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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-10-23 · Heft 43 (23.10.1891) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 43 (23.10.1891)
Date
1891-10-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 .Lehrerb ildungs an statt zu Berlin stattgefunden. Das Programm war ein sehr reichhaltiges, die Betheiligung eine eifrige. Wir kommen in nächster Nummer ausführlich auf die interessanten Verhandlungen zurück. - * Berlin, 20. Oktober. Die ägyptische Abtheiluug der königlichen Museen hat von dem Fabrikbesitzer Herrn Julius Jsa ac in Berlin ein geschichtlich sehr bemerkenswerthes Denkmal zum Geschenk erhalteu. Es ist dies eilt großer Alabasterblock in Form eines heiligen Schreins, in dem einst die Gefäße mit den Eingeweiden des Königs Scheschonk I. (um 930 v. Ehr.) aufbewahrt wurden. Auf dem dachartigen Deckel des Schreines ruht ein theilweise im Relief gearbeiteter Geier. Auf den Seiten des Uutertheils fiub die Göttinnen Isis und Nephthys dargestellt, die mit ihren Flügel): den heiligen Inhalt des Schreines beschützen. Auf der Vorderseite steht außerdem noch der Name des Königs. Scheschonk I. ist eine auch in der Bibel erwähnte historische Persönlichkeit. Dort heißt er Schischak und ist derselbe, der im fünften Jahre des Königs Rehabeam nach Palästina zog, Jerusalem eroberte und von da die Schätze des Tempels und Palastes, namentlich die von Salomo gestifteten goldenen Schilde, mit sich wegführte. Der Schrein ist in dein „Saale des neuen Reichs" in dem ägyptischen Museum zur Aufstellung gelaugt. * Leipzig, 19. Oktober. Der Antisemit Ingenieur Fritsch war wegeil Herausgabe der bekannten Weihnachtsflugblätter vom Schöffengericht wegen grobeil Unfugs zu 20 Mark Geldstrafe und gut* Tragung der Kosten verurtheilt, auf erhobene Berufung aber von der Ferienstrafkammer freigesprochen worden. Gegen dieses Urtheil ist von der königlichen Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Dresden Revision eingelegt worden. Damit aber ist die Verllrtheilung Fritschs entschieden, kenn wegen derselben Flugblätter liegt bereitsein Präjudiz des Oberlandesgerichts Dresden vor, nach welchem in der Verbreitililg derselben grober Unfug zu erblicken ist. X. Hannover, 13. Oktober. Der Vorstand des hiesigen Deutschsozialen Vereins hatte auf Sonnabend Abend eine öffentliche Versammlung berufen, in welcher die Herren Dr. Paul Förster itnb Hans Leuß, Redakteur der „Hannov. Post", als Redner austraten. Entgegen der Behauptung des antisemitischen Blattes zeigte diese Versammlung eine ganz erhebliche Abnahme an Theiluehmer gegen frühere ähnliche Veranstaltungen. Herr Förster, der das Thema „der Niedergang des deutschen Geistes unter dem Einflüsse der Jndeli" gewählt hatte, vermochte in seinem 2*2 ständigen Vortrage durchaus nicht das Interesse der Hörer zu fesseln. Zur Freude seiner Parteigenossen theilte er ihnen einleitend mit, daß seine agitatorischen Reisen ihn in den letzten Wocheil u. A. in das Erzgebirge und in das Hessenland geführt haben, und daß überall sich ein stetiger Aufschwuilg der von ihm vertreteneil Parteirichtung zeige, was ihm von der Versammlung gern geglaubt wurde, da es ihr sehnlicher Wunsch ist. Auf seinen Vortrag näher eillgehen, hieße ihm zu viel Ehre erweisen, iiur so viel sei erwähnt, daß er beit schädlichen Einfluß überall verspürt, in der physischen Verkümmerung des Volkes durch die Verschlechterung der äußeren Lebens- und Erwerbsumstände, sowie auch in gesetzmäßiger und ungesetzmäßiger Vermischung der Deutscheil mit den Fremden, namentlich auf geistigem Gebiete, in der Litteratur, Kunst, Rechtspflege und im Parlament. Herr Redakteur Leuß hielt sodann seinen Vortrag über: „Antisemitische Enthüllungen des letzten Jahres", der nur allgemein Bekanntes in greller antisemitischer Färbung brachte. Er besprach besonders die „Fälle" Paul Lindau - Schabelsky, Mehring, Lindau-Dr. Devrient, und zuletzt kam die Angelegenheit Bleichröder zur Sprache, uild die noch schwebende Sache des Ingenieurs Paasch. Die Verfammlllng machte sich schließlich das kindliche Vergnügeil, zwei „Erklärungen" anzunebmen, die an den betreffeubeit Stellen, au die und gegen die sie gerichtet sind, ihres Eindrucks nicht verfehlen werden. Die erste derselben spricht dem Reichskanzler v. Caprivi Dank aus, weil auf seine Veranlassung das gerichtliche Verfahren gegen Bleichröder wegen Meineids wieder ausgenommen werden sollte. Die zweite ertheilt dem Hamburger Senat ein Mißtrauensvotum, weil derselbe unter Verletzung der Staatsgrundgesetze die Abhaltung ailtisemitischer Versammlungen in Hamburg verboten habe! Münster, 14. Oktober. Die Lehrerbildungsanstalt der Marks- Haindorf'schen Stiftung feierte heute den Ehrentag ihres Dirigenten, des Herrn Dr. Steinberg, dem es nunmehr vergönnt ist, auf eine fünfzigjährige Amtsthätigkeit zurückzublicken. Wurde diese Feier auch nur im engsten Kreise