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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-10-30 · Heft 44 (30.10.1891) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 44 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
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' -—— 522 -°- Montag» und Co. — Nathaniel Montesiore — Edward L. Raphael und Gebrüder Stein mit 40,OM M. und viele Andere. Die Engländer haben gezeigt, daß das „jüdische Herz" noch immer von Mitgefühl voll ist für unsere leidenden Glaubensgenoffen, und daß Keiner sich seiner Pflicht entzieht, wenn es gilt, zu helfen und unverschuldete Noth zu lindern. 9 Gin semitisches Museum. Bon Ludwig Kohn. (Schluß.) Ein weiteres syrisches Manuskript, geschrieben im Jahre 1207, enthält Auszüge aus den Gospeln für den Kirchengebrauch. Viele Blätter davon sind mit Talg bedeckt und verwischt. Ich vermuthe, daß es die Thränen der Heiligen sind, denen es gehörte. Es finden sich ferner Zauberbücher vor, sowie Rollen, mittelst welchen die syrischen Christen böse Geister, Krankheit und Zufälle vertrieben. Von hebräischen Manuskripten besitzen wir eine große Thora, welche den vollständigen Pentateuch enthält; eine andere ist das Buch der Propheten und endlich das Buch der Klagen, in welchem jeder Vers in arabischer Schrift hebräisch übersetzt ist, eine weitere enthält Theile des Buches Jeremiah mit arabischen Erklärungen in hebräischer Schrift. Von arabischen Manuskripten besitzen wir einige Korans, ein Lexikon aus der BüchersammlungAkbar des Großen(Delhi 1556—1605). Es wurde von den Engländern bei der Erstürmung dieser Stadt mitgenommen. Andere dieser arabischen Manuskripte handeln von Medizin und Jurisprudenz. Zahlreiche weitere kleinere Originale können hier nicht erwähnt werden. Wir besitzen ferner an tausend Photographien, welche uns einen ausgezeichneten Ueberblick auf semitische Szenen, Gebäude, Ruinen und Kostüme geben, wie sie noch heutigen Tages bestehen. Wir haben da unter Anderen die Gebirge, Flüsse und Seen von Palästina und Nordsyrien, die Städte' Jerusalem, Jericho, Samaria, Joppe, Tyrus, Sidon, Damascus, Baalbeck, Palmyra; die Ruinen von Petra, die Berge von Sinai; Konstantinopel, gegenwärtig das politische Centrum einer großen semitischen Religion, und endlich Sevilla und Granada, wo semitische Kunst uns viele ihrer Meisterstücke hinterlassen hat. Ein Theil dieser Photographien soll der Sammlung einverleibt werden. Diese Abtheilung kan» ins Unendliche erweitert werden, und unzweifelhaft bilden Photographien einen wichtigen Bestandtheil zur Ergänzung des Museums. Die dritte Klasse der Sammlnng sind die Abdrücke der großen Monumente in europäischen Museen. Diese Abdrücke haben eigentlich denselben Werth für uns wie die Originale; sie sind in den meisten Fällen genaue Kopien. Für das Studium der Litteratur, der Geschichte, Kunst und Religion sind sie so treulich nachgeahmt, daß sie nichts zu wünschen übrig laffen. Es befinden sich thatsächlich darunter Abdrücke, welche, wenn es nicht die Aufschriften verrathen würden, für Originale gehalten werden könnten. Assyrien und Babylonien liefern hier den größten Theil. Wenn wir auf der linken Seite des Einganges beginnen, so haben wir sieben Kästen voll mit Abdrücken aus dem Palaste Affurbanipals. Diese wurden vor mehr als 40 Jahren in den Ruinen von Nimrud durch Sir Henry Layard ausgegraben. Hier sehen wir viele Szenen aus der Religion; die Kriegs- und Jagdzüge dieses mächtigen Monarchen, welcher 900 v. Chr. alle Feinde erdrückte und seine Siegesmonumente selbst auf den Bergen errichtete, welche das Mittelländische Meer überblicken. Seine Macht ist nicht nur