Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- Seite 70 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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70 sage ich Ihnen meinen ganz besondern Dank. Die ganze Wendung der Ereignisse wie der Zustände haben Sie verstanden, in diesen witzigen Einfall auf die anmuthigste Weise zu verhüllen; der Gedanke, der in V. auftaucht, hat ja den ganzen Lebensgrund der Juden erschüttert, und daß er bei diesen tauglichen, durch und durch gesunden Menschen eben nur wohlthuend wirken kann, daß er auf diesem Boden nicht jene Zerrissenheit hervorbringt, welche die Menschen wie die alten Ueberzeugungen weiter verschlägt und fremdartigen Lebenszielen zuführt, daß er ihren Ueberzeugungen eben nur eine neue Sprache giebt und sie die alten Ziele in besseren und angemesseneren Formen verfolgen lehrt, giebt Ihrer Erzählung den befriedigendsten Abschluß. Denn das gestehe ich Ihnen: wenn Ihr gescheites Bacherchen ein Reform-Prediger geworden wäre, so wäre ich nicht ohne Verstimmung von dem Buche geschieden. Daß er aber den alten, prächtigen Mikwenitzer noch zu guter letzt mit dem seligen Altenstein aussöhnt, ist ein wahres Juwel des köstlichsten Humors, das an Sterne erinnert. Mein Bruder hat mir von Ihnen und unserm verehrten Freunde Bloch sehr viel Liebes und Gutes erzählt Haben Sie die Güte, mich dem vortrefflichen Manne zu empfehlen und behalten Sie in gutem Andenken Ihren treu ergebenen M. Veit. Es ist natürlich, daß Aron Bernstein auch mit einem so hervorragenden Führer des jüdischen Geisteslebens wie Abraham Geiger in inniger Gedankenverbindung gestanden hat. Zeugnisse dieser freundschaftlichen Verbindung sind die nachfolgenden Briefe Geigers, deren erster jedoch nicht an Bernstein gerichtet ist, sondern an den Herausgeber des Kalenders, in welchem „Vögele der Maggid" zuerst erschienen, an Herrn Philipp Wertheim hier: Breslau, 14. September 1857. Ich komme vor dem Eintritt eines neuen Jahres der Pflicht nach. Ihnen meinen Dank auszudrücken für den köstlichen Genuß, den Sie mir durch Zusendung Ihres Kalenders bereitet haben. „Vögele der Maggid" ist eine Perle der Poesie, deren Werth allerdings nur von denjenigen vollkommen erkannt wird, welche mit den geschilderten Zuständen und den in ihnen herrschenden geistigen und gesellschaftlichen Voraussetzungen vertraut sind. Die Novelle hat das Verdienst der vollen poetischen Wahrheit, in welcher die Verklärung überwundener und entschwundener Zustände nicht durch kränkelnde Romantik gestört, vielmehr durch einen gesunden Humor in den richtigen Gegensatz zu höheren Bildungselementen gesetzt wird. Ob der Schluß, welchen uns die fc>eutfd)e Schule und den „Zempelburger" als gebildeten Lehrer vorführt, zu der naiven Versenkung in die alten Zustände paßt, darüber mag ein kleines Bedenken obwalten; allein es schließt eben damit, und ich möchte den Schleier nicht hinwegziehen, der mm über die heilige Khille F. gezogen ist, ich will vielmehr hoffen, daß Leeser Schlepp den Frieden der Schule und des Lehrers nicht stören möge. Sagen Sie Hrn. Bernstein meinen besten Tank und drücken Sie ihm die Bitte aus, daß er uns mit einem Bändchen solcher Novellen beschenken möge, worin aber mein „Vögele" nicht fehlen darf; ein Jahrbuch ist nicht der Ort, worin solche Stücke vergraben bleiben dürfen. Geiger. Breslau, 7. Dezember 1857. Hochgeehrter Herr! Es war mir in hohem Grade wohlthuend, von dem Mann, der mit eben so viel Einsicht wie Liebe die Entwicklung des Judenthums in Schrift und thätiger Bestrebung gewürdigt und gefördert, der ebensowohl durch wissenschaftliche Untersuchung wie poetische Darstellung zur Erkenntniß der Stufengänge, zur Würdigung des in seiner Zeit Berechtigten und Bewältigung des von der Geschichte Ueberwundenen mitgewirkt, eine so freundliche Anerkennung gefunden zu haben, wie Ihre werthen Zeilen vom 20. d. sie ausdrücken. Sie haben in neuster Zeit bewiesen, daß wenn auch Ihr durch die Schrift lehrender Wirkungskreis ein weiter geworden. Sie doch dem jüdischen Gebiete noch mit derselben Liebe und Innigkeit zugethau sind, und ich kann nicht anders als den vollen Herzenswunsch ausdrücken. Ihnen noch recht oft auf diesem Gebiete zu begegnen. Ich darf erwarten, daß Sie mir die Bitte nicht verargen, ineinen Dank auch Herrn Ph. Wertheim, der