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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-01-27 · Heft 4 (27.1.1893) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 4 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
Seite 40 (sequence 6)
Language
German
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40 der Wissenschaft des Judenthums ernstlich ins Auge fasten. Werden einmal die übrigen Akademien der Wissenschaften die Arbeitsresultate der unsrigen kennen lernen, so wird der Augenblick nicht ferne sein, wo endlich auch der jüdischen Wissenschaft der ihr gebührende Rang von der offiziellen Gelehrtenwelt wird eingeräumt werden. Und dann mirb sich die jüdische Jugend nicht mehr schämen, sich zur hebräischen Litteratnr zu bekennen, sondern im Gegentheil einen Stolz darein setzen, daß sie demselben Stamme angehöre, wie die hebräischen Propheten, Philosophen und Dichter unserer Vergangenheit. Wir müssen endlich die so schwer wieder errungene Freiheit dazu benützen, um aus unserer großen Litteratnr das Facit zu ziehen. Rur noch wenige Jahre trennen uns vom 20. Jahrhunderte. Benützen wir sie redlich, um das Judenthum auf eine neue, unserem Zeitgeiste angepaßte, feste Basis zu stellen. Scheiden wir die Schlacken aus, welche sich an unsere religiösen Institutionen im Laufe der Jahrhunderte angesetzt haben, und behalten wir das lautere Gold bei. Zittern wir nicht vor dem Gedanken, daß die Wissenschaft uns vielleicht diese oder jene unserer Lieblingsvorstellungen vernichten werde. Unser Gott ist ein Gott der Wahrheit; er will, daß wir redlich nach den Gesetzen forschen, welche der Natur sowohl als der Geschichte des Menschengeschlechtes zu Grunde liegen. Wir haben keine Dogmen, die uns bei einer gewissen Grenze „Halt" gebieten; wir können, und nach so manchen berühmten Gesetzeslehrern müssen wir in unseren Forschungen so weit gehen, als die menschliche Vernunft nur reichen kann. Denn die Wahrheit ist, wie der Talmud sagt, das Siegel Gottes, und wir können unserem Schöpfer nicht näher tonnneu als durch das redliche Bestreben, in die Geheimnisse der Schöpfung und des Geistes einzudringen. Unfern Seelsorgern aber, welchen das Judenthum den schönen Name» „Rabbi", „Lehrer", ertheilt hat, fällt die ehrenvolle Aufgabe zu, in unseren Gemeinden sich als würdige Vertreter und Vorkämpfer der jüdischen Wissenschaft zu beiveisen. Es giebt noch Gottlob i» jeder Gemeinde Männer, welche nur der Anregung von außen bedürfen, um ihr Talent, ihre Energie und einen Theil ihrer Mittel in den Dienst der heiligen Sache zu stellen. Fache man das Feuer der Begeisterung für die jüdische Litteratur an, so lange noch der Funke unter der Asche glüht: in einem oder zwei Jahrzehnten, wo die Alten unter dem Grabeshügel ihren ewigen Schlaf schlummern werden und die moderne Jugend ans Ruder gelangt sein wird, dürfte es zu spat sein. U Briefe aus Amerika. Von Dr. G. Deutsch, Professor am Hebrew Union College in Cincinnati. III. Der Umstand, daß der des Englischen nicht mächtige Einwanderer sich jetzt in Amerika zunächst fremder fühlt, hat auch sein Gutes, und das ist die Gastfreundlichkeit, die ihm entgegeugebracht wird. Jeder weiß, daß man mit der Keuntniß der; Sprache aus Bücher» nicht den Bedürfnissen des praktischen Lebens; gewachsen ist, und die Hilflosigkeit des Einen erregt die Hilfsbereitschaft des Anderen. Das gilt nicht nur von den Wohlthätigkeits- . anstalten, die wahrhaft mustergiltig genannt werden können, sondern auch von den gesellschaftlichen Verhältnissen. Als ich in New-Iork j landete, wurde ich von Dr. Joseph Silverman, einem Schüler des! College, der am Tempel Emanuel neben Dr. Gottheil als Prediger! fungirt, empfangen und während meines Aufenthaltes in New-Iork! mit einer so ausgesuchten Aufmerksamkeit behandelt, daß ich mich geradezu gedrückt fühlte. Silvermann veranstaltete mir zu Ehren einen Empfangsabend, an dem fast alle New-Iorker Rabbiner theilnahmen und mich mit deutschen und englischen Ansprachen begrüßten. Auch wenn ich ein größeres Selbstbewußtsein besäße, müßte ich mir sagen, daß