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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-03 · Heft 5 (3.2.1893) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 nämlich Gymnasialprofessor Dr. Nestle in Tübingen eine Preis-! schrift über dasselbe geliefert, deren Resultate heute einer mehrfachen; Richtigstellung bedürfen.) Die Fakultät wünscht eine solche mit dem - Bemerken, daß sie weniger auf eine erschöpfende Behandlung des j gesammten Materials, als auf die Auffindung und zureichende Begründung; einer Anzahl besonders charakteristischer Thatsachen Werth legt." (Die > Arbeit kann in deutscher Sprache geschrieben werden.)! * Arnswalde, 27. Januar. Bei dein jüdischen Kaufmann E. j sind seit kurzer Zeit mehrfache Sachbeschädigungen in roher Weise! zur Ausführung gekonnnen. Zuerst wurde ihm spät Abends eine große j Spiegelscheibe des Schaufensters zertrünunert, dann wurde ihm Nachts! das Haus mit einer Flasche Tinte beworfen und zuletzt in der Nacht die Jalousie quer durchschnitten und die bloßgelegte Spiegelscheibe ein-! gedrückt.! L2 Hamburg, im Januar. Ueber: „Ludwig der Fromme! und die Juden" sprach Herr Seminar-Direktor Dr. Kroner-! Hannover am 16. d. Mts. im Saale der „Vereinigten Logen" vor den j Mitgliedern des „Hamburger Vereins für jüdische Geschichte und Lit-! teratur". Auf Grund alter, sicherer Dokmnente sei zu beweisen, daß! schon die Juden des alten deutschen Reiches ihre Vaterlandsliebe stets bewiesen. Karl der Große hat die geistige und soziale Erhebung der! Inden gefördert. Dieser Kaiser war es, der berühmte jüdische Gelehrte : in das deutsche Reich zog, wie: Kalonymos, Machir u. A. Unter seinem j Nachfolger, Ludwig dem Frommen, standen nad) allen Schilderungen, die uns aus jener Zeit über ihn vorliegen und die durch einen neueren Geschichtsschreiber, Simson (Sohn des früheren Reichs-Gerichts-Präj sidenten) in seiner „Geschichte der Frankenkönige" und durch die! „Regesten" CAronius) bestätigt werden, die von ihm als treu befundenen i und in der Vaterlandsliebe seinen übrigen llnfertfjanen ebenbürtigen Juden unter besonderem Schutz und duldete er keinerlei Unbill gegen sie. Es war ein besonderer Beamter, der magister Judaeoruin <Judenmeister) ernannt, der über ihre Sicherheit zu wachen hatte. Da sand sich ein Judenfeind, der Bischof Agobard von Lyon Als er be- : merkte, das Christen jüdische Gotteshäuser besuchten und an den dort ' gehörten Predigten Gefallen fanden (woraus hervorgeht, daß damals | schon gute Predigten in deutscher Sprache gehalten worden sind), ' richtete er eine Eingabe an den Kaiser, in der er sich über die Juden beschwerte. Als den wichtigsten Punkt seiner Beschwerde bezeichnte erden Umstand, daß es ein Unrecht gegen die Kirche sei, den Juden zu gestatten, Sklaven zu halten, die von ihnen nicht entlassen nn'irden, wenn sie auch Christen werden wollten. Die Juden wandten sich durch den : „Judenmeister" an den Kaiser und der Bischof erhielt auf seine Eingabe 1 den Bescheid: „Er sei entlassen". Agobard hetzte weiter gegen die Juden unb auf eine weitere Bitte des Rabbi Domatns und seines Neffen Samuel um Schutz gegen die ungerechten Angriffe des Bischofs befiehlt der Kaiser: „Niemand dürfe es wagen, die Juden zu belästigen, und wer eineri Juden tödtet, hat 10 Pfund Gold als Strafe zu zahlen". Der Bischof aber erklärt diesen mit dem kaiserlichen Siegel versehenen Befehl j des Kaisers für falsch und hetzt weiter. Nunmehr schickt der Kaiser seine missi (Sendboten) an den Bischof; diese treffen ihn aber nicht an, er ist „zufällig" außerhalb seines Sprengels. In einer besonderen Schrift: „De insolentia Judaeorum“ (Ueber die Frechheit der Juden), sucht er seine Anschuldigungen zu vertheidigen. So lange der Freund des Kaisers Ludwig, der Abt Benedictus von Aniane lebte, war derselbe gut und gerecht gegen alle seine Unterthanen. — Trotz der späten Abendstunde, in die sich der Vortrag hinzog, folgten die Zuhörer mir Spannung den Worten des trefflichen Redners. A Hannover, 29. Januar. Jüngst haben wir einen Bericht über die neue von Herrn A. M. Simon bei Bad Limmer unweit Hannover gegründete Erziehungsanstalt gebracht. Das während der letzten Wochen herrschende starke Frostwetter wurde dazu benutzt, um das für Herstellung guter Wege nöthige Material heranzuschaffen und über das hart gefrorene | Land an Ort und Stelle^zu". fahren. Für das Austrocknen des Hauptgebäudes, welches gegen das^Eindringen des Schnees genügend geschützt war, ist der Frost auch zuträglich gewesen. Beim Eintritt milderer Witterung wird der innere Ausbau, Zowie der Bau der Gewächshäuser vollendet, so daß