Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-WWWHWW WWW 11114114» ij |lt‘- 569 -- für Astrolog u. dgl. 'rr^2 sagt^). Daß unter ägyptische, syrische phömzische u. s. w. Gebräuche auch jüdi'sche subsumirt wurden — vielleicht nicht ohne Schuld der Juden — ist nicht zu verwundern, Dem Unfug, aus dem Wochentage oder aus den Planeten, unter dessen Einfluß die Geburt stand, das Schicksal und den Charakter eines Menschen bestimmen zu wollen, also dem *770 D'. treten freilich im Talmud gewichtige Autoritäten mit Berufung au* Deuter. 18, 13 entgegen und behaupten ^7tt pX bK*TE7,i?* 2). aber was die klaren und vernunftgemäßen Vorschriften des Mosaismus bei denjenigen verinögen, welche Folter, Hexenproceffe und derartigen Wahnglauben um sich pflegen sahen, kann man aus der Behandlung des (Schulchan Aruch) Jore Dea §, 179 durch die Glossatoren lernen. Und doch, welch' ein Gegensatz besteht zwischen dieser Kontroverse über *??£ V' oder nicht, was doch schließlich nur heißen soll, ob auch auf einen frommen, gottergebenen Mann Nativitäts- und andere astrologische Einflüsse Geltung haben oder nicht, und derjenigen Anschauung, welche unserem an die Spitze dieser Betrachtung gestellten Spruche zu Grunde liegt. Der ganze sittliche Unterbau, auf dem sich der Talmud erhebt, konnte einen Gedanken oder vielmehr eine Gedankenlosigkeit, wie sie die Redensart „Alles kommt auf Glück an" nicht ertragen; noch weniger aber den Zusatz, der, wie es scheint, im Laufe der Zeit sich angefügt hat ^N'22V fl"D und der selbst das Heiligste, toas es für den Juden giebt, auch dein Spiele des Glückes preisgiebt. Von einem solchen Worte konnte auch nur eine Richtung sprechen, die man als eine Abirrung von dem vernunftgemäßen Wege des Judenthums bezeichnen möchte, die kabbalistische. Im S o h a r3 *) werden die Einwendungen gegen den Zusatz "v l^’BK hervorgehoben und dann beseitigt, wenn sich auch die oft gemachte Erfahrung bestätigt, daß die Einwendungen (Dl'tPp) meist begründeter sind, als die „Abwendungen" (D^nri) Schließlich wird man es mit der durchgehenden Richtigkeit eines Sprüchwortes nicht gar so genau nehmen; wie viele solcher Sprüchwörter, die wir im Munde führen, enthalten nur eine halbe Wahrheit oder noch weniger. Eine ähnliche Nachsicht mochten wir auch in Anspruch nehmen, wenn wir den Begriff des rHIJI “iBD auf dasjenige ausdehnen, das doch in letzter Instanz auf die Heilige Schrift zurückgeht, auf die jüdische Literatur; einer solchen Nachsicht werden wir wohl eher begegnen, wenn wir von den eigenthümlichen Schicksalen, die über dies Gebiet günstiger Arbeiten gekommen sind, sprechen wollten. In den vier bis fünf Jahrzehnten, seitdem Zunz den Aufsatz: „Die jüdische Literatur/')" geschrieben ist es zwar mit dieser Literatur etwas besser geworden, aber nicht mehr; die Erwartungen, die Zunz ausgesprochen, der Mann, der bei dem Mangel der Anerkennung für seine große Leistungen doch im Glauben an die Bedeutsanikeit der jüdischen Literatur und seine Schaffensfreudigkeit nicht gestört worden, sie sind nur in sehr geringem Maße in Erfüllung gegangen. Hat doch selbst eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Kenntniß von jüdischem Schriftthum, wie sie z. B. bei Delitzsch sich vorfand, eben dazu ausgereicht, längst widerlegte Anklagen gegen das Judenthum in ihrer aus unglaublicher Unwissenheit hervorgegangenen Falschheit nachzuweisen. Hat doch selbst für die Grundlosigkeit der Blutbeschuldigung nur ein christlicher Gelehrter Zeugniß ablegen dürfen. Daß Männer wie Delitzsch und Strack, deren Christenthum jenseit alles