Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1893)
- Date
- 1893-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 13. Januar 1893. :r Franzos s nicht ge ob es eine m Traume mf welcher tasiegebild? „originell" en Bemer auf unser? ", ich refe ie ich mir lpt nicht, üben will. chen gesetzi ke sterben' er". Beid cr, wie fl hrung ge ruckfehlert „Sabbat en, daß er zesagt hat wie Herr das ganz«, lüssen, und Referenten den Ham r, den das man fmuii!, was der rkteur, di( , weniger iebt danam bürg. iederholter Elsaß zu wie die' In dev ung einer rt geredet ührer unt chen. r, um dev ealverband allen Get als Vor Gemeinden und die erreichen Verbandes. :r bei der cstützunget? Württetn l d Kantor. tn. 57. Jahrgang. Ir. Dxx Gemeindrbote. WeiLage zur' „Aktgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzetl und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 10. Januar. Der Vorstand der jüdischett Gemeinde veröffentlicht folgende Erklärung: „Vielfache an uns in nachbezeichneter Angelegenheit ergangene Anfragen verattlaffen uns zu folgender ^Lrklärung: Die Absicht des Unterzeichneten Vorstandes, mit einer Adresse sich an Se. Majestät ztt wenden, ist durch eine Indiskretion in die Seffentlichkeit gedrungen. Obgleich der Wortlaut der Adresse endgiltig noch nicht festgestellt war, ist der vermuthete Inhalt derselben fast von der gesummten Berliner Tagespresse besprochen worden. Im Gefühle der Ehrfurcht vor der Allerhöchsten Person haben wir unter diesen tlmständen beschlossen: von der Einreichung einer Adresse Abstand zu nehmen und über den Inhalt des Entwurfs keinerlei Mittheilungen zu veröffentlichen. Berlin, 6. Januar 1893. Der Vorstand der jüdischen 'Gemeinde." — Wie die Tagesblätter, die sich leider jetzt viel mehr als nöthig mit den inneren Angelegenheiten der Gemeinde beschäftigen, bereits mitgetheilt haben, sind die Herren Geheimer Kommerzienrath Herz und Kommerzienrath Goldberger aus dem Vorstand ausgeschieden Wir bedauern die Ereignisse auf das Lebhafteste, die dieses zur Folge hatten, unb wünschen sehulichst, daß bald die Eintracht wieder in unserer Gemeinde einkehre. — Nach dem Gemeindestatut sind nun die beidett Stellvertreter, Herr Dr. Heinrich Meyer Cohn und Herr Rechtsanwalt B. Breslauer, einbernfen worden. Da jedoch Herr Dr. H Meyer Cohn die Vokation abgelehnt hat, wird demnächst die Wahl eines Vornandsmitgliedes vorgenommen werden müssen. Auf die Polemik der lagesblätter nochmals und nachträglich einzugehen, liegt keine Veranlassung vor. Nur die folgende, von verschiedenen politischen Zeitungett Aeichzeitig gebrachte Mittheilung wollen wir, ohne eine Verantwortung 'Tue deren Richtigkeit zu übernehmen, zum Schluß noch registriren: „Der Kaiser soll nach dem unlängst abgehaltenen konservativen Parteitage, auf dem der Antisemitismus lustig ins Kraut schoß, in sehr kräftigen Ausdrücken seinen Mißmuth über das Gebühren des Herrn v. Manvuffel und Genossen zu erkennen gegebett haben. Es ist auch die Rede davon gewesen, daß nach Eröffnuttg des Reichstags eine Kutldgebung gegen das demagogische antisemitische Treiben erfolgen werde." * Berlin, 5. Januar. Der Vorstand des „Vereins zur Abwehr des Antis emitismus" veröffentlicht Folgendes: „Die verstärkte Agitation nuferer Gegner und die zunehmende Ausbreitung unseres Vereins hat es nothwendig erscheinen lassen, die Organisation desselben weiter auszugestalten und neue Kräfte für unsere Arbeit ztt gewinnen. Unser Vorstandsmitglied Herr Prediger Lic. Gräbner, der zugleich neben seinen übrigen Arbeiten im Interesse des Vereins die Kassengeschäfte rmd die Herausgabe der „Mittheilungen" besorgte, hat sich außer Stande erklärt, neben seinen Berufspflichten diese Geschäfte, die von Tag zu Tag wachsett, in dem bisherigen Umfange weiter zu führen. Der Vorstand hat deshalb beschlossen, einen eigenen Schatzmeister ztt erwählen und außerdent das Arbeitsgebiet zwischen dem Berliner unb Frankfurter Büreau zu theilen. Dem Büreau in Frankfurt a. M. ist ganz Süd- und Südwestdeutschland iuel. Elsaß-Lothringen, Hessen-Nassau und Rheinprovinz, die übrigen Theile Deutschlands dem Büreau in Berlin zugewiesen. Außerdem werden mehrere Unterbüreaus die Centralstelle entlasten. Die „Mittheilttngen" bleiben das Organ des gesammtett Vereins unb werden in Berlin berausgegeben. Das Schatzmeisteramt hat auf die Bitte des Vorstattdes ber frühere Gutsbesitzer Herr Reichtstagsabgeordneter Jordan, zur Zeit in Berlin, zu übernehmen sich bereit erklärt. Vom 1. Januar ab bitten wir nun Geld- und