mit solcher Freundlichkeit gleichfalls meinen Gedenktag ehrte, auszudrücken. Die Masse der zu beantwortenden > Briefe drückt auf mir, so daß Herr W. es mir nicht übel vermerken wolle, wenn ich nicht eine besondere Antwort an ihn richte; ich weiß vielmehr sein wohlwollendes Andenken wie das des Herrn Dr. Goldbaum voll zu würdigen. Ich habe, Gottlob, Empfänglichkeit und Gedächtniß für Zeichen des Wohlwollens Mit vollster Hochachtung Ihr ganz ergebenster Geiger. O Breslau, 6. Dezember 1858. Sehr geehrter Herr und Freund! Indem ich mit Vergnügen die Gelegenheit ergreife. Ihnen für die mir bei meinem Aufenthalte in Berlin bewiesene Theilnahme meinen Dank abzustatten, möchte ich mir erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zu lenken, der mir am Herzen liegt. Sie werden aus der hiesigen Zeitung erfahren haben, daß Munk Mitglied der französischen Akademie, memllre de rinstitut, geworden ist, und Sie werden gewiß nicht verfehlen, diese Nachricht in der V. Z. mitzutheilen. Aber dabei wünschte ich, daß auch etwas für Munks materielle Verhältnisse gewonnen werde. Diese sind keineswegs so, daß sie dem blinden Mann mit seiner Familie eine erträgliche Lage sichern. Er hat den ersten Band seines arab.-franz Uorek herausgegeben, allerdings auf Kosten Rothschilds, und er wird mit dem zweiten Bande fortfahren; allein wenn die Wissenschaft dadurch um ein treffliches Werk bereichert worden, so hat doch der Verfasser nichts davon, wenn das Werk nicht auch von Gönnern gekauft wird, ja er hat noch Verlust, da er die großen Ausgaben eines ständigen Sekretärs bei seinen literarischen Arbeiten zu tragen hat. Ich habe mich hier für einigen Absatz verwendet und fahre damit fort; doch ist Breslau kein günstiger Boden für solche Dinge, und Munk auch zu wenig bekannt hier. Anders Berlin. Bei Veit liegen 50 Exemplare; allein die Herren Romantiker sind ohne Thatkraft; eine Hinweisung, nachdrücklich, von Ihrer Seite, würde sicherlich viel nützen. Uns geht es. Gottlob ganz gut; ich grüße nun noch die Mädchen und Knaben und drücke Allen herzlich die Hand, sende Grüße von Seiten meiner lieben Frau und bleibe wie immer der Ihrige Geiger. Ich werde einige Briefchen beilegen und Sie werden es mir nicht übel nehmen, wenn ich Sie mit deren Besorgung belästige. — Noch Eines! „Mendel Gibbor" ist mir versprochen worden, ich habe es aber nicht erhalten; und scheue ich es allerdings nicht, schon um das R. Awa allein willen, die kleine Ausgabe zu machen. Allein denkt man, ein Buch geschenkt zu erhalten, so kauft man es nicht, und man freut sich auch der Aufmerksamkeit. In meinem Hause da darf der „Gibbor" nicht mehr lange fehlen, und so sehe ich der baldigen Entscheidung entgegen. Berlin, 27. Juni 1871 Sehr geehrter Freund! Vor Allem meinen besten Dank für Ihre freundliche Besprechung, und wäre es auch nach Ihrer Ansicht doch wohl geeignet, daß irgendwie Schritte geschehen, gerade im Interesse des von Ihnen verschwiegenen „Anhanges" dem Hefte weitmögliche Verbreitung, namentlich unter Christen zu verschaffen. Es ist Ihnen wohl bekannt, baß Nöldeke eine größere Anzeige über Ihre Patriarchen im Eentral-Blatt veröffentlicht hat, die ich jedoch noch nicht gesehen. Der Anfang von Ritters Besprechung ist ganz gut geschrieben. Eine längere von mir werden Sie im nächsten Hefte meiner Zeitschrift lesen. Meine Studien, die durch meine gegenwärtigen Vorlesungen angeregt sind und die sich mit dem Inhalte Ihrer Schrift so vielfach berühren, verhindern mich vorläufig, in weitere öffentliche Erörterungen einzugehen. — Soviel steht fest, daß in neuerer Zeit bibelkritisch Förderndes fast lediglich von Juden ausgegangen ist; Poppers Stiftshütte, Köhlers Segen Jakobs, Ihre Schrift eröffnen — ich darf wohl sagen: neben meiner Urschrift — neue Bahnen. Ich denke, den 6. von hier abzureisen, werde daher, zu meinem Bedauern, zur Hochzeit Ihrer Tochter nicht anwesend sein Meiner treusten Wünsche sind Sie sicher, und bei zwei so vortrefflichen Familien wird das engere Band erhöhtes Gedeihen zuversichtlich gefördert werden. Ob wir uns noch vor unseren Ausflügen sehen? Gar sehr lieb wäre es mir, noch ruhig ein Stündchen mit Ihnen zu verhandeln. Ihr treuergebener Geiger. Zunz, der morgen abieist und gestern bei mir war, hat sich sehr günstig über Ihre Schrift ausgesprochen.