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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-17 · Heft 7 (17.2.1893) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 7 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
Seite 76 (sequence 6)
Language
German
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76 : N tc w * se 01 si Ä <Z j i y ) ij |! zu finden, was gegen die Juden spräche. Die der Unterrichtsverwaltung vorgelegten Bücher enthalten vortreffliche Lehren, die, wenn sie befolgt würden, die Juden zu den geachtetsten und beliebtesten Leuten machen müßten. Es sei geradezu rührend, wie in diesen Büchern z. B. der Wucher verurtheilt, ja das Zinsennehmen überhaupt als Sünde bezeichnet werde. Man sollte meinen, fährt dieser Schulmann fort, gewisse Leute kennten die Juden nur aus diesen Lehrbüchern, dann sei allerdings ihre Judenfreundlichkeit erklärlich. Aber, sagt der Verfasser des Artikels weiter, sollte es nicht eben dieser geschriebenen eine ungeschriebene jüdische Morallehre gebend (Hört, hört! links.) Das ist die Taktik dieser Herren; erst erheben sie eine furchtbare Anklage, stellt sie sich dann als unberechtigt heraus, dann sagen sie, ja, neben den gedruckten Lehren gäbe es noch ungeschriebene, die ganz anders lauten. (Hört! hört! links.) Ich hätte gewünscht, daß der Minister diese Taktik unseren jüdischen Mitbürgern gegenüber als verwerflich bezeichnet hätte. Materiell will ich auf die Angelegenheit nicht weiter entgehen; ich erlaube mir nur die Frage an den Minister, ob er uns nicht ein vorläufiges Nrtheil über das Ergebniß der Prüfung der jüdischen Lehrbücher mittheilen kann; ich bitte ihn dringend, die Art von Agitation, die jetzt sustematisch mit einem großen Aufwand an Geldmitteln gegen die Juden betrieben wird, nicht zu unterschätzen; es wäre nichts gefährlicher, als wenn gerade auf dem Gebiet der Schule der Glaube entstehen könnte, die Verwaltung stände der Zurücksetzung der Juden, der Verdächtigung ihrer Lehre gleichg iltig gegenüber. Es ist die Pflicht des Kultusministers, keinen Tag länger zu dulden, daß man die Unterrichtsverwaltung in Verdacht haben kann, sie sei nicht im Stande, auf Grund ihres Aufsichtsrechtes zu verhüten, daß Schulkindern Bücher in die Hand gegeben werden, die verbrecherische Lehren enthalten. (Beifall links). Kultusminister Dr. Bosse: Es thut mir leid, die Bitte des Vorredners um Mittheilung eines vorläufigen Urtheils über das Ergebniß der Prüfung der jüdischen Lehrbücher nicht erfüllen zu können. Die Unterrichtsverwaltung hat es für ihre Pflicht gehalten, die Grundlosigkeit der Gerüchte über den Inhalt dieser Lehrbücher nachzuweisen. Die Bücher sind eingegangen und einem dazu besonders befähigten Schulaufsichtsbeamten zugeschickt worden, mit der Aufforderung, sie durchzustudiren und das Resultat der Prüfung vorzulegen. Ich habe aber kein Bedenken, zu erklären, daß, sobald das Resultat der Prüfung vorliegt, ich es ö ffent l ich bek ann t machen werde. Abg. Stöcker: Ich will mit einigen Worten noch auf den jüdischen Religionsunterricht eingehen. Mich hat die Antwort des Ministers nicht ganz befriedigt. Man kann ja sagen, daß eine anerkannte Religionsgesellschaft für ben Religionsunterricht selber sorgen müsse. Wenn wir aber sehen, daß eine Menge von jüdischen Kindern keinen Religionsunterricht erhält, dann haben wir die Pflicht, einzuschreiten. Es