Werthsenduugen und Einschreibebriefe aus Aorddeutschland zu richten an das Büreau des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus Berlin W., Magdeburgerstraße 13, unter der Adresse des Herrn Reichstagsabgeordneten Jordan, alle übrigen Sendungen wie bisher an dieses Büreau; Geld und Werthsendungen aus Süd- und! Westdeutschland an das Büreau des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus I Frankfurt a M., Paulsplatz 6 z. H. des Herrn Stadtrath H. Flinsch, alle übrigen Sendungen wie bisher an dieses Büreau. Der Vorstand Gtteist. Rickert Barth. Btthl. Endemann. Fester. Flinsch. Funck. : Gräbner. Hallgarten. Reinhardt. Frhr. von Stauffenberg. Stengel. Weber. Winter." A Berlin, 10. Januar. Das Programm der demnächst beginnen-; den Montags-Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds der j Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums ist folgendes: K. E.! Franzos über fahrende Schüler im Ghetto, Professor Steinthal über j Heiterkeit und Wehmuth, Dr. R. Meyer über Helden des A. T. in der! neueren Litteratur, Dr. Klemperer über Voltaire und die Inden, Prof, j Dr. M. Philippson über Ignaz v. Loyola, den Stifter des Jesuitenj ordens, Prof. Dr. L. Geiger über deutsche Dichter im Zeitalter der j Befreiungskriege. Die erste Vorlesung wird wegen eines eingetretenen Hindernisses nicht Montag, den 30. Januar, sondern Dienstag, den 31. Januar stattfinden, die anderen Vorlesungen aber werden regelmäßig an den darauf folgenden Montagen abgehalten werden. Die Namen der Vortragenden, sowie die von ihnen gewählten Themata und nicht zuletzt der wahrhaft gute Zweck, dem diese Vorlesungett gewidmet : sind, taffen diesmal eine besonders zahlreiche Betheiligung dringend! wünschen.; * Berlin, 9. Januar. Eitt hiesiges Blatt bringt die nachfolgende Eri Zahlung von dem Wohlthätigkeitssinn eines Berliner Glaubeus-! genossen zur Veröffentlichung. Bei einem vielbeschäftigten Kaufmann, i der neben seiner Erwerbsthätigkeit als Ehrenamt die Verwaltung vott j Wohlthätigkeits - Anstalten der hiesigen jüdischen Gemeinde seit Jahren j übernommen hat, ließ sich dieser Tage ein alter Herr melden, als sich der ' Geschäftsmann gerade ztt eittem dringettden Ausgattg anschickte. In aller Eile richtete der Kaufmann seinen Blick auf beit Ankömmling, dessen schlichter Anzug einen Unterstützungsbedürftigen zu verrathen schiert, und ziemlich kurz lautete die Frage nach seinem Begehr. Schüchtern bemerkte i der alte Herr, er habe eine Wohlthätigkeitsspende vor. „Wie viel wollert Sie geben?" — klang es im Geschäftston zurück — „vielleicht dreißig Mark? — „Nein, ich hatte mir mehr vorgesetzt!" — „Nun, fünfzig, hundert Mark, — oder stiften Sie doch ein Bett, das kostet 300 Mark." — „Ich hatte mir eine bestimtnte Summe vorgesetzt und habe sie auch zttr Stelle. Es sind — Hunderttausend Mark." — Der erstauttte Kauftttmtn hatte plötzlich Zeit und gebrauchte sie auch, um die Sprache wieder- : zugewinnen. Er hieß den seltenen Wohlthäter Platz nehmett und setzte ihm auseinander, daß er zur Annahme einer so bedeutenden Schenkung nicht ohne Weiteres befugt sei, daß dazu erst die Genehmigung nachgesucht werdett tnüsse, daß eine Eingabe nothwendig sei. „Dann beeilen Sie die Schritte nach Möglichkeit," bemerkte schlicht der Vertröstete, „ich fühle, das ich schwächer werde und möchte die Freude, die ich mir bereiten will, selbst genießen." Der Vorsteher versprach thunlichste Beschleunigung, und in der That ist die Genchmignng zur Annahme der großherzigett Stiftung bereits nachgesucht. Der Spender ist ein Rentier, der in der Potsdamer Straße wohnt, sehr einfach lebt unb außer seinem Hange zur Wohlthätigkeit keine kostspieligen Neigungen kennt. £2 Berlin, 9. Januar. Die „Tägliche Rundschau", ein Blatt, ivelches angiebt, unter neutraler Flagge zu segeln, enthüllt sich von Tag j zu Tag mehr als ein antisemitisches Organ. So enthält die! Nummer vont 7. Januar einen Artikel mit der Ueberschrift: „Warnut! braucht der Bauer den Handelsjuden als Vermittler?" Der Aufsatz! wird nur durch den Umstand, daß sich die Redaktion der „T. R." durch : seine Aufnahme zu den gleichen Anschauungen bekennt, beachtenswerth, und darttm wollen wir einige bemerkenswerthe Geständnisse, die derselbe enthält, hier registriren. So heißt es einmal: „Der Bauer macht sich kein Gewissen daraus, den Juden hinter das Licht zu führen, unb nichts freut ihn so sehr und so aufrichtig, als einen Juden hirteingelegt zu haben." Von dem sittlichert Standpunkte, ben der Autor ein-