Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1891)
- Date
- 1891-11-20
- Page
- Seite 563 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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. -. - - ' ' ' -- 503 .- des. Wir ersehe», wie falsch, wie einseitig Vas Bild ist, das Treitschke und seine Nachbeter von dem deutschen Liberalismus der dreißiger Jahre entlvorfen haben, den sie insgesammt als in blinder Anbetung des Fremden, der Ausländerei befangen darstellen; wie irrig es ist, wenn sie solche Richtung als eine spezifisch jüdische zu bezeichnen lieben. Der begeisterte Protest gegen die Ausländerei, den wir hier kurz charakterisirt haben, diese glühende Verherrlichung spezifisch deutschen Wesens, gehen sie nicht gerade von einem jüdischen Jüngling aus, der sich im deutschen Vaterlande auf Schritt und Tritt von kleinlichem Vorurtheil gehindert und zurückgestoßen fand, dem dasselbe die Mittel zum Studium, jede ehrenvolle Laufbahn, die Möglichkeit angemessener Bethätigung seiner reichen Geisteskräfte und seines ausgedehnten Wissen versagte? Daß trotzdem Männer dieses jüdischen Stammes zu den besten und patriotischsten Deutschen gehören, ist wahrlich für denselben das ehrenvollste Zeugniß! Haben jemals deutsche Juden gegen den sie unterdrückenden Staat die Reichsfeinde herbeigerufen, wie die französischen Kalvinisten, die englischen Katholiken es gethan? Nein, sie wirkten, sie stritten und sic sielen für das Volk, das sic beschränkte und mißhandelte, und von dem einzelne Bestandtheile sie noch jetzt zu Parias heruntersetze» möchten! Doch kehren wir zu dem jugendlichen Ludwig Philippson zurück. Seine einmal angeregten historischen Studien setzte er nun auch zum Desteir seiner Glaubensgenossen fort, für die sein Herz nicht minder umriii schlug, als für das größere Vaterland, Nach dieser Richtung veröffentlichte er, unter dem Pseudonym Ludwig Schragge, die Abhandlung: „Wie verloren die Juden das Bürgerrecht im west- und oströmischen Reiche?" (Berlin, Fröhlich 18-52). In dieser Schrift stellte er chronologisch alle im Theodosianischen Kodex zerstreut aufgenommencn Gesetzesnovellen zusammen, durch welche die einst das völlige römische Bürgerrecht besitzenden Juden desselben allmählich voll den christlichen Kaisern beraubt worden sind. Hierbei trat die überraschende Thatsache hervor, daß diese Beschränkungen ausschließlich al>s religiösem Fanatismus hervorgegangen waren, einige dieser Gesetze geradezu aussprachen, daß die Juden keineswegs durch ihr Verhalten solche Benachtheiligung verdient hätten. Aus dieser historischen Thatsache zog der Verfasser logische lind praktische Folgerungen auch für den damaligen Stand der staatsrechtlichen Verhältnisse seiner Glaubensgenossen. Die treffliche Arbeit fand allseitigen Beifall; ihr Kritiker in den „Göttingischen gelehrten Anzeigen" nannte sie geradezu die beste Schrift, die zu Gunsten der Einanicipation erschienen' sei. Auch sonst verlor er das Judenthum und die jüdischen Studien nicht außer Augen. „Ich verkehrte," erzählt er in einem späteren Aufsätze, „in dem Hause des Dr. I. Heinemann, Mitgliedes des ehemaligen israelitischen Konsistoriums des Königsreichs Westphalen und Herausgebers der Zeitschrift Jedidja. Er war ein tüchtiger Hebräer und Peinlicher Talnuidist, und verdankte ich ihm hierin manche Unterweisung.' Ich hatte mir auf dem Grunde der aristotelischen Poetik, in Verbindung-mit damals sehr verbreiteten Ideen Creuzers, eine eigenthümliche Ansicht gebildet von einer urmytholvgischen Phase des. Menschcngcistes, aus welcher einerseits