Zweifels steht, für das Judenthum eintreten mußten, ist ein unangenehmer Beweis für die Richtigkeit des ^>2'N2V77"2 SföS bsH, das im Judenthum keinen Boden gefunden. In gewisser Beziehung findet der launige Spruch seine Anwendung auch auf die Schicksale jüdischer Büchersammlungen'); „in gewisser Beziehung", weil Deutschland bis jetzt in letzter Linie gestanden. Wir können nicht behaupten, daß David Oppenheim und H. I. Michael die Ahnung gehabt, daß ihre großartigen Sammlungen aus Deutschland auswandern werden; jedenfalls haben die Zunz'sche Bibliothek und die selten reiche Handschriftensammlung Halberstamms diesem Schicksal nicht entgehen könne». Ob die Trauer um den Hingang N. Brüll's in Frankfurt a. M. auch durch den Verlust seiner Bibliothek für Deutschland verschärft werden wird, ist noch anheimgestellt. Mögen wir uns mit der Hoffnung auf bessere Zeiten begnügen; vielleicht kann das herannahende fin du siede uns zu einer solchen Hoffnung berechtigen. Die Gründung von Anstalten zur Ausbildung von Rabbinern hat die Anlegung von jüdischen Bibliotheken zur Folge gehabt. Die Bibliothek der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" in Berlin hat, wie die Anstalt selbst in fast zwanzigjähriger stiller Wirksamkeit in immer weiteren Kreisen Anerkennung gefunden, schon einen respektabeln Umfang erreicht. Es ist nicht gerade die baute finanee, die in dieser Weise ihre Liebe zur Wissenschaft des Judenthums bezeugt hat; aber die Abwesenheit großartiger Mittel ist durch den Seelenadel der Geber oder vielmehr Geber nnen ersetzt worden. Einen großen Theil der besonders für Orientalin reichen Sammlung des Professors Dr. M. A. Levy in Breslau, so wie diejenige des Prof. Dr. Fürst in Leipzig verdankt die Bibliothek dem edlen Sinne einiger Damen, deren Namen zu nennen uns nicht gestattet ist. Die Geigersche Bibliothek ist von Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde und noch vor ganz kurzer Zeit diejenige des Predigers Dr. Ritter von den Erben desselben der Bibliothek der Lehranstalt zugewendet worden. Durch kleinere Zuwendungen und Anschaffungen seitens der Verwaltung hat die Bibliothek der Lehranstalt bereits die Höhe von 8326 Bänden erreicht, wozu 60 Handschriften, 255 einzelne Predigten, 255 Convoluten, 592 Doubletten in acht Catalogen kommen. Wenn man nun erfährt, daß in der Nacht vom 3. zum 4 September 1891 in Folge einer in einem unteren Stockwerk ausgebrochenen Feuer die Bibliothek in der dringendsten Gefahr war, in Asche verwandelt zu werden, so wird wohl Mancher, dem ein solches Ereigniß nahe geht, gesagt haben: „das war ein Glück" oder nach alter Weise :^2'7722>N"O 7^'B8*?7Q2 '7^71 Das mögen übrigens die Abergläubischen, die Gläubigen und die Ungläubigen unter sich ausmachen, wenn sie sich nur in der Bethätigung der Liebe zur Wissenschaft des Judenthums zusammeufiudeu.' U Was haben wir zu thun, um Jüdinnen zu lein 2 Von Adele Kronen der g. Der Artikel des Herrn Professor Steinthal: „Giebt es noch Jüdinnen?" hat mich mächtig erregt, so daß ich versuchen will, in derselben Sache einige Worte zu reden, obwohl ich sehr wenig federgewandt bin. r) Vgl. Aruch ed. Kohut 8. V. 2) Sabbat 156a. 8) XIWO' III, 134a ed. Amp. 4) Zur Geschichte und Literatur S. 1—21, *) Bal. Zunz n. a. O. S. 230 st. *) DnSflOÖ nvipnst ll'VI 717272 Sota II a Ein ähnliches Bedenken hindert uns, den Namen der hochherz gen Dame zu nennen, die im Anschluß an das edle Bermächtnih ihres früh entrissenen Mannes der Lehranstalt und deren Ltudirenden von Anfang an eine seltene Zuneigung in Rath und That zugewenoet hat-