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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-01-20 · Heft 3 (20.1.1893) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 3 (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
Seite 34 (sequence 12)
Language
German
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ben ,uis der Mädchen,mstolt während des veiMiigenen Hnlvjnhrhunberts entlnsiencn 92 Zöglingen bis jetzt 45 verheirathet; diese haben außer ihren »ainhaften Guthaben in Sparkassenbüchern auch Mitgiftsbeihilfen bis zu 1500 Mark erhalte»; 14 sind Lehrerinnen geworden, 12 haben sich der Buchführung gewidmet, die übrigen haben sich größtentheils einem hanswirthschastliche» Beruf »nd der Schneiderei jngewendei. Im Jahre 1860 hatten der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nachmalige Kaiser Friedrich, und seine Gemahlin das Protektorat über die Anstalten übernommen. Außer namhaften Jahresbeiträgen, welche die Kaiserin Friedrich noch heute fortsetzt, bethätigten die hohen Herrschaften ihr Interesse an dem Anerbach'schen Waisenhanse durch ihre persönliche Theilnahine an der Jubelfeier des 50jährigen Bestehens der Knabenanftalt im Jahre 1883, In Begleitung des damaligen Kronprinzen und seiner Gemahlin erschienen zur Feier außer dem llnterrichtsininister b. Goßler mehrere hohe Beamte dieses Ministerinms, dessen unmittelbarer Aufsicht die Anstalt seit dein Jahre 1838 nnterstellt ist. Der Direktor des Proviiiznft-Schnlkollegiums, Geheimer Regiernngsrath Herwig, hielt eine Ansprache namens der Unierrichtsverwaltung, in der er die Bedeutung der Stiftung für das öffentliche Interesse in folgenden Worten charakterisirtc, die gerade heute, angesichts gewisser Strömlingen des Tages, Beachtnng verdiene». Nachdem der Redner das „Wagnis;" des Begründers gerühmt, „welcher statt Gold nur Gottesvertranen n»d den heißen Wunsch, den Glanbensgenossen zu helfen, bieten tonnte," fuhr er fort: „Mehr als andere Nationen sucht das deutsche Kulturleben seine festesten Stutzen in der Erziehung. Ihre Arbeitserfüllung auf dem Gebiet des Unterrichts erleichtert zugleich das Gemeinwesen. Daß Ihre Anstalt ihre Aufgabe eigenartig konfessionell zu gestalten versucht, ändert nichts an solchem Verdienst; der starke und duldsame preußische Staat verfolgt das ivohtthätige Wirken individueller Krastentsaltnng mit aufrichtigem Wohlwollen." -- Das 50 jährige Jubelfest gab einer großen Zahl ehemaliger Zöglinge Beranlassung, ihrer Dankbarkeit gegen die Anstalt vielfach Ausdruck zu verleihen. Im Eingangsflur des Hauses ivnrde die Marmorbiiste Barnch Auerbachs (f 22. Januar 1804), modellirt von Professor Lürssen, anfgestellt. Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die jetzige innere Einrichtung der Anstalt. Beim Betreten des geräumigen Hofes bemerken ivir zur rechten Hand die Aiistaltssynagoge, in der täglich Gottesdienst gehalten wird. Für eine würdige Feier der „Jahrzeiten" ist besonders Sorge getragen. Während die der Erziehung und dem Aufenthalt der Waisen gewidmeten Rämne zweckmäßig aber einfach gehalten sind, finden wir diejenigen Räume, ivelche der Gottes- Verehrung geweiht sind, prachtvoll auch in der äußeren Einrichtung. Neben der Synagoge befindet sich eine prächtige Laubhütte mit massiv gebauten Nebenräinnen, welche am 27. September 1882 von dein Mitvorsteher und Stifter, Jarob Israel, der Anstalt übergeben ivorden sind, „um das religiöse Gefühl der Zöglinge zu ivecke» »nd ihnen die ehrwürdigen Gebräuche nnserer heiligen Religion i» würdiger Form zu bieten". Bon deinselbe» Stifter ist am 0. Oktober 1889 für die Anstalten ei» Kaiser Friedrich-Baufvnds begründet ivorden, der für den voraussichtlichen Fall einer Berlegung und Erweiterung des Waisenhauses einen Grnndstock zu den alsdann erforderlichen Neubauten bilden soll. Das Gedächtniß des verewigten hohen Protektors lebt in diesen Räuinen fort. Unvergessen bleibt die Theilnahine, mit der beide Kaiserlichen Hoheiten anläßlich der 50jährigen Jubelfeier alle Anstaltsrännie und Einrichtungen in sämmtlichen Etagen des Hauses in Augenschein