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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-03 · Heft 5 (3.2.1893) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
Seite 60 (sequence 14)
Language
German
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iHeinere Verbreitung wünschen, als dasselbe, abgesehen von dem für die jüdischen Mitbürger geradezu unersetzlichen Werthe, durch den Reichthmn seines Inhaltes für jeden auf Bildung Anspruch erhebenden Menschen als geistiger Führer mtd Berather von größter Bedeutung ist." — Der ,/Antisemileuhannuer" sei Allen, welche sich für die Beurtheilung des Iudenthums in der Weltlitteratur interessiren, wärmstens empfohlen. * Der unermüdlichen propagandistischen Thütigkeit des Herrn I. Singer, Direktors der Eneyklopädie des Judenthums, ist es gelungen, das Interesse der weitesten jüdischen Kreise für das Riesenwerk zu erwecken. Namentlich sieht man in Rußland dem Erscheinen der Eucnklopädie entgegeit, da dieselbe zum ersten Male der Geschichte und Litteratur der Juden in Rußland die gebührende Aufmerksamkeit schenken wird. Ein a<I hoc gebildetes Gelehrtenkomitee (Baron D. v. Günzburg, Tubnosf, Svkoloff :c.) hat die Ausarbeitung des auf Rußland bezüglichen Theiles der Eneyklopädie übernommen. * Meyers Großes Konversations-Lexikon in neuer, fünfter Auflage. Ein Ereigniß von weittragendster Bedeutung für die gesannnte gebildete Welt deutsch sprechender Zunge wird das begonnene Jahr 511 verzeichnen haben. Wie uns die Verlagsbuchhandlung des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien soeben mitheilt, beginnt dieselbe Ende Februar mit der Veröffentlichung einer auf das sorgfältigste vorbereiteten neuen Auflage der großen Ausgabe von Meyers Konversations-Lexikon. Es begreift sich leicht, daß diese Thatsache der diesjährigen Bewegung auf dem Gebiete geistiger Produktivität ihren Stempel aufdrücken wird. Meyers .Konversations-Lexikon, das in der Weltlitteratur unerreicht dastehende monumentale Werk seiner Art, ist als Denkstein unsrer heutigen Kultur- und Bildungszustände mit unserm Geistesleben aufs Innigste verbunden. Jedes Neuerscheinen dieses hervorragenden Musterwerkes muß daher die weitesten Kreise ziehen. Ein ungefähres Bild von den gewaltigen Leistungen, welche man in der gänzlich neubearbeiteten und vermehrten fünften Auflage von Meyers Kollversations-Lexikon erwarten darf, entwirft bereits der vor uns liegende Prospekt. Danach wird die neue Auflage auf nahezu 17,500 Seiten Text mehr als lo0,<K)o Artikel umfassen und mit nicht weniger als 10,0t)o Abbildungen, Karten und Plänen im Text auf 950 Tafeln, darunter 15<> Ehromvtafeln und 200 Kartenbeilagen, versehen sein. Hinsichtlich der Bearbeitung intb technischen Ausstattung versprechen die Bearbeiter und die Verlagshandlung das.Bestmöglichste. Es ist daher nicht zu bezweifeln, daß sich Meyers Konversations-Lexikon auch in seiner neuen Ausgabe an die Spitze aller einschlägigen eneyklopädischen Werke stellen und seinen wohlbegründeten Ruf unb Ruhm weiter ausbauen wird. Der Umfang des Werkes ist auf 27^ wöchentlich erscheinende Lieferungen zum Preise von je 5o Pf. ioO Kr. ö. W.» oder auf 17 in Halbfranz gebundene Bände zu je k) Mk. o;. Fl. ö. W.) berechnet. Das erste Heft erscheint Ende Februar, während der erste gebundene Band Mitte April vorliegen soll, dem in .'kl monatlichen Zwischenräumen die weiteren Bände folgen! werden. Wir glauben es unfern Lesern schuldig zu sein, denselben über dieses hervorragende Werk später eingehend zu berichten. Gl Spvechsaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich möchte Sie bitten, folgender Erwiederung gefälligst in Ihrer Zeiluug Wcuun zu geben, da der mit „Die Protzen" überschriebene Artikel in Nr. 5 dieses Jahrganges vielleicht geeignet sein kann, falsche Verstellungen zu erwecken. Der anonyme Verfasser stellt es so dar, als ob sich das Protzenthum geben würde, wenn uns auch alle Staatsämter zugänglich untren. Bei allem Wohlwollen, das ich als freigläubiger Jude meinen Glaubensgenossen entgegenbringe, halte ich diese Art von Rechtfertigung einer mit Recht gerügten Eigenschaft hin nicht empfehlenswerth. Nimmt doch selbst die sehr judenfreundliche Nahida Remy keinen Anstoß in ihrem lesenswertheu Buche, diesen Mißstand zu erwähnen. - Zunächst muß man die Beschränkung eintreten lassen, daß nur ein verhültnißmäßig geringer Theil sich protzenhaft benimmt und unter diesen sicherlich die Damen mehr als die Herren. Diese thun es doch nicht, weil