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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-11-20 · Heft 47 (20.11.1891) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 47 (20.11.1891)
Date
1891-11-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 -0IG- Grätz, nn November. Am ln. d. M. wurde, wie die „Posener Zlg." berichtet, das von Herrn Rudolf Messe in Berlin gestistele Dr. NLossesche .Krankenhaus eingeweiht. Das nach den neuesten Erfahrungen der Krankenhaus hygreine eingerichtete Gebäude war festlich dekorirt. Der 10. November war als Sterbetag des sel. Dr. Masse, Vater des Stifters, zur Einweihung gewählt worden. Die Feier wurde Nachm. 1 Uhr damit er öffnet, daß die Tochter des Baumeisters CH ocieszynski, welchem die Ausführung des Baues übertragen war, ein die Krankenpflege und die Stiftung behandelndes Gedicht vortrng und die Schlüsse^ Herrn Rudolf Masse überreichte. Letzterer hielt eine Ansprache, dankte den städtischen Behörden für die Annahme der Stiftung, für die richtige mxb vorzügliche Ausführung des Bau-Projekts, den Königlichen Behörden für die erwirkte allerhöchste Genehmigung zur Annahme dieser Stiftung, wünschte, daß das Krankenheim im Sinne seines seligen Vaters, der hier mehr als 30 Jahre in aufopferu.dster-Weise, verehrt von allen Bürgern, als Arzt gewirkt und gelebt, verwaltet werden rnöge. Sodann überreichte er die Schlüssel Herrn Beigeordneten Grünberg, welcher den als Zeugen zum Schwurgerichte in. Meseritz geladenen und deshalb abwesenden Bürgermeister Bantsch vertrat. Herr Grünberg übernahm die Schlüssel, dankte dem Stifter für die Schenkung und übergab die Schlüssel bann dem Vertreter der Lazarethkommission, Stadtrath und Sanitütsrath Dr. Rubensohn. In längerem Vortrage schilderte nun Herr Kreisphystkus Dr. Rubensohn die Entwickelung des Krankenwesens in Grätz, die Geschichte des Balles und der inneren Ausstattung des Krankenhauses, betonte besonders, wie durch die Gewährung der erforderlichen Mittel (84,(>00 Mk.) nicht nur der Ban selbst so hergestellt werden konnte, daß er als Musteranstalt vor: Fachnlümlern anerkannt wird, solldern auch das Operationszimmer so mit Jnstrnlnenteil ausgerüstet ist, wie kaum, mit Ausschluß der Stadt Posen, ein zweites im Reg.-Bez. Posen existiren dürfte. Hieraus wllrde unter Leitlwg des Herrn Dr. Rubensohn ein Ruudgang dlrrch das Kranken- und das sich anschließende Desinfektionshaus vorgenommen. Gegen 3 Uhr fand im Kutzner'scheu Saale ein Festessen statt, an dem außer den Ehrengästen die städtischen Behörden und eine größere Anzahl unserer Bürger sich betheiligten. Der erste Toast lvurde vom Beigeordneten Grünberg auf den Kaiser ausgebracht, Rabbiner Dr. Friednlanu toastete auf den Stifter, Stadtverordneten - Vorsteher Herzfeld auf die gesarmnte Mofsesche Familie, Sanitätsrath Dr. Litthauer elltwickelte in gediegener Rede die edle Moral, die der sel. Dr. Mosse lvähreud seiner ganzen Lebenszeit bewiesen, wie er sie in der Erziehung seiller Killder bis zum Tode zur Geltung gebracht, wie gerade ihm fein schönerer Denkstein als ein Krankenhalls errichtet werden kolvlte. Er dankte den städtischen Behörden für das Interesse und die Fürderullg des Baues und toastete ans das Wohl der Stadt