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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-11-27 · Heft 48 (27.11.1891) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 48 (27.11.1891)
Date
1891-11-27
Page
Seite 566 (sequence 2)
Language
German
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fff - 566 ---? / ' '^.m'buvuiii bu* jd)bu|tc Zeugnis; ab. Vltifu't ucii ^muniibton, den Kollegien der jüdischen Lehrer-Bitdungsanstalt und der jüdischen Gemeindeschulen, den Zahlreichen Schülern des Tahingeschiedenen batten sich auch hervorragende Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde eingefunden, vom Gemeindevorstande die H. H. Justizrath Meyer und Direktor Herrmann, vom Vorstände des deutsch-israelitischen Gemeinde-Bundes Herr Geh.-Rath Kristeller, von der Alliance Herr Sanitätsrath Reumann, dann die Rabbiner der Hauptgemeinde und von der ^äas-sisroÄ vr. Hildesheimer, ferner die Prediger der Reformgeineinde :c. n\ Die Leichenrede hielt Rabbiner Dr. Maybanm. In beredten und tief zu Herzen gehenden Worten schilderte er beit Dahingeschiedenen zunächst als Gelehrten und dann als Charakter, seine Milde im Urtheil, seine Menschenliebe, seine Lust am Wohlthun u. s. w. Im Namen der jüdischen Lehrer-Bildnngs- Anstalt sprach Direktor Dr. Holzmann den Dank aus für den heiligen Eifer, der in dein Dahingeschiedenen glühte und mit dem er die Zöglinge der Anstalt in den religiösen Geist der Propheten eiuführte. Er schloß mit den Worten: „Auch an dir wird sich der Satz bewähren, auf den du in der letzten Unterrichtsstunde im Seminar bei Besprechung der Unsterblichkeit hinwiesest, daß nämlich der Vers Daniel 12, 3 „„Aber die Weisen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsveste"" sich ganz besonders auf die Lehrer beziehe." Rachdem noch im Namen des „Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" Herr Dr. Julius Steinschneider einige warm empfundene Worte gesprochen, wurde die Bahre mit den sterblichen Resten des Dahingeschiedenen von seinen Kollegen, den Lehrern des Seminars, zu Grabe getragen. Seinen Leib haben wir der Erde übergeben, sein Geist aber wirkt fort in seinen Schülern und in seinen Werken, und sein Andenken wird zum Segen sein für späte Geschlechter. d Aie K olo ni satiou sfr a gr. Bon Karl Emil Franzos. ^Fortsetzung.') Wir glaubten auch deshalb eine Aufrollung der gefammten palästinensischen Frage in unserer Kommission oermeiden zu sollen, aber auch vernteiden zu dürfen, weil wir nicht mit der Beantwortung der Frage beauftragt sind, ob Juden etwa auf eigene Kosten nach Palästina auswandern sotten oder nicht, sondern einzig mit der Beantworttmg der Frage: Ist Palästina jenes Land, welches wir unfern Auftraggeberlt als das für Anlegung seiner Kolonie bestgeeignete empfehlen können, oder müssen wir ein anderes Land für diese Kolonisation vorziehen? Wir haben die Antwort sehr sorglich erwogen, ihrer Wichtigkeit, wie des äußeren Umstandes wegen, weil zahlreiche Petitionen russisch-jüdischer Vereine, Palästina betreffend, an uns gelangt sind. Die Aufmerksamkeit, mit der wir dieselben prüften, war deshalb keine geringere, weil die Voraussetzungen, unter welchen der größte Theil der Petitionen gerade an uns gelangte, irrige waren. Die Petenten waren nämlich der Meinung, daß wir der gefammten Judenschaft bezüglich der Kolonisationsfrage Anträge zu unterbreiten beauftragt seien, daß es sich dabei nur um die Frage: „Nordamerika oder Palästina" handle, daß sich die gesammte deutsche Judenschaft für Nordamerika entschieden, und daß es sich in letzter Stunde darum handle, dieses Projekt über den Haufen zu werfen und Palästina an seine Stelle treten zu lassen. Dieser Jrrthum war zum Theil durch eine dreiste fette Zeitungsente hervorgerufen. Knapp nach der ersten Delegirten-Versammlung vom 9. Juni brachte nämlich ein sonst sehr vorsichtig redigirtes Berliner Blatt einen höchst kuriosen Bericht über den Verlauf dieser Versammlung. Dort wurde u. A. erzählt, daß die palästinensische Frage der Hauptgegenstand der ersten Konferenz gewesett und daß die Dinge sich so gestaltet: die Engländer und Franzosen hätten mit aller Hingebung, aber ohne jeden Erfolg für Palästina gestritten, während die Deutschen mit Ungestüm dagegen zu Felde gezogen wären. Aber dieser Sieg der Deutschen sei kein vollständiger gewesen, weil die Engländer