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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-11-06 · Heft 45 (6.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 45 (6.11.1891)
Date
1891-11-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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55. Jahrgang. Nr. 45. 'IjßtV ߣrli“’ 6' ^Eber 1891 WeiLcrge zur „Attgemernen Zeitung des IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. # Berlin, 3. November. Die Versendung der Fragebogen an die Vorstände der jüdischen Gemeinden in Deutschland Zur Herstellung des „Statistischen Jahrbuchs des Deiltsch-Jsraelitifchen Gemeindebundes" für das Jahr 1892 ist in den jüngsten Wochen erfolgt. Leider sind die Gemeindevorstände tiod) nicht genügend von der Wichtigkeit dieses Buches durchdrungen, sonst hätte es kaum Vorkommen können, daß in manchen Jahren etwa vier Fünftel aller allgefragten Gemeindeil mit ihrer Antwort im Ausstallde blieben. Daß unter solchen Umständen Unrichtigkeiten in ziemlicher Anzahl im Jahrbuch vorhanden waren, ist erklärlich. Da aber lveite Kreise an möglichster Korrektheit der statistischen Angaben ein großes Interesse haben, ja da das Fehlen von Namen oft für die Betroffenen von direktem Schaden sein kann, so empfiehlt es sich, daß sowohl die Gemeindebeamten, als auch die Leiter der verschiedenen Jllstitnte und Vereille ihr Augenmerk auf die baldige und ausführliche Antwort seitens des betreffenden Vorstandes richten. Im Zweifelsfalle dürfte es geratheil sein, direkte Angaberl all das Bürean des Deutsch-Israelitischen Genleilldebundes (Berlin W., Sigismnndstr. 5) zu senden. 5 Berlin, 4. November. Herr I. Singer, Herausgeber der „Allgemeinen Encyktopädie für die Geschichte ltub Wissenschaft des Judenthnms", ist im Begriff, ein Propaganda-Komitee zu bilden, dessen Aufgabe es sein wird. Subskribenterl für das große Unternehmen zu gewinilen. Von beu bisherigen Mitgliedern nennen wir: Dr. N. Ehrenfeld, Oberrabbiner voll Prag, I. Bralldeis, Buchhändler und Redakteur der „Jsr. Gdztg." (Prag^, Dr. M. H. Friedländer (Pisek), Gllstav Simon, Vieepräsideilt der Wiener Kultusgemeinde- Dr. A. Brüll (Fralltfurt), Buchhändler I. Kauffmann (Frankfurt), Dr. Loevy (Birkellfeld), Dr. A. Kohut (New-Aork), Prof. Jastrow (PHUadelphia), Seminardirektor Dr. Krouer (Hannover), Tr. I. Hamburger (Strelitz), Dr. Leimdörfer (Hamburg), H. Prague, Chefredakteur der ,,/Vi dnvesIsi'nölltvL-' k. Berlin, 3. Aovember. Indem auf der 1. Generalversammlung des Vereins ehemaliger Zöglinge der jüdischen Lehrer-Bildnngs-Anstalt zu Berlin^ gehalteneil Vortrage: „Ueber die Bedeutung des hebräischen Unterrichtes", führte Dr. Holzmann aus, daß, nachdem Männer, denen ein warmes Herz für das Judenthum uub eine gewisse Einsicht in die Bedürfnisse desselben nicht abzusprechen sei, sich gegen Beibehaltung des Hebräischen als einer Disziplin des jüdischell Religionsunterrichtes ausgesprochen haben, wie z. B. Lehmann in Dresden, Rabbiner Flaschner und in neuerer Zeit auch Lehrer und Prediger Eoblenz, es an der Zeit sei, die Nothwendigkeit desselben nachzuweisen. Holzmann sieht die wesentlichste Bedelltung des hebräischen Unterrichts darin, daß er die Jllgeild befähigt, ihre Ueberzeugnng dereinst aus dem Urtexte der Bibel selbst zu schöpfen. Die Nothwendigkeit des Lesens des Urtextes ober suchte er aus der Geschichte der Bibetübersetzullgen zu erweisen. Er zeigte, wie die verschiedenell Uebersetznngen irren und irre leiten föniieu, ba§ Bibelübersetzungen nicht Uebertvagnngen eines litterarischeil Erzeugnisses aus einer Sprache in die andere, wobei nur manche Feinheiten der Sprache oder der poetische Duft verloren gehe, sondern Urkunden des Glaubens der Ueberseher seien, unb daß sie für diejenigen, welche sie anerkennen, allmählich die Grundlage des Glaubells werden. Da nun die reine Quelle unseres Glaubens der Urtext sei, zu ihr aber, wenn llicht die durch das Judenthum niedergerissene Scheidewand zwischen Priesteril und Laien wieder aufgerichtet werden solle, Jeder müsse hinaufsteigen können, so sei der Unterricht im Hebräischen nothwendig. Erst llüchst diesem Momente erwähnte Herr Holzmanil als etwas.Selbstverständliches die Bedeutung des Hebräischen als der Sprache des Gem ei ndegebetes nub als eines Einheitsbandes sowie die Bedeutung des Urtextes der Bibel als der Quelle der Erhebung unb des Trostes für