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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-10-30 · Heft 44 (30.10.1891) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 44 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
Seite 523 (sequence 7)
Language
German
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111'p#**'»-- *'m -^“ - 523 Nahen politischen und anderen Verbindungen der Hüten und Persier einerseits und der Israeliten andererseits. Die Hitten hatten ausgedehnte Verbindungen sowohl mit den Assyriern als mit den Hebräern, und unzweifelhaft wurde entweder die hittische Kunst durch die assyrische beeinflußt, oder es war das Gegentheil der Fall. Die Schrift konnte bisher nicht entziffert werden, und die sechs beschriebenen Tabletten in der Kollektion geben Material für neue Untersuchungen nach dieser Richtung hin. Der hittische Löwe, ein Geschenk des Herrn F. D. Mocatta in London, ist wunderhübsch hergestellt und ist sowohl kostbar wegen der kunstvollen Ausführung, als wegen der langen Inschrift. Vom kulturhistorischen Standpunkte aus mußte Persien außerordentlich von Babylonien beeinflußt sein, und es ist dies aus den Abdrücken in unserer Sammlung ersichtlich; während es wieder andererseits die größte politische Macht war, mit welcher sowohl die Babylonier, als die Hebräer zu rechnen hatten. In dem letzten Kasten sehen wir außer dem bereits erwähnten Löwen einige wunderhübsche babylonische Grenzsteine und Stücke phönizischer und arabischer Begräbnißkunst. Die Abdrücke in den Kästen aus dem Fußboden gehören zu den werthvollsten Stücken der ganzen Sammlung. Um nur beispielsweise einige anzugeben, wollen Sie sich hier einige bronzene und steinerne Gewichte in der Gestalt von Löwen und Enten besehen, welche aus der Handelszeit der Babylonier und Assyrier herrühren. Von den zwei größten Enten wiegt jede ein halbes Talent; dagegen sind die Löwen Bruchtheile der Gewichte. Unter anderen hochinteressanten Gegenständen finden sich hier auch Dolchgriffe, Siegel und Steinsägen. Die Imitationen sind so vorzüglich, daß sie nur schwer vom Originale unterscheidbar sind. Fünf der Stein- und Tonbücher verdienen ebenfalls erwähnt zu werden. Sie bestehen aus einem Vers, der sich auf den Sonnengott seinem Tempel zu Sepharvim bezieht; ferner auf ein Geschenk über Land seitens eines babylonischen Königs an seinen Diener; weiter der keilförmige Bericht über die Sintfluth, ein Bericht über Nebuchadnezars Bauthätigkeit und ein Verkauf von Grund im 6. Jahrhundert v. Ehr. In einer anderen Abtheilung sind die Manuskripte zu sehen, von denen bereits gesprochen wurde. Ebenso Photographien und Gypsabdrücke. Diese Letzteren sind hebräischen und phönizischen Ursprungs. Einige derselben flammen aus Carthago und geben eine gute Idee von dem Kunstsinn und der Schreibweise, welche zu jener Zeit bekannt waren. Der interessanteste Abdruck ist ein Buch Nebuchadnezars. Das Original wurde von Babylonien im Anfänge dieses Jahrhunderts gebracht und befindet sich gegenwärtig in der Bibliothek des Last India House in London. Es enthält 10 Bände; vier auf jeder Seite und eines an jeder Ecke. Im Ganzen enthält es 621 geschriebene Linien und bezieht sich ebenfalls auf Nebuchadnezars Baupläne, seine Ausschmückung der Tempel und Götter, sowie die Vergrößerung der Opfer. Nun tväre noch zu erwähnen der große Sarkophag von Eshmunazzar, Königs von Sidon, aus dem vierten Jahrhundert v. Ehr., mit einer wichtigen phönizischen Inschrift. Ferner die affyrische Gottheit, welche bei unserer heutigen Festlichkeit präsidirt. Die Höhe dieses Objektes machte es unmöglich, es in diesem Zimmer mit den andern Objekten, unterzubringen. Das Original stammt aus dem Anfang des 9. Jahrhunderts. Es wurde als Wache vor dem Thore eines assyrischen Palastes aufgestellt. In ihrer Darstellung repräsentirt diese Gottheit die Stärke eines Ochsen, indem sie dessen Hörner trägt, ferner die Kraft eines Löwen, die Schnelligkeit eines Adlers und