Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1891)
- Date
- 1891-10-23
- Page
- Seite 513 (sequence 9)
- Language
- German
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513 sich als Eiterbläschen im Auge darstellt, * 2 3 4 5 * 7 8 * 10) und den Staar?) In den Augen Einzelner befindet sich Eiter bald außerhalb, bald innere halb des Äugest) Die Augen Einzelner zittern beständig. Dieses Zittern ist das Zeichen eines krankhaften Zustandes?) Augen, in denen das Weiße mit dem Schwarzen vermengt ist?) sowie die da schielen, d. h. die sich unruhig hin nnd her, auf- und abwärts bewegen?) lassen auf mangelhafte Sehkraft schließen. Unterschieden wird die Blindheit, die des Nachts gekommen, von der, die am Tage entstanden ist?) Als Borzeichen des Staars, der als dünner Flor im Auge definirt wird?) gilt ein lockerer Fleck.") Der Staar ist entweder ein vorübergehender oder ein eingewurzelter?") Er entsteht nach der Anschauung der Augenärzte des Alterthums und des Mittelalters — Galenus beherrschte eine lange Zeit die gesammte Heilkunst — in Folge der Ueberfiillung des Gesammtorganismus mit flüssigen Bestandtheilen durch das Eindringen solcher in das Auge.1l 12) Dementsprechend versuchte es die Therapie jener Zeit, durch Anwendung -innerer und äußerer Mittel, das Zuströmen von Flüssigkeiten jeder Art möglichst zu hemmen, dem Kranken solche Nahrung zu entziehen, die allzu reiche Produktion von Flüssigkeit bewirkt. Namentlich war der Genuß kleiner Fische, obgleich sonst der Genuß von Fischen empfohlen wird, verboten.^) Einerseits von dieser Anschauung ausgehend, andererseits wieder von dem Glauben beherrscht, daß durch medikamentiöse Maßnahmen, denen die Schwangere unterworfen wird, auf die Augen des Foetus direkter Einfluß genommen werden kann, ward die diätetische Vorschrift verbreitet: eine schwangere Frau enthalte sich des Genusses kleiner Fische, sowie der Kresse, damit die Kinder nicht mit triefenden oder schielenden Augen zur Welt kommen; hingegen ward der Genuß von Eiern vielfach empfohlen; diese sollen bewirken, daß die Kinder mit großen Augen geboren werden.^) Die Galle verschiedener Thiere galt, namentlich bei Hornhautflecken, als heilkräftig"). Ebenso schrieb *) Bech. 38b, Ab. s. a. a O.; vgl. Levy, Wb. s. v.; vgl. Eelsus VII, 7, 11: im Auge wächst zuweilen der oberste Theil empor, indem entweder im Innern einige Häute reißen oder sich ausdehnen; dadurch entsteht ein Bild, das dem einer Weinbeere gleicht, woher die Griechen dieses „Staftiloma“ nennen. 2) mp’-O, Sabb. 78 a.. 3) aClffl? tybüb und Mikw. 2, 4; Nidda 67a; S. Rcrschi z. St. 4) Jer. Ab. s. 40ä Bech. 43b p^, nach Maim. Einer, dessen Augen thränen, s. dag. Aruch und Naschi. 5) Bech. 44a, ib. 38a tt) Tos. Bech. E. üuaus, vgl. Bech. 44 a 7) Vgl. Git. 69 a. 8) plöttf ppH, vgl. Sifra zu Lev. 21, 20. ") Lech. 38 b. 10) “TMin oder , Bech. 38a und b; vgl. Fleischers Nachträge zu Levys Wb. S. ^02, Sp. 1. n) Vgl. Ebers, a a. O. S. 268 .,das sich Breiten des Wassers über die Augen" für Staar, von den Alten glaukosis., glaukoma, liüpochüsis, d i. das Darunter-, Dazugießen, vgl. Hirschberg, a. a. O. S. 15. Aus derselben Anschauung stammt die Benennung „schwarzes Wasser" bei den Russen für schwarzen Staar; vgl. hierzu Magnus, Gesch. des grauen Staars, S. 21. auch Levy, Wb. s. v. ‘i'HVirT 12) Vgl. Ned. 54b; Ket. 61a. ia) Ket. 61a. Nach Plin. 30, 15, 34 kann man den Kindern willkürlich dunkle Augen verschaffen, wenn man die Schwangere eine Maus verzehren läßt. ") Vgl. Tob. 6, 9f. 11, 7 f.; Nach Magnus a. a. O. S. 111 hat der Augenarzt Apollonius den Star mit der Galle des Hundes oder der der Hyäne behandelt. Pliuius empfiehlt die Gatte des Adlers oder gewisser Schlangenarten. Galen, de compos. pharmac. Lib. V die des Adlers, Stieres