das philosophische Denken, andererseits die spätere mythologische Gestaltung der antiken Religionen emporgcspcvffen sei. Ich suchte diese Ansicht auch in der heiligen Schrift — und fand sie natürlich darin. Auf dem Grunde einer ausführlichen philologischen Beweisführung stellte ich diese Ansicht in einer Abhandlung dar: „lieber das mythische vorhomerischc Zeitalter und dessen Spure» in den Denkmälern des hebräischen Volkes". Sie wurde abgedruckt im ersten Hefte des 8. Bandes der Jedidja (18.31). Diese, trotz der Philologischen Gewandung rein spekulative Anschauung wurde durch die später erfolgte Entwickelung der vergleichenden Sprnchwisscnschafi thcils beseitigt, theils bestätigt." Ist eine solche Fülle bedeutender Arbeiten bei einem Zwanzigjährigen schon staunenswertst, so wird es geradezu unbegreiflich, daß derselbe außerdem Muße und Kraft zu nmfaffcndcn dichterischen Schöpfungen fand. Philippson versuchte sich auch auf dein dramatischen Gebiete. Neben einem kleinen Singspiel „Merlin" schrieb er ein Trauerspiel „Robert Bruee", das uns in der Folgerichtigkeit des Planes, in der Lebendigkeit der Handlung, in der Kraft der Sprache und der Reinheit des Versmaßes die beste seiner dramatischen Schöpfungen zu sein scheint. Er sandte cs im März 1832 an Ernst Raupach ein, der damals ein gefeierter Bühnendichter war und das Repertoir des Königlichen Schauspielharises zu bestiininen hatte. Indes; der eitle Mann, welcher in Berlin das Monopol im historischen Schauspiel beivahreu wollte, sandte das Stück zurück, nicht ohne dasselbe später für seine eigene Dramcnfabrikation nusznnützen. Es ist nie gedruckt worden. - (Fortsetzung folgt,- d -«*- FEUILLETON Ber heilige Herr. Historischer Roman von Ferdinand Dieffenbach. (Fortsetzung.) „Ja," sprach Iwan, „und die Kaiserkrone strahlte in glänzendem die ganze Höhle erleuchtendem Licht". Darauf luieber Salomon Schor: „Und auf den Armen trug die hohe Frau ein kleines Kind!" „Und um seinen Kopf glänzte ein Lichtreif," ergänzte Iwan. Darauf Salomon Schor: „Und über der hohen Frall schwebte ein Engel, der sprach: „Siehe, das ist die holde Sephira," fuhr Iwan in der Rede seines Genossen fort, „siehe, sie ist ans kaiserlichem Blut, ihre Mutter ist eine Kaiserin des Erdballs, ihr Vater aber ist Malta Kadischa. der heilige König." „Ihr Vater aber ist der heilige König," rief Salomon Schor. „Heil, Heil Dir Jacob, der Du bist aus dem Hause Davids, Dir ist dieses Kind beschieden, Dein ist die holde Emuna, ans welcher der Welterlöser geboren werden soll." Und Iwan fuhr fort: „Und darauf sing der Säugling reden an und sprach: „Ich grüße Dich Vater, derDu bist in demHerrn." Darauf wieder Salomon Schor: „Du aber nahmst der Frau das Kind ab und die Frau küßte es und sprach: „Bleib ruhig, mein Kind, ich werde wieder erscheinen und Dich zu mir erhöhen, wenn Deine Stunde gekonnuen ist." „Und die Frau und der Engel verschwanden und es ward finster in der Hohle." „Deine Frau zog das Kind groß, und als es zwei Jahre alt war, mußten wir vor den Mnhamedanern von der Türkei flüchten und da brachten wir Beide es mit nach der Ukraine." „Könnt Ihr das, was Ihr hier in meinem Beisein der Jungfrau gesagt habt, beschwören?" fragte der Baron. „Ich schwöre zu dem allmächtigen, großen, furchtbaren Gott." sprach Salomon Schor, „das; ich ihn auf seinem Thronwagen, wie einst der Prophet Ezechiel, gesehen habe utib die zehn Sephiroth wie Mee-reswogen um ihn herbransen. Ans diesem hörte ich eine Stimme hervorgehen, die mir zurief: „Gekommen ist Euer Heiland, er heißt Jakob," rief der alte Jwa