die Intelligenz eines Menschen. Ihr nobles Air und „bezauberndes" Lächeln haben sich nicht in den verflossenen achtundzwanzig Jahrhunderten geändert. Sie ist ein beredtes Zeichen der immensen semitischen Kraft, dessen Geheimniß sie einst bewachte. O große assyrische Gottheit, wärest du im Stande, deine Gefühle in dieser heutigen Umgebung, hier, weit entfernt von den Ufern deines heimathlichen Tigris auszusprechen! Bei einer Besichtigung wie der heutigen, ist es kaum möglich, die Objekte von jenem Standpunkte zu betrachten, wie sie von Demjenigen betrachtet werden, der Zeit und Muße hat, sich damit eingehender zu beschäftigen; außerdem ist dies bei Weitem nicht Alles, was unserer Sammlung einverleibt wird. Es befinden sich in der letzteren viele kleinere Artikel, sehr viele semitische Photographien und, was besonders zu erwähnen ist, der Abdruck eines großen Monuments aus dem 8. Jahrhundert v. Ehr. mit einer langen aramäischen Inschrift, — die älteste, die je gefunden wurde. Wir empfingen diesen Abdruck aus Berlin mit der Bedingung, daß er so lange nicht ausgestellt wird, bis gewisse Fragen bezüglich des Eigenthumsrechtes erledigt sind. Dieses Objekt befindet sich daher unter Verschluß, doch läßt sich erwarten, daß die betreffende Angelegenheit binnen einiger Monate erledigt werden dürfte. Was Sie hier sehen, ist bei Weitem nicht Alles, was wir Ihnen zu zeigen gedachten. Vom British Museum in London erwarten wir Abdrücke von 100 der besten assyrisch - babylonischen Siegel, vom Berliner Museum eine beträchtliche Zusammenstellung zu unseren hittischen Objekten und vom Louvre in Paris babylonische, assyrische, arabische, hebräische, moabitische, palmistische, phönizische und persische Abdrücke in solch großer Anzahl und so vorzüglicher Beschaffenheit, daß dieselben an und für sich eine sehenswerthe Sammlung bilden könnten. Wenn wir sie bereits hätten, wäre es gar nicht möglich, sie unterzubringen. Die Ursache, warum sie noch nicht da sind, ist die, daß sie noch nie zuvor abgegossen wurden und die anzuwendende Vorsicht beim Abgießen ist eine ganz bedeutende. Die kleinen Abtheilungen in den Museen, welche sich mit dem Abgießen beschäftigen, haben in der Regel sehr viel zu thun. Vom Louvre erwarten wir Abgüsse mehrerer jener wunderbaren babylonischen Statuen, welche von M. de Sarzes bei Tello gefunden wurden. Diese Abgüsse werden so kolorirt wie die Originalien sein. Ferner erhalten wir eines der großen kolorirten Reliefs, welche von M. Dieulafoy aus den Ruinen von Susa ausgegraben wurden. Sie werden unter den Objekten eine große Anzahl assyrischer Sachen finden. Kein anderes semitisches Volk hat uns solche Kunst- und Litteraturschätze hinterlassen wie die Assyrier. Andererseits ist auf Abgüsse anderer semitischer Objekte nicht so häufig nachgefragt worden. Es existiren daher keine Formen, und die Ausftthrung der Ordres nimmt daher längere Zeit in Anspruch. Es wird jedoch das Nöthige veranlaßt werden, um nach dieser Richtung hin eine gleichartige Vertheilung zu erzielen. Was wir heute zeigen, ist nur der Anfattg, doch kommen die Objekte aus sehr vielen Ländern. Assyrien wird repräsentirt durch Stücke von Niniveh, Nimrud, Khorsabad, Kirk; Babylonien durch Tello, Sippar und andere Städte; Persien durch Objekte aus Urumia und Persepolis; Palästina durch Jerusalem und Lachisch; Phönizien wird repräsentirt durch Sidon und Carthago. Ferner giebt es Artikel aus Aegypten, Saba und Arabien. Es ist somit das ganze semitische Gebiet vertreten. Die Geschichte dieses Museums ist folgende: Wir begannen im Jahre 1889. Vor dieser Zeit, nämlich im Jahre 1887, erwarb die Universität 58 babylonische Tabletten. Im Juli 1888 gab uns Miß Ellen F. Mason von Boston sechs weitere und Mr. Stephen Salisbury aus Worcester im Februar 1889 noch 65 Stück. Ein Londoner Händler, welcher Verbindungen in Bagdad hat, sandte uns eine werthvolle Kollektion von Tabletten und Siegeln,

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