nahineu, die Schlafsäle, die Kranken,zinuuer, die Unterrichtsräunie, das Wäschezinuner, der Betsaal und der Sitzungssaal wurden besichtigt. Die inneren Einrichtungen des Hauses haben die vollste Anerkennung und vielfache Nachahninng gefunden, so daß, als die Kadettenanstalten in Lichterfelde erbaut wurden, Einzelnes zum Bin st er geuouime» wurde; auch andere Waisenhäuser haben in ihrer Einrichtung die hier gemachten Erfahrungen benutzt. Die Berliner jüdische Gemeinde besitzt drei ihrer direkten Fürsorge »nterstellte Waisenpflege-Jnstitnte, von denen eines in seinen ersten Anfängen auf das Süknlarfest zum Gedächtniß des 100jährigen Geburtstages Moses Mendelssohns (1829) zurückzuführen ist. Das Verdienst des Philanthropen, dessen 100jährigen Geburtstag die von ihm begründeten Anstalten in diesem Jahre begehen, das Verdienst Barnch Auerbachs wird dadurch nicht gemindert. U Fitterarrsche MittheUungen. 8. Edmund Friedemann: Eatilina. Historischer Roman. Volksausgabe. Zwei Bände. Dresden 1893. H. Minden. Die günstige Aufnahme, welche dieser Roman gefunden, hat die Verlagsbuchhandlung veranlaßt, eine neue billige Ausgabe zu unternehmen, um das Buch auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der Verfasser hat dieser neuen Ausgabe durch die Hinzufügung historischer Anmerkungen einen besonderen Werth verliehen. Ein dem Buch angereihter Aufsatz über „Die Stellung der Juden im alten Rom" dürfte für die Gegenwart von! wesentlichem Interesse sein. „Der Roman Friedemanns beruht auf ' umfassenden Studien: der "Autor ist ein genauer Kenner des römischen Lebens und der lateinischen Klassiker. "Auch den Einfluß, den damals! in Rom die orientalischen Kulte, speziell das Judenthum, zu üben - begonnen, hat Friedemann mit richtigem Blick geschildert; aus den: ganzen Buche spricht eine umfassende mW feine Bildung, ein freier und * feiner Geist. Unter den vielen kulturhistorischen Romanen, die jetzt beit Büchermarkt überschwemmen, ist der vorliegende jedenfalls einer der; interessantesten, so daß wir seine Lektüre Angelegentlich empfehlen können." j Der Autor kennt das Judenthum und schildert dasselbe in seiner Fröm-; migkeit und Sittenreinheit inmitten der die kleine Gemeinde umgebenden ' römischen Sittenverderbniß ebenso wahr wie liebenswürdig. Er verj schweigt aber auch die Schattenseiten nicht. Der doppelzüngige Gesandte! Hesekiel, der glaubeusfreudige Josua, und vor Allem die liebliche Ruth sind treue und charakteristische Typen des Judenthmns jener sturmbewegten Zeit. Sprerhsaal. Geehrte Redaktion! Es widerspricht meinen litterarischen Gewohnheiten, in einer Polemik unparlamentarische Ausdrücke zu gebrauchen. Bin ich einmal in die traurige Nothwendigkeit versetzt, mich öffentlich mit einem Manne befassen zu müssen, dessen Handlungs- und Gesinnungsweise sich nicht mehr mit einein parlamentarischen Ausdruck charakterisiren läßt, so > beschränke ich mich auf die Thatsachen, die ich anzuführen habe In! meiner Auseinandersetzung mit Ihrem „Referenten aus Hamburg" kann! ich mir diese Reserve sogar leichten Herzens auferlegen. Denn hier : handelt es sich nicht um eine Parteifrage zwischen Liberalen und Ortho-; doxen, wie er glauben machen möchte, sondern um eine Frage der i litterarischen Ehrlichkeit. Und da pflegen — er mag dessen überi zeugt sein — die anständigen Leute aller Parteien einig zu sein. 'Mau vergegenwärtige sich die Sachlage. Ich lese im „Hamburgischeu Verein für jüdische Geschichte und; Litteratur" das einleitende Kapitel eines neuen Romans vor. Tie! Wirkung - ich bedaure die Zwangslage, die mich nöthigt, dies auszusprechen — ist, nach allen äußeren Zeichen zu schließen, eine solche, wie! sie der Vorleser nur irgend wünschen kann, größer und tiefer, als er sie erhofft hat, geschweige denn verdient zu habet! glaubt?) i) Auch 11 iv tönneu und) Den IKitt eilumjen, die uns von maßgebende» Männern ' beider Parteien zngekommen, konstatiren, dast der in Rede stehende Portrag unqetfjeilteu Frosten Beifall und freudigste Aufnahme gefunden hat. Die Red-

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