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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-12-11 · Heft 50 (11.12.1891) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 50 (11.12.1891)
Date
1891-12-11
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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intmtr mehr befestige, ist die Hanptquelle der Heiterkeit, mit welcher ich alle Leide» dieses'Lebens ertrage und der Zukunst entgegenhoffe." Dieser merkwürdige Staatsmann, einer der besten und liebens würdigsten Menschen seiner Zeit, hat sür uns Juden ein doppeltes Interesse. Bor gerade 110 Jahren erschien von ihm die Aufsehen erregende Schrift: „lieber die bürgerliche Verfassung der Juden" (Berlin und Stettin, bei Friedrich Nicolai, 1781, in zwei Bänden), welche eine der witigsten Schutzschriften ist, welche je für Juden und Judenthum verfaßt wurden, und die nicht unwesentlich dazu beigetragen, die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden herbeizuführen. Die nähere, jedoch nicht unmittelbare Veranlasiung dazu rührte von Moses Mendelssohn her. An diesen hatten sich nämlich die Juden ans Elsaß wegen Abfassung eines Memoire gewandt, welches dem französischen Staatsrathe vorgelcgt werden sollte, um diesen zur Abänderung ihrer gedrückten Lage zu bewegen. Alle Materialien dazu waren mitgetheilt worden. Moses Mendelssohn beredete nun Dohm, als dieser kaum einige Monate in Berlin gewirkt hatte, an der Redaktion dieser Denkschrift Theil zu nehmen, insbesondere die Zusaminenstellnng der Thatsachen und die geschäftsmäßige, einen erwünschten Eindruck versprechende Abfassung zu besorgen, wenigstens demjenigen, der zuletzt der Vorstellung das französische Gewand geben sollte, darin so vorzuarbeiten, daß wesentliche Aenderungen nicht mehr vorgenommen werden dürften. Bei Dohms Neigung zu gemeinnütziger, möglichst weitgreifender Wirksamkeit war dieser Anlaß ganz ertvüuscht, um neue Ansichten in einer die Humanität und Politik zugleich interessirenden Angelegenheit aufstellen zu können. Da sich jedoch in der Denkschrift manche allgemeine Betrachtungen und die politisch-philosophischen Untersuchungen, auf welche die Sache leitete, nicht wohl ausführlich nüttheilen ließen, entstand der Gedanke zur Ausarbeitung der genannten Schrift, welcher jenes Memoire als Anhang augefügt. Sehen wir »ms das bedeutende Werk etwas genauer an. In dem Vorwort zu dem Buche erörtert er die Beweggründe welche ihn zur Abfassung des Werkes veranlaßten. Er wollte betveisen, daß die drückende Verfassung, in der sie noch jetzt in den meisten Städten leben, nur ein Ueberbleibsel der unpolitischen und unmenschlichen Vorurtheile der finsteren Jahrhunderte, also unwürdig sei, in unseren Zeiten fortzndauern.... Er — der Verfasser — wird die wenigen Stunden seiner Muße, die er auf diese Arbeit wenden konnte, sehr gut verwandt zu haben glauben, wenn dadurch Männer von höheren Einsichten und größerem Scharfsinn zum Nachdenken über diese wichtige Materie gereizt werden, und wenn er auch nur einige Veranlassung geben könnte, einen so beträchtlichen Theil des Menschengeschlechts glücklicher und für unsere Staaten brauchbarer zu machen. Er wagt es, deir Regierern derselben seine Schrift mit Ehrfurcht zu widmen und wird sich hinlänglich belohnt schätzen, wenn er fähig gewesen, ihre Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zu leiten, der ihnen bisher entgangen zu sein scheint und derselben doch so würdig ist. Die Vertheidigung der Juden Seitens Dohms ist eine ebenso lebhafte wie besonnene. So sagt er z. B. S. 39 u. A.: „Die jetzige judenfeindliche Politik ist ein Ueberbleibsel der