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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-10-30 · Heft 44 (30.10.1891) · p. Seite 524

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 44 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
Seite 524 (sequence 8)
Language
German
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W^^W^^HWWWWWWU während zahlreiche Freunde uns in anderer Hinsicht bereichert haben. Den folgenden Personen sind wir noch besonders verpflichtet: Mr. Epes S. Tixwell aus Cambridge für hebräische Amuletten und Messuses, dem Herrn Dr. Thomas Laurie aus Providence für ein syrisches Manuskript, Mrs. I. A. Swan, Cambridge, für drei Fragmente assyrischer Reliefs, Mr. John Orne, Cambridge, für einen Siegelring mit arabischer Inschrift, Mr. Isidore Spielmann in London für Schriften und Bände, welche die anglo-hebräische Ausstellung (1887) in London betreffen, Sr. Hochwürden Rabbiner N. Lipmann in London für mehrere hebräische Werke, Professor F. W. Maden, Brighton, für Abgüsse vieler hebräischer Münzen, Sir Henry Layard für ein Elsenbeininstrument, welches in den assyrischen Ruinen von dem Forscher Hormuzd Rassam gefunden wurde und welches der Spender als einen „Schreibstiel" auffaßt, der Bibliotheque Nationale in Paris für eine Kopie der berühmten babylonischen Recorde, Mr. W. F. Petrie und den Verwesern des palästinensischen Erforschungskomitecs für Kopien werthvoller Objekte, welche von Mr. Petrie in Lachisch gefunden wurden, Vir. Isidor Löb, der Alliance Israeli te de Paris für Papierabschnitte zweier hebräischer Epitaphe, Dr. Reinhard Hoerning vom British Museum London und Dr. Guisburg, London, für die werthvolle Unterstützung bei der Erwerbung von Manuskripten. Ein vor Kurzem eingelaufener Brief des Herrn Robert N. Troppan aus Rom theilt uns mit, daß dieser Herr einen Original-Schekel nach Amerika mitbringen will. Besonders verdienstvoll, so schließt Professor Lyon, haben sich um das Museum die Herren Professor Leon Henzey vom Louvre und Professor Adolf Erman vom Museum in Berlin gemacht, und ich würde undankbar sein, wollte ich nicht anerkennen, wie viel wir insbesondere diesen beiden Gelehrten schulden." E Wie wir bereits am Anfänge dieses Artikels sagten, liegt uns p nichts ferner, als unfern Brüdern jenseits des Oceans in irgend 1 welcher Weise ihre schöne Sammlung zu mißgönnen, allein wir J können andrerseits uns nicht des Ausspruches enthalten, daß, wenn | cs unseren Stammesbrüdern in Amerika möglich war, in so r verhältnißmäßig kurzer Zeit mit so bescheidenen Mitteln ein so hoch- I interessantes Museum zu schaffen, lim wie viel leichter müßte es uns | auf dem Kontinent sein, eine derartige Stätte des Wissens und der Belehrung zu bilden. Wir haben in diesem Artikel aus Professor Lyons Beschreibung erfahren, daß die Sammlung in Harvard zumeist aus Objekten besteht, welche dem Alterthum entnommen sind. Ein Museum mit solchen Objekten ließe sich in Europa bedeutend leichter schaffen als in Amerika; selbstverständlich aber könnte man sich bei uns nicht damit begnüge». Die Sammlung müßte mit den ältesten Stücken beginnen, nach Jahrhunderten geordnet werden Is und bis in die neueste Zeit reichen. Dadurch wäre sie auch für die minder gebildeten Klassen zugänglich. Es müssen sich in Sammlungen und im Privatbesitz werthvolle Schatze, bestehend aus Tempeleinrichtungen, Friedhofreliquien lind Hauswirthschaften befinden, und unzweifelhaft könnte nichts besser zum Festhalten an der Religion Fund ihre Traditionen beitragen, nichts besser zur Bekämpfung der Irrlehren und des Atheismus der Jugend dienen als die Schaffung 5 eines semitischen Museums, in welchem dem wißbegierigen Schüler | Gelegenheit geboten wird, seine Kenntnisse zu erweitern, währenddem I Zweifler gezeigt werden könnte, auf welchen ehernen Pfosten unsere! Religion beruht und auf welche Weise unsere Geschichte nachweisbar ist.! : * Nas Auge in Bibel und Talmud. Ein Effay von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner in Berlin. (Fortsetzung.) 