Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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- Abraham ibn Ezra 1× ep/1003189
- Akiva Eger Jr. 1× ep/1002957
- Akiva ben Joseph 1× ep/1003279
- Budapest 1× ep/1002374
- David Cassel 1× ep/1004032
- David Rosin 1× ep/1023561
- Elberfeld 1× ep/1047889
- Gustav Karpeles 1× ep/1004713
- Halberstadt 1× ep/1047932
- Karl Emil Franzos 1× ep/1026099
- Ludwig Philippson 1× ep/1005814
- Martin Philippson 1× ep/1023177
- Rudolf Mosse 1× ep/1006826
- Wrocław 1× ep/1002369
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55, Jahrgang. Nr. 48. Allgemeine Serlin» 27. November 1891. ettung des Audenchums. Gm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Redactenr: Gustav Karpeles. Begründet von Naübrner Dr Ludwig Philippson-Ävun. Veriags-ErpedMon: Berlin, Lerufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin S'lV., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. In ha lt» Leitartikel r Dr. Jacob Eaers von A. Levh. - Die Kolonisationsfrage. Von Karl Emil Franzos. (Forts) — Glückstern und Unstern. Von David Cassel. — Was haben wir zu thun. um Jüdinnen zu sein. Von Adele Kronenberg. — Am Sterbetage Leopold Komperis. Von Wilhelm Goldbaum.Ludwig Philippson. Von Prof. Dr. Martin Philippson. (Fortsetzung.) — Zum 50jährigen Jubiläum des „Jewish Chronicle". Von Benas L epp. —Feuilleton: Der heilige Herr. Roman von Ferdinand Diefsenbach. Fortsetzung.) — Der Acher. Von I. Löwenberg. Der Oemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten r Berlin, Siegburg, Crefeld, Elberfeld, Marburg, Samter, Wien, Prag. Budapest, Moskau. — Bon Nah und Kern. — Miseellen. V* Jacob Ggers. Von A. 8ebt). Einen Mann, ebenso hervorragend durch Gelehrsamkeit und Tugend, wie geadelt durch seine Abkunft von den bedeutendsten Männern der jüdischen Gelehrtenwelt, haben wir am Freitag den 20. d. M. zu Grabe getragen. Die jüdische Wiffenschaft hat einen ihrer eifrigsten Forscher, das Judenthum einen begeisterten Bekenner, die hiesige Gemeinde aber und deren wissenschaftliche Institutionen einen unermüdlichen Mitarbeiter an dem großen Werke der Ausbreitung der Gotteserkenntniß verloren. Di-. Jacob (Akiba) Egers, ein Nachkomme des berühmten Rabbiakiba Eger, welcher um die Mitte des vor. Jahrhunderts Oberrabbiner zu Preßburg war und das Werk „Mischnat di Rabbi Akiba" verfaßt hat, ein Enkel des berühmten Halberstädter Rabbiners Akiba Eger und Großneffe des noch berühmteren Posener Oberrabbiners gleichen Namens, war zu Halberstadt am 18. Januar 1834 geboren, absolvirte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog im Jahre 1854 die Universität Berlin.. In seinem Äbiturientenzeugniß befindet sich die Bemerkung, daß er im Griechischen nicht ganz den Anforderungen entsprochen habe, weil er durch anhaltendes Talmudstudinm zu sehr davon abgelentt worden sei. Als im Jahre 1859 die (jetzt I.) Religionsschule der hiesigen jüdischen Gemeinde unter Leitung des vr. David Rosin eröffnet wurde, trat er bei derselben als Lehrer ein. Im Jahre 1800 verließ er Berlin, um das Rabbinerseminar zu Breslau zu besuchen und gleich einer langen Reihe seiner Ahnen sich dem Rabbinerberufe zu widmen. Bald aber sah er ein, daß er für diesen Beruf nicht geschaffen sei und zog es vor, sich ganz der Gelehrtenlaufbahn hinzngeben. Nach Berlin im Jahre 1862 zurückgekehrt, übernahm er wiederum eine Lehrstelle an der Religionsschule, an welcher er bis 1873 wirkte. Nach dem Tode Lebrechts und dem Ausscheiden Haarbrückers trat er als Dozent in die Veitel-Heine-Ephraimsche Stiftung ein, an der er bis zu seinem Tode wirkte. 1874 wurde er als Religionslehrer an die hiesige jüdische Lehrer-Bildun-gs-Anstalt berufen. Als Lehrerbildner sowohl, wie als Forscher hat er Bedeutendes geleistet. Auf der» Gebiete der jüdischen Litteratur des Mittelalters und der Neuzeit galt er als Autorität, das Arabische und Syrische beherrschte er ebenso wie das Hebräische und Chaldäische. Dabei war er nicht etwa ein trockener Lexikograph, dem die Erzeugnisse der Litteratur weiter nichts sind als Forschungsobjekte, an welche das Sezirmesser der Kritik gelegt werde, nein, er fühlte und empfand mit den Autoren. Die jüdische Litteratur war ihm nicht nur eine Wissenschaft, sondern ein Lebenselement, die Luft, die er athmete, die Nahrung, die ihm Kraft und Gedeihen gab. Der Richtung seines Gemüthes entsprechend, hat er sich mit Vorliebe den poetischen Erzeugnissen der mittelalterlich-jüdischen Litteratur, besonders aus der spanisch-arabischen Epoche zugewandt. Sein Hauptwerk war der „Divan des Abraham ibn Esra," den er nach einer einzigen vorhandenen Handschrift herausgab und mit Erklärungen und Anmerkungen versah. Ein Zeugniß von seinem unermüdlichen Gelehrtenfleiße geben zahllose Artikel in den verschiedenen Jahrgängen von Steinschneiders „Hamaskir." Dabei war und blieb das Studium der hl. Schrift in der Ursprache seine Lieblingsbeschäftigung. Körperliche Leiden, die sich bei ihm in den letzten Lebensjahren einstellten, vermochten es nicht, ihn auch nur im Geringsten von seinen ernsten und anstrengenden Studien abzuziehen. Jedoch mag es als ein Beitrag zur richtigen Erkenntniß seines Charakters gelten, daß in seinem schriftlichen Nachlasse neben einer Menge von gelehrten Notizen, eine von ihm selbst angelegte und eigenhändig geschriebene Sammlung deutscher Volkslieder gefunden worden ist. So lehrte und wirkte er bis zu seinem letzten Athemzuge. Am Montag, 16. unterrichtete er von 4—5 in der ersten Seminarklaffe und von 6—7 hielt er eine Vorlesung in seiner Wohnung. Da, inmitten seiner Thätigkeit, traf ihn ein Schlaganfall, und obwohl ärztliche Hilfe bald zerr Stelle war, erholte er sich nicht wieder, sondern ivurde Dienstag früh von seinem Leiden erlöst. Es würde ein falsches Bild des Verblichenen geben, wollten wir in ihm nur den Gelehrten und nicht auch den Menschen betrachten. Bei all seiner Gelehrsamkeit und all seinem Forscherfleiße hatte er ein verständnißvolles und theiluehmendes Herz fiir seine Mitmenschen. Wie er seinen Verwandten bis in den entferntesten Grad ein treuer und anhänglicher Freund war, so war er seinen Schülern ein immer bereiter Rather und Helfer, der es verstand, an ihren kleinen Sorgen so theilzunehmen und reichlich Hilfe zu spenden.. Auch ihm ganz Fernstehende wandten sich nie vergeblich an seine Hilfsbereitschaft; er hatte stets ein offenes Herz und eine offene Hand. Wie beliebt und angesehen er4var, davon legte die rege Betheiligung an seiner