die Anstalt im Frühjahr eröffnet werden kann. Außer! schulpflichtigen Knaben im Alter von 6-14 Jahren können auch eine! ''Anzahl Jünglinge im Alter von 11 -16 Jahren, welche geneigt sind, sich zu Gärtnern auszubilden, Aufnahme finden. Ein sehr tüchtiger Obergärtner, welcher in der Königlichen Gartenbauschule zu Geisenheim und in verschiedenen der bedeutendsten Gärtnereien Deutschlands seine theoretische und praktische Ausbildung erhalten hat, wird die Lehrlinge praktisch ausbilden, während der als guter Pädagoge bekannte Leiter der 'Anstalt, Herr Bachrach, die sittliche und pädagogische Führung übernehmen wird, so daß die Jünglinge während ihrer dreijährigen Lehre nach jeder Richtung hin gut versorgt sind. Der Pensionspreis für diese Lehrlinge beträgt pro Jahr 150—200 M. Daß sie während dieser Zeit, wenn auch einfache, doch gesunde und kräftige Nahrung und die sonst nöthige Körperpflege erhalten, dafür bürgt neben dem Herr Bachrach dessen als tüchtige Hausfrau bewährte Gattin. Für die übrigen in der Anstalt betriebenen Handwerke, wie Tischlerei, Schlosserei rc., werden im ersten Jahre noch keine Lehrlinge angenommen. Wir können alle Freunde der durch die Anstalt geförderten Bestrebungen — und welcher vernünftige Mensch sollte dies heute nicht sein — nur dringend bitten, in den eigenen und Nachbargemeinden Umschau zu halten, ob geeignete Knaben oder Jünglinge dort vorhanden sind, um deren baldige ''Anmeldung zu veranlassen. * Nürnberg, 23. Januar. Eine überaus große Trauerversammlung — in deren Mitte wir die Mitglieder der gemeindlichen Kollegien, mit Herrn Bürgermeister Tr. v. Schuh an der Spitze, Herrn Regierungsrath Gareis, den Landrathspräsidenten Herrn Bürgermeister Langhaus von Fürth erblickten — hatte sich gestern Nachmittag auf dem israelitischen Friedhofe zur Beerdigung des Herrn Magistratsraths, Landraths und Kommerziell rat Hs Stephan Hopf eingesunden. Herr Rabbiner Dr. Ziemlich gedachte in seiner Rede der edlen Charaktereigenschaften des Verblichenen, der noch auf seinem Sterbebette seinen Wohlthätigkeitssinn in hochherziger Weise bekundet habe. (Der Verstorbene hat l(),ooo Mark zu Gunsten der Ferienkolonieen und 40,000 Mark zu Stipendien für Studirende der Naturwissenschaft und der neueren Sprachen letztwillig vermacht.) Herr Bürgermeister Dr. v. Schuh widmete einen warni empfundenen Nachruf dem Manne, der iiber 24 Jahre seine Dienste der Stadt gewidmet, seine reichen Erfahrungen, seine umfassenden Kenntnisse auf merkantilischem Gebiete derselben zur Verfügung gestellt, durch seine Leutseligkeit und stets offene Hand sich allgemeiner Beliebtheit erfreut habe. Redner legte hierauf einen Kranz nieder Namens der Stadt, die in dem Verstorbenen einen ihrer besten Bürger verloren habe. Herr Kaufmann und Handelsrichter Martin Fechheimer hielt mit tief bewegten Worten eine 'Ansprache Namens der Administration der israelitischen Kultusgemeinde, zu deren Verwaltungsmitgliedern der Dahingeschiedene seit 30 Jahren vom Beginne der Bildung der Kultusgemeinde an gehörte. Herr Rektor Volck widmete einen Kranz Namens der städtischen Handelsschule, deren magistratischer Pfleger der Verstorbene seit 10 Jahren war. Herr Dr. med. Heller legte einen Kranz nieder Namens der Kommission für Ferienkolonien für arme, kranke Schulkinder, Herr Kommerzienrath Heinrichsen Namens des Volksbildungsvereius, dessen Schatzmeisterstelle der Verstorbene seit Bestehen des Vereins bekleidete. Auch sonst wurde durch das Widmen von Kränzen dem Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung für den hochgeschätzten Mann Ausdruck gegeben; wir erwähnen u. A. den vom Personale des städtischen Gaswerkes gespendeten Kranz. Oesterreich - Ungarn. O. Wien, 30. Januar. Am Sonnabend hatten auch wir im Parlament eine Inden-Debatte, in welcher hauptsächlich die Erklärung des Kultusministers v. Gautsch und die Rede des Lemberger Abgeordneten Dr. Emil Byk von Bedeutung war. Der Kultusminister erklärte u A. Folgendes: „Der Herr Abgeordnete hat auch die Frage der Theilung der Schulkinder nach Konfession in den Kreis seiner Erörterungen gezogen. Für die Unterrichtsverwaltung besteht in dieser Frage eine bestimmte Norm, und zwar durch das Gesetz selbst, indem £ 3 des Volksschulgesetzes sagt, daß die vom Staate erhaltenen Schulen allen Staatsbürgern ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zugänglich sind. In dieser Bestimmung liegt für die administrative Judikatur von vornherein die Norm, nach welcher sie vorzugehen hat. Ich möchte aber gerade bei dieser Frage ein Wort aufnehmen, das der Herr Ab-

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