl der akademischen Vereine ist, wer ferner bedenkt, daß jeder Student dem Verein nur so lange angehören kann, als er auf der klniversität inrinatriknlirt ist, daß also die Zahl seiner Mitglieder von vorn herein eine beschränkte sein muß, der wird eine besondere Genugthuung darüber empfinden, daß es dem Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr heute vergönnt ist, auf ein ganzes Deeenninm seines Bestehens znrückzublicken. Das verdankt der Verein zum größten 2heil dem jugendlichen Feuereifer, mit welchem seine Mitglieder für diese idealen Bestrebungen eingetreten sind, das verdankt er aber auch der Eigenart, mit welcher er seinen Aufgaben gerecht zu werden suchte. Diese Eigenart bestand darin, daß der Verein die Verbreitung der Kenntnis; jüdischer Geschichte und Litteratnr frei von jedem religiösen oder politischen Moment verfolgte. Er wollte einem Zweige der humanen Wissenschaften, dem Schule rmd klniversität bisher fast theilnahmslos gegenüber standen, zu allgemeinerer Anerkennung und Werthschätzung verhelfen. „Wir sind darum weit entfernt," wie es im 11. Semesterbericht heißt, „lediglich eine Bereinigung von Fach- und Bcrnfsgcnostcn zu sein, ebenso wie wir nach keiner Richtung hin eine exklusive Stellung ciimehmen."3) „Unser Bestreben wird vielmehr einzig und allein von der Ueberzcugnng geleitet, daß die jüdische Geschichte und Litteratnr nebst ihren reichen Quellen einen sehr wesentlichen, noch nicht genügend gewürdigten Bestandtheil der Universalgeschichte und der allgemeinen Getsteswissenschaft bildet."') ') I. Senresterbericht des akademische» Vereins für jüdische Geschichte und Litteratnr. Berlin 1883. p. 3. 3) Allgemeine Ztg. des Judenthums. Leipzig 1883 Nr. 30. p. 479. 3) II. Semesterbericht des Ak. Vereins f. jüd. G. n. L. Berlin 1885 p. 4. 4) III. Semesterbericht des Ak. Vereins f. jüd. G. n. L. Berlin 1887 p. 27.

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