Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1893)
- Date
- 1893-01-13
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 nimmt — legen folgende Proben Zeugniß ab: „Es ist ebenso nützlich, gegen die eigenen Volksgenossen aufrichtig und gut, wie es nothweudig ist, gegen Fremde oder Feinde misstrauisch und hinterlistig zu sein." Ferner: „Es ist begreiflich, daß auch der Jude sich mit Liebe und Aufrichtigkeit nur an seinesgleichen hält, und daß er im Verkehr mit unseren Bauern ungefähr die Grundsätze anwendet, die einer tieferstehenden Nasse gegenüber am Platze sind und die von uns selbst etwa gegen die Schwarzen in Afrika geübt werden." Posen, 3. Januar. Die Erben der Rohrscheu Eheleute haben mit einen: dem Vorstande der hiesigen Synagogengemeinde übergebenen Kapital von 2:20,000 Mark eine Stiftung unter dem Namen „Abraham und Henriette Rohrsche Stiftung zur Verbreitung und Förderung des Handwerks, der technischen Gewerbe, des Ackerbaues und der Gartenkultur unter den Juden der Gemeinden Jarotschiu und Posen" errichtet. Von obigem Betrage sind 200,000 Mark zu Gunsten der Synagogengemeinde zu Jarotschiu und der Rest von 20,000 Mark zu Gunsten der Synagogengemeinde zu Posen bestimmt. Der Zweck der Stiftung geht aus der vorbezeichneten Benennung hervor. Doch soll aus den Zinsen des für die Synagogengemeinde zu Jarotschiu bestimmten Kapitals von 200,000 Mark vorweg jährlich der Betrag von eintausend Mark au ''Arme ohne Unterschied der Konfession, welche in Jarotschiu, dem Wohnorte des Erblassers, ihren Unterstützungswohnsitz haben, verlheilt werden. Die Verwaltung des Stiftungsvermögens wird durch den Borstand der Synagogengemeinde zu Posen, die Leitung der Stiftung und die Verwendung der Stiftungszinsen durch ein Kuratorium geführt. Zu letzterem gehören die Herren Rittergutsbesitzer Isidor Rohr in Lang- Guhle, Rentier Moritz Rohr in Berlin, Prof. Dr. E. Leser in Heidelberg und noch einige Herren in Posem, Jarotschiu unt> Bojauowo. Die Stiftung hat bereits, nachdem das Statut dem Herrn Regierungspräsidenten zu Posen Vorgelegen hat, die landesherrliche Genehmigung erhalten. Zu Gunsten des hier zu errichtenden jüdischen Kranken- und Siechenhauses haben im letzten Jahre Stiftungen errichtet: Frau Kommerzienrath Theophila Auerbach und die M. Hamburgerschen Erben hier je 1.0,000 Mark, Herr Hermann Auerbach in Berlin und Frau R. Birnbaum in Teplitz je 20,000 Mark. V. BreSlau, 3. Januar. Wie aus den Nathhausprotokollen zu ersehen war, feiern im kommenden Jahre 1803 folgendein unserer Mitte weilenden Glaubensgenossen ihr 50jähriges Bürgerjubiläum: Kaufmann Hermann Bres lauer (31. März), Partikulier Abraham Brak (io. Mai), Kaufmann Leo Fedor Wilhelm Beer (23. Mai), früherer Kaufmann Jakob Bendix (30. Mai), Hausbesitzer Louis Richter (-1. Juli), Rentier Jakob Cohn (25. Juli) und Kaufmann Falk Ries (13. Oktober). Möge allen Jubilaren ein glücklicher Lebensabend beschieden sein. — Dem Universitätsprofessor der Medizin Dr. Leopold Auerbach ist der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen. Ter Rechtsanwalt und Notar Julius Berger Hierselbst ist zum Justizrath ernannt worden. — In Lublinitz feiert die israelitische Gemeinde am 5. Januar das 60 jährige Bestehen ihres Beerdigungsvereines. — In den ersten Tage:: des Monats Januar feiert Herr Dr. med. Mannheimer zn Beutheu (Oberschlsein 25jähriges Jubiläum als Stadtverordneten-Vorsteher — Ebenda hielten die Rabb iner Ob erschlesiens am ersten Weihnachtsfeiertage in Beuthners Hotel eine Konferenz ab, über die ich Ihnen nächstens Näheres berichten zu können hoffe. ß Schweidnitz, 2. Januar. Das neue bürgerliche Jahr begann für unsere jüdische Gemeinde mit einem guten Omen: unser allseitig verehrter Prediger Herr A. Blumenfeld beging am 1. Januar das Fest seiner 25jährigen Amtsthätigkeit am hiesigen Orte. Um der Anerkennung uub Werthschätzung des vielbeliebten Seelsorgers durch ein imposantes Fest gebührenden Ausdrnck zu verleihen, traten bereits vor mehreren Wochen angesehene Gemeindemitglieder zu einem Komitee zllsammen. In früher Morgenstunde wurde): dem Jubilar Ovationen von seiten feiner Schüler und Freunde dargebracht. Die Sauptfeier fand um 111/2 Uhr in der geschmückten Synagoge statt. Nächst den vollzählig erschienenen Gemeindemitgliedern und den von auswärts herbeigekommenen Kollegen — den Herren Dr. Rosenthal-Breslau, Dr. Ellguther-Neisse, Hauptlehrer Herbst-Lissa als Deputation des jüdischen Lehrervereins für Schlesien und Posen, Religionslehrer Bähr-Reichenbach rc. — sah man in der Synagoge