ihnen höhere Stellen verschlossen sind? Wenn man diesen Zug rechtfertigen will, so kann man ihn vielleicht daraus erklären, daß die bis zur Emanzipation gesellschaftlich verachleten Inden, auf Geld und Geldeswerth einen zu großen Nachdruck legten, unb daß die plötzlich frei gewordenen diese Eigenschaft noch nicht abgelegt haben. Mehr aber noch als das sogenannte Protzenthunl mag bei dieser Gelegenheit das vordringliche Benehmen und das auch sonst wenig bescheidene Auftreten, namentlich mancher junger Leute gerügt werden. Dieses schadet nach meiner Meinung mehr unfern Glaubensgenossen, als das etwaige Protzenthum. Auch ein Freund der Juden. Sehr geehrter Herr Redakteur! Vor einiger Zeit haben Sie Heine's Briefe an seine Mutter besprochen. Es wird Sie daher interessiren, wie „Heine's Familienleben" (auf Grund des gleichnamigen Buches, das der Neffe des Dichters, L. v. Emden herausgegeben hat) von Herrn — Pantenius im neuesten Heft der Zeitschrift „Daheim", deren Verleger eine Säule des Antisemitismus ist, kritisirt wird. Der gute Mann sagt da: „Wir müssen uns einmal in die unbegreifliche Thatsache finden, daß viele unserer schönsten Volkslieder von einem Manne gedichtet wurden, der — Heinrich Heine war." „Herr v. Emden hat eine große Verehrung für seinen Onkel, ich fürchte aber, daß seine Veröffentlichung nicht dazu beitragen wird, die gleiche Empfindung in den Lesern der Briefe wachzurufeu." Herr Pantenius findet nämlich, daß Heine der „Verehrung für seine Mutter einen saloppen Ausdruck gegeben." Ob diese Art literarhistorischer Kritik eine höhere Bezeichnung als „salopp" verdient, sei der Beurtheilung Ihrer Leser anheimgegebeu. Berlin, 29. Januar. Hochachtcnd M. F. 9 Mrs retten. * lieber das künftige Verwaltungssystem der in nächster Zeit zu gründenden Baron Hirschschen Kolonien werden die nachstehenden Mittheilungen von Interesse sein. Den Kolonien soll eine vollständige Autonomie gewährt werden. Niemand aus dem Personal der Kolonisations-Gesellschaft darf sich in die inneren Angelegenheiten der Niederlassung einmischen. Die Delegirten, welche jetzt von jeder Auswauderergruppe behufs Besichtigung der zukünftigen Ansiedelungsplätze zur Errichtung der Kolonien, bis zur Ankunft der Ansiedler gewählt werden, sollen später als Dorfälteste in den betreffenden Kolonien fungiren, an der Spitze der Dörfer jedoch soll ein sogenannter Dorfausschuß fungiren, dem die wirthschaftliche Geschäftsleitung, wie auch die Verwaltung des polizeilichen, sanitären und unterrichtlichen Ressorts obliegen wird. Jede 5 oder 10 Kolonien bilden eine Gemeinde, die vom Gemeindechef oder Inspektor verwaltet wird, der seinerseits unbedingt einer höheren agronomischer! Ausbildung theilhaftig sein muß. Seine Hauptaufgabe ist, über die rationelle Führung der Wirthschaft irr der ihru anvertrauten Gemeinde zu wachen. Er hat auch die Oberaufsicht über das Polizei- und Gerichtswesen zu üben, dergestalt die höhere Instanz bildend. In jeder Gemeinde (von 250 oder 500 Farnilien) wird ein Gemeindearzt, sowie eine Apotheke rurd eine Hebamme sich befinden, desgleichen außerdem irr jeder Kolonie ein Chirurg und eine kleine Apotheke. Die Hauptverwaltung aller Kolonien wird sich in der argentinischen Residenz Bueuos-Ayres befinden und die höchste Instanz ausmacheu. Die Hauptverwaltung wird einige Abtheilnngen besitzen, welche jede ihr Ressort zu leiten haben wird. Die eine Abtheilung hat die Leitung des wirthschaftlichen Theils in Händen, die Ausgabe von Geldern zur Bestreitung der Koloniebedürfniffe, sowie den Empfang dcr einlaufenden Summen zur Deckung der von den Kolonisten gemachten Schulden.! Die zweite Abtheilung befaßt sich mit dem gerichtlichen Theil und ent-! scheidet die internen Angelegenheiten einzelner Personen und Kolonien : inappellabel. Allgemeine Verbrechen krimineller Natur werden selbst-! verständlich der Entscheidung der Regierungs-Justizinstitutionen unter- I breitet. Die dritte, technische Abtheilung, an deren Spitze Fachmänner! von Beruf stehen, wird das Baunnd Kommunikationswesen verwalten. Die vierte, sanitär-medizinische Abtheilung funktiouirt unter der Oberleitung des Hauptarztes aller Kolonien. Die fünfte Abtheilung wird den religiösen und unterrichtlichen Theil inspiziren und die sechste endlich das Polizeiwesen und die Milizbedürfniffe überwachen. Truct uiiü Verlag von Rudolf MoNc m Berlin. Beraniwortlick für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin.

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