Jahrtausende. Die Resollition, welche im Anschluß an diesen Vortrag angenommen wurde, hatte folgenden Wortlaut: „Die Versammlung hält den Unterricht im Hebräischen für einen wesentlichen Bestandtheil des jüdischen Religionsunterrichtes und dessen Beibehaltung für durchaus geboten." SL Berlin, 2. November. Der in vielen Kreisen geäußerte Wunsch, einen iuterita11oitnteu Kongreß zu Gunsten der russischen Juden einzubernfen, scheint feiner Erfüllung nahe zu sein. Wie verlautet, beabsichtigt Baron Hirsch, Delegirte aller jüdischen Hauptgemeinden Europas und Amerikas zu einer gemeinsamen Berathung über das Loos der russischen Emigranten zusammenzuberufen. Es ist selbstverständlich, daß eine solche Versammlung keinen Gegensatz, sondern eine Ergänzung der Berliner Delegirtenversammlnng bilden wird. * Berlin, im Oktober. Das „Komitee ffür die Chanukabescheeruug" erläßt nachfolgenden beherzigenswerthen Aufruf: „Bei dem Herannahen der rauhen Winterszeit wenden wir itn§ wiederum mit der herzlichen Bitte au Sie, uns durch Beiträge an Geld, Stoffen und Jugendschriften in den Stands zu setzen, zu Channka die armen jüdischeil Kinder, welche Kommunalschulen besuchen, mit nothwendigen Kleidern, Stiefeln, n. versorgen zu können. Durch die wohlwollende Aufnahme, welche unsere Bestrebungeil bisher gesunden haben, waren wir im vorigen Jahre in der Lage, 943 Kinder zu bekleiden: über die Höhe uub Verwendung der eingegangenen Beträge erlaubten wir uns, Ihnen durch unseren Rechenschaftsbericht vom 10. Februar a. c. Mittheiluug zu macken. Bitterer noch als in früheren Jahren ist die Noth unserer armen Glaubensgenossen in diesem. Durch die Theuerung der Lebensmittel und wegen Arbeitsmangel fließen die Erwerbsquellen spärlicher uub bleibt ihnen kaum etwas übrig, um für die Kleidung ihrer Kinder die nothwendigsten Ausgaben zu bestreiten. Deshalb richten wir auch in diesem Jahre die ergebene Bitte an Sie, durch gütige Beiträge uns die Versorgung der hilfsbedürftigen Kinder zu ermöglichen. Frau M. S. Meyer, Vorsitzende, Margarethenstr. 18. Frau Julius 9teumann, stellvertretende Vorsitzende, Victoriastr. 31. Frau Max Benjamin, Schatzrneisterin, Königgrätzerstr. 8. Frau Sanitätsrath Dr. Mühsam, Schriftführerin, Jägerstr. 61a." Wir hoffen, daß das wachsende Bedürfniß auch eine wachsende Betheiligung unserer Glaubensgenossen zur Folge haben wird. GD Berlin, 3. November. Ein neues Werk gesunder Humanität wird in der nächsteil Zeit hier ins Leben treten. Herr Hermann Abraham, dessen Name auf dem Gebiete jüdischer Wohlthätigkeit bereits einen guten Klang besitzt, hat in der Klosterstraße 99 eine „Israelitische Volksspeiseanstalt" begründet unb die Kosten der Herstellilng, sowie des ersten Betriebes, aus eigenen Mitteln getragen. Die Eröffnung der Ailftalt, in welcher für Männer und Frauen getrennte Speiseräume sein werden, soll Mitte November erfolgen. Die Ailstalt wird Mittags von U2 bis 2 Uhr, Abends von l,s7 bis l/S Uhr geöffnet sein und wird die ganze Portion Mittagessen für 25 Pfennig, die halbe Portion für 15 Pfennig, die Abendsuppe nebst Zllbrod für 10 Pfennig liefern. Besonders zu erwähnen ist, daß für Familien und solche Personen, welche darum ersuchen, getrennt Räume vorhanden siild. Wir begrüßen es mit Freuden, daß durch die edle That des Herrn Abraham die Wohlthat der gemeillnützigen Speiseanstalten auch den unbemittelteil Juden zu Theil ivird, welche bisher durch die gewisseilhafte Befolgung der Speisegesetze von beu Segnungeil solcher sozialeil Wohlfahrtseinrichtungell ausgeschlossen waren. Hoffentlich wird es der Einsicht unb Energie des Begründers gelingen, diejenigen Klippen zil vermeiden, an welchen iu früheren Jahren ein Unternehmen ähnlicher Art hier in Berlin schon einmal gescheitert ist. K. Älllenstenr, 1. November. Herr Dr. NosenthaI in Rogase n ist zum Rabbiner der hiesigeil Gemeinde gewählt unb tritt am 1. Januar 1892 seine neue Stelle an. — Am 2. November d. I. feiert der Neligionslehrer Herr Toiin das Fest seines 50jährigen Amtsjnbiläums. Beinahe 30 Jahre fuilgirt Herr T. als Beamter in hiesiger Gemeinde. Es durfte von Interesse sein zu erfahren, daß die hiesige Gemeinde ein nachahmenswerthes Beispiel giebt, indem sie die Dieilstleistuilgell ihres Beamteil anerkennt und Herrll Tmit einer Pension voll 1000 Mark jährlich in den Ruhestand versetzt.

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