die Herren nicht kamen, „um das Rhinoceros zu sehn", sondern nur, um dem Ankömmling die neue Heimath recht heimisch zu machen. Dasselbe Entgegenkommen findet man auch in Privatkreisen, wo im Gegensatz zu unseren steiferen europäischen Verhältnissen der Fremde zuerst besucht wird; doch zeigt sich dabei die charakteristische mit politischen Verhältnissen so kontrastireude Erscheinung, daß der gesellschaftliche Verkehrskreis von Juden sich beinahe ausschließlick aus Juden zusammensetzt. Ich kann zunächst von meiner Erfahrung urtheilen, da ich nur von meinen jüdischen Nachbarn besucht wurde, während sich die christlichen fern hielten. Doch darf ich eine Ausnahme nicht vergessen. Bald nachdem ich inein Haus bezog, kam eine christliche junge Dame, die mich als Mitglied einer benachbarten — Methodistenkirche anwerben wollte. Da ich ihr erklärte, daß ich nur einmal, und zwar als Jude geboren worden sei — bei den Methodisten ist die Wiedergeburt, d. h. die plötzliche Bekehrung, der Kardinalpunkt des religiösen Lebens — verschwand sie und ward nicht mehr gesehen. Obwohl nun meine persönliche Erfahrung ausreichend sein mußte, da zu jener Zeit unmöglich so nachtheilige Gerüchte über mich hierher gelangt sein konnten, daß ich anders hätte behandelt werden sollen als jeder andere Jude, will ich diese Erfahrung nicht zur Grundlage meines Urtheils machen. Wichtiger ist, daß ich dieselbe Erscheinung bei allen meinen jüdischen Bekannten wahrnahm, und noch wichtiger der Uinstand, daß Jew und American immer als gegensätzliche Bezeichnungen gebraucht werden. Aus einem konfessionellen Grunde kann es auch nicht erklärt werden, daß die Juden überall jüdische Geselligkeitsvereine haben, da doch der orthodoxeste Jude kaum einen Grund dafür wissen dürfte, daß Juden nur mit einander Karte» und Billard spielen und nur bei jüdischen Restaurateuren trephe essen dürfen. Ein Methodistenpredigcr, den ich über II. Corinth. 11, 22, „Sind sie Hebräer? Das bin ich auch", predigen hörte, stellte seinen Zuhörern eindringlich vor, den Hebrew nicht zu verachten, weil er kein American sei. Diese Rede hätte offenbar nicht gehalten werden können, wenn das getadelte Vorurtheil nicht vorherrschend wäre. Endlich giebt es hier Tanzschulen, wo jüdische Mädchen nicht zugelassen werden, was man in Europa, wenn man au das Aufsehen, das die Nichtzulassung eines jüdischen Mädchens in einer Töchterschule in Berlin hervorgerufen hat, oder an die Entrüstung über die Ausschließung jüdischer Mädchen aus einem Turnkursus in Salzburg denkt, nicht möglich wäre. Ueberdies giebt es Klubs und Sommerfrischen, bei denen annoneirt wird: No Jew need apply. Ein Jude braucht sich nicht zu melden. Das Merkwürdigste ist aber, daß bei politischen Fragen solche Voruriheile verschwinden. Bei den letzten Wahlen z. B. wurde ein Jude von der republikanischen Partei als Kandidat für das Amt eines Bürgermeisters von New-Iork aufgestellt, und ich bin fest überzeugt, daß keine Zeitung gewagt hätte, aus konfessionellen Gründen gegen ihn zu schreiben, und wenn er unterlag, war nur der Sieg der Demokraten daran schuld. Allerdings ist die Zeit noch sehr fern, wo ein Jude Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte, aber ebenso wenig könnte die republikanische Partei es wagen, den Atheisten Jngersoll, einen hervorragenden Parteiführer, als ihren Kandidaten zu nominiren, und noch viel weniger hätte ein Katholik Aussicht, dieser Ehre theilhaftig zu werden. Bei diesem ist allerdings nicht die konfessionelle Abneigung das Hinderniß, sondern die Furcht, das amerikanische Prinzip, die Trenn» schlag g einem ki W kommei jüdische Es ist milie, „koscher verehrt, bauer i gewiß > hat, w kerung auf Äk konservi Kinder, von R, dem dü schwerst mich se licher sprechei stes Mt nicht <s Math Hube, z die bib seren £ wenige Bibel i Präsidl Tochtei gefeieri war U! ein alt E uuausl über d Seite 1 des J> ivelchei sein de mit de Nischen 23 Rabbii nicht z was u Die g> sind s, seine l liegen! wissen Gebiet Häuft, auch i abgese Hause der i» i S».M

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