Barbarei der verflossenen Jahrhunderte, eine Wirkung des fanatischen Religionshasses, die der Aufklärung unserer Zeit unwürdig, durch dieselbe längst hätte getilgt werden sollen... Unseren festgegründeten Staaten muß jeder Bürger willkommen sein, der die Gesetze beobachtet und durch seinen Fleiß den Reichthum des Staats vermehrt; sie dürfen nicht, wie die zuerst durch Gewalt errichteten Herrschaften anderer Nationen, barbarisch und furchtsam zugleich, die Fremden verbannen und unterdrücken. Auch der Jude hat auf diesen Genuß der bürgerlichen Gesellschaft, auf diese Liebe Anspruch. Seine Religion macht ihn derselben nicht unwürdig, da er bei strengster Befolgung derselben ein sehr guter Bürger sein kann. (Schlug folgt.» £\i FEUILLETON Ner heilige Herr. Historischer Romair von Ferdinand Dieffenbach. (Fortsetzung.) Zweites Buch. Zehntes Kapitel. Dresden, die neue Heimath. Es war Frühling. Die Bäume auf den die kurfürstliche Residenzstadt Dresden mnlagernden Höhen prangten allertvürts in jenen» leichten, durchsichtigen jungen Grün, das noch kaum von den Sonnenstrahlen geliebkost und noch von keinem Stäubchen entweiht wurde. An den Rainen der Wege steckten die schneeigen Blüthen der Schlehen vorwitzig die Köpfchen heraus und gelb- und weißblumige Anemonen lugten unter dem dürren Laube, das den Waldboden bedeckte, hervor. Wir befinden uns auf dem Wege, der von der Hauptstadt Dresden nach den Höhen ain rechten Elbufer hinaufführt, unweit des weißen Hirsches, da, wo ein Bergvorsprung den Blick in das Elbthal vcrstattet. Auf einer einfachen, roh behauenen Bank begegnen wir z>vei Damen, die mit andächtiger Stille das Schauspiel genießen, welches das Elbthal von jenem Pllnkte aus darbietet. Ein Wagen init zwei j Dienern hielt im Hintergründe. j Die herrliche, Dresden umgebende Landschaft entfaltete an jenem" j Frühlingsabend alle ihre Wunder. Im Hintergründe des Bildes » sah inan zur Linken die freundlichen, von der sinkenden Sonne roth j angehauchten Höhen von Losch>vitz, ga»iz in der Ferne erblickte man die romantischen Bergformen der sächsischen Schweiz, welche die Abendschatten bereits mit violetten Tinten deckten. Im Vordergründe rechts lag Dresden mit der mächtigen, Alles überragenden Kuppel der Frauenkirche und seinen vielen Thürmen. Die Sonne schien auf die Kuppeln und Thürine, deren Lichtseite mit tiefrothem Golde überdeckt schien, und Goldfunken gleich tanzten die Sonnenstrahlen auf den auf- und abtauchenden Wellen des Elbstroms. Tiefe Ruhe herrschte. Die Schöpfung athmete jenen köstlichen Frieden, der sich unwillkürlich der erregten Menschennatur inittheilt und ihr den im Strirme des Lebens abhanden gekominenen Frieden der Seele wieder spendet. Die jüngere der Damen, in »velcher »vir Eva erkennen, bückte sich auf den Rasen, der den Hügel bedeckte, und brach kleine gelbe Priineln ab, die allerwärts nmherstanden. „Sie sind allerliebst, diese Blümchen," sprach sie. „Das Volk nennt sie Hirnmelsschlüssel, und in der That, man hätte keinen schöneren Nainen finden könneil, denn dieses Blümchen schließt gleichsain dem neuen Frühling die Hinrmelsthür auf, durch welche er bei uns seinen Einzug hält." „Ei, was ich von Dir hören muß," sprach Gräfin Lubomirska, init welcher Eva den Ausflug nach den Höhen ain Elbufer unternommen hatte. „Ich freue mich herzlich, daß Dir die herrliche Umgebung der Stadt so viel Freude macht." „O gewiß," sprach Eva. „Ist es mir doch, als ob sich mir der Himmel geöffnet hätte und wie wenn ein neues Leben für inich aufgegangen wäre." „Wirklich?" fragte die Gräfin. „Und was ist es, was Dich hier so fesselt?"

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