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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-12-11 · Heft 50 (11.12.1891) · p. Seite 597

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 50 (11.12.1891)
Date
1891-12-11
Page
Seite 597 (sequence 9)
Language
German
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die Gestalten des Olymp heute noch unsere Phantasie anmuthen, so erheben die Gedanken, die blitzend auf dein Sinai aufleuchteten, heute noch unfern Geist. Die beiden genannten Berge selbst sind unendlich von einander verschieden. Der Olympos, griechisch der Leuchtende, erhebt sich an der Grenzscheide von Makedonien und Theffalien bis zur Höhe von , 2970 M. Der Gipfel, von dem aus man das Spiel der Wellen des nahen ägäischen Meeres betrachten kann, ist den größten Theil des Jahres mit Schnee bedeckt. Die Abhänge sind bald kahl, von wilden Bergströmen zerrissen, bald mit Tannen und Laubwald bedeckt. Am Fuße zieht sich das viel besungene Thal Teinpe hin, das vom silberhellen Peneios durchströmt, von Lorbeerbäumen und mächtigen Platanen umrauscht wird. Oben ist ewiger Winter, unten im kühlenden Schatten. der uralten Haine lachender Frühling. Auf diesem Berge thronte nach dem griechischen Mythos Zeus, das Haupt der ganzen Aristokratie der Götter. Hier hielten die seligen Götter Rath über die Geschicke der Erdbewohner. Hier feierten sie Feste bei Nektar und Ambrosia und lauschten den Gesängen der Musen und des Kitharöden Phöbus Apollon. Der Sinai, das heißt der höchste Gipfel des gleichnamigen Felsengebirges auf der sinaitischen Halbinsel, im peträischen Arabien, erhebt sich bis zur Höhe von 2600 M. Kahl und nackt steigt der granitene Dschebel-Musa, das heißt Mosesberg, von keinem Bache umrauscht, von keinem Baume beschattet in schauervoller Wüste empor zum ewig blauen Himmel mit dem Ausblick im Norden auf die endlose öde Fläche der Halbinsel und nach den drei anderen Himmelsrichtungen auf das Meer, welches die Halbinsel umspült. Von dieser Felsenwarte herab redete einst Gott zu den Menschen in einer Weise, die in der Geschichte nicht im Entferntesten ihres Gleichen hat, die wir uns deshalb nicht erklären können, aber in Worten, deren Wahrheit schon durch den Inhalt bezeugt wird. (Fortsetzung folgt.) 9 Christian Wilhelm n. Nahm. Ein Gedenkblatt. Von Dr. Adolph Kohut. In unseren Tagen, wo die Häupter des Antisemitismus in Sachen der Judenhetze Gewaltiges leisten, bietet es ein erhebendes Schauspiel dar, auf jene erleuchteten christlichen Politiker, Staatsmänner und Denker hinzuweisen, welche in einer Zeit der mittelalterlichen Vorurtheile, als die Juden noch Parias der menschlichen Gesellschaft waren, mit svoller Kraft und seltener Ausdauer für die Juden-Emanzipation eine Lanze gebrochen und den Kampf mit der Hydra des Judenhasses aufgenommen. Einer der leuchtendsten Vorkämpfer der Befreiung Israels aus dem Sklavenjoche war der vor gerade 150 Jahren, am 11. Dezember 1741, in Lemgo geborene preußische Staatsmann, Christian Wilhelm v. Dohm, auf den nachdrücklich hinzuweisen uns zur hohen Genugthuung gereicht. Der Vater Dohins, Prediger an der Neustädteroder Marienkirche zu Lemgo im Lippe'schen, ließ seinem Erstgeborenen eine sehr gediegene Erziehung zu Theil werden. Er studirte zuvörderst in Leipzig, wo er sich der Theologie widmete. Hier schloß er sich besonders an den mild und human denkenden Dichter Geliert an. Doch befriedigte ihn die Theologie nicht und er wandte sich deshalb der Jurisprudenz zu. Besonderen Einfluß auf den jungen Bruder Studio übten die Werke Basedows aus. Mit welch' glühendem Eifer der 19jährige Feuergeist von dem Streben nach Wahrheit und Recht schon damals durchglüht war, erkennt man aus einem Schreiben, welches er um jene Zeit an Basedow richtete, worin es u. A. heißt: „Es sei ihm in der Wissenschaft nichts theurer als die Wahrheit; er