und ihre Vertreter. {$ Schneidemühl, 10. November. Am 1. November d. I. waren oO Jahre vergangen, seitdem der Rabbiner Salomon Pleßner aus Berlin die hiesige Synagoge zu ihrer Bestimmung geweiht hatte. Am Jubiläumstage prangte die Synagoge im reichen gärtnerischen Schmucke. Nachmittags wurde ein Festgottesdienst abgehalten, bei welchem 50 Kinder, von einem Bläserchor begleitet, die Gesänge 'ausführten. Herr Rabbiner Braun, welcher seit 38 Jahren in unserer Gemeinde amtirt, hielt die Festrede, in welcher er alle auf das Jubiläum sich beziehenden Momente berührte lnld mit einem Gebete für Kaiser und Reich schloß. Sowohl zll dieser Feier als zll dem Abends stattgehabten Festmahle war der erste Bürgermeister irnserer Stadt geladen mxb erschienen. Allenstein, 16. November. Wie schon an dieser Stelle erwähnt, feierte am 2. November der Religionslehrer und Prediger Herr Tonn in der würdigsten Weise das Fest seines 50jährigen Amtsjubiläums. Die Feier legte Zeugniß davon ab, welche Anerkennung sich der Jubilar, welcher hier fast 30 Jahre sungirt, allseitig erworben hat. Am Festesmorgen, bei der Andacht in der geschmackvoll dekorirten Synagoge, wurde der Jubilar mit Gesang begrüßt. Darauf fand in der Wohnung des Jubilars eine erhebende Feier statt. Von früheren und gegenwärtigen Schillern und Schülerinnen des Jubilars wurden mehrstimmige Gesänge vorgetragen, an welche sich Deklamationen mit der Ueberreichung eines Lorbeerkranzes und eines Ehrengeschenkes, von den gegenwärtigen Schülern, anschlossen. Herr Lehrer und Prediger Sturmann, Oster o d e, ein langjähriger Freund des Jubilars , hielt die Festrede. Um 9 Uhr erschienen der Synagogelworstand, die Repräsentanten und Mitglieder der Schnlkommission. Der Vorsitzende, Herr Salzmann, hob die Verdienste des Jubilars in anerkennender Weise hervor und eröffnete demselben den Beschluß der Gemeindevertretung, nach welchem Herr Tonn mit einer Pension von 1000 M. jährlich in den Ruhestand versetzt wird. Gleichzeitig wllrde ihnr eine namhafte Summe als Ehrengeschenk überreicht. Mit bewegten Worten drückte der Jubilar allen Betheiligten für die ihm elltgegengebrachte Verehrung und Liebe seineil Dank aus. Nachmittag 2 Uhr trafen aus Königsberg die Herren Rabbiner Dr. Bamberger und Cberkautor C. Birnbaum zur Beglückwünschung ein. Die Direktoren des königl. Gymnasiums und der höheren Töchterschule beglückwünschten den Jubilar ebeilfatls mit einer herzlichen Ansprache. — Nachmittag 3 Uhr fand int Hanse des Herrn Tomr ein Diner statt, das durch mancherlei Toaste gewürzt wurde. Dell Abend verlebten Freunde llnd Kollegen in gemüthlichem Beisalumensein. Oesterreich-Ungarn. * Wien, 13. November. Die d i es w ö chen tl i che N u mm er der„Oesterreichischen Wochenschrift" verfiel der Konfiskation durch die k. k. Staatsallwaltschaft. Grund der Konfiskation war der leitende Artikel: „Das Glmibensbekenutniß eines „vereinigten Ehriftell" «Eine Denkschrift für die in Wien versanuuelten Kirchenfürsten)". In dieseiil 'Aufsätze wurden aus Broschüren und Schriften solcher antisem i sch er Schriftsteller, welche an der Redaktion Wiener antisellritischer Blätter noch derzeit theilnehmen, Allszüge über das Ehristenthum reprodnzirt, um zu zeigen, daß die