und'Franzosen die Einberufung einer zweiten Konferenz durchgesetzt hätten, welche erst definitiv darüber entscheiden werde, ob Jerusalem oder New-Uork das Endziel sein solle. Nun, m. H., diejenigen von Ihnen, die dem ersten Delegirtentage nngewohnt haben, wissen, daß der Verfasser dieser Zeitungsnotiz sich da nicht als Berichterstatter bewährt hat, sondern als Fabeldichter. Es ist von all dein auch nicht eine Silbe wahr. Palästina ist nur einmal und von einem Redner erwähnt worden. Der Herr Vertreter der Pariser Allianz sagte nämlich, als er in einer kurzen Uebersicht aller Kolouisationsprojekte auch Palästinas erwähnte: „Der Boden ist jetzt bereits dort sehr theuer." Das ist die einzige Bemerkung, die über Palästina siel, und sonst war von der ganzen Angelegenheit nicht mehr die Rede: eine Kolonisationsdebatte, geschweige denn eine hitzige Debatte, in welcher sich Deutsche und Ausländer gegenüber gestanden wären, haben wir überhaupt nicht gehabt. Dies aber glaubten die Petenten, — denn jene Ente ist durch nahezu die gesammte europäische Presse gegangeu — und so meinten sie, sie müßten den Franzosen und Engländern zu Hilfe kommen, um New-Iork zu beseitigen. Deshalb war, sagte ich schon, unsere Aufmerksamkeit bei der Prüfung jener Petitionen keine geringere, und ebensowenig deshalb, weil die Gründe allergroßtentheils solche der Weltanschauung, der religiösen und nationalen "Aspirationen sind. M. H., wie begründen die russischen Juden in den Petitionen, die an uns gelangt sind, ihren Wunsch, nach Palästina und nur nach Palästina geführt zu werden? Ich halte eine Mittheilung darüber an Sie aus doppelten Gründen für einen Akt der Gerechtigkeit. Erstens weil es sich doch hier um das Schicksal dieser Menschen handelt«, weil sie hier keine Gelegenheit haben, uns durch einen Sprecher aus ihrer eigenen Mitte ihre Wünsche auszudrücken. Aber es ist auch ein Akt der Gerechtigkeit gegen unsere Kommission. Sie hat eben durch mich erklären lassen, die Gründe in diesen Petitionen seien fast durchweg solche der Weltanschauung. . Gestatten Sie uns den Beweis dafür. Dieselben Gründe kehren in alten Petitionen wieder. Es sind die folgenden: 1. Die Petenten seien nicht blos nach dem Glauben, sondern auch nach der Nationalität Juden und sie wollten beides bleiben. Daß sie auch in Amerika bei ihrem Glauben bleiben könnten, wüßten sie wohl, sogar fromm könnten sie dort bleiben. Aber ihre Nationalität würde verloren gehen, sie würden eine fremde Sprache annehmen müssen u. s. w., und das wollten sie nicht. In Palästirta, auf ihrer Väter Boden, könnten sie auch ihre Nationalität behalten. An der liege ihnen auch unendlich viel, und ihre Kinder sollten dieselbe Sprache — es ist, m. H., das sogenannte „Judendeutsch" gemeint — sprechen, wie sie selbst. 2. Ueberall könnte man des Glaubens wegen verfolgt werden, auch in Amerika, nur in Palästina nicht; dort herrsche Frieden unter Allen imb darum auch kein Judenhaß. 3. Die Kolonien in Palästina blühten, dort gehe es den Meisten aus eigener Kraft vortrefflich, von dort kehredaher auch Niemand zurück. Hingegen gehe es vielen Inden in "Amerika schlecht und sie müssen heimkehren. 4. Die ganze russisch-jüdische Nation sehne sich nur nach Palästina, sonst nirgendwohin, und zwar schon aus religiösen Gründen. Angenommen, es ginge ihnen dort nicht gut, so wollten sie doch an den heiligen Stätten selbst bei Wasser und Brod glücklich sein. 5. Gegen Amerika spreche, der Unterschied des gefammten Naturells und der Lebensgewohnheiten der dortigen Bevölkerung von der jüdischen. Anders in Palästina Das deutsche Central-Komitee möge nicht vergessen, daß die russischen Juden selbst Orientalen seien und daß sie sich daher im Orient am wohlsten fühlen würden unter den anderen Orientalen, die dasselbe Temperament und dieselben Lebensgewohuheiten hätten. l>. Die politischen Zustände in Palästina seien ihnen sympathisch, die Amerikas besor gnißerr egend. „Namentlich muß das Uebermaß an politischen Freiheiten unseren daran nicht gewöhnten Brüdern in mancherlei Hinsicht in Amerika gefährlich werden, während diese Gefahr in Palästina völlig ausgeschlossen ist." 7. Jetzt gingen nach Palästina auch viele Reiche. Diese könnten den Armen helfen, so daß die Komitees dort viel weniger Sorge für die Armen haben würden.. — di

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