in aller Stille begangen, so wurde sie durch die hohe Auszeichnung, die dem Jubilar von Seiten der königlichen Regierung zu Theil wurde, bedeutend erhöht.. Als Vertreter des Provinzial- Schulkollegiums erschien der Herr Regierungs- und Schulrath Friedrich und eröffllete dem Jubilar, daß Se. Majestät der Kaiser allerguädigst geruht habe, demselben den Kroneilvrden vierter Klasse zu verleihen. In einer geistreichen, zu Herzen gehenden Ansprache hob dann der Herr Negierungsvertreter die hohe Bedeutung des Lehrerberufes für Staat und Gesellschaft hervor, verglich die Licht- und Schattenselten dieses Standes mit denjenigen anderer Stände, betonte die nie versiegende Freude, die dem Schulmann aus dem steten Verkehr mit der Jugend erblüht, und würdigte im Besonderen die Verdienste des Jubilars, der mit Treue und Gewissenhaftigkeit die schweren Pflichten seines verantwortlichen Berufes durch ein halbes Jahrhundert voll und ganz erfüllt habe. Hierauf nahm der Herr Jubilar das Wort, um einen Rückblick auf seinen Bildungsgang sowohl als auf seine 41jährige Wirksamkeit an dieser Anstalt zu werfen. Er schloß mit einem ehrfurchtsvollen Dank an Se. Majestät den Kaiser, der bei jeder Gelegenheit ein warmes Herz uild reges Interesse für Schule und Votkserziehuilg bekunde. Nachdem lloch der Präses des Kuratoriums, Herr Blumenfeld. dem Jubilar unter dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um die Hebung des Instituts die Glückwünsche des Gesammtkuratoriums dargebracht, schloß die ebenso würdige wie erhebende Feier mit etitem dreimaligen begeisterten Hoch auf Se. Majestät uild dem Absingell der Natioualhymlle. Wir rufen noch dem verdienten Herrll Jubilar die voll tzerzell kommenden Worte zu: Ad multos annos! B. Aus Württemberg, 11. Oktober 1891. Durch das Ableben desKönigsKarl haben die Israeliten W ürttembergs einen tiefgefühlten Verlust erlitteil, da unter dessen 27 jähriger gesegneter Regierungszeit erst die vollständige Gleichstellung der Jsraelitell mit allen Württembergern durchgeführt wurde. Auch die jüdischen Wohlthätigkeits-Vereme (Waisellanstalt Eßlingell, Israelitischer Lehrerunterstühungsverein) wurden alljährlich voll dem Höchstseligen König und seiner Hohen Gemahlin mit Gaben bedacht. Wen rührten nicht die schon mehrmals tu der Zeitung des Judenthums veröffentlichten herzlichen Glückwunschschreiben des verstorbenen Fürsteil an unsereir greisen Kirchenrath Rabb. Dr. voll Wassermann anläßlich des Antritts und der Vollendllllg dessen 80. Geburtstags? Die K. Israel. Oberkirchenbehörde hat deshalb aus Anlaß der Erkrankung Sr. Majestät einen Bittgottesdienst und jetzt nach dessen erfolgtem Ableben einen am 16. Oktober zu haltenden Trauergottesdienst mit Gesang, Gebet und Predigt über Spr. Sal. 12, 28 augeordnet. Oesterreich - Ungarn. * Wien, 18. Oktober. In Ottakring hielt Prinz Alois Liechlenslei n am 16. d. Mts. eine Wählerversammlung ab, in welcher auch der Abg. Schneider erschienen war. Derselbe erklärte: „Ich habe gefälscht, wenn man es so nennen kann, aber nur im Einverständniß mit beu Anderen." Seine Rechtfertigung fand die eillhellige Zllstimmung der Versammlung. Prinz Liechtensteiil schüttelte dem Redner warm die Hand. Bar nobile kratrum. * Prag, 18. Oktober. Heute feiert eine Zierde unserer Gemeinde, Herr Professor Dr. Jacob Fischel, sein fünfzigjähriges Doktor- Jubiläum. Geboren am 19. April 1813 in Lochowitz (Böhmen), promovirte der genannte Gelehrte nach Absolvirung philosophischer und medizinischer Stlidien am 18. Oktober 1841 an der Prager Universität. Obwohl er sich schon voll 1844 an dem psychiatrischen Fache gewidmet, wurde er zumeist wegen konfessionelleu Rücksichten, trotz feiltet Bedeutung, erst im Jahre 1868 zum Direktor der Landesirrenanstalt seitens des Landesailsschusses in Böhmen ernannt, nachdem er vorher als Sekundärarzt daselbst thätig gewesen. Während seiner Amtsthätigkeit als Direktor wurden die Filiale in Kosmanos und die großartig eingerichtete Landes- Jrrenanstalt zu Dobran gegründet, zwei Anstalten, die weit über die Grenzen des Landes hinaus als Musterinstitute bekannt sind. Bis zum Jahre 1885 blieb Professor Fischel Direktor der Irrenanstalt. Beginnende Kränklichkeit in seinem 72. Lebensjahre war der Gruild, um seine Pensionirung nachzusuchen, welche unter schmeichelhaften Anerkennungen seitens des Kaisers und des Laudesausschuffes erfolgte. Professor Fischels wissenschaftliche Thätigkeit war eine ungemein reiche. Er schrieb unzählige Abhandlungen über einzelne Kranke, Krankheitsformen, neu eingeführte Arzneimittel und Behandlungsmethoden, gab eine Monographie der Prager Irrenanstalt mit zahlreicheu statistischen Tabellen heraus, und was seine Vorlesungen anbelangt, so waren schon im Jahre 1848 unter seinen Schülern zahlreiche fremdländische Aerzte vertreten. Seine regelmäßigen theoretischen und praktischen Vorträge äiiü

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