ist zur Sprache gekommen, dap 15—16 jährige Mädchen über die elementarsten Fragen der jüdischen Religion vollkommen unwissend waren. Das hat damals großes Aufsehen erregt. Es wäre zu wünschen, daß die Regierung noch einmal untersuchte, wie viele Kinder jüdischer Familien überhaupt ohne jeden Religionsunterricht bleiben. Auf den Mangel eines solchen Religionsunterrichtes sind auch die Angriffe häufig zurückzuführen, die wir gegen die Juden erheben. Auch wünsche ich Klarheit darüber geschafft zu sehen, ob in den jüdischen Religionsbüchern Unsittliches gelehrt wird. Ich freue mich, daß der Minister künftig die Sache in die Hand nimmt. Ohne Weiteres auf den Artikel der „Kreuzzeitung" hier eine Untersuchung einzuleiten, diirfte man der Regierung nicht zumuthen. Wie oft stehen' in jüdischen und Fortschrittsblättern die schwersten Angriffe gegen das Ehriftenthum, es sei bildungsfeindlich u. s. w. Sollte da jedesmal der Minister auftreteu und erklären, das Christenthum ist nicht bildungsfeindlich. (Abg. R ickert: Das steht ja gar nicht drin!) Dann hat Herr Widert von dem bekannten Flugblatt gesprochen. Ich möchte ihm anempfehlen, sich den Münsterschen Prozeß und das Gutachten des Dr. Ecker einmal anzusehen, der zu einem wissenschaftlichen Gutachten anfgefordert worden ist. Er hat da die hundert Sätze des Judenspiegels lritisirt und gesagt, daß es sich nicht genau so verhält, nne es da angegeben ist, aber daß in den hundert Sätzen Vieles als unanfechtbar anzuuehmen ist. Herr Rickert hat sich über die große Verbreitung des Flugblattes beklagt und, wie es auch iunner in den freisinnigen Zeitungen steht, gemeint, den Antisemiten ständen sehr große Geldmittel zur Verfügung, mehr als den Juden. (Heiterkeit rechts) So naiv kann doch kein Mensch sein, das zu glauben, sonst möchte ich Herrn Rickert rathen, seinen Verein zur Abwehr des Antisemitismus in einen Verein gegen Verarmung und Bettelei zu verwandeln, vielleicht kommt er da besser zu seinem Ziele. (Heiterkeit und Beifall rechts). Abg. Rickert: Ich freue mich, daß der Minister die Erklärung abgegeben hat, er prüfe die jüdischen Religionsbücher, und bitte ihn, mir zu bestätigen, ob ich ihn richtig verstanden habe, daß er sofort, nachdem er den Bericht erhalten haben wird, das Ergebniß in irgend einer Forni amtlich zur allgemeinen Kenntniß bringen wird. (Minister Dr. Bosst macht eine zustimmende Bewegung.) Ich möchte bei dieser Gelegenheit privatim den Herren eine Mit theilung machen, die morgen oder übermorgen durch die Presse gehen wird. Mir ist eine Erklärung, von sämmtlichen Rabbinern Deutschlands unterschrieben, zugegangen, welche sich über diese Frag( ausspricht. Es bleibt den Männern gar nichts anderes übrig, als öffentlich Stellung zu nehmen gegenüber den vielen Verdächtigungen mit Verleumdungen, die ohne thatsächlichen Hintergrund gegen die jüdische Sittenlehre wiederholt in Deutschland erhoben worden sind. Es wäre wünschenswerth, wenn Herr Stöcker, der sich eine so große Sachkenntnis zutraut — ich zweifle daran, er hat sich häufig verplappert (Heiterkeit links) —, sich darüber äußerte. Es heißt darin: Die heilige Schrift ist Genleineigenthum der ganzen gebildeten Welt geworden. Dem Talmud wird nicht dieselbe Bedeutung beigelegt; er sei nur eine Aufzeichnung der Verhandlungen, wie etwa die Motive, die man heute einer Vorlage bei: zugeben pflegt. Es sind oft