u. A. auch die Herren Oberbürgermeister und Gymnasialdirektor. Die s Festreden hielten der Jubilar und Herr Dr. Rosenthal-Breslau. Er höhte Bedeutung und Weihe gewann auch diese wahrhaft erhebende Feier durch die am Schluß des Gottesdienstes von dem Oberbürgermeister und dem Gymnasialdirektor an den Jubilar gerichteten Ansprachen. Nachdem darauf der Jubilar in seiner Wohnung zahlreiche Beweise der Liebe und Verehrung empfangen, blieben die Festtheiluehmer in heiterer und solenner Stimmung, gehoben burcf) die Würze geistreicher und längerer Reden, bU in die späte Nacht hinein zusammen. Es zeigte sich hier in glänzendster und erfreulichster Weise, daß trotz Hetzapostel und Lügenpropheten - unter denen auch unsere Stadt zu leiden hat — doch dem Verdienste dir Krone nicht vorenthalten wird. X Eels u Schl., 30. Dezember. Der Vorsteher unserer Gemeinde. Herr Amtsgerichtsrath Dr. Borchert, ist als Landgerichtsrat!, nach Neisse berufen :md verläßt schon Anfangs Januar unsere Stadl. Das Scheiden dieses Mannes wird von der ganzen Stadt im höchste, Grade bedauert. Denn Herr Dr. Borchert gehört zu denjenigen, di> hohe Begabung mit außergewöhnlicher Liebenswürdigkeit verbinden. Ebekleidete viele Ehrenämter: er war Kreistagsabgeordneter, Vorsitzende, des Kriegervereins und erster Vorsteher der Gemeinde. Bei jeder öffenl liehen Feier, an welcher die Notabeln der Stadt sowie auch die Offizier theilnahmen — bei der Enthüllung von Denkmälern und der Feier de^ Kaisers Geburtstags im Krieger-Verein — fungirle er als Festredner und erntete Beifall. Dabei ist Herr Dr. Borchert Jnde mit Leib unk Seele. Es ist kein Wunder, daß die hiesige jüdische Gemeinde, derer Zierde er gewesen, den Schmerz seines Scheidens ganz besonders empfindet Sie hielt es deshalb als Pflicht, ihrem langjährigen ersten Vorsteher zu Ehren ein Festessen zu veranstalten, an welchem sich sämmtliche Gemeinde Mitglieder betheiligten. K. Hannover, im Januar. Am 1. Februar wird der Gemeinde sekretair Herr I. Hoffmauu das sünfundzwauzigjährige Jubiläum seine, Anstellung in hiesiger Gemeinde begehen Die Pflichttreue und Gewissen Hastigkeit, mit welcher Herr Hoffmann zu jeder Zeit sein Amt verwalte hat, so wie seine musterhafte Geschäftsführung und unermüdliche Thätig feit haben ihm die Hochachtung seiner Vorgesetzten und die allgemein Achtung und Anerkennung der Gemeindemitglieder erworben. — Der Bau des von Herrn Banguier Moritz Simon gegründeten Waisenhauses in Limmer vor Hannover, schreitet rüstig vorwärts, und es sind bereite ein Waisenhausvater, sowie ein Hilfslehrer für die Anstalt gewonnen die möglichst im April d I. eröffnet werden soll. * München, 6. Januar. Ein interessanter litte rar isch e, Prozeß kam vor dem Landgerichte in München dieser Tage zur Ver Handlung. Der Schriftsteller Hofrath Maximilian Schmidt hatte Diffe renzeu mit der Verlagsanstalt Liebeskind in Leipzig, weil diese plötzlicl den dreizehnte:: Band seiner Werke in kleineren: Druck und kleinerem Format als die früheren Bände erscheinen lassen wollte. Schnüdt ver weigerte das Lesen der Korrekturbogen und wurde deshalb von der Firma ans Schadenersatz verklagt. Er stellte Widerklage auf Herstellung der noch fehlenden Bände in dem früheren Format und Druck. Das Landgericht hatte die Klage der Firma abgewiesen und sie verurtheilt, drei Bände von 1891 in dem bisherigen Druck und Format herzustellen, wenn Schnüdt den Eid leistet, daß er mit der Firma nicht ausgemacht, die Bände im Verhältniß zu ihrem Absatz erscheinen zu lassen. Die Firma hatte nämlich das Letztere behauptet und dabei geltend gemacht, die Schriften Schmidts fänden weniger Absatz, weshalb sie durch billigere Herstellung einen Ausgleich habe schaffen wollen. Durch den kleinere:: Druck hätte sie auch das Bogenhonorar für den Autor eru:äßigt. Maximilian Schmidt behauptet, die Differenzen mit der Firma datiren von seiner Weigerung, ihr eine antisemitische Erzählung zu schreibe::. * Darmstadt, 3. Januar. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts sollte heute eine Verhandlung stattfindeu, aus deren Ausgang mau in weiteren Kreisen gespannt ist. Das ganz im antisemitischen Fahrwasser segelnde Fachblatt „Ter Bienenzüchter" hatte eine Reihe angeblicher Uebersetzungen aus dem Taln:ud veröffentlicht,in Folge deren die Staatsanwaltschaft gegen den verantwortlichen Redakteur- Theiß Anklage wegen Beschimpfung der jüdischen Religion erhob. Ein ausführliches Gutachten von Professor Strack in Berlin weist in den Uebersetzungen zahlreiche Unrichtigkeiten und Entstellungen nach, spricht