und der Meerschildkröte. man verschiedenen Thierexkrementen4), dem nüchternen Speichel), sowie der Schminkt) besondere Heilkraft zu. Von letzterer heißt es: sie vertreibe die Augenkrankheiten, vermindere die Thränen und befördere den Haarwuchs. Eine solche Schminke, die wahrscheinlich mit dem Collyrium der Hippokratischen Schule identisch war, wurde aus samischer Erde bereitet und in festem oder flüssigem Zustande angewendet4). War sie in fester Form, dann wurde sie vor dem Gebrauche mit Wein gefeuchtet''). Auch Earbasum mit starkem Wein") und Mangolds wurde als Heilmittel, Wein allein, auch Blätter zur Kühlung nnd Linderung bei Augenschmerzei?), der Skorpionstachel bei rothem Auge") angewendet. Als Heilmittel gegen den Staar wird empfohlen: Man bepinsele das vom Staar befallene Auge mit dem Blute einer Fledermaus oder mit dem des Hans- oder Auerhahnes. Als mnemontechnisches Mittel galt der Satz: Das Aenßere gehört zum Aeußeren, das Innere zum Inneren, d. h.: Das Blut des Auerhahnes, der sich außerhalb des menschlichen Wohnkreises aufhalt, wird bei äußeren, das Blut des Hanshahnes, der sich innerhalb des menschlichen Wohnkreises anfhält, bei inneren Krankheiten des Auges angewende?"). Als heilkräftig wird ferner empfohlen; man trockne eine siebengelenkige Eidechse, pulverisire sie und vermenge sie mit Angenschminke, oder: Man nehme sieben Milze von sieben Thieren, brate sie in einem Gefäße des Aderlassers, der Kranke setze sich nach Innen, der Gesunde außerhalb der Thürschwelle, sodann spreche der Kranke: „Gieb mir etwas zu essen!" worauf der Sehende erwiedert: „Nimm, und iß!"") Erwähnt sei noch, daß der Talmud auch die Heilung des Auges Thierexkremente wurden bei Augenleiden noch im Mittelalter angewendet, vgl die Schrift „Die Dreckapotheke." Nach Dioscorides ed. vgl. Ebers, a. a. £>., S. 219, A. 28. -) b&n p*H, Nidda 61b, Jer. Sabb. 14 u Marc. 8, 23, Apg. 9, 17; Joh. 9, 6, vgl. Tacit. Hist. 50, 4; Plin. 28, 7; Marcellus, de rriedic. empiricis, Basel 1536, S- 59, vgl. Löw. Gesammelte Schriften, 11. 86. 'ch *Yl^p oder Ab. s. 40d, Sabb. 109a; Plin. 33, 16; Stibium, das schon früher von den Semiten nach Aegypten gebracht wurde, wird in dem zitirten Pap. Ebers mehrfach als Salbe bei Llugenschmerzen schlechthin erwähnt; es diente auch dazu, Unreinheit und Schwären oder Schäden zu beseitigen und das Auge zu reinigen, vgl. Ebers, a. a. O. 206, 207 i. ö. 4) u. r>) yb'p p Zer. Demai 22 c. o) KDfinD/ Ab. s. 28 a. 7) p"nn Kp^D Ber. 39 a, 44 b: Ab. s. 29 a; Sanh. 64 a; vgl. Grohmann, Llberglaube und Gebräuche ans Böhmen und Mähren, S 97 „wer sich mit der wilden Nelke wäscht, ist vor Angenschmerzen gesichert," auch dem Schneeglöckchen, ib. S. 90, der Lichtnelke, der Kornblume, dem Jelängerjelieber, S. 98, wird Heilkraft für die Augen zugeschriebeu. s) Sabb. 108c u. 109a. °) Slpv Sabb. 14a. 10) Sabb. 78 a, vgl. Arnch, s. v. vgl. Ebers, a. a. O. S. 297, wo Eidechsenblut, Blut der Fledermaus bei Haar- oder Wimperkrankheit verordnet wird. Auch der Aberglaube slavischer Völkerschaften schreibt der Fledermaus Einfluß auf die Angen zu, vgl. Grohmann, a. a O. S. 58. n) Pes. 111b, Gitt. 69a, vgl. Plin. 29, 119, woselbst empfohlen wird: man röste eine lebendige Viper in einem reinen Gefäße, vermenge ne alsdann mit Fenchelsaft und Manna und bestreiche mit dieser Masse das kranke Auge; vgl. auch Grohmann, u. a o. S. 81: Sieben Kräfte werden der Schlangenhaut, die im Neumonde genommen und zu Staub geklopft wird, ungeschrieben; eine derselben ist: wenn du dich mit dem Wasser, in das etwas von diesem Pulver gestreut ist, zwischen den Augen wäschst, so kann dir Niemand schaden, d. h. dich berufen, beschreien. — Eine Zauberformel gegen den grauen Star ans Masuren, s. Frischbier, Hexensprnch nnd Zauberbarm, S. 33.