die widerstreitendsten Ansichten neben ein ander gestellt, jede Ansicht kommt aber zu Worte. Der Talmud enthält überaus zahlreiche Aeußerungen, welche als die Meinungen Einzelner niemals eine bindende Wirkung haben, er ist eine Quellenschrift zmu Verständniß des alten Testaments, und als eine solche Quellenschrift ist der Talmud zu allen Zeiten aufgefaßt worden. Die Sittenlehre erkennt keinen Ausspruch an, der den Nichtjuden gegenüber etwas erlaubt, was den Juden gegeniiber verboten ist. Die Sittenlehre des Judenthums, die in der Schule rmd aus der Kanzel gelehrt wird und in Ansehen steht, gebietet, in jebem Menschen das Ebenbild Gottes zu achten, in Hände! und Wandel ehrlich zu sein, jedes Gelübde und Versprechen, welches irgend einem Menschen, sei er Jude oder Nichtjude, gegeben worden ist, unauslöschlich und unverbrüchlich zu halten. Herr Stöcker hat sich heute wieder einmal im schönsten Lichte gezeigt, so wie neulich, als er sagte, schon in der Römerzeit hätte man die Inder, ein odium generis human! genannt. Herrn Stöcker ist in der Press» ob dieses kolossalen Jrrthums ordentlich heimgeleuchtet worden. Ick möchte ihm empfehlen, Nummer 92 der „Nationalzeitung" durchzulesen, wo nachgewiesen wird, daß er, Stöcker, von dem, was er hier anführte gar keine Ahnung hat, daß der Ausspruch des Taeitus auf die Christen gemünzt war. (Hört, hört! links.) Der Verfasser verlangt von bei Ehrenhaftigkeit Stöckers, daß er an derselben Stelle, wo er jenen Aus sprach gethan hat, ihn auch widerrufe. Ob das Herr Stöcker thun wird das haben wir Grund zu bezweifeln. Herr Stöcker hat mir da mit der Behauptung, daß den Antisemiten größere Geldmittel zur Verfügung stehen für ihre Zwecke als den Juden, etwas untergelegt, was ich nicht gesagt habe. Die „Antisemitische Korrespondenz" hat im Jahre 1890, in einem einzigen Jahre eine Million Flugblätter verbreitet. Eine solche Massenagitation treibt sonst keine Organisation, die ich kenne. Nun hat Herr Stöcker ini üblichen Ton eines Lehrmeisters mich auf den Münsterschen Prozeß und das Gutachten des Dr. Ecker verwiesen. Es ist wahr, in diesem Prozeß war Dr. Ecker Gutachter, ei hat sich aber sein Gutachten von einem gewissen Aron Brimann machen lassen, der unter dem Namen Justus den Judenspiegel herausgegeben hat. Der Mann ist in Oesterreich mit Kerkerhaft uub mit Landesaus Weisung bestraft worden. Sie sehen, mit was für einem Mann Sie ee zu thun haben. (Hört, hört! links). Er war nach einander Jude. Protestant und Katholik; ich kann Ihnen ein Schreiben eines christlichen Ehrenmannes vorlesen, das dieser an das Wiener Landgericht gerichte! hat. Darin hieß es: „In Münster hat ein Privatdozeut, der leider nichte vom Talmud versieht, sich zum Gutachten gedrängt und sich ein Buch anfertigen lassen über den Talmud, mn aus Grund dessen das Profefforat zu erhalten." Solche Leute sind die Antisemiten alle. (Lachen rechts). Ihnen z Ab; den Jut so kann darauf Rachwei als eine Wenn t dem Eir dildung werden, den I i Ick! irdischer schuldig! des Tal .Israeli Fudenth Dc kern! sie edle der Ro Debatte Heute umft d icd)tfen Schulch its Ch ich mu Nwide Dasbl mb sp Uebrige rnterrü -denn si itt den mponr ,\nt)cilt mb eh un öfj sitz ab) sie hur oarf. - et jitt et Pr siagege Bort (ehratt M Fache?err 3 labe, auch se eine g Rabbit Spitze leit berichtige Kunbg

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