Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- Seite 29 (sequence 7)
- Language
- German
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Auch die Propheten schauten ihn nicht. Was die Propheten schauten, war ein ui diesem Zwecke geschaffenes Wesen, eine Lichterscheinung, eie Sclieehina. In gleicher Weise hat er die übrigen Attribute > ehandelt. Nicht so klar ist seine Auffassung der Namen Gotte». Das eine Nal bedeutet ihm und ein und dasselbe. Dann wieder - ellt er einen Unterschied auf. wäre die ältere Bezeichnung, ie das Wesen Gottes ausdrückt, ■>"’ ist der von den Menschen verkannte Gott. Ebenso klar" und systematisch sind die Auseinandersetzungen sachja ibn Pekuda's, wenn auch jene Tiefe der Anschauung nicht ervortritt. Bachja legt Gott Eigenschaften bei, die ihm innc- >ohnen, nur von ihnr allein ausgesagt werden tonnen. So die - inzigkeit, Ewigkeit. Andererseits wieder solche, die von ihm als öirknngen ausgehe», also Eigeiischasten, die auch Anderen beigelegt »erden können. Einen besonderen Abschnitt widmet Bachja dem beweise der Einzigkeit Gottes. Für diese werden sieben Beweise mfgefnhrt, und inan muß es anerkennen, daß sie au Deutlichkeit .nun eiivas zu wünschen übrig lassen. Daß Gott ohne Gestalt »körperlich ist, ist selbstverständlich. Tief faßt den Gottesbegriff Joses ibn Zaddik. Gott ist das absolute Wesen. Attribute lönnen ihm überhaupt nicht beigelegt oerden. Wenn dies dennoch in der heiligen Schrift geschieht, ist cs aic ein Zugeständnis; an das menschliche Fassungsvermögen. Er ist, er er ist. Das Einzige, wodurch er bezeichnet werden könnte, wäre, -aß er die Wahrheit ist. So tief gedacht das ist, verliert sich Ibn Zaddik bei einzelnen Erklärungen von Bibelstellen doch in Sphären, wohin wir ihm nicht erne folgen. So, wenn er den Sphären eine erkennende Seele »schreibt und Anderes. Der Einfluß der Allegorie macht sich -och geltend. Weniger systematisch geht, diesen Punkt betreffend, Abraham >n Daud vor. Ueber die Gott beigelegten Attribute äußert er sich 1 gleicher Weise wie seine Vorgänger. Ein klares System hierüber st bei ihm nicht erkennbar. Die Namen Gottes deutet er wesentlich nders als Saadja. Während diesem Elohim das Wesen Gottes edeutete, ist dieser Ausdruck für Abraham ibn Daud die Bezeichnung nir alles Starke, Weise, Vornehme, selbst für Götzen. Der Ausdruck arhwe wird nach ihm nicht ausschließlich auf Gott angetvendet. lbraham ibn Daud's Annahmen lassen sich, besonders was seine Auslegung des Eiohim betrifft, nicht abweise». Gabirol hat seine diesbezüglichen Anschauungen in der „Königscone" niedergelegt. Diese ist bekanntlich ein Hynmus an Gott. Ae allegorische Auslegeweise verleugnet sich nicht. Man muß bei »mi die allegorisch-poetische Hülle abstreifen, um den nicht selten tiefen iedankenkern zu erhalten. Deutlicher noch zeigt sich der Unterschied zwischen der einfach taren Auffassung der genannten Religionsphilosophen und jener, ie der Allegorie zuneigten, in ihren Aussprüchen über „die Seele". Dem nüchternen Saadja ist sie eine, deni menschlichen Körper um Gott beigegebene, hinzugeschaffene Kraft. Diese ruht im Herzen des Menschen. VL2 »PlSStPJ ,rfH bezeichnen nur die verschiedenen Grade der Affekte, die besondere Art, wie sie in dem Körper wirken. Bachja ibn Pekuda gesteht ein, daß ihm das Wesen der Seele unbekannt ist. Wir können uns daher über die Freuden und Schmerzen der Seele, wenn sie vom Körper