journalistischen Wortführer der Wiener „vereinigten Christen" dem Ehristenthum gerade so feindselig gegenüber flehen, als dem Iudeuthum. Tie k. k. Staatsallwnltfchaft erachtete diese Reproduktion als unstatthaft. Die Redaktion hat deshalb mit Hmnwglassimg der beanstandeten Stellen eine zweite Auflage veranstaltet. Budapest, 5. November. Es ist eine befamtfe Thatfache, daß Mitglieder jüdischer Konfession in den Parlamenten sich häufig passiv verhalten, wenn Angelegenheiten ihrer Konfession verhandelt werden; sie entschuldigen sich in der Regel damit, daß sie ihr Malldat nicht als Jude, sondenl als Bürger erhalten haben. Eine ehrenwerthe Ausnahme machte in dieser Beziehung der ungarische Reichstags -'Abgeordnete Moritz Wahrmann; so oft jüdische Angelegenheiten zur Sprache kommen, tritt er mannhaft für dieselben ein. So hob er int Finanz- Aus schütz des Abgeordnetenhauses, dessen Präsident er seit vielen Jahren ist, erst gestern hervor, daß, lveun lnan es für eine staatliche 'Aufgabe erachte, die eiltzelnen Konfessionen zil unterstützen, es ein Unrecht fei, daß die jüdische Konfession mit der lächerlich geringen Summe voll 50oo Gulden subventionirt werde. Als der Kultusminister Graf Eß-ky ihm darauf erivlederte, daß die Zinsen des in seiner Verwaltung stehendell Schulfonds von einer Million ausschließlich für jüdische Unterrichts- und konfessionelle Zwecke verwendet werdell, bemerkte Wahrmann mit Recht, daß jener Fond von den Ju.den selbst hergegebelt worden sei, der Staat somit für jüdische Zwecke sehr wenig oder gar nichts leiste. Der Fond ist in den letzten vierzig Jahren llicht gewachsen, aber die Inden haben au Zahl bedeutend zngenommen. O Agram, 8. November. Am Dienstag den 27. Oktober ist unser hochverehrter Gemeinde-Vorsteher Herr Mar Stern, Ehef der Firma Jg. Stern u. Söhne, einem hartnäckigen Herzleiden uad) lwöchentlicher Kraltkheit erlegen, um in ein besseres Jenseits hinzutreten. Sein Hinscheiden erregte in allen Schichten der Bevölkerung wahrhafte Betrübniß, da er nicht nur bei uns, solldern auch bei uttfeveu christlichell RUtbiirgerll üt hoher Achtung stand. Durch K> Jahre stand er der hiesigen israel. Kultusgemeinde als Vorsteher vor. Der Verstorbene fühlte sich trotz hoher Auszeichnungen und Ehrettstellen durch ttnb durch als Jude, der seine Stelle als Vorsteher nach 'Außen wie nach Innen bestens repräsentirte. Er zählte zu den fleißigsten Besuchern des Tempels. Auch nahlll der Verstorbene an allen ultserell Institutionen ein warmes Interesse. Charakteristisch für seine Bescheidenheit ist es, daß er dar Wunsch äußerte, ihm am Sarge feine Kränze uiederzulegen. Diesem Wunsche des Verblichenen wurde Folge gegeben, ulld widmete man die hierfür bestimmt gewesenen Beträge den hiesigen Bilduugsulld Wohlthätigkeits-Anstalten ohne Unterschied der Konfession. Das Leichenbegänguiß, welches am 29. v. M. stattfand, zeugte von der Beliebtheit, welcher sich der Verstorbene erfreute. Mau sah Deputationen der Efseker, Warasdiuer und Sisseker Kllltusgenleiude, ferrter beu 'Agranler Bürgermeister Dr. ^Allrrus mit dem gesammten Genleiuderathe, die Halldelskammer mit ihreru Präsidenten; die Landesregierung ließ sich durch

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