in seinen Inschriften, sondern auch in. seiner Kunst für die Nachwelt zurückgeblieben. Nach diesem König kommt sein Sohn Salmanaffar an die Reihe, welcher in der Mitte des neunten Jahrhunderts vor Christi Geburt regierte. Dieser, soweit wir wiffen, ist der erste assyrische König, welcher eine direkte Verbindung mit den Israeliten hatte. Er hat Aufzeichnungen über seinen Krieg mit Ah ab und über Tributzahlungen Jehus hinterlassen.' Die zu Füßen des Königs knieende Figur ist Jehu. Nichts ist jedoch hier zu sehen von dem kühnen Rosselenker, der sich aus dem Marsche befindet, um einen Königsmord zu begehen und um den Thron Israels in Besitz zu nehmen. Mit Tiglathpileser, 745 bis 725 v. Chr., beginnt jener dauernde Strom assyrischer Besitznahme, welcher zuerst Israel und dann Judah zum Opfer siel. Diese Ereignisse werden von den Propheten in einigen ihrer besten Schriften erzählt. Drei der Abdrücke, von denen wir wiederum zwei Inschriften haben, stammen von Tiglathpileser und geben Kriegsszenen wieder, belagerte Städte, gepfählte Gefangene, gefangene Weiber in Wagen rc. Der assyrische König, welcher bei der Einnahme von Samaria im Jahre 722 v. Chr. das Königreich Israel zum Fall brachte, hieß Sargon. Aus der Zeit dieses Monarchen besitzen wir drei Abdrücke, eines von ihm selbst, den Theil einer Alabastervase mit seinem Namen darauf, und das Monument, welches er auf der Insel Cyprus zu jener Zeit aufrichtete, als diese Insel sich ihm unterwarf. Das Original, welches sich in Berlin befindet, wurde im Jahre 1845 nahe dem Larnaka gefunden. Auf der Stirnseite sieht man den König selbst, göttliche Zeichen und eine stark verwischte Inschrift. Auf beiden Seiten sind die Inschriften gut erhalten.. Die Rückseite war ehedem jedenfalls auch mit Schriftzeichen bedeckt; allein dies ist leider abgesägt, und der betreffende Theil konnte nicht gefunden werden. Ferner besitzen wir Abstiche von Sargons Sohn Sancherib, welcher zu Zeiten Jesaiahs Judah überschwemmte. Der interessanteste ist einer, welcher den König auf seinem Throne abbildet, und zwar auf einem Berge in der Nähe von Lachisch, wie er die Loyalitätsergebung dieser Stadt entgegennimmt. Sancheribs Sohn, Esanhaddon, welchem Judah tributpflichtig war, wird auf einer quadratförmigen Prisme dargestellt, welche interessante Symbole an einem Ende enthält. Assurbanipal, der berühmteste Regent von Assyrien, gab dem „British Museum" viele der besten Skulpturen. Von einer großen Anzahl derselben besitzen wir Abdrücke; besonders von solchen, die den König als Jäger und Krieger darstellen. Diejenigen, welche den König zu Pferde, mit den Jagdhunden nnd der verwundeten Löwin wiedergeben, werden mit Recht wegen ihrer Naturtrene bewundert. Nunmehr kommen wir zu einigen Abdrücken aus Palästina. Einer von diesen ist ein Abdruck einer Columne, welche im Winter 1789—90 zu Tell-Hessy ausgegraben wurde. Man glaubt, auf dem Platze, wo einst Lachisch stand. Hierdurch erhalten wir möglicherweise ein Bild der in dieser Stadt zu Zeiten des Königs David betriebenen Künste. Ferner haben wir die berühmte siloanische Inschrift, welche ungefähr 700 v. Chr. geschrieben wurde und von der Einrichtung einer Wasserversorgung handelt. Endlich haben wir eine griechische Inschrift vom Tempel Herodots, die Jeden mit dem Tode bedroht, der die geheiligte Stätte entweihen würde. Wir haben dann noch eine beträchtliche - Anzahl von Inschriften auf Grabsteinen, welche besonders für den Epigraphiker werthvoll sind. Die interessanten hittischen und persischen Reliefs, welche einen Kasten ausfüllen,^ gehören in eine semitische Kollektion wegen der

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