3. Das Auge in Halacha und Agada. I. Die Halacha als Ausdruck dessen, was das Volksbewußtsein, beeinflußt von den Bedürfnissen und Anschauungen der Zeit, in seinem öffentlichen und privaten Leben als religiös gestaltete, fand mannigfache Berührungspunkte, das Auge in den Kreis seiner Erörterungenzu ziehen. Mit dem Bestände des Heiligthums zu Jerusalem war auch der Bestand und die Bedeutung des Priesterthums unlöslich verknüpft. Der Priester als Diener und Wächter des Heiligenlebens sollte das Volksthum am reinsten und kräftigsten darstellen, vor Allem die Heiligkeit der Gemeinde in sich verkörpern (Lev. 21, 6); der Begriff der Heiligkeit aber stand im Bewußtsein des ganzen Alterthums mit äußerer Reinheit und Gesundheit in engster Verbindung1); daher durfte der Priester weder einen angeborenen, noch einen durch Verletzung oder sonst entstandenen Leibesfehler haben; sein Auge mußte ganz gesund sein, es durfte nicht triefen, noch etwas an sich haben, was auf mangelhafte Sehkraft schließen liefe2), und wären ihm auch nur die Wimpern ausgefallen, er mußte, schon um des unangenehmen Eindrucks willen, den ein solches Auge macht, dem Heiligendienste fern bleiben8). Beim Salben des Königs und Hohenpriesters wurde das Oel zwischen die Augenbrauen gegossen4). Während die egyptischen Priester die Unverletzlichkeit der Augenbrauen lehrten2), weil diese als Geschenke der Natur mit der Geburt verliehen werden, mußten nackmosaischem Gesetze die Augenbrauen des vom Aussatze Befallenen abgeschnitten werden (Lev. 19,4); hingegen war es verboten um der j Todten willen Einschnitte um die Augen zu machen (Deutr. 14, 1; Lev. 19, 28) — ein Trauerbrauch, der bei den meisten Völkern des heidnischen Alterthums heimisch war2). Besondere Beachtung fand die Frage betreff der Heilung des kranken Auges am Sabbat. Ein Auge, das merklich aus seiner Höhlung trat, durfte geheilt werden1). Ein krankes Auge durfte mit Augensalbe gepinselt2) und um des triefenden, stechenden, gerötheten, thränenden Auges willen burfte der Sabbat entweiht werden2). Das Auflegen von Blättern zur Kühlung des kranken Auges12), ebenso das Herbeiholen eines Skorpionauges") ist gestattet, hingegen ist es verboten, Collyrium als Augensalbe am Sabbat zu bereiten12) unb Wein und nüchternen Speichel innerlich zu gebrauchen12). Die später stark verbreitete Sitte des Schminkens gab ebenfalls zu halachischen Diskussionen Veranlassung und ob auch das Schminken bald als Schreiben, bald als Färben angesehen wurde"), so war es der Frau dennoch gestattet, an Sabbat und Festtagen sich zu schminken"); hingegen war es ihr verboten, diese Thätigkeit an anderen vorzunehmen12), ebensowenig dürfte sie der Mann zwingen, in Zeiten der Trauer lim einen nahen Verwandten Schminke an Auge und Gesicht zu legen"). Den Liebesdienst, Sterbenden die Augen zuzudrücken, kennt schon das heidnische Alterthum12); auch dem jüdischen ist er nicht fremd. h Vgl. Knobel zu Lev. S. 437, 520. 2) Rum. 21, 20; Bech. 44 a. 8) Bech. 43b. 4) Hör. 12a. 5) Vgl. Magnus, a. a. O. S. 5, A. 2. «) Vgl. Jes 8, 24; Jer. 16, 6; 41, 5; 47, 5; vgl. Cyrop. 3. I, 13; 3,3, 67; Her. 4, 71. ') Jer. Sabb. I4a. 8) u.9) Ab. f. 28b. 10) Sabb. 109, s. Raschi z. St. ") Jer. Sabb. 144. ") Jer. Sabb. 3ä, ib. 10b. ") Jer. Sabb. 14ä und Sabb. 108b. «) Sabb. 94b fl^rTD filßtöS 7121112 nnd ib. 95a niQ15£ DltPÖ N^N12- 15) 3er. Beza 6b. w) Sabb. 95a. ") Jer. M. kat. 83a. 18) Vgl. Homer II, 11, 453; Odyss. 11, 426; 24, 296; vgl. Grohmann, ct. a. O. S. 188: Werden dem Verstorbenen die Augen nicht gut zugedrückt, dann sucht er sich einen seiner Freunde aus, der ihul bald Nachfolgen muß.

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