losgelöst ist, keine Vorstellung machen. Ihr Streben ist die Annäherung an Gott, ein Zuströmen zu seinem Lichte. Nicht mehr so einfach drückt sich Josef ibn Zaddik aus. Nach ihm besteht eine absolute Intelligenz, aus ihr strömt der Seele Kraft zu und wird so zur „vernünftigen Seele". Der Geist, der zu Gott zurückkehrt, ist die vernünftige Seele, die sich wieder mit der höheren Intelligenz eint. Dagegen komnü das Allegorische der Darstellung wieder bei Gabirol zu Worte. Ja. es ist schon mehr als Allegorie, es ist ein Hinausschwetfen der Gedanken über alles vernünftigerweise Beweisbare, auch ohne jeden Anhaltspunkt, wenn Gabirol Körper und Seele insofern als Eins betrachtet, als der Körper aus dem Feuer der Seele — denn die Seele ist im Feuer — hervorgegangen, der Körper also ein Geschöpf der Seele ist. Dasselbe allgemeine Gepräge tragen die Anschauungen der Genannten über „Welt und Schöpfung", obgleich sie im Einzelnen ganz wesentlich aus einander gehen. Saadja lehrt eine Art Pantheismus. Ihm ist Alles in der Welt lebendig. Das Leben aber kann nur von Gott stammen. Gott ist darum in jedem einzelnen Theile tvie im Weltganzen. Doch ist das nicht so zu verstehen, als sei das Göttliche unbedingt an die sichtbare Welt gebunden und hätte außer ihr keine Existenz. Dies wäre nach Saadja schon darum falsch, weil die Welt ein Geschaffenes ist. Sie ist ihm ein Endliches, ebenso wie die Zeit endlich ist. Das Göttliche ist also insofern in jedem Theile wie im Ganze» der Welt, als sie durch Gott nicht nur ihre Existenz, sondern auch Leben empfängt. Selbstverständlich betrachtet auch Bachja die Welt als ei» Geschaffenes. Sie wird von ihm insofern in Beziehung zu Gott gebracht, als aus ihrer Ordnung, Gesetzmäßigkeit u. s. w ans die Größe und Weisheit Gottes geschlossen werden muß. Mensch und Thier, Pflanze und Stein sind Gebilde seines Willens, sie Verhalten sich zu ihni wie das Geschaffene zum Schöpfer. Bachja vertritt mit dieser Anschauung den allgemeinen gläubigen Standpunkt. Den Gedanken, daß die Welt erschaffen sei, nahm auch Abraham ben Ehija auf. Nach ihm ist aus der Betrachtung des Weltganzen nicht nur die Weisheit des Schöpfers, sondern in erster Reihe seine Einzigkeit zu erkennen. Abraham b. Ehija geht in seiner Beirachtung nur insofern tveiter, als er die Welt nicht aus dem Nichts hervorgehen läßt, sodern, im Anschluß an die griechischen Philosophen, einen Urstoff nnninnnt. Der Urstoff — eigentlich Stoff und Form — war da, bevor Gott die Welt ins Dasein rief. Diese kühne Behauptung sucht Abraham b. Ehija durch das Bibelwort „Tohrrwabohu" zu erhärten. Diese Beweisführung. so interessant sie sein mag, ist mindestens so gezwungen, als die Behauptung im Munde eines jüdischen Religivnsphilosophen kühir ist. Er freilich hat sich dabei beruhigt. Denir er lebte in dem festen Glauben, daß seine Behauptung sowohl dem Buchstaben als dem Geiste der Schrift entspreche. War er doch der Ansicht, daß die heidnischen Philosophen den Gedanken von einem kirstosfe der heiligen Schrift entnommen haben. Der Behauptung b. Chija's, der Schöpfung aus dem tlrstoff, tritt deutlich genug Josef ibn Zaddik entgegen. Das Universum ist ihm ein Gebilde Gottes, der Weltbestand ist ein fortgesetzter Gnadcnakt Gottes. Würde Gott der Welt seine Gnade entziehen, sie sänke in das Nichts zurück, aus dem sie hervorgegangen. Also keinen Urstoff, sondern eine Schöpfung ans dem Nichts. i I