suche sie in jeder seiner Kenntnisse zu erlangen, sei aber bisher noch im Zweifel geblieben, ob und wie eine unbestrittene Definition von ihr zu geben sei; er wende sich deswegen an einen Mann im Vertrauen, der als tiefdenkender Forscher und Freund der Wahrheit bewährt sei, und hoffe durch ihn zur Beantwortung der Frage: was ist Wahrheit? zu gelangen. Die Auflösung dieser Frage liege ihm so sehr am Herzen, daß er sich entschloffen habe, zu ihm zu reisen und so lange bei ihm zu wohnen, bis sein Wunsch erfüllt sei; er frage daher, ob er die Beförderung seiner HoffnuUg und eine angenehme Aufnahme erwarten dürfe." In der That reiste er 1771 zu Basedow nach Altona, wo beide Männer allezeit die wärmste Freundschaft mit einander verband. Im Mai 1773 reiste Dohm nach Berlin, um die gerade erledigte Pagenhofmeisterstelle am Hofe des Prinzen Ferdinand, des jüngsten Bruders Friedrichs des Großen, zu übernehmen. Hier widmete er sich nnt Eifer litterarischen Arbeiten; doch bevor er dieselben zum Abschluß bringen konnte, ging er nach Göttingen, um dort noch einen eigentlichen juristischen Kursus in Verbindung mit einem publizistischen durchzunehmen. Zu seinen Göttinger Freunden zählte damals der später so berühmt gewordene preußische Staatsmann Freiherr von Stein. 1776 vereinigte er sich mit dem Dichter Boje zur Herausgabe der Zeitschrift „Deutsches Museum". Hier veröffentlichte er manche sehr interessante geschichtliche und politische Aufsätze. Ebenso publizirte er manche bedeutsame Werke, wie z. B. „eine Geschichte der Engländer und Franzosen im östlichen Indien". Vom Herbst 1776 bis Herbst 1779 war er Professor am Collegium Carolinum in Cassel. Von 1779 bis 1786 lebte Christian Wilhelm von Dohm in Berlin. Er begann seine politische Laufbahn als Registrator beim geheimen Hauptarchiv. Seine unermüdliche Arbeitskraft, seine geniale Begabung und sein edler und reiner Charakter lenkten die Aufmerksamkeit Friedrichs des Großen und des Ministers Hertzberg auf sich und so wurde er auch im Departement der auswärtigen Angelegenheiten mit glänzendem Erfolge beschäftigt und 1783 zum Geheimen Kriegsrath ernannt. Um jene Zeit schrieb er manche zündende politische Schriften, die dem alten Fritz sehr gut gefielen, z. B. „über den deutschen Fürstenbund". 1786 wurde er zum Gesandten im niederrheinisch-westfälischen Kreise ernannt, und er verweilte am Rhein bis zur Mitte des Jahres 1792. Als die revolutionären Bewegungen 1789 in Lüttich ausbrachen, rechtfertigte Dohm die preußische Politik in seinem Werk: „die Lütticher Revolution im Jahre 1789 und das Benehmen Sr. K. Majestät bei derselben". 1797 wurde er als Gesandter zum Friedenskongreß nach Rastatt geschickt und hierauf bei der Organisation der von Preußen neu erworbenen Länder beschäftigt. Auf dem Tilsiter Frieden von König Jerome als Gesandter nach Dresden geschickt, nahm er 1810 seine Entlassung und zog sich auf sein Gut Postlebeu bei Nordhausen zurück. Hier widmete er den Rest seines Lebens seinem großen Geschichtswerk: „Denkwürdigkeiten meiner Zeit". Dies berühmte Buch enthält u. A. eine Geschichte Friedrichs II. und zeichnet sich durch eine Fülle von Kenntnissen und ein höchst objektives gerechtes Urtheil aus. Der ausgezeichnete Staatsmann starb am 20. Mai 1820, von ganz Deutschland betrauert. Dieser ideale, herrliche Mann, welcher stets die Wahrheit suchte und für Recht und Gerechtigkeit eintrat, war religiös gesinnt und glaubte fest an die Unsterblichkeit. So schrieb er noch kurz vor seinem Tode an eine Jugendfreundin, welcher er die Aussicht auf eine von ihr vorgeschlagene Zusammenkunft hatte benehmen müssen: „Ich lebe der Hoffnung, daß wir in einem befferen Zustande uns wiederfinden und dann nicht nochmals getrennt werden. Dieser G-Zanke, in welchein ich mich, je mehr und je tiefer ich nachdenke,

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