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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-11-27 · Heft 48 (27.11.1891) · p. Seite 573

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 48 (27.11.1891)
Date
1891-11-27
Page
Seite 573 (sequence 9)
Language
German
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573 lassen. Da auch andere Gemeindemitglieder die Forderungen unterstützten, ging der Vorstand auf die Sache ein, und der noch nicht zweiundzwanzigjährige Ludwig, dem das Reden so gut gefallen, nahm den Antrag an. Nach der ersten Predigt sagte ihm der Vorstand: „Sie lassen wir nicht wieder fort." Er bot ihm eine dauemde Anstellung als gottesdienstlicher Redner bei der Magdeburger Gemeinde. (Fortsetzung folgt.) ♦ Anm 5v;Lhrrgerr Jubiläum des „Jewish Chronicle." Von Benas Levy. Am 14. November d. I. hat die englische jüdische Zeitung „Jewish Chronicle" ihr 50jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlaß eine Festnummer heransgegeben, die schon allein beweist, welcher Achtung und Beliebtheit Jewish Chronicle sich unter den Juden Englands erfreut. Viele, und darunter die Gebildetsten unserer englischen Glaubensgenossen, haben Beiträge zu dieser Jubiläums-Ausgabe geliefert, doch vor Allem verdient Beachtung ein Artikel des verstorbenen Professor Graetz: „Ein Rückblick auf 5t) Jahre", welchen er eigens für diese Festnummer geschrieben hatte. Außerdem heben wir hervor die Beitrüge des Ober-Rabbiners vr. Hermann Adler über: „Die Pflichten einer jüdischen Zeitung", des Parlament-Mitgliedes Sir Julian Goldsmid: „Die Jüdische Presse", des Ober-Rabbiners der Spanischen und Portugiesischen Juden in London vr. M. Gaster: „Jüdische Wetter-Lehre," des Vorstehers des Jüdischen Seminars in London vr. Friedländer: „Das Jubiläum", sowie Artikel von Samuel Montagn (ebenfalls Mitglied des Parlaments), Claude G. Montefiore und dem jetzigen Redakteur des Jewish Chronicle, Asher G. Myers. Schon diese kurze Inhalts-Angabe wird genügen, um zu zeigen, daß die Festnummer ein Sammelpunkt vieles Geistes und vieler scharfsinniger Abhandlungen über die Geschichte der Juden Englands und über die jüdische Presse geworden ist. Alle aber haben ihre Beiträge gern geliefert. Galt es doch, diejenige Zeitung zu feiern, welche ,hnen Allen lieb und werth geworden war, die während der 50 Jahre ^hres Bestehens treu und wacker eingetreten ist für die Freiheit unseres Volkes und für die Interessen der englischen Juden im Besonderen, sowie der Juden im Allgemeinen. An« 14. November 1841 erschien in London die erste Numiner des Jewish Chronicle, welche zu ihrem Titel *p“Oi “|SD hinzugefügt hatte. Es sollte sein und bleiben für alle Zeiten ein Blatt der Erinnerung, es sollte werden eine „jüdische Chronik", wie der Titel „Jewish Chronicle" es besagt —und gleich vom ersten Erscheinen an erzielte es einen außerordentlichen Erfolg. Ein Geist der Zusammengehörigkeit erfüllte damals, wie auch heute noch, die jüdischen Familien Englands. Sie waren beseelt für ihren Glauben, dem sie fest anhingen, undffie fühlten sich einig, wenn es die Interessen des Judenthums galt. Daher war eine Zeitung, die es unternommen hatte, diesen Jntereffen zu'.dienen, ein willkommenes Blatt, und es fehlte fast in keinem jüdischen Hause in England. Die dortigen Juden betrachten es als Ehrenpflicht, ihre jüdische Zeitung zu halten, und da „Jewish Chronicle" geistreiche Leitartikel, interessante auf das Judenthum bezügliche Neuigkeiten, sowie viele persönliche und lokale Nachrichten brachte, war es bald das beliebteste Familien-Organ in den Häusern unserer englischen Glaubensgenossen. 1 Sehen wir uns eine Nummer des auf hellgelbem Papier gedruckten „Jewish Chronicle" an, so füllt uns ein großer Unterschied auf gegen unsere deutschen jüdischen Zeitungen. Auf der ersten Seite finden wir zahlreiche Geburts-, Heiruths- und Todes-Anzeigen daran schließen sich ungefähr 6 Seiten Annoncen und diesen erst reiht sich der redaktionelle Theil an. Derselbe zerfällt in Besprechung der Wochen-Ereigniffe, in einen sehr ausgiebig benutzten Sprechsaal, worauf nach weiteren 2 Seiten Annoncen der Leitartikel, die Korrespondenzen aus dem Ausland und aus den englischen Provinzen, sowie litterarische Neuigkeiten folgen, und den Schluß. bilden wieder 4 Seiten Annoncen. So repräsentirt sich „Jewish Chronicle", das jetzt jeden Freitag erscheint, recht stattlich in seinem großen Format, ganz anders als bei seinem ersten Erscheinen vor 50 Jahren. Da war es, bis zum Jahre 1847, äußerlich ein recht winziges Blatt, das nur alle 14 Tage erschien, das aber trotzdem es verstand, sich Beachtung zu verschaffen. Wenn wir einen Blick werfen in jene alten Blätter vom Jahre 1841, dann erst erkennen wir, welch' großer Unterschied zwischen damals und heute liegt. — Als im Dezember 1841 Mr. Jakobs in Hüll zum Direktor des Arbeitshauses gewählt wurde, da frägt Jewish Chronicle zum ersten Mal: Warum ist solch' eine Ehrenstellung noch niemals vorher einem Juden übertragen worden? und warum denn sollen wir Juden nicht volle Gleichberechtigung haben? Damals war noch vr. Hirschell Ober-Rabbiner von England, und gerade um diese Zeit entstand in London die Agitation zur Gründung der Reform-Gemeinde, zu deren Leiter vr. Marks berufen wurde, der noch heute an der Spitze derselben steht. — Ober- Rabbiner vr. Hirschell eiferte mit Macht gegen diese Bewegung, und sprach 1842 über die „Britischen Juden", wie sich die Anhänger der Reform-Gemeinde nannten, den Bann (Cherem) aus. Derselbe war so streng, daß auch Jewish Chronicle dadurch verhindert war, einen Bericht über die Eröffnung der Reform-Synagoge zu bringen; doch schon nach kurzer Zeit wurde in Folge großer Opposition der Bann zurückgezogen. Nach vr. Hirschells Tode wurde vr. Nathan Markus Adler im Jahre 1844 zum Ober-Rabbiner von England berufen — und in den 46 Jahren seiner unermüdlichen Thätigkeit wurden die vielen jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten und Schulen gegründet, welche England jetzt besitzt. Wollten wir die Geschichte des „Jewish Chronicle" schreiben, so müßten wir die vollständige Geschichte der Juden Englands bringen, mit der sie aus das Engste verknüpft ist. „Jewish Chronicle" stand stets in der Mitte aller Bewegungen, die in den letzten 50 Jahren zu verzeichnen sind, und hat den Forderungen für Gleichberechtigung der Juden jederzeit entschiedenen Ausdruck gegeben und ihnen Geltung verschafft. Besonders anerkennenswerth aber ist die wirksame Unterstützung, welche „Jewish Chronicle" allen Wohlthätigkeits - Veranstaltungen hat zu Theil werden laffen, denn es erhob wiederholt und oft seine Stimme, wenn es galt, für die Armen und Kranken zu sorgen. Diesem Grundsatz getreu hat „Jewish Chronicle" sich auch in jüngster Zeit besonders hervorgethan, um den vertriebenen russischen Juden Hilfe zu bringen, und seiner eifrigen Mitwirkung ist es zu danken, daß in England so reichliche Beiträge für die armen Auswanderer gegeben wurden. „Jewish Chronicle" hat segensreich gewirkt zu jeder Zeit, und es kann mit Recht stolz sein auf den Erfolg, den es erreicht ha: Zu diesem Erfolg haben vor Allem die vielen Mitarbeiter beigetragen, die „Jewish Chronicle" in allen jüdischen Kreisen gefunden hat. Es ist ein Umstand, der nicht genug hervorgehoben werden kann, daß das Interesse der englischen Juden an ihrer Zeitung nicht nur darin besteht, auf sie zu abonniren und sie zu lesen, sondern daran selber thätig'mitzuarbeiten. Ein beredtesZeugnißdafür ist der „Sprechsaal" des „Jewish Chronicle", der in jeder Woche eine große Anzahl